Freitag , 30 September 2016
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Es gibt mehr radioaktiven Müll als Gold auf der Welt

castor_transportbehlterWährend sich gewiss jeder nach dem Besitz von Gold sehnt, von dem rund 180.000 Tonnen bis dato geschürft worden sind, drängt sich die Gefahr des strahlenden, hochgiftigen Abfalls aus Kernkraftwerken eher selten in unser Bewusstsein. Allerdings, die USA alleine produzieren jährlich 71.000 Tonnen davon. 100.000 Tonnen wurden bis zum Jahr 1994 völlig legal in die Meere geworfen. Mangels geeigneter Endlager, türmen sich Berge davon in Hunderten von Zwischenlagern. Die mehr als nur tödliche Gefahr, die von den radioaktiven Materialen ausgeht, beschränkt sich jedoch nicht nur auf uns und unsere Kinder. Sie währt 200.000 Jahre lang.

Der venezolanische Staatspräsident Hugo Chavez erheitert mit provokanten Behauptungen gerne die Gemüter. Sein jüngster Kommentar, dass es vielleicht Kapitalismus war, der eine Zivilisation auf unserem Nachbarplaneten Mars ausgelöscht haben könnte, sollte jedoch eher zum Nachdenken anregen. Nicht des Mars’, sondern der Erde wegen. Seit dem tragischen Unfall im Atomkraftwerk Fukushima, in Folge der doppelten Naturkatastrophe, einer Kombination von Erdbeben und Tsunami, ist uns die Gefahr, die dieser Art der Energiegewinnung mit sich bringt, endlich einmal deutlicher vor Augen geführt worden. Doch nicht nur durch Unfälle, durch Lecks oder durch den Super-GAU baumelt ein nukleares Damokles-Schwert über unserem Planeten. Kein Mensch weiß, was mit Hundertausenden von Tonnen Atommüll letztendlich wirklich geschehen soll.

Deutschland, Japan, Frankreich, USA, in all den Ländern herrscht Demokratie. Somit ist das Volk, die Masse der Wähler, mitverantwortlich. Doch wurde diesem Volk wirklich anschaulich und verständlich erklärt, was für ein Monster – im wahrsten Sinne des Wortes – durch die Atomkraft erschaffen wurde? War es nicht auch hier, wie bei so vielen Entwicklungen in demokratischen Ländern, kommerzielles Denken, das jede Vernunft verdrängte?

Am Mittwoch wurde im österreichischen Fernsehen eine 28-minütige Reportage zum Thema Atommüll gesendet. Zu Beginn zeigt sie Unterwasser-Aufnahmen von Greenpeace-Tauchern. Gefilmt werden vom Rost zerfressene Fässer am Meeresboden, in denen sich einst nukleare Abfälle befanden. Wie auch bei Wikipedia nachzulesen ist, wurden bis zum Jahr 1994 insgesamt 100.000 Tonnen radioaktiven Mülls von Schiffen aus ins Meer geworfen. Der vermutlich größte Teil der Behälter ist verrottet. Der Inhalt im Meer verschwunden. (Essen Sie gerne Meeresfrüchte?)

Eine absolut schockierende Tatsache, die in besagter Reportage Erwähnung fand, erklärt Wikipeda mit folgendem Satz:

Die Wiederaufarbeitungsanlage La Hague spült über ein viereinhalb Kilometer langes Rohr täglich 400 Kubikmeter radioaktives Abwasser in den Ärmelkanal.

Völlig legal, ungehindert, denn nur das Entsorgen von Atommüll mittels Schiffen wurde im Jahr 1994 von der International Maritime Organisation untersagt. Und wohin die festen Stoffe aus La Hague verfrachtet werden, wissen wir nur zu gut.

Zu Beginn der Nutzung von Atomenergie, erst einmal für militärische Zwecke, wurden die radioaktiven Abwässer schlichtweg in den nächsten Fluss abgeleitet, wie das Beispiel Hanford am Columbia River zeigt. Der Müll selbst wurde damals schlicht in der Erde Vergraben, wodurch 3.500 Hektar Land verseucht wurden.

Die Russen wollten im atomaren Wettlauf nicht nachhinken und errichteten schon 1945 zehn Anlagen. Der Eiserne Vorhang ließ wenig Information durchsickern. 1976 tauchte plötzlich ein Dissident namens Schores Medwedew im Westen auf und erzählte von einem tragischen Unfall im Ural, der sich durch eine Explosion 1957 ereignet hatte. Im Westen ging man jedoch davon aus, dass es sich um einen Spion handelte. Der Verdacht wurde geäußert, die Sowjetunion wolle auf diesem Wege die Atomforschung in der „freien Welt“ unterdrücken. Dass Geheimdienste nicht schon früher davon wussten, ist nur schwer vorstellbar. Medwedew selbst ist jedenfalls überzeugt, dass die CIA durchaus über den Vorfall informiert war. Und wer könnte hinter dem Verfälschen dieser Warnung gesteckt haben? Vielleicht die Atomlobby – und wer immer damit in Zusammenhang steht?

Teilweise wird hochgefährliches Uran, etwa von Frankreich bis nach Sibirien, über Tausende Kilometer zur Wiederaufbereitung transportiert. In den meisten Fällen werden die Abfälle über Jahre hinweg in rieseigen Wasserbecken gelagert. Mehr als 400 solcher Zwischenlager gibt es weltweit. Und in den meisten Fällen bleiben die Brennstäbe dort wesentlich länger als geplant. Es wird auf eine Lösung gewartet, wo sie endgültig deponiert werden sollen.

In Lothringen wird in 500 Metern Tiefe getestet. Ungeachtet des Materials der Behälter, eines Tages werden diese undicht. Und dann muss die Strahlung vom umgebenden Gestein daran gehindert werden, die Erde, das Trinkwasser, die gesamte Umwelt zu verseuchen. Über 200.000 Jahre hinweg.

Eine Frage, die am Rande behandelt wird: Wie warnt man die Archäologen der Zukunft? Der kanadische Wissenschaftler Hubert Reeves soll einen passenden Vergleich angestellt haben. Man stelle sich vor, die ägyptischen Pharaos hätten uns Atommüll hinterlassen. Was würden wir heute damit tun? Und das ist bloß 3.000 Jahre her.

Über Konrad Hausener

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