Sonntag , 26 Juni 2016
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E10-Kraftstoff – schädlich für Auto und Umwelt?

zapfsaeuleSeit einigen Wochen sieht man sich als Autofahrer an vielen Tankstellen mit einer Neuerung konfrontiert und ausnahmsweise sind damit einmal nicht höhere Preise gemeint. Beim Superbenzin findet sich häufig noch in etwas kleineren Buchstaben der Zusatz „E10“. Die Abkürzung steht dafür, dass dem Kraftstoff bis zu 10 Prozent Ethanol beigemischt sein können. Auch vorher schon enthielt Benzin eine gewisse Beimengung an Ethanol, allerdings waren dies bislang maximal fünf Prozent mit der Bezeichnung E5-Kraftstoff.

Die Europäische Union hatte bereits im April 2010 die Einführung von E10-Kraftstoff für 2011 festgelegt. Am 13. Dezember 2010 trat eine entsprechende Verordnung der Bundesregierung (10. Bundesimmissionsschutzverordnung, Kraftstoffqualitätsverordnung) in Kraft.Nach der Geschichte mit den Energiesparlampen ein neuerlicher „gut gemeinter Versuch“ der EU, etwas zum Klimaschutz zu leisten?

Die Beimischung soll dazu beitragen, den Ausstoß von Kohlendioxid und den Verbrauch von Erdöl zu verringern. Ethanol wird als „Biokraftstoff“ aus Pflanzen gewonnen, die idealerweise auch umweltverträglich angebaut. Biokraftstoffe verursachen dabei in der Summe weniger Kohlendioxid – das bei der Verbrennung entstehende Kohlendioxid wird beim Anbau und Wachsen neuer Pflanzen wiederum gebunden. Durch Nutzung nachwachsender Rohstoffe werden die vorhandenen Erdölreserven ein wenig geschont und auch die Abhängigkeit von Importen soll dadurch verringert werden.

Die Einführung des E10-Kraftstoffs erfolgt seit Anfang 2011, wobei der neue Kraftstoff erst sukzessive von verschiedenen Tankstellen angeboten wird und aktuell noch nicht überall erhältlich ist. Die Änderung sorgt allerdings für Verwirrung bei den Autofahrern. Die mögliche Sorge und Unsicherheit ist auch nicht ganz unberechtigt. Es wird davon ausgegangen, dass etwa 90 Prozent der Fahrzeuge E10-Kraftstoff vertragen. Motoren, die diesen Kraftstoff nicht vertragen, können bereits bei einmaliger Betankung dauerhaft geschädigt werden. Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) hat eine Übersicht dazu erstellt, welche PKWs und Krafträder mit E10-Kraftstoff betankt werden können und welche nicht. Diese Liste wird auch regelmäßig aktualisiert.

Beim Tanken im Ausland ist zudem darauf zu achten, dass der Kraftstoff keine metallhaltigen Zusatzstoffe enthält, die die Verträglichkeit wiederum einschränken. In Deutschland sind solche metallhaltigen Zusatzstoffe allerdings nicht enthalten.

Es kann auf jeden Fall nicht schaden, vor der Betankung mit E10-Kraftstoff zusätzlich die Vertragswerkstatt zu konsultieren. Im Zweifelsfall sollte weiterhin herkömmliches Benzin getankt werden, welches zunächst noch von den Tankstellen angeboten wird. Dabei fällt auf, dass die Tankstellen die Einführung des neuen Kraftstoffs derart gestalten, dass das bisherige Superbenzin nunmehr zum erhöhten Preis von Super Plus verkauft wird. Der Mineralölwirtschaftsverband e.V. weist allerdings darauf hin, dass in Zukunft neben E10-Kraftstoff nur noch (das teurere) Super Plus (98 Oktan) als E5-Kraftstoff zu erhalten sein wird

Aus ökologischer Sicht ist die Verwendung von sogenannten Biokraftstoffen dabei sehr kritisch zu betrachten. Insbesondere, wenn Wälder, Weide- und Brachland für die Produktion von Biokraftstoffen in Ackerland umgewandelt werden, kann dies sogar zu einer erhöhten Freisetzung von Kohlendioxid führen.  Greenpeace weist vor allem auf folgende Probleme des vermehrten Einsatzes von Biokraftstoffen hin:

  • Hoher Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden
  • Erhöhte Emissionen von Lachgas
  • Überdüngung von Gewässern
  • Verlust von Biodiversität infolge des Anbaus von Monokulturen
  • Steigende Preise für Lebensmittel
  • Abholzung von Urwäldern, um weitere Anbauflächen für die Landwirtschaft zu gewinnen.

Lachgas ist ein Treibhausgas, das bei Verwendung stickstoffhaltigen Düngers freigesetzt wird und in der Atmosphäre eine 300mal stärkere Wirkung als Kohlendioxid entfaltet. Bereits im Jahr 2008 hatten mehrere Studien darauf hingewiesen, dass durch die Produktion von Palmöl oder Soja für Biosprit bis zu 400mal mehr Kohlendioxid ausgestoßen wird, als durch Biosprit letztlich eingespart wird! Greenpeace hält den Beitrag von Biokraftstoffen zum Klimaschutz daher für sehr gering und sieht ein erhebliches Risiko, dass der Klimawandel dadurch in der Summe sogar noch angeheizt wird.

Dabei werden durch die Verwendung von Biokraftstoffen weder der Kohlendioxidausstoß bedeutsam reduziert noch die Importabhängigkeit verringert. Wollte man in Deutschland Benzin und Diesel vollständig durch Ethanol oder Öl aus nachwachsenden Rohstoffen ersetzen, so würde die Ackerfläche in Deutschland selbst gar nicht ausreichen, um allein diese Rohstoffe zu produzieren (ohne dass dabei noch Nahrungsmittel angebaut werden könnten). Bereits jetzt muss die EU riesige Mengen an Rohstoffen importieren, um den Bedarf an Lebensmitteln und Biokraftstoffen zu decken. Greenpeace sieht als effektive Maßnahmen mit dem Fokus auf Klimaschutz daher nur

  • die Drosselung des Kraftstoffverbrauchs,
  • den Bau leichterer Fahrzeuge,
  • striktere Zulassungsregelungen im Hinblick auf den Verbrauch sowie
  • die Erarbeitung neuer, zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte.

Zu den bereits jetzt vorhandenen gravierenden Folgen der Nachfrage nach Biokraftstoffen gehören neben der Abholzung von Regenwäldern in Südostasien auch sogenannte Dead Zones im Golf von Mexico, die nicht erst seit dem Untergang der Ölplattform von BP in 2010 vorhanden sind, sondern aus dem Zufluss von düngemittelreichen Abwässern aus Mississippi und Missouri resultieren. Als Ursache hierfür sieht Greenpeace vor allem den intensiven Anbau von Mais speziell zur Ethanolgewinnung in den USA.

Beitrag von Falk Richter – http://www.falkrichter.de

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