Freitag , 2 Dezember 2016
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Schwindelgefühle ohne erklärlichen Grund?

schwindelgefuehleIn der letzten Woche stieß der Autor dieses Beitrags zufällig in einer Frauenzeitschrift auf einen Artikel, in dem es um Schwindelgefühle ohne klaren Befund ging. Leider lieferte dieser Artikel potentiell Betroffenen nicht wirklich sinnvolle Informationen. Zu Beginn wurden verschiedene Ursachen genannt, worauf solche unerklärlichen Schwindelgefühle zurückgeführt werden können:

Altersbedingte Abnutzungserscheinungen an den Nerven, am Innenohr oder an den Augen, Blutdruckschwankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen und Nebenwirkungen von Medikamenten. Eine Aufzählung, die wohl sehr beruhigend auf betroffene Personen wirken dürfte.

Als nächstes wurden der Leserin verschiedene Empfehlungen gegeben – u.a. welche Tabletten man bzw. frau sich in solch einem Fall einwerfen könne. Wohl gemerkt: Da wurde die Verwendung von Medikamenten empfohlen, nachdem von einem Arzt vorab keine organische Ursache für die Symptome gefunden werden konnte!

Nun werden Sie sich vielleicht fragen, ob der Autor dieses Beitrags an dieser Stelle nur über diese namentlich nicht genannte Frauenzeitschrift lästern möchte oder vielleicht auch noch irgendwelche nützlichen Informationen parat hat. Eine berechtigte Frage, auf die Ihnen der Autor (Diplom-Psychologe, Dr. rer. nat.) folgendes antworten möchte:

Leider werden bei der Diagnose von Krankheitssymptomen psychologische Aspekte häufig noch viel zu wenig berücksichtigt.

Schwindelgefühle sind beispielsweise auch ein wesentliches Symptom, das im Zusammenhang mit einer Panikstörung auftreten kann. Diese psychische Störung gehört zu den Angststörungen.

Dabei treten wiederholt, unerwartet und häufig ohne konkreten äußeren Anlass Panikanfälle mit folgenden Symptomen auf:

  • starker oder beschleunigter Herzschlag
  • beschleunigte Atmung bis hin zur Atemnot
  • Schmerzen oder Unwohlsein in der Brust
  • Schwindelgefühle
  • Übelkeit
  • Erstickungsgefühle
  • Angst zu sterben oder auch Angst verrückt zu werden

    Eine organische Ursache (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nebenwirkungen von Medikamenten) ist dabei vorab auszuschließen.

    Das Auftreten der Panikattacken kann letztlich zu Angst vor weiteren Attacken und auch zur Vermeidung von Situationen führen, in denen man im Falle einer solche Attacke hilflos wäre (Fachausdruck: Agoraphobie, „Angst vor der Angst“). Im Extremfall kann es zu einem völligen Rückzug auf den häuslichen Bereich kommen.

    Auslöser einer Panikattacke ist eine Fehlinterpretation körperlicher Veränderungen. Betroffene achten besonders stark auf sich selbst und interpretieren normale körperliche Veränderungen (z.B. leichtes Herzklopfen infolge körperlicher Anstrengung) im Sinne einer Gefahr für Leib und Leben (akute Angst vor einem Herzinfarkt). Mit dieser Angst steigt natürlich das Erregungsniveau, d.h. Pulsschlag und Atmung beschleunigen sich, was wiederum als gefährlich interpretiert wird und letztlich in einer Panikattacke resultiert. Üblicherweise klingt eine solche Attacke nach etwa 10 bis 20 Minuten von allein wieder ab. Dies ändert allerdings nichts daran, dass die Betroffenen einen erheblichen Leidensdruck verspüren, denn sie erleben in diesem Moment eine akute Angst um ihre Gesundheit, die auch zu einer wesentlichen Beeinträchtigung der Lebensführung beiträgt.

    Etwa drei bis fünf Prozent der Bevölkerung entwickeln im Verlaufe ihres Lebens eine solche Panikstörung. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Störung bricht meist zwischen dem 15. und 24. Lebensjahr aus, kann sich bei Frauen allerdings auch später noch entwickeln. In 80 Prozent der Fälle gehen der Störung besonders belastende Erlebnisse wie etwa der Verlust einer nahestehenden Person, die Beendigung einer wichtigen Beziehung, Arbeitsplatzverlust oder eine Gewalttat voraus.

    Therapie der Wahl ist dabei die kognitive Verhaltenstherapie. Im Rahmen dieser Therapie werden u.a. die Auslöser der Panikattacke (situative Belastungen, Fehlinterpretationen körperlicher Veränderungen) analysiert und bewusst gemacht. Des weiteren werden Techniken vermittelt, die einer akuten Panikattacke entgegenwirken (Atemübungen, Entspannungstechniken).

    Sollten Sie sich in diesen Schilderungen wiedererkennen, so wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an Ihren Hausarzt, der Sie dann an einen qualifizierten Psychotherapeuten überweisen kann!

    Gastbeitrag von Falk Richter

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