Montag , 27 Juni 2016
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Schleichender Tod der Lunge – COPD

menschliche_lungeSind Sie zufällig Raucher oder Raucherin? Wenn Sie sich als Raucher vor und nach dem Lesen dieses Beitrags von dem Inhalt persönlich nicht betroffen fühlen, dann möchte ich Sie zunächst einmal herzlich beglückwünschen! Und Ihnen wünschen, dass das so bleibt! Aber denken Sie bitte daran, dass sich der von Ihnen produzierte Rauch auch auf die Menschen in Ihrer Umgebung auswirken kann! Gegenstand dieses Beitrags ist die Chronisch obstruktive Lungenkrankheit (englisch: Chronic Obstructive Pulmonary Disease, daher die Abkürzung COPD). Umgangssprachlich finden sich dafür auch die Begriffe Raucherlunge und Raucherhusten.

In Deutschland sind schätzungsweise drei bis fünf Millionen Menschen von COPD betroffen, in den USA sind es etwa 16 Millionen. Dort stellt COPD, gemeinsam mit anderen Lungenerkrankungen*, mittlerweile die vierthäufigste Todesursache dar. Die Krankheit befindet sich weltweit auf dem Vormarsch. Ein prominenter Betroffener ist der Schlagersänger Roland Kaiser, der über seine Erfahrungen mit der Krankheit auch ein Buch („Atempause“, Verlag Edition Koch) geschrieben hat.

Erkennungsmerkmale sind die sogenannten AHA-Symptome: Atemnot, Husten, Auswurf.

Neben den geäußerten Beschwerden des Patienten richtet sich die Diagnose allerdings in erster Linie nach den Ergebnissen eines Lungenfunktionstests.

Dabei unterscheidet man verschiedene Schweregrade bzw. Stadien:

  • In Stufe 0 treten Husten und Auswurf auf, jedoch ergibt die Lungenfunktionsprüfung keinen auffälligen Befund.
  • In Stufe 1 sind Husten und Auswurf häufiger, die Lungenfunktion ist eingeschränkt, was aber nur bei größerer körperlicher Belastung zu Atemnot führt. Im Bedarfsfall muss der Betroffene hier bereits auf Medikamente zurückgreifen.
  • In Stufe 2 ist die Lungenfunktion erheblich eingeschränkt, so dass es bereits bei mittlerer Belastung zu Atemnot kommen kann. Medikamente sind hier bereits als Dauertherapie notwendig.
  • In den Stufen 3 und 4 tritt Atemnot schon bei geringster Belastung oder im Ruhezustand auf. Nicht selten kommt es zu Begleiterkrankungen wie Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen. Neben atemwegserweiternden Medikamenten sind häufig entzündungshemmende Kortisonsprays und eine ständige Sauerstoffzufuhr mit Hilfe spezieller Geräte erforderlich. Die Mobilität und Lebensqualität ist dann erheblich eingeschränkt.

Die Krankheit beginnt allerdings schleichend, so dass der Betroffene zunächst keine merklichen Beeinträchtigungen erfährt. Dies hängt damit zusammen, dass die menschliche Lunge über eine erhebliche Kapazität für Belastungen verfügt, die in den Frühphasen der Krankheit nicht erreicht wird. Erste Warnhinweise werden daher häufig verharmlost.

Wie kommt es zu diesen Symptomen?

Im Falle einer gesunden Lunge gelangt die Atemluft durch Luftröhre und Bronchien in die Lungenflügel, in denen sich viele kleine Lungenbläschen befinden, in denen der Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid mit dem Blut stattfindet. Nun atmen wir üblicherweise nicht nur reine Luft, sondern auch jede Menge mehr oder weniger schädliche Schmutzpartikel ein. Flimmerhärchen in den Atemwegen sorgen allerdings dafür, dass kleinste Schmutzpartikel aus der Lunge schnell wieder nach draußen befördert werden. Bei dauerhafter Schädigung (z.B. durch Zigarettenrauchen) geht dieser Schutzmechanismus jedoch verloren. Die Schleimhaut der Atemwege reagiert dann auf eingedrungene Fremdkörper mit Entzündung und Bildung von zähem Schleim. Zum weiteren Schutz vor Fremdkörpern verengen sich die Bronchien. Die eingeatmete Luft bleibt dadurch in der Lunge gefangen, was wiederum die Zufuhr frischer, sauerstoffreicher Luft verhindert. Aus der chronischen Entzündung der Schleimhäute resultiert am Ende die Zerstörung der feinen Lungenbläschenwände. Es bilden sich größere Blasen, die aufgrund der reduzierten Gesamtoberfläche weniger Sauerstoff in das Blut gelangen lassen. Dies wird auch Lungenemphysem genannt.

Wichtigster Risikofaktor für die Entstehung von COPD ist das Rauchen. Studien verweisen darauf, dass bis zu 90 % aller Betroffenen Raucher sind oder waren. Ein weiterer wichtiger Risikofaktor ist Umweltverschmutzung, vor allem in Zusammenhang mit beruflichen Belastungen (Inhalation von Staub, Dämpfen und Gasen). Hierzu ist auch das Passivrauchen zu zählen (z.B. bei Gaststättenpersonal). Auch Atemwegsinfektionen können als Auslöser fungieren. Vererbung und einseitige Ernährung spielen eine eher untergeordnete Rolle.

Wie kann COPD geheilt werden?

COPD ist bislang nicht heilbar. Allerdings kann das Fortschreiten der Krankheit durch Medikamente, vor allem aber durch Verhaltensänderung aufgehalten oder zumindest deutlich gemindert werden. Je früher eine Therapie einsetzt, desto wirksamer kann einem Abbau der Leistungsfähigkeit entgegengewirkt werden. Wichtigste Maßnahmen sind dabei:

  • die Vermeidung von Schadstoffen
  • der sofortige Verzicht auf das Rauchen (auch und insbesondere Passivrauchen)
  • Medikamente zur Erweiterung der Atemwege (diese werden üblicherweise inhaliert)
  • körperliches Training und Atemübungen

Dabei ist zu beachten, dass die Betroffenen normalerweise einem Teufelskreis erliegen. Jegliche körperliche Belastungen führen relativ schnell zu Atemnot. Dies veranlasst die Betroffenen, den Belastungen auszuweichen (Benutzung von Fahrstuhl, Rolltreppe anstelle der Treppe, Benutzung des Autos auch für kürzeste Strecken). Genau dieses Verhalten führt jedoch dazu, dass die Atemnot zukünftig bei noch geringerer Belastung auftritt.

Bei jedem gesunden Menschen, aber auch bei COPD-Betroffenen sind die Lungenkapazität und damit verbunden die körperliche Leistungsfähigkeit in einem gewissen Rahmen trainierbar. Umgekehrt bewirkt eine Schonung eine nachlassende Leistungsfähigkeit und weitere Beeinträchtigungen.

Unter dem Schlagwort „Lungensport“ gibt es einschlägige Angebote für Betroffene, die auch von den Krankenkassen unterstützt werden. Lungensport ist kein Leistungssport, sondern eine spezielle Sport- und Bewegungstherapie, die an die individuelle Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit der Betroffenen angepasst ist. Zielgruppe sind neben COPD-Patienten auch Patienten mit Asthma bronchiale. Wichtig ist eine regelmäßige Teilnahme und Durchführung, da sich eine spürbare Verbesserung möglicherweise erst nach vielen Wochen zeigt. Das Ganze kann z.B. Gymnastik, Krafttraining, Ausdauertraining und Gruppenspiele beinhalten und ist abwechslungsreich und interaktiv gestaltet, um die Motivation der Teilnehmer zu fördern. Das intensive Ausdauertraining hilft nachweislich, die Lungenfunktion zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen.

Weitere Informationen zum Thema Lungensport unter diesem Link.

* nachträglich eingefügt

Ein Beitrag von Falk Richter

Nachtrag vom 09.08.2010: Einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema finden sie hier bei The Intelligence – COPD-Ursache – Rauchen vs. Umweltverschmutzung.

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