Sonntag , 25 September 2016
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Der Wille des Volkes, Bananen und die CIA

chicita_bananenWenn sich in fernen Landen das Volk gegen eine diktatorische, gegen eine ungerechte, gegen eine unmenschliche Regierung erhebt, dann sind wir, die wir vor dem Fernseher sitzen oder im gemütlichen Lehnstuhl die Zeitung durchblättern, auf die Objektivität der Berichtererstattung durch die Medien angewiesen. Wir sehen beeindruckende Bilder, vernehmen die Erklärungen und, mangels gegenteiliger Information, schenken diesen Berichten meist auch glauben. Warum sollte man uns denn belügen? Warum wohl? Ein geschichtliches Ereignis, der, von der CIA organisierte, Aufstand gegen einen, vom Volk demokratisch gewählten, Präsidenten in der „Bananenrepublik“ Guatemala, 1954, erklärt die damaligen Hintergründe.

Im Jahr 1950 wurde der Sohn eines Schweizer Immigranten und einer Mestizin, Jacobo Arbenz, zum Präsidenten von Guatemala gewählt. Wirtschaftlich war das Land in erster Linie vom Bananen-Export abhängig. Wichtigster Abnehmer waren die Vereinigten Staaten. Ein kleines Detail am Rande: Das amerikanische Unternehmen, namens United Fruit Company (Chiquita), verfügte über die Betriebsmittel und Grundbesitzungen im Land. Die Bevölkerung in Guatemala stand als billige Arbeitskraft zur Verfügung.

Die rechtlichen Grundlagen für Grundstücksenteignungen, um dem Volk Guatemalas eine bessere Lebensbasis zu bieten, waren schon vor seiner Amtszeit geschaffen. Arbenz sprach sich dafür aus, diese Möglichkeit in die Realität umzusetzen.

Grundstücksenteignungen! Das klang nach Kommunismus. Das klang nach Kollaboration mit dem Erzfeind der USA, der Sowjetunion. Das verlangte nach einem Eingriff.

guatemala_rebellenDie CIA fand einen Putschisten, Carlos Castillo Armas, der wegen eines Umsturzversuches, zu Zeiten Arbenz’ Vorgängers, Juan Jose Arevalo, zum Tode verurteilt worden war, allerdings nach Honduras fliehen konnte. Wegen seiner „guten Führungseigenschaften“ wurde er zum Anführer des Aufstandes gewählt und von der CIA mit Geld und Waffen versorgt. Nach blutigen Auseinandersetzungen sah Arbenz sich zum Rücktritt gezwungen und Armas wurde zum neuen Präsidenten. Alle eingeleiteten Agrarreformen wurden umgehend rückgängig gemacht.

Wie im, am Ende dieses Artikels eingesetzten, Video zu sehen ist, besuchte der damalige amerikanische Vizepräsident, Richard Nixon, Guatemala und lobte den Triumph mit folgenden Worten: „Das ist das erste Mal, dass eine kommunistische Regierung vom Volk gestürzt worden ist….Eine neue Ära hat begonnen mit Wohlstand für das Volk, zusammen mit Freiheit für das Volk!“

 

Den Umsturz eines sowjetischen Kollaborateurs zu kritisieren und die ganze Sache einer Bananenfirma in die Schuhe schieben, das klingt nach Verschwörungstheorie. Noch dazu lesen wir bei Wikipedia:

Lange Jahre wurde angenommen, dass diese Kampagne auf Intervention der United Fruit Company (UFC) erfolgte. Die UFC hatte in Guatemala ihre größten Plantagen und war zudem noch Eignerin der International Railways of Central America und des damals einzigen Karibikhafens des Landes, Puerto Barrios. Die kürzlich freigegebenen Akten der CIA über die Aktion lassen jedoch den Einfluss der United Fruit Company eher gering erscheinen.

Also, handelt es sich doch um einen vereitelten Komplott der Kummunisten?

Im Artikel zum Begriff „Bananenrepublik“ findet sich bei Wikipedia folgender Satz:

Die wirtschaftliche Macht dieser US-amerikanischen Unternehmen (u. a. United Fruit Company) war weitaus größer als die politische Macht der Regierungen oder gar der Bevölkerung dieser Länder. Ein früher US-amerikanischer PR-Berater, Edward L. Bernays, ein Neffe von Sigmund Freud, war u.a. zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit von United Fruit.

Über Edward Bernays, dem Schöpfer des Begriffes „Public Relations“, haben wir schon einmal berichtet, und zwar im Artikel „Gehirnwäsche, genannt Werbung“.

 

Der brillante britische Dokumentarfilmemacher Adam Curtis widmete in „The Century of The Self“ einige Minuten den damaligen Ereignissen in Guatemala. Wie darin erklärt wird, gelang es Edward Bernays, einige einflussreiche amerikanische Journalisten nach Guatemala einzuladen, wo er sie mit politischen Gegnern des Präsidenten zusammen führte, die behaupteten, Arbenz stünde unter dem Einfluss von Moskau. Gleichzeitig wurden die Journalisten mit einigen antiamerikanischen Demonstrationen konfrontiert. Angestellte der United Fruit Company glaubten, dass diese von Bernays selbst organisiert waren.

Dementsprechend fielen die Kommentare in den Zeitungen aus. Auch wenn es gewisse Naivität voraussetzt, so wäre es trotzdem nicht auszuschließen, dass amerikanische Politiker daraufhin in gutem Glauben handelten, eine militärische Bedrohung durch die Sowjetunion, in nächster Nähe, zeitgerecht unterbinden zu müssen.

Im folgende Video (englisch) von Adam Curtis befassen sich die ersten sechs Minuten mit dem Sturz der Regierung in Guatemala, anno 1954:

{youtube}26Ir2xhL_po{/youtube}

Diese Vorkommnisse fallen in den Bereich Geschichte. Das entsprechende Muster lässt sich allerdings immer wieder erkennen. Zwar sind die Meldungen um Venezuela und dem Bösewicht Hugo Chavez ziemlich versiegt, doch insbesondere während der Jahre 2000 bis 2004 häuften sich die Meldungen von Aufständen des Volkes gegen ihn. Zum markantesten Punkt seiner Wirtschaftspolitik schreibt Wikipedia:

Die Regierung Chávez stoppte die vorgesehene Privatisierung des staatlichen Erdölkonzerns Petróleos de Venezuela und kontrollierte ihn wieder stärker. Dadurch führte er erstmals seit vielen Jahren wieder Steuern und Abgaben an den Staatshaushalt ab. Bei anderen transnationalen Konzernen wurden ebenfalls Steuern eingenommen, was vorher teils nicht der Fall war.

Dabei handelt es sich natürlich um einen Angriff gegen sogenannte internationale Investoren, die, wie es in vielen anderen Ländern der Fall ist, Arbeitskraft und Rohstoffe nutzen und gleichzeitig gravierende Steuerbegünstigungen zugesichert bekommen.

Gewiss, in jedem Land, in jedem Regime, auch in den USA und in Deutschland, finden sich politische Gegner die kritisieren. Konzentrieren sich ausgestrahlte Interviews ausschließlich auf diese Leute, dann entsteht ein Bild, das nicht der Wahrheit entspricht.

hussein_denkmal_ausschnitt_300Abschließend noch ein Photo, das nach der Einnahme von Bagdad, durch die amerikanische Kriegsstreitkräfte, um die Welt gegangen ist. Es schien als würden Menschenmassen dem Abriss von Saddam Husseins Denkmal jubelnd beiwohnen. Diesen Eindruck vermittelte der veröffentlichte kleine Ausschnitt. Praktisch waren, außer amerikanischen Militärs, nicht mehr als vielleicht 200 Menschen auf diesem abgeriegelten Platz. Bei der nachfolgenden Aufnahme handelt es sich um ein Luftbild, das im Internet zwar verbreitet wurde, doch den Weg in die Medien nicht geschafft hatte. Das Video am Ende ist zwar von einer Menge propagandistischer Worte (englisch) begleitet, doch zeigt es sehr deutlich, dass sich keine fahnenschwingenden Menschenmassen versammelt hatten.

Und, wie ein glückliches, vom Diktator endlich befreites, Volk wirken die Irakis bis heute nicht. Das wird wohl noch ein paar Jahrzehnte dauern, bis man sie so weit umerzogen hat.

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Über Konrad Hausener

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