Mittwoch , 28 September 2016
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Wollte John F. Kennedy das Währungssystem reformieren

john_f_kennedyBeim Mordanschlag gegen John F. Kennedy handelt es sich wohl um eines der mysteriösesten Verbrechen in der Geschichte. Nicht nur, dass die Theorie, Lee Harvey Oswald hätte den Mord als Einzelgänger geplant und durchgeführt, auf sehr wackeligen Beinen steht, welche Mechanismen waren am Werk, denen es gelingen konnte, den wahren Tathergang auf höchster Ebene zu vertuschen? Die brennendste Frage lautet nicht: Wer war der Mörder? Die Frage ist: Wer hat den Mord in Auftrag gegeben? Ein Punkt, der in diesem Zusammenhang oft zur Sprache gebracht wird, ist der „Executive Order 11110“. Wollte Kennedy damit das amerikanische Währungssystem erneuern?

Den Bericht über den FBI-Agenten Don Adams, der überzeugt ist, dass Oswald nicht der Mörder war, haben wir vor wenigen Tagen veröffentlicht. Bei einem Mordanschlag auf einen amerikanischen Präsidenten handelt es sich um ein spektakuläres, Aufsehen erregendes Ereignis, das ein entsprechend schwerwiegendes Motiv voraussetzt. Angenommen, die Theorie, dass Kennedy im Alleingang von Oswald ermordet wurde, entspricht nicht den Tatsachen, lassen sich einige Spekulationen über die Hintergründe von Haus aus eliminieren. Die oberflächlichen Ermittlungen, das sofortige Vernichten von Indizien, die Harmonie der einseitigen Berichterstattung, all das bedarf einer Zusammenarbeit staatlicher Institutionen auf höchster Ebene, und noch dazu in gleichzeitiger Übereinstimmung mit der Presse. Genau dieser Umstand, diese vorausgesetzte Kollaboration einer Elite, lässt Zweifel an der offiziellen Version oft in den Bereich von „Verschwörungstheorien“ abgleiten. Und trotzdem, die Widersprüche im Zusammenhang mit dem Kennedy-Attentat sind so gravierend, dass ein Festhalten an der Oswald-Theorie nur unter sehr naiven Aspekten möglich ist.

Die Mafia wird als möglicher Drahtzieher erwähnt, die Waffenlobby, der KGB und sogar Fidel Castro. Ist es in diesem Zusammenhang vorstellbar, dass die Warren-Kommission, auf die wir noch zurückkommen werden, die CIA, das FBI und die Medien, alle zusammen, von einer dieser Lobbys derart unter Druck gesetzt wurden, dass letztendlich eine völlig unglaubwürdige Geschichte zur offiziellen Darstellung erkoren werden konnte? Den kubanischen Geheimdienst können wir sogleich ausschließen. Wären die Vereinigten Staaten derart durch KGB-Agenten infiltriert gewesen, hätte sich das Land wohl früher oder später dem Kommunismus angeschlossen. Mitglieder der legendären Mafia mögen zwar an der Ausführung beteiligt gewesen sein, mit Sicherheit aber nicht als Drahtzieher, andernfalls wir davon ausgehen müssten, dass diese Organisation sowohl über die Politik als auch über die Medienkonzerne herrscht. Die Waffenlobby wäre insofern zu berücksichtigen, dass deren Drahtzieher auch in anderen Bereichen das Sagen haben. Wäre der Vietnam-Krieg jedoch zu einem vorzeitigen Ende gekommen, hätte sich gewiss ein anderer Konflikt gefunden, vom ohnehin existenten „Kalten Krieg“ ganz abgesehen, um weiterhin Kriegsgerät zu produzieren.

Ohne eine Anschuldigung, schon gar nicht gegen bestimmte Personen, auszusprechen, die Bankenlobby wäre bestimmt mit günstigeren Voraussetzungen, um einen Vertuschungsprozess dieses Ausmaßes in die Wege zu leiten, ausgestattet gewesen. Um die Möglichkeit zu erläutern, dass Kennedy eine Währungsreform geplant haben könnte, ist es vorerst notwendig, einen Blick auf das bestehende System zu werfen.

Bei der amerikanischen Notenbank, genannt „Federal Reserve Bank“, die 1913 ins Leben gerufen wurde, handelt es sich um ein privates Geldinstitut. Obwohl sie dem Kongress gegenüber rechenschaftspflichtig ist, befindet sie sich ausschließlich in privatem Besitz. Die „Fed“, wie sie als Kurzbezeichnung genannt wird, stellt dem amerikanischen Staat Darlehen zur Verfügung und dieser hebt von den Bürgern Steuern zur Begleichung der Zinsen ein. Zinsen, die nicht beglichen werden müssten, hätte der Staat das Recht zur Geldschöpfung nicht einer privaten Bank überlassen, sondern würde es selbst ausüben.

Die amerikanischen Dollarnoten waren anfangs Goldzertifikate, was auf älteren Geldscheinen auch deutlich vermerkt war. Von 1878 bis 1964 waren parallel dazu jedoch auch Silberzertifikate im Umlauf, die vom amerikanischen Finanzministerium herausgegeben wurden – also zinsenfrei. Das Volumen dieser Silbernoten war durch die Menge der Silberreserven limitiert. (Die „Fed“ verfügte von Anfang an über keinerlei nennenswerte Goldreserven. Die Bestände aus Fort Knox gehören dem Staat, auch wenn sie mittlerweile der „Fed“ als Sicherheit dienen.)

Silberzertifikat

Am 4. Juni des Jahres 1963, also wenige Monate vor seiner Ermordung, unterzeichnete Kennedy den Präsidentschaftserlass (Executive Order) Nr. 11110, der die Kompetenzen des Finanzministeriums in Bezug auf die Ausgabe von Silberzertifikaten erweiterte. Er lautete (englischer Originaltext bei Wikipedia):

Abschnitt 1. Executive Order Nr. 10289, vom 9. September 1951, in der geänderten Fassung, wird hier nochmals abgeändert (a), und zwar durch Hinzufügung des folgenden Unterparagraphen (i) an Paragraph 1:

(j) Die, durch Paragraph (b), Abschnitt 43 des Beschlusses vom 12. Mai 1933, durch (U.S.C. 821(b)) erweitert, dem Präsidenten übertragene Befugnis, Silberzertifikate in Umlauf zu setzen, gedeckt durch Silberbarren, Silber oder, sich in der Staatskasse befindliche, herkömmlichen Silberdollars, die zum gegebenen Zeitpunkt nicht der Deckung von ausständigen Silberzertifikaten dienen, den Nennwert solcher Silberzertifikate zu bestimmen, Silberdollars zu prägen sowie subsidiäre Silberwährung zu deren Einlösung, und (b) durch Aufhebung der Unterparagraphen (b) und (c) des Paragraph 2 hiervon.

Abschnitt 2. Die durch diesen Erlass erstellte Ergänzung übt keinen Einfluss auf Gesetze und auf anfallende oder angefallene Rechte oder auf Klagen oder Verfahren aus, die vor dem Inkrafttreten dieser Verordnung bei einem zivilen oder Strafgericht eingebracht wurden, sondern diese Verbindlichkeiten sollen, ohne Rücksichtnahme auf die vorliegende Ergänzung, weitergeführt und durchgesetzt werden.

John F. Kennedy, Weißes Haus, 4. Juni 1963

Es sei an dieser Stelle sogleich erwähnt, dass weit verbreitete Behauptungen, Kennedys Nachfolger, Lyndon B. Johnson, hätte diesen Erlass umgehend außer Kraft gesetzt, nicht der Wahrheit entsprechen. Er wurde erst unter Ronald Reagan, und zwar am 9. September 1987, zusammen mit einer Zahl anderer Verfügungen, aufgehoben.

Doch, was besagt dieser Text, der, wie viele andere juristische Formulierungen, kaum zu verstehen ist? Einem Rechtsexperten, den ich zurate gezogen habe, zufolge, hängt die Aussage dieses Textes sowohl von den Zusammenhängen als auch der Auslegung ab. Kurz gesagt, diesen Präsidentschaftserlass als Indiz dafür herzunehmen, dass Kennedy einen ernsten Schritt unternommen hätte, das Recht der Geldschöpfung dem Finanzministerium zu übertragen, und dadurch die „Fed“ zu entmachten, ist deutlich übertrieben. Von vielen Experten wird behauptet, dass es sich dabei lediglich um eine erweiterte Befugnis des Finanzministeriums handle, Schritte zu unternehmen, ohne eine spezielle Einwilligung des Präsidenten einzuholen.

Trotzdem verdient dieser Punkt nähere Beachtung. Sollte Kennedy durch diesen Erlass nicht nur versucht haben, eine bestehende Situation zu vereinfachen, sondern die Ausgabe von Dollarnoten durch das Finanzministerium zu erweitern, so können wir davon ausgehen, dass er dieses Vorhaben mit Beratern besprochen hat. Sollte dies der Fall sein, würden nichtdokumentierbare Umstände im Spiel sein und die weitere Analyse würde in den Bereich der Spekulation abgleiten.

Bleiben wir also bei den Fakten. Während sich nur wenige Menschen, auch in Amerika, des Umstandes bewusst sind, dass es sich bei der Federal Reserve Bank um ein Geldinstitut in privatem Besitz handelt, so sind die, auf Silber basierenden, Dollarnoten ebenfalls schon lange vergessen. Während diese seit dem Jahr 1878 existierten, wurden sie im Jahr nach dem Kennedymord gänzlich aus dem Verkehr gezogen. Der amerikanische Staat verzichtete dadurch auf die teilweise Möglichkeit, über Geld zu verfügen, für das nicht automatisch Zinsleistungen fällig werden.

Jetzt werfen wir einen Blick auf die Mitglieder der Warren-Kommission, von der die Untersuchung des Mordes geleitet und das Ergebnis der Ermittlungen festgesetzt wurde:

  • Earl Warren, Vorsitzender des Obersten Gerichtshofs
  • Richard Russel Jr., Senator
  • John Sherman Cooper, Senator
  • Hale Boggs, Abgeordneter
  • Gerald Ford, Abgeordneter und späterer Präsident
  • Allen Welsh Dulles, ehemaliger Direktor der CIA
  • John J. McCloy, ehemaliger Präsident der Weltbank

Abgesehen davon, dass sich in der Liste der Berater und Mitarbeiter vorwiegend Politiker, Anwälte, Rechtsgelehrte und Geschäftsleute finden, sollte man eigentlich erwarten, dass eine Kommission, deren Aufgabe es ist, einen Mordfall aufzuklären, zumindest zum Teil, aus erfahrenen Kriminalisten besteht. Gut, der oberste Richter des Landes und der ehemalige Geheimdienstchef passen natürlich in diese Gruppe. Abgeordnete und Senatoren? Auch dafür mag es eine Erklärung geben. Doch was hatte der ehemalige Präsident der Weltbank in dieser Kommission zu suchen? Was befähigt einen Bankexperten dazu, über den Ausgang der Ermittlungen in einem Mordfall mitzubestimmen?

Wäre es wirklich in Kennedys Absicht gelegen, die Kompetenz des Finanzministeriums, Silberzertifikate in größerem Umfang als Dollarnoten in Umlauf zu setzen, zu erweitern, wären die Vereinigten Staaten vermutlich heute nicht mit unbezahlbaren 13,4 Billionen Dollar verschuldet. Vielleicht sogar, wäre dies für Politiker anderer Länder der Anstoß gewesen, das, ausschließlich auf verzinsten Krediten basierende, Währungssystem neu zu überdenken. Vermutlich werden wir die Wahrheit niemals herausfinden. Die hier angeführten Fakten dienen lediglich als Puzzle-Steine, die helfen könnten, sich ein Bild darüber zu machen, wer an der Ermordung des populärsten aller amerikanischen Präsidenten des 20. Jahrhunderts Interesse gehabt haben könnte.

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