Sonntag , 26 Februar 2017
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Behandlungsmöglichkeiten bei Übergewicht und Adipositas

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: rund zwei Drittel aller Männer und etwa die Hälfte aller Frauen in Deutschland sind nach einer Studie übergewichtig oder sogar stark übergewichtig. Unterscheiden muss man dabei zwischen bloßem Übergewicht und echter Adipositas. Welche Folgeschäden bei Übergewicht drohen können, ab wann Mediziner von Adipositas sprechen, und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, lesen Sie in unserem Beitrag.

Ab wann ist man übergewichtig?

Für die Bewertung von Übergewicht wird in der Wissenschaft und auch in der Medizin immer noch der BMI, der sogenannte Body-Maß-Index herangezogen. Beim BMI handelt es sich um das Verhältnis von Körpergewicht zum Quadrat der Körperhöhe.

Der BMI ist also auch selbst ganz einfach zu berechnen: BMI = Gewicht (in kg) / [Körpergröße (in m)] ²

Unter Medizinern und vor allem in der Forschung ist der BMI als Maß für das Übergewicht zwar nicht unumstritten – er ist bislang aber immer noch das am häufigsten verwendete Maß.
Ein weiteres Maß ist das THV – das Taille-Hüfte-Verhältnis, auch unter der englischsprachigen Abkürzung WHR (Waist-to-Hip-Ratio) bekannt. Hier wird einfach der Bauchumfang durch den Hüftumfang geteilt. Der Bauchumfang wird dabei genau in der Mitte des Bauchs gemessen, der Hüftumfang an der Stelle mit dem größten Umfang. WHR = Bauchumfang (in cm) / Hüftumfang (in cm).

Die nachfolgende Tabelle zeigt, wann man aus medizinischer Sicht übergewichtig oder adipös ist:

Grad des Übergewichts
BMI (kg/m²)
WHR Frauen
WHR Männer

Normalgewicht
18,5 – 25
< 0,8
< 0,9

Übergewicht (Prä-Adipositas)
25,0 – 30
0,8 – 0,84
0,9 – 0,99

Adipositas
> 30,0
> 0,84
> 0,99

Bei einem BMI von 35 – 40 spricht man schon von Adipositas Grad II, bei einem BMI von > 40 handelt es sich bereits um eine sehr schwere Adipositas Grad III.

Was bedeutet Adipositas?

Adipositas ist der medizinische Begriff für Fettleibigkeit. Übergewicht wird medizinisch gewöhnlich als Prä-Adipositas (also praktisch als Vorstufe) bezeichnet, echte Adipositas (Grad I) besteht ab einem BMI von 30.
Prä-Adipositas gilt bei vielen Medizinern noch nicht als wirklich behandlungsbedürftig, hier werden häufig lediglich Hinweise zur Umstellung der Lebensweise und zum Abnehmen gegeben. Bei bestehenden Vorerkrankungen (etwa Diabetes, Schäden am Bewegungsapparat durch das Übergewicht, bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder besonders hohem Leidensdruck) wird aber oft auch schon bei einem BMI von unter 30 behandelt.

Ursachen für Übergewicht

Als Ursache kommen einerseits unterschiedliche Krankheiten oder Auslöser in Betracht (auch beispielsweise Arzneimittelwirkungen, oft bei Antidepressiva, Psychopharmaka und Hormonpräparaten), es kann auch eine Essstörung vorliegen.

Die wichtigsten Krankheiten, die zur Adipositas führen können sind:

    • Störungen des Cortisol Haushaltes (das sogenannte Cushing-Syndrom)
    • Störungen der Schilddrüsenfunktion (Thyreoiditis oder „Hashimoto„)
    • Störungen des Glukosestoffwechsels

Neuerdings steht auch ein Virus in Verdacht, möglicherweise in Einzelfällen ebenfalls Adipositas verursachen zu können.

In der Regel liegen die Ursachen aber ganz einfach an Bewegungsmangel und falscher oder übermäßiger Ernährung. (Man muss nicht immer „zu viel“ essen, auch wer nur das Falsche isst, etwa hohe Mengen an Zucker, kann sehr schnell Adipositas entwickeln).

Eine noch größere Rolle als die Ernährung spielt sogar der Bewegungsmangel. Wer sein Leben vorwiegend sitzend und seine Freizeit vor allem passiv verbringt hat ein sehr hohes Risiko, Übergewicht zu bekommen. Bewegungsmangel UND Fehlernährung gemeinsam bilden in den meisten Fällen die Ursache für das zu hohe Körpergewicht.

Risiken bei Adipositas

Die schon bei Übergewicht bestehenden Risiken sind bei echter Adipositas noch deutlich erhöht.

  1. das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei Übergewichtigen stark erhöht
  2. das Risiko für andere Verschlußkrankheiten (z.B. Thrombosen der Beinvenen) ist deutlich erhöht.
  3. Rückenbeschwerden durch das zu hohe Gewicht und Fehlbelastungen
  4. die Gelenke werden übermäßig belastet und nehmen Schaden (häufig Arthrose)
  5. häufig kommt es auch zu Luftnot und Atembeschwerden
  6. Atemaussetzer im Schlaf (sogenannte Schlaf-Apnoe) sind häufig
  7. ist der Anteil an sogenanntem viszeralen Bauchfett bereits hoch, kann es häufig auch zu Fettstoffwechselstörungen oder zu Störungen des Zuckerhaushalts kommen
  8. Diabetes-Risiko ist erhöht
  9. das Risiko für Gallensteine, Gicht, Leberzirrhose und Reflux-Ösophagitis ist deutlich höher
  10. Depressionen und psychische Störungen sind häufiger

Das individuelle Risiko hängt stark auch mit der Art der Fettverteilung zusammen. Bei sehr ungünstiger Fettverteilung im Körper (Apfelform) sind die schwersten Folgewirkungen zu beachten, zudem verkürzt diese Art der Fettverteilung die Lebenserwartung am deutlichsten. Welches Risiko im Einzelnen besteht hängt aber von vielen weiteren Faktoren beim einzelnen Menschen ab, etwa dem Lebensstil (aktiv/passiv), von bestehenden Vorerkrankungen und genetischer Disposition, sowie von weiteren Belastungsfaktoren (Schlafmangel oder Schlafstörungen, Rauchen, Alkoholkonsum).

Behandlungsgewicht

Behandlungsmöglichkeiten von Übergewicht

Angesichts der doch recht erschreckenden Folgen – und des allgemein häufig eingeschränkten Wohlbefindens – machen sich viele daran, ihrem Übergewicht den Kampf anzusagen. Auf den ersten Blick scheinen die meisten Menschen zu einer Diät zu neigen, in schweren Fällen wird aber häufig auf chirurgische Methoden oder Appetitzügler geschielt.

Chirurgische Methoden

Dazu sollte man einiges wissen: Chirurgische Methoden kommen von vornherein nur dort zum Einsatz, wo es sich um eine Adipositas Grad III handelt und bei schweren Fällen von Adipositas Grad II (BMI über 35). Dort sind signifikante Gewichtsabnahmen sehr häufig durch Diäten nicht mehr wirklich zu erwarten. Das bestimmt allerdings der Arzt immer im Einzelfall.

Appetitzügler

Wirksame Appetitzügler gibt es auch in der Medizin: Alvalin Tropfen sind kein Hausmittel, sondern ein stark wirkendes Medikament, das nur unter laufender ärztlicher Kontrolle verwendet werden sollte. Alvalin-Tropfen haben als Wirkstoff Cathin, das appetithemmend wirkt. Daneben gibt es aber noch einige andere Wirkungen, die im Einzelfall auch immer sorgsam bedacht werden müssen – deshalb, seien Sie sicher: Ärzte verschreiben Alvalin in der Regel nur, wenn andere Maßnahmen alleine nicht zum Erfolg geführt haben

Andere Mittel, die man – oft begleitet von beinahe unglaublichen Versprechen – erhält, können durchwegs sogar gefährlich sein. Häufig angeboten als Wundermittel wird Ephedrin, das den Wirkstoff aus dem heimischen Efeu enthält. In Deutschland ist es schon seit Anfang des Jahrtausends verschreibungspflichtig und wird wegen der gesundheitlichen Nebenwirkungen so gut wie nie verschrieben. In den USA ist es seit 2004 generell verboten.

Die Regelbehandlung

Wenn Übergewicht oder Adipositas besteht (außer in den sehr schweren Fällen mit Grad III) ist das Mittel der Wahl IMMER zunächst eine Diät und eine Erhöhung des Ausmaßes an körperlicher Bewegung (Sport, soweit ohne Verletzungsrisiko machbar).
Wird das tatsächlich konsequent umgesetzt, lassen sich damit auch in fast allen Fällen wirklich gute Erfolge erzielen. Voraussetzung ist natürlich, dass Adipositas verursachende Stoffwechselkrankheiten und andere Störungen (zum Beispiel Essstörungen) zunächst vom Arzt sicher ausgeschlossen wurden.

Bei den Diäten hat sich in den letzten Jahren in den Ernährungsberatungen ein Wandel vollzogen. Es wird nicht mehr nur allein auf Reduktions-Diäten („Kalorien zählen“) gesetzt, sondern vor allem darauf geachtet, WAS gegessen wird. Ketogene Diätformen – wie etwa die bekannte Atkins-Diät – haben in die heutige Ernährungsberatung Eingang gefunden und werden wegen ihrer belegten Wirksamkeit deutlich höher geschätzt als reine Reduktionsdiäten.

Von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung werden ketogene Diätformen generell aber immer noch als bedenklich eingestuft, obwohl Studien in hoher Zahl eindeutig anderes belegen. Die Vermutung, dass es gesundheitliche Schäden in geringem Umfang geben könnte, äußern auch einige andere Ernährungsforscher, Belege gibt es dafür aber bislang nicht. In Ernährungsberatungen wird die Atkins-Diät häufig auch als „Leberfasten“, besonders in der Anfangsphase, bezeichnet. Das Leberfasten nach Dr. Worm ist aber eine der Atkins-Diät relativ ähnliche Form.

Als LOGI-Diät oder Glyx-Diät haben Diätformen mit reduziertem glykämischen Index auch in die allgemeine Ernährungsberatung und auch in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen Eingang gefunden – dazu muss man allerdings bemerken, dass Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen nur wenig mit den Störungen im Erwachsenenalter gemein haben – bei Kindern und Jugendlichen muss das Problem immer getrennt betrachtet werden.

Was kann man tun?

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie übergewichtig sind, sollten Sie folgende Punkte der Reihe nach tun:
1. Ermitteln Sie Ihren BMI (den Berechnungsweg finden Sie am Anfang des Beitrags)
2. Ermitteln Sie Ihr THV.
3. Ergibt die Berechnung, dass Sie übergewichtig sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt, was Sie tun können. Lassen Sie von ihm überprüfen, welches Risiko besteht, welches Zielgewicht angestrebt werden soll und ob es eventuell bereits Schäden gibt.
4. Suchen Sie eine Ernährungsberatung auf.

Diäten auf eigene Faust einfach anzufangen und für das Zielgewicht irgendwelche Modemagazine oder Empfehlungen in Frauenzeitschriften heranzuziehen ist sicherlich der falsche Weg. Nehmen Sie das Problem ernst, holen Sie sich fachlichen Rat und folgen Sie den Anweisungen von Fachleuten – und nicht kolportierten Gerüchten oder Abnehm-Seiten.

Nehmen Sie vor allem Abstand davon, einfach irgendwelche Medikamente oder Appetitzügler und Wundermittel auf eigene Faust einzunehmen. Sie werden nicht nur nichts bewirken, sondern verursachen möglicherweise auch schwere gesundheitliche Nebenwirkungen.

Essen als Sucht – Adipositas

Bildernachweis:
Titelbild: Urheber: jinga / 123RF Lizenzfreie Bilder
Übergewicht – Urheber: artant / 123RF Lizenzfreie Bilder

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