Samstag , 10 Dezember 2016
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Alleinstellungsmerkmale als Marketinginstrument: Marken, Traditionen, Werbeartikel und physische Reize

Einzigartigkeit erregt Aufmerksamkeit. Das zeigen auch aktuelle Schlagzeilen, die sich um den Discounter ALDI und dessen Markensortiment drehen. Damit möchte sich dieser von Mitbewerbern abheben und eine Alleinstellungsposition einnehmen. Um sich von der Masse zu differenzieren, nutzen Unternehmen, Städte, Filmproduktionsfirmen und Einzelhändler ganz unterschiedliche Mittel der Vermarktung – ob es die Werbekampagne für das neuste Erfrischungsgetränk, oder die öffentliche Positionierung der eigenen Traditionen und Bräuche ist. Warum Alleinstellungsmerkmale im Marketingbereich eine wichtige Rolle spielen und wie diese verbreitet werden, wird im Folgenden beschrieben.

1. Alleinstellungsmerkmal – Unique Selling Proposition

Eine „Unique Selling Propositon“ (einzigartiges Verkaufsangebot) verspricht ein individuelles und besonderes Angebot, dass sich von bereits Vorhandenem abhebt. Der Begriff ist im Rahmen einer Marketing-Theorie im Jahr 1940 von Rosser Reeves eingeführt worden.

Aus der Masse mit einer Idee herausstechen, die zum Alleinstellungsmerkmal werden kann. Das verspricht mithilfe von kreativem Marketing Aufmerksamkeit und Wiedererkennungswert.

a) Varianten und Bildung von Wiedererkennungsmerkmalen

Das Alleinstellungsmerkmal bietet dem Kunden einen Vorteil gegenüber anderen Produkten. Das Produkt soll als höherwertig angesehen werden und das Kaufinteresse steigern. So verschaffen sich die Hersteller einen Wettbewerbsvorteil.

i.) Arten: Materiell und immateriell

In der Regel handelt es sich bei einem speziellen Merkmal um ein Materielles. Logo oder Slogan, können als Alleinstellungsmerkmal gelten. Zudem sind der Preis, ein Symbol oder Gegenstand, der zum Beispiel traditionelle Hintergründe hat oder optische Reize, wie die Farbe, wichtige Alleinstellungsmerkmale, welche Aufmerksamkeit versprechen und einen Wiedererkennungswert besitzen. Beispiele für eine USP sind die Geheimrezeptur von Coca-Cola oder das Reinheitsgebot deutscher Biere.

ii.) Entstehung eines einzigartigen Merkmals

Bevor das Alleinstellungsmerkmal definiert und auf dem Markt präsentiert wird, werden zunächst die Angebote der Konkurrenz überprüft und eine Marketingstrategie entwickelt. Wichtig sind dabei die Festlegung und die Betrachtung der Interessen der Wunsch-Zielgruppe.

b) Steigerung der Wiedererkennung durch Vermarktung und PR

Die Verbreitung eines Produktes oder einer Dienstleistung und die Erzeugung des Wiedererkennungswerts erfolgen durch verschiedenen Marketingmaßnahmen.

i.) Das richtige Marketing: Positionierung, Innovation und Präsentation

Verschiedene mediale Kanäle machen es mittlerweile möglich, Marketingmaßnahmen innovativ und kreativ zu verbreiten. Sei es mit einem Werbespot, über die Facebook-Seite oder mit YouTube-Videos. Denn nicht nur das „Was“, sondern auch das „Wie“ ist zunehmend von Bedeutung. Durch eine spezielle und direkte Ansprache – zum Beispiel in einem Videoclip – können Emotionen geweckt werden, die eine Anzeige in der Zeitung nicht immer leisten kann. Auch Werbeclips mit Prominenten steigern – je nach Image des Promis – die Identifikation, die Glaubwürdigkeit sowie den Wiedererkennungswert. „Wenn der Star das kauft, dann muss es doch etwas Einzigartiges sein.“

ii.) Imagepflege: Öffentlichkeitsarbeit

Wenn das Alleinstellungsmerkmal einen Platz auf dem Markt gefunden hat, geht es darum, diesen zu halten. Dazu wird mithilfe der Öffentlichkeitsarbeit ein Image erschaffen und gepflegt. Instrumente der PR-Arbeit sind die Präsentation auf Veranstaltungen, Presseinformationen, die Aktualisierung der Homepage und der Social-Media-Auftritte oder selbsterstellte Printmedien. Es geht um die transparente Informationsvergabe an eine breite Öffentlichkeit. Das fördert die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen, wobei die Medien eine der Hauptzielgruppen darstellen.

2. Vermarktungsinstrumente im Unternehmensbereich

Jedes größere Unternehmen verfügt mittlerweile über eine Marketing- und PR-Abteilung. Diese kümmern sich um die Werbemaßnahmen und die Außendarstellung, welche die Corporate Identity (Unternehmensidentität) widerspiegeln.

a) Die einheitliche Innen- und Außendarstellung

Grundpfeiler der Corporate Identity
Wichtig ist dabei eine einheitliche Vorgehensweise, sowohl intern, als auch extern. Damit wird ein wiedererkennbares Unternehmensprofil geschaffen.

i.) Grundpfeiler der Corporate Identity

Die Corporate Identity bildet die Identität einer Firma ab, welche sich aus verschiedenen Teilelementen zusammensetzt. Mithilfe der Corporate Identity profiliert sich das Unternehmen. Dazu gehören das Corporate Design (visuelle Identität), die Corporate Culture (Werte und Normen), die Corporate Communication (interne / externe Kommunikation) und Corporate Behaviour (Verhalten gegenüber Mitarbeitern und Partnern / Kunden).

ii.) Corporate Design: Wichtiges Instrument für den Wiedererkennungswert eines Unternehmens

Das Corporate Design ist eines der wichtigsten Elemente der Corporate Identity. Durch ein einheitliches Erscheinungsbild wird sich auf den ersten Blick von der Konkurrenz abgegrenzt. Dazu dienen bestimmte optische Signale (Symbole, Farben), die innere Haltungen, wie Umweltbewusstsein, transportieren können. So steht der Panda von WWF für Tierschutz und das grüne Logo, von „Greenpeace“ wird allein aufgrund der Farbe mit Natur in Verbindung gebracht.

b) Die Marke als Aushängeschild

Die Marke beziehungsweise deren Präsentation ist ein Teil des Corporate Designs. Vor der Verbreitung als Marke muss diese erst zu einer werden.

i.) Entstehung einer Marke

Mercedes Benz ist im Jahr 2015 mit 25,44 Milliarden Euro die wertvollste Marke gewesen. Gefolgt von der BMW Group, welche einen Markenwert von ungefähr 25,2 Milliarden Euro hatte. Gut platzierte und wiedererkennbare Marken, die ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal von Unternehmen sein können, fördern die Umsätze und die Wiedererkennung.

Marken schaffen Assoziationen und können einen emotionalen Wert beinhalten, der Identität schafft. Bereits Kinder lassen sich scheinbar vom Markenfieber anstecken. In den neunziger Jahren nahmen rund 40.000 Kinder an einem Malwettbewerb teil, bei dem eine Kuh mit bunten Farben verziert werden konnte. Ungefähr 30 Prozent der Kinder verschafften der Kuh einen lilafarbenen Anstrich. Was auf die „Lila-Kuh“, die zunehmend die Marke „Milka“ präsentierte, zurückgeführt werden kann.

Markenschutz
Die Idee, die zur Marke werden soll, sollte als solche beim Patentamt geschützt werden. Dabei kann zwischen verschiedenen Markenarten gewählt werden.

Bevor die violette Kuh der Marke zum Erfolg verhalf, ist im Jahr 1901 der Name „Milka“ als Marke eingetragen worden. Dann konnte „Milka“ offiziell als Marke bezeichnet und die Schokolade als Markenprodukt verkauft werden. Denn erst durch die Eintragung und Anmeldung bei einem Patentamt wird die Marke zur Marke.

Jedoch sind dafür einige Vorüberlegungen notwendig. Denn es gibt verschiedene Markenarten – von der Bild- bis zur Hörmarke. Nähere Informationen zu den Markenarten, den einzelnen Entstehungsschritten einer Marke und den Vorteilen des Markenschutzes sind unter raab-verlag.de anschaulich dargestellt. Der Markenschutz ist zudem eine Voraussetzung dafür, dass eine Marke zum Gattungsbegriff und die Funktion der Marke als Imagepfleger sowie als Identifikations- und Differenzierungselement genutzt werden kann.

Das „Tempo“ -Taschentuch
„Meine Nase läuft, hast du ein Tempo für mich?“ Wenn diese Frage gestellt wird, weiß in der Regel jeder Mensch, dass mit dem Markenbegriff Tempo ein Papiertaschentuch gemeint ist. Auch wenn nur ein „No-Name-Papiertaschentuch“ im Haus ist, wird dieses überreicht.Tempo ist im Jahr 1929 als erste Papiertaschentuchmarke in Berlin eingetragen worden. Ende der 80er Jahre sind circa 80 Millionen Taschentücher am Tag in den Fabriken hergestellt worden. In den Neunzigern haben auch die Amerikaner Interesse an dem Taschentuch gefunden – Tempo ist zur Weltmarke geworden.Dass das „Tempo“ immer noch als Gattungsbegriff verwendet wird, ist sicher nicht zuletzt auf die Innovationen zurückzuführen, die die Marke innerhalb ihrer Erfolgsgeschichte von ihren Konkurrenten abhoben. Darunter fallen unter anderem der „Tempo-Griff“ zur schnellen Entfaltung des Tuchs, eine wiederverschließbare Verpackung, bunte Farbdesigns oder ätherische Öle auf dem Tuch, die durchatmen ließen. Weitere Informationen zur Erfolgsgeschichte der Marke Tempo gibt es hier.

ii.) Markenname als Gattungsbegriff: Der Übergang einer Marke in den Wortschatz

Einige Markennamen, die ein neues und innovatives Produkt auf dem Markt präsentierten, sind zu Gattungsbegriffen für bestimmte Produktkategorien geworden. Die Marke wird meist zum Gattungsbegriff, wenn zum Zeitpunkt ihrer Entstehung noch keiner für eine bestimmte Kategorie von Leistungen besteht. Frei nach dem Motto: „Wer zuerst kommt, malt zuerst.“ Damit die Stellung als Innovator gehalten werden kann, sollten die Produkte erweitert und den Kundenwünschen angepasst werden.

3. Vermarktung im Bereich Tourismus: Zwischen Sportgeschehen und Tradition

Auch im touristischen Bereich werden Alleinstellungsmerkmale zur Vermarktung genutzt. Städte vermarkten ihre Traditionen oder besonderen Attraktionen, um Urlauber aus aller Welt anzuziehen.

a) Die Stadt München und ihre Aushängeschilder

Die Tourismusbilanz der Stadt München ergibt für das Jahr 2014 circa 13,4 Millionen Übernachtungen. Zum Vorjahr ist das ein Plus von 4,3 Prozent. Um die Bilanz zu halten beziehungsweise zu erhöhen, wird die im Jahr 2013 festgelegte Marketingstrategie weiterhin verfolgt.

Die Umpositionierung der Vermarktung haben Umfrageergebnisse aus dem Jahr 2013 mit sich gebracht. Diese ergaben, dass die Marke München zwar sehr bekannt ist, aber bei den Städtereisezielen nicht auf den obersten Plätzen mitspielt. Deshalb ist im Jahr 2013 folgendes Ziel gesetzt worden: Innerhalb von zehn Jahren soll international eine Vorreiterrolle in den Bereichen Genusskultur, Lebensfreude und Kultur eingenommen werden. Die meisten Menschen verbinden vor allem die Bierkultur und das Oktoberfest mit München. Eine weitere starke Marke ist der Fußballverein Bayern München.

i.) Die Marke FC-Bayern München: „Mia san mia“

Der Fußballverein FC Bayern München ist wohl der, der am stärksten polarisiert. Eine Studie der Technischen Universität Braunschweig hat ergeben, dass der Club über den größten Bekanntheitsgrad verfügt. Im Hinblick auf seine Markeneinstellung hat dieser mit „sehr gut“ abgeschnitten. Er wird zwar nicht als der sympathischste Verein wahrgenommen, aber belegt dennoch im Marken-Ranking der deutschen Fußballklubs den dritten Platz.

Denn die Marketingmaschinerie des Klubs brachte ihn mit einem Markenwert von 707 Millionen Euro (2015) auf den zweiten Platz der international wertvollsten Fußballmarken.

Den Spruch „Mia san mia“ (Wir sind wir) hat sich der Klub auf die Fahne beziehungsweise auf ihr Trikot geschrieben. Er steht für das bayerische Lebensgefühl, Traditionen und den FC Bayern München. So gehört der Verein unweigerlich zum Vermarktungskonzept der Stadt dazu. Die Einzelhändler verkaufen Trikots, Tassen, Spielwaren und Pflegeprodukte im FC-Bayern-Stil. Und von den FC-Bayern-Tours werden Reisen zu den Heim- oder Auswärtsspielen und von der Allianz-Arena spezielle Stadiontouren angeboten.

ii.) Das Oktoberfest: Geprägt von einer speziellen Bier- und Dirndlkultur

„O´zapft is!“ Damit startet Mitte September wieder das größte Volksfest und eine der größten Münchener Marken zeigt, dass sie funktioniert. Das Fest ist ein beliebtes Ziel vieler Touristen. Diese möchten an der Welt teilhaben, die Geselligkeit und Freude suggeriert. Im letzten Jahr besuchten circa 5,9 Millionen Gäste die Oktoberfest-Wiesen.

Young men doing an austrian traditional folk dance
Das Oktoberfest ist eine der wichtigsten Marken Bayerns. Es steht für Brauchtum, Geselligkeit und Trachtenkultur.

Was die Wiesen so anziehend und als Marketinginstrument nutzbar macht, sind vor allem die Bierbrauereien und die traditionelle bayerische Kleidung, die zur Oktoberfestzeit am „typischen“ Leben der Bayern teilhaben lässt. Diese Mischung aus Tradition, Unterhaltung, Genuss und Teilhabe ist ein Alleinstellungsmerkmal der bayerischen Hauptstadt.

Für das Oktoberfest besitzt die Stadt München Markenschutz. Unter diesen fallen zudem Logos, wie der lachende Bierkrug oder die Wortmarke Oktoberfest. Besonders viele Abmahnungen hat es laut diesem Artikel für die Fremdbenutzung der Wortmarke „Oktoberfest-Bier“ gegeben. Die Verwendung dieses Markenbegriffs sei ausschließlich traditionellen Bierbrauereien in München gestattet. Die Münchener beanspruchen ihre Bierkultur für sich. Besonders das Reinheitsgebot ist mittlerweile zum Marketinginstrument geworden.

Auch die Dirndlkultur gehört zum Oktoberfest und macht Geld mit der typischen Vorstellung von der Optik des Bayerns. Während sich der Mann in die Lederhose wirft, gibt es für die Frauen eine breite Auswahl an Trachtenmode. Kaum ein Besucher geht ohne Tracht ins Festzelt.

b) Tradition und Heimat als Vermarktungsinstrumente

Heimat und Tradition vermittelt ein Gefühl von Wohlsein, Sicherheit und Identifikation. Deshalb werden kulturelle Güter oft als Marketinginstrumente genutzt.

i.) Kulturelle Güter des Schwarzwalds mit Wiedererkennungswert: Bollenhut oder Kuckucksuhr

Vor allem der Schwarzwald zeigt, wie die Vermarktung von Tradition und Kultur funktioniert. Marketingexperte Thomas Kirschmeier meint: „Der Schwarzwald – oder eben Black Forest – steht auf der ganzen Welt für Heimeligkeit und Tradition. Er steht als Synonym für Tradition, das ist good old Germany.“ Das Bedürfnis nach Bestand sei bei vielen Verbrauchern durch die heutige Zeit, in der weltweite Krisen zum Alltag gehören, besonders ausgeprägt.

Heimatgefühle vermittelt zum Beispiel der in Handarbeit hergestellte Gin – der Schwarzwaldgin. Dieser setzt sich aus traditionellen Zutaten des Schwarzwaldes, wie Preiselbeeren oder Brombeerblättern, und dem typischen „Schwarzwaldwasser“, welches zwischen Sandstein und Granit gewonnen wird, zusammen.

Auch die Bollenhüte stehen in der Tradition der Schwarzwälder. Im Jahr 1797 wurde vom Herzog Baden-Württembergs angeordnet, Strohhüte mit Kreisen, die die Farben der Region – Schwarz und Rot – haben sollten, zu fertigen. Später trugen die Mädchen nach ihrer Konfirmation Hüte mit roten Bollen und als verheiratete Frau die Hutvariante mit schwarzen Bollen. Die Bollenhüte sind Ende des 19. Jahrhunderts auf Postkarten und mit der Operette „Schwarzwaldmädel“ weltweit verbreitet worden. Heute kommen Besucher vor allem wegen dem Bollenhut, der Kuckucksuhr oder der Schwarzwälder Kirschtorte in den Schwarzwald.

ii.) „Tulpen aus Amsterdam“: Eine Pflanze als Identifikationsmerkmal

Holland ein Tulpenmeer. Die Tulpe gehört zu den Merkmalen, die Menschen mit dem Land identifizieren. Sie sind nicht nur ein wichtiges Exportgut, sondern locken auch Touristen an.

Zu Beginn des 17.Jahrhunderts herrschte in den Niederlanden eine „Tulpenmanie“. Die Tulpen wurden zu Spekulationsobjekten, für die sehr hohe Preise gezahlt worden sind. Durch einen wirtschaftlichen Aufschwung hielten wohlhabende Holländer nach prestigeversprechenden Konsumgütern Ausschau. Die Tulpe, welche in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ihren Weg nach Holland fand, war exotisch und wenig verbreitet. Das Interesse an dieser nahm zu und es schien für viele Menschen eine lohnende Investition zu sein, die Wohlstand und Ansehen versprach. Der Tulpenhandel florierte.

Tulpen Holland
Die Liebe der Holländer für die Tulpe hat geschichtliche Hintergründe. Heute wird diese unter anderem als typische niederländische Pflanze vermarktet.

Und so sind auch heute noch weitläufige Tulpenfelder zu finden. Die Tulpe bestimmt Blumenparks oder Blumenparaden. Zudem können sich Touristen „die echte holländische Tulpe“ im Frühjahr auf dem Amsterdamer Blumenmarkt kaufen oder das Tulpenmuseum besuchen. „Tulpen aus Amsterdam“: Die Tulpe ist ein Alleinstellungsmerkmal mit Geschichte und wird in Holland durch verschiedene touristische Attraktionen vermarktet.

4. Schaffung von Aufmerksamkeit durch Ansprache der Sinne: Film und Einzelhandel

Eine spannende Geschichte oder talentierte Hauptdarsteller können Erfolgsgaranten sein, aber zunächst müssen die Besucher für diese über Marketinginstrumente interessiert werden.

a) Film- und Fernsehbereich

Die Filmbranche nutzt vor allem Vorberichte, Musikvideos oder Werbeartikel, um einen Film zu vermarkten.

i.) Trailer, exklusive Berichterstattungen und Soundtracks

Der Trailer ist aus der Filmindustrie nicht mehr wegzudenken. Das Video mit der kurzen und meist effektvollen Darstellung des Filminhalts ist eine kostengünstige Werbemaßnahme, die auf verschiedenen Social-Media-Plattformen Platz findet. Zudem wird der „Werbespot“ auf Filmblogs, Trailer-Seiten oder in der Filmsparte der Online-Auftritte von Printmedien verbreitet. So werden verschiedene Zielgruppen erreicht.

Neben den Trailern werden auch andere Werbeclips online gestellt. Wie Videos, die Einblicke in die Dreharbeiten geben, Making-Ofs oder sogar ganze Filmausschnitte. Damit wird die Spannung zusätzlich gesteigert und durch Transparenz Identifikation geschaffen.

Anders als bei der Produktwerbung von Unternehmen spielt in der Filmindustrie das Markenimage der Produktionsfirma keine Rolle. Entscheidender für den „Verkauf“ des Films sind die Schauspieler, die in den Mittelpunkt der Vorberichterstattungen gestellt werden. Sie und nicht der Film fungieren dabei in gewisser Weise als Marke. Neben dem Star steht auch die Herausstellung des Genres im Vordergrund der Werbetrailer. Es sollte sofort erkannt werden, ob der Zuschauer eine Komödie, einen Actionfilm oder einen Psychothriller zu erwarten hat. Emotionen werden angesprochen und machen Lust auf mehr Lachen, Weinen oder Gruseln.

Wiedererkennungswert können innerhalb der Trailer auch Soundtracks schaffen. So zum Beispiel die Musik von dem Film „Psycho“ oder das Lied „The hanging tree“, welches die Hauptdarstellerin in einem der Teile von „Die Tribute von Panem“ singt. Dieses hat es sogar bis in die Charts geschafft und sorgte so für zusätzliche Aufmerksamkeit.

ii.) Werbeartikel: Merchandising und Licensing

Identifikation können auch Werbeartikel schaffen. Vor allem die Star-Wars Filme zeigen, wie Merchandise bei der Filmvermarktung behilflich sein kann und zusätzliches Geld in die Kassen spült. Für die Lizenzrechte (Licensing) an den Werbeartikeln hat der Disney-Konzern vier Milliarden Dollar an Lucasfilm gezahlt.

Die einst vom Regisseur George Lucas entwickelte Marketingstrategie, scheint aufzugehen. Ende der Siebziger, als die ersten Star-Wars-Filme erschienen, sind die Anhänger der Filmreihe nach den Filmen an Werbeartikel herangeführt worden. Während mittlerweile Lego-Figuren oder Sammelsticker für Kinder herausgebracht werden, die oft noch keinen der Filme gesehen haben und erst über die Spielzeuge dem Star-Wars-Kult verfallen. Die Zusammenarbeit mit Lego oder dem Computerspielehersteller Electronic Arts, welche ein paar Wochen vor dem Kinostart das neuste Star-Wars-Spiel hervorbrachte, sind Elemente geschickter Vermarktung. Star-Wars ist in aller Munde und die Werbeartikel verschaffen Alleinstellungsmerkmale zum Anfassen, die Nähe und Identifikation bewirken. So kann mit dem Lichtschwert aus Plastik in die Rolle der Darsteller geschlüpft werden.

b) Einzelhandel: Die direkte Vermarktung von Alleinstellungsmerkmalen

Die direkte Vermarktung von Produkten findet zum Beispiel im Einzelhandel statt. Der Käufer wird oft im Laden in seiner Kaufentscheidung beeinflusst. Und zwar nicht nur mit Verkaufsgesprächen, sondern auch durch die Ansprache der Sinne.

i.) Einkaufserlebnis: Ansprache verschiedener Sinne

Wer sich in ein Kaufhaus begibt, wird von Musik beschallt. Der melodische Schall führt zu Aufmerksamkeit, kann fröhlich stimmen und sich auf das Kaufinteresse auswirken. Hinzu kommen Ladendesign, Geruch oder die Kleidung der Verkäufer.

Verkaufsstrategie des Modeherstellers Hollister
Die Modemarke Hollister macht sich alle Sinne zu Nutze. Die Geschäfte haben ihr ganz eigenes Image, das auf jüngere Menschen ausgerichtet ist. Ein einzigartiges Verkaufskonzept, das Wiedererkennungswert besitzt. Die dunklen Scheiben, die Verkäufer im Surfer-Look, das gedimmte Licht im Laden, der Geruch von Parfum und die Beschallung von „hipper“ Musik. Dieses individuelle Vermarktungskonzept spricht alle Sinne an und sorgt für lange Schlangen vor den Geschäften.

5. Werbeinstrument im politischen Bereich

Auch politische Parteien sind von Marketinginstrumenten abhängig. Diese versprechen die Aufmerksamkeit der Wähler.

a) Farben als Merkmale der einzelnen Parteien

Jede Partei hat ihre eigene Farbe. Diese dient als Orientierungshilfe und ordnet die parteipolitischen Aktivitäten.

i.) Bedeutung der Farbe im Wandel der Zeit

Von der Antike bis zum Mittelalter konnten sich nur die obere Herrschaftsschicht reine Farbstoffe leisten. Die Farbe untermauerte den Herrschaftsanspruch der Wohlhabenden. Im römischen Reich trugen nur die Kaiser farbige Kleidung.

Im Mittelalter galt die Farbe Rot als Wiedererkennungsmerkmal der oberen Stände. Als die wirtschaftliche Macht des Adels schrumpfte, wurde die Farbe jedoch zum Merkmal der Arbeiterbewegung und verlor den Wert als Statussymbol der Oberen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Farbe schließlich nicht nur als Symbol für die eigene Überzeugung, sondern auch als Abgrenzungsinstrument wichtig.

ii.) Farbe als politisches Werbeinstrument

Durch die Verbreitung des Fernsehens, mussten sich die Parteien durch die mediale Aufmerksamkeit stärker behaupten. Deshalb entwickelten die einzelnen Parteien mit den Jahren ihr eigenes Corporate Design, wozu vor allem die einheitliche Farbgestaltung zählte. Heute weiß meist jeder, welche Parteien die Gewinner der Wahl sind, wenn die bunten Balken erscheinen.

Fazit
Alleinstellungsmerkmale in jeglicher Form können bei einer guten Marketing- und PR-Arbeit über Jahre Erfolgsgaranten sein. Egal, ob es sich um die Unternehmensphilosophie, die Produktmarke oder gesellschaftliche und traditionelle Güter handelt. Wer sich der Zielgruppe anpasst und Wiedererkennung schafft, dem helfen Alleinstellungsmerkmale, Aufmerksamkeit und somit wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen.

Bilder:

Abbildung 1: © stockphoto-graf – fotalia.com

Abbildung 2:© Trueffelpix – fotalia.com

Abbildung 3: © Dieter Hawlan – fotalia.com

Abbildung 4: © tuku (CC0 1.0) – pixabay.com

 

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