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Andere Zeiten, neue Sitten!

notopfer steuermarkeWenn früher jemand Zehnt, Abgaben, Gebühren, Zoll oder Steuern nicht zahlte, musste er mit Bußen rechnen. So weit, so gut. Von dieser goldenen Grundregel gab es aber schon mal wieder befristete Ausnahmen. Das ist einfach so. Der Versuch einer Ausnahme, so sie denn langfristig scheitert, beweist ja die Richtigkeit der Regel, schafft sie erst, denn funktionierte die Ausnahme ebenso beständig wie der Usus selber, wäre dessen grundsätzliche Regelkraft zweifelhaft. 

Der Zehnt war eben der Anteil von Jedermanns Einkünften, die der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt wurde, denn wenn die Gemeinschaft schon mehr ist, als die Summe der Teilnehmer, dann musste eben auch der überzählende Teil irgendwie versorgt werden.

Abgaben waren das, was abzugeben war und abgegeben werden konnte und sicherte schon in der Bezeichnung den eigenen Fortbestand, denn abgeben konnte nur, der ausreichend hatte. An Mangel war noch nie jemand interessiert.

Anders die Gebühren. Die waren das Entgelt für eine empfangene Leistung und insofern rechtens, wenn der Leistungsempfänger die Wahl hatte, ob er die Leistung beanspruchen will oder nicht.
Zölle funktionierten ebenso als Entgelt für Rechte und deren Nutzung.

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Steuern waren jene erhobenen Zwangsabgaben, mittels derer das Gemeinwesen gelenkt werden sollte. Da zusätzliche Belastungen ja nicht erstrebenswert sind, liegt die Vermutung nahe, dass die Steuerung der Gemeinschaft bestens funktionierte, wenn es kein Steueraufkommen gab.

Schon immer aber gab es mehr Wünsche als Möglichkeiten und so wurden im Verlauf der Zeit all diese doch grundsätzlich verschiedenen Dinge zusammengefasst in dem hohlen Begriff der Finanzierung der Gemeinschaft. Ist die Belastung des Einzelnen höher als 50% seiner Einnahmen, ist es ja vernünftig, nicht vom zehnten Teil zu sprechen.

Aber man darf die Ausnahmen nicht vergessen. Ausnahmen gibt es vermutlich immer dann, wenn es vorn und hinten nicht reicht, die selbstregulierende Wirtschaftskraft im Argen liegt und das Gemeinwesen nur noch mit dem Sog der Macht zusammengehalten werden kann. Immer waren das Zeiten der gesellschaftlichen Agonie, Blüten kurz vor der Fäulnis mit betörendem Duft, der zu Raserei und Extase führt, bevor ein kalter Neustart erfolgt. Es wurde nicht genommen, sondern gegeben.

Im alten Rom nannte sich das „Brot und Spiele“. In den kommunalen Kornkammern wurde entgeltfrei verteilt und die Langeweile mit Festen und Brimborium bekämpft. Jene am Status quo interessierten und noch nicht verarmten Mitbürger finanzierten den abhängigen Teil der Mitmenschen.

Simpler Vorgang eigentlich und auch ein Regelkreis. Je mehr das in Anspruch nehmen, desto schneller verarmt auch der Geber und ist dann auch nicht mehr am Status quo interessiert. Das Dilemma ist lediglich, die Nehmer sind sehr wohl am Bestehenden interessiert. Und immerhin die Mehrheit!

Trotzdem waren das immer nur Zwischenzeiten.

 

Franz Wanner - http://blog.corporatebookstore.de


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