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Der wirtschaftliche Dominoeffekt

dominoeffektAls der jüngste Vulkanausbruch auf Island den Flugverkehr lahm legte, zeigte sich, wie anfällig ein System ist, das auf maximaler Auslastung basiert. Die massiv diskutierte Krise in Griechenland ist bloß der Gipfel vom Eisberg. Die Abwärtsspirale könnte durch unumgängliche Unterstützungen beschleunigt werden. Doch auch ohne der geplanten Hilfe, scheint unser Wirtschaftssystem an einem Punkt angelangt zu sein, an dem mit dramatischen Auswirkungen zu rechnen ist, die alles übertreffen sollten, was unsere Generation je erlebt hat.

Wie wir erst kürzlich in Erfahrung bringen konnten, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel höchst persönlich die Chefredakteure der namhaften Zeitungen in einem geheimen Treffen dazu aufgefordert, die wahren Ausmaße der Krise nicht offen darzulegen. So viel zum Thema verantwortlicher Berichterstattung.

Die nun veröffentlichten Prognosen, dass bis zum Jahr 2013 rund 40 Milliarden Euro weniger an Steuereinnahmen verzeichnet werden sollten, wirken eigentlich recht harmlos. Auch wenn es sich gewiss um eine ganze Menge Geld handelt, im Vergleich zur derzeitigen Staatsverschuldung von knapp 1,8 Billionen Euro, sollten 40 Milliarden eigentlich nicht sonderlich ins Gewicht fallen.

Um die Situation, die sich zumindest seit dem Jahr 2008 offen zeigt, zu verstehen, bedarf es keineswegs, Wirtschaftsexperte zu sein. Was passiert, wenn das regelmäßige Wirtschaftswachstum, auf das unser ganzes System aufgebaut ist, ausfällt, lässt sich sogar ohne Taschenrechner nachvollziehen.

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Sobald von einem Volk Steuerleistungen verlangt werden, wird eine bestimmte Menge an Geld dem Wirtschaftsfluss direkt entzogen. Nachdem der Staat diese Gelder natürlich nicht für sich behält, sondern umverteilt, wird ein Teil davon wiederum der Wirtschaft zugeführt. Dabei handelt es sich um jenen Teil, der in Form von Gehältern, Unterstützungen, Projektfinanzierungen etc. wieder in die Hände von Bürgern gelangt. Ein anderer Teil, zu dem unter anderem die Zahlung der Zinsen für die Staatsschulden zählt, wird diesem Kreislauf entzogen.

Lassen wir aus Gründen der Veranschaulichung die Inflationsrate beiseite. Sobald die Umsätze landesweit rückläufig sind, reduziert dies die Steuereinnahmen. Trotzdem muss der Staat nicht nur seine Verpflichtungen erfüllen, auch die Wirtschaft erfordert den Geldfluss. Dass Hartz-IV-Empfängern Geld in die Hand gedrückt wird, anstatt sie ins Armenhaus zu schicken, hat nicht nur menschliche Ursachen, da stecken auch eindeutige wirtschaftliche Gründe dahinter (um nur ein markantes Beispiel anzuführen).

Entsteht eine Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben, so lässt sich diese – vorübergehend – durch Kredite schließen. Und hier wäre eine Graphik der deutschen Staatsverschuldung, die zeigt, wie sich diese Lücke von Jahr zu Jahr vergrößert hat.

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Das bis dato funktionierende System würde somit nur dann weiter funktionieren, wenn die hier gezeigte Kurve endlos nach oben ansteigen könnte. Dividieren wir die Staatschulden durch die Zahl der Bürger, so bedeutet dies, dass jeder Einzelne zur Zeit für rund 21.700 Euro verantwortlich ist. Im Falle einer Familie mit zwei Kindern addiert sich dies zu nicht weniger als 86.800 Euro.

Der mögliche Rahmen der Staatsverschuldung ist an seine Grenzen gestoßen. Für einen weiteren Zeitraum ließe sich das Spielchen noch dadurch fortführen, dass den Bürgern Kredite nachgeworfen werden. Das war übrigens in den Vereinigten Staaten und in Kanada bis zum offiziellen Eintritt der Krise der Fall. Dass sich das Rad der Wirtschaft dort noch immer weiter dreht, liegt daran, dass viele Bürger nun, seit Visa nicht mehr regelmäßig mit dem Vorschlag anruft, den Kreditrahmen zu erhöhen, reale Werte veräußern, damit ihre Schulden teilweise abdecken, und somit noch einige Zeit weiter über die Runden kommen. Wie lange noch, wird sich zeigen.

Deutsche Banken sind mit der Vergabe privater Kredite nicht ganz so großzügig. Außerdem ist es ohnehin klar, dass sich der Zusammenbruch dadurch nur begrenzt hinauszögern lässt.

Nimmt der Staat weniger Geld ein, muss er entweder die Ausgaben kürzen, mehr Steuern einheben oder neue Kredite aufnehmen. In den ersten beiden Fällen, wird der Wirtschaft Geldfluss entzogen, was die Umsätze weiter verringert und dadurch die Steuereinnahmen. Treibt er jedoch die Verschuldung voran, sinkt nicht nur die Bonität, auch wird durch die erhöhte Zinsleistung der Wirtschaft wiederum Geld entzogen. Wie immer versucht wird, das Problem zu lösen, die Katastrophe kann dabei bloß hinausgezögert werden. Alle diskutierten Ideen können zu nichts anderem führen als zu einer vorübergehenden Verdrängung.

Dass Griechenland sich als Vorreiter des Zusammenbruchs angeboten hat, liegt daran, dass dort auf jene Maßnahmen, die das Chaos hinauszögern, verzichtet wurde. Keine Anhebung des Pensionsalters, keine Einkommensreduzierung etc. Diese Einsparungsmaßnahmen heben nicht die Ursachen für das Problem auf, das mit dem Beginn der Schuldenpolitik eingesetzt hat, sondern verzögern bloß die unumgänglichen Auswirkungen.

Heute wird verraten, dass bis zum Jahr 2013 40 Milliarden an Steuereinnahmen fehlen werden. Griechenland brauchte anfangs auch keine direkte Hilfe, und Schritt um Schritt stiegen die dringend notwendigen Mittel auf 110 Milliarden an. Auch die Lücke im deutschen Steuersäckel wird sich vergrößern. Mehr Klein- und Mittelbetriebe werden Konkurs anmelden. Mehr Arbeitsplätze werden dadurch verloren gehen. Noch weniger Geld wird für das Antreiben des Rades der Wirtschaft verfügbar sein. Und während auf den Feldern noch genau so viel Weizen wächst wie vor ein paar Jahrzehnten, während genau so viel Arbeitskraft zur Verfügung steht, wird sich die Situation weiter verschlechtern. Bereiten Sie sich darauf vor!

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  05.02.2012 The Intelligence
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