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Die Illusion vom ewigen Wachstum

dax_1990-2010Immer wieder werden wir in den Medien mit dem Begriff „Wirtschaftswachstum“ konfrontiert. Sinkt dieses auf unter ein Prozent, läuten die Alarmglocken. Werden Zuwächse von zwei Prozent verzeichnet, scheint die Welt in Ordnung – ungeachtet der Situation Einzelner.

Fallen die Aktienpreise, geht eine große Bank pleite, droht eine Katastrophe hereinzubrechen. Und das, obwohl auf den Feldern genau so viel Getreide wächst, obwohl Unternehmen ihre Produkte ebenso anbieten wie Arbeitnehmer ihre Arbeitskraft. An allem besteht ein Überangebot – und trotzdem beginnen immer mehr Menschen, Not zu leiden.

Je weiter die Globalisierung fortschreitet desto komplizierter scheinen die Mechanismen der Wirtschaft. Versucht jemand, das ursprüngliche Modell einer Dorfgemeinschaft als Vergleichsbasis herzunehmen, läuft er unweigerlich Gefahr, sich der Scharlatanerie schuldig zu machen. Ökonomie ist eine Wissenschaft und Kommentare darüber sind nur Wissenschaftlern gestattet. Platos Vorschlag, dass die Republik von Philosophen regiert werden sollte, ist nicht nur lange vergessen, es wurde zur Unmöglichkeit.

Trotzdem, lassen wir wissenschaftliche Konzepte einmal beiseite und analysieren wir die Situation einer Dorfgemeinschaft der Vergangenheit, ohne elektrischen Strom und ohne fossile Brennstoffe.

Ein wesentlicher Teil der Menschen arbeitete im Bereich der Landwirtschaft. Dann gab es Weber, Gerber, Schneider, Schuster, Müller, Bäcker etc. Waren und Leistungen wurden untereinander ausgetauscht. Es handelte sich – wir sprechen natürlich vom Idealfall – um einen geschlossenen Kreis. Solange Steuern in Form von Naturalien eingehoben wurden, stellte auch dies, solange es der Gemeinschaft nicht an Brot fehlte, auch kein Problem dar.

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Der erste, diese Harmonie störende, Faktor wäre das Einheben von Steuern in Form von Geld. In diesem Fall bedarf es nämlich nicht nur der Ware, sondern auch eines Käufers. Gibt der Bauer den zehnten Teil seiner Ernte an den Grundherren ab, verbleiben 90 Prozent für die eigene Versorgung bzw. für den Tausch gegen andere Güter. Wird jedoch ein Teil des Erlöses in Form von Steuern abgeführt, verliert die Gemeinschaft regelmäßig einen Teil ihrer finanziellen Substanz. Auch wenn diese Darstellung sowohl offensichtlich als auch banal erscheint, ist es durchaus notwendig, das entstehende Basisproblem näher zu berücksichtigen. Gehen wir davon aus, dass in dieser Dorfgemeinschaft 10.000 Taler zur Verfügung stehen, und bei jeder Transaktion werden zehn Prozent an Steuern abgeliefert, so reduziert sich der Geldbestand regelmäßig. Die dadurch entstehende Lücke lässt sich nur dadurch füllen, indem Waren oder Leistungen auch außerhalb dieser Gemeinschaft gegen Geld veräußert werden.

Also, entweder wirft die Landwirtschaft genügend Erträge ab oder es sind die Weber, die Gerber, die Handwerker, die die Umgebung mit ihren Produkten versorgen. Dieses eine Dorf wäre dadurch gerettet. Doch, das Nachbardorf, das zum regelmäßigen Abnehmer geworden ist, findet sich natürlich mit genau der gleichen Problematik konfrontiert. Auch diese Gemeinschaft muss mehr produzieren als sie verbraucht, denn schließlich müssen nicht nur die „Importe“ durch „Exporte“ ausgeglichen werden, es fallen wiederum regelmäßig Steuern an.

Auch wenn ein landesweiter Handel mit Produkten anderer Größenordnungen die Situation verschleiert, verzerrt, in die Länge dehnt, es ändert nichts an der Tatsache, dass sich das vorhandene Geldvolumen regelmäßig und unabänderlich reduziert. Dass ein wesentliche Teil des Steuerbudgets lediglich der Umverteilung dient, also wieder in den Kreislauf zurückfließt, ändert nichts an der Situation. Selbst wenn es nur ein Prozent wäre, um den sich das Umlaufkapital regelmäßig und wiederholt verringerte, es bedarf einer Aufstockung.

Und diese Aufstockung ist natürlich ebenfalls gegeben, und zwar in Form von Krediten. Wir haben schon einmal auf The Intelligence einen Artikel über die Geldschöpfung veröffentlicht. Abgesehen von dem kleinen Teil, etwa fünf Prozent, des Geldvolumens, das in Form von Banknoten und Münzen existiert und von Zentralbanken in Umlauf gesetzt wird, beim unverhältnismäßig größeren Rest handelt es sich um sogenanntes Buchgeld, das ausschließlich von Banken in Form von Krediten in Umlauf gesetzt wird. Das bedeutet, dass, neben den Steuern, auch Geld für Kreditzinsen dem Umlauf entnommen wird. Beides zusammen lässt sich nur dadurch ausgleichen, dass sich das Geldvolumen regelmäßig vergrößert, wodurch wiederum höhere Zinsen entstehen etc, etc.

Nachdem durch die Schaffung des Euro im europäischen Raum ein Umbruch vonstatten gegangen ist, zeigt die Kurve des US-Dollars das Ansteigen des Geldvolumens seit 1960 wesentlich deutlicher:

 us_dollar_money_supply

M3, M2 und M1 geben die Geldverfügbarkeit (Money Supply) der verschiedenen Kontoarten im In- und Ausland an, wobei M3 einen Überblick über die weltweite Existenz von US-Dollars vermittelt. Seit 2006 unterlässt die Federal Reserve Bank die Veröffentlichung dieses Wertes.

Die folgende Graphik zeigt den Anstieg des Volumens des Euro von 1998 bis 2007:

 euro_money_supply

 

Voraussetzung, um das bestehende System aufrecht zu erhalten, wäre ein anhaltendes Wirtschaftswachstum und zwar über die Inflationsraten hinaus gehend. Um das zu bewirken, müsste regelmäßig mehr produziert und mehr konsumiert werden. Mehr Konsum, und gleichzeitig bessere Auslastung der Produktionsanlagen, wäre aber wiederum nur möglich, wenn der Geldumlauf gleichzeitig weiter Erhöhung findet, was die Zinslast noch weiter vergrößern würde. Wie immer Experten die Situation beurteilen, was immer sie für kurzfristige Lösungen parat halten, allein ein Blick auf das steigende Geldvolumen, während der Lebensstandard der Bevölkerung regelmäßig absinkt, zeigt, dass die Wachstumstheorie an ihre Grenzen gestoßen ist. Was immer an Rettungsversuchen unternommen wird, inklusiver einer möglichen Ausweitung von Kriegsszenarien, kann eigentlich den Zusammenbruch des Systems nur hinauszögern. Es scheint als wäre es an der Zeit, radikale Veränderungen auszuarbeiten. In welcher Form? Da sollten sich wohl die Experten damit befassen.

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  05.02.2012 The Intelligence
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