R³- Deutschland ist erneuerbar und wird doch für dumm verkauft
Heute Morgen um 4.00 Uhr hat Greenpeace das Bundeskanzleramt angestrahlt. Gesundheitlich völlig unbedenklich stand da zu lesen: Deutschland ist erneuerbar! Und jetzt tobt die Lobbyschlacht. Die einen behaupten der Strom würde ohne Atom-Meiler zu teuer, die anderen wollen keine dicken Strommasten von Norden nach Süden durch ihr schönes Bundesland zulassen, dann soll es immer noch welche geben die es zu behaupten wagen, dass AKW´s doch recht sicher seien. Angst wird geschürt: Wo soll denn der ganze Strom herkommen, wenn es keine AKW´s mehr gibt. Die Sinnfrage wird gestellt: wenn wir zu wenig Strom produzieren, dürfen wir dann Atomstrom aus Frankreich oder Tschechien kaufen? Pseudo-Rechnungen werden aufgestellt: Der Austieg ist bis 2017 machbar, oder bis 2034 oder überhaupt nicht.
Wenn ich der König von Deutschland wäre, oder der Vorstand der Deutschland AG, würde ich die ganze Gesellschaft, die mir da beratend oder lügend weiß Gott was erzählt, zum Teufel jagen.
Man stelle sich nur einmal vor, über was wir da eigentlich reden. In 25 Jahren kam es zweimal zum Super-GAU. Ganz abgesehen von der Dunkelziffer. Immer noch ist es so, dass deutsche AKW sich nur zwei Stunden selbst mit Notstrom versorgen können. Immer noch ist es so, dass wesentliche Versorgungs- und Kühleinrichtungen außerhalb der Reaktorkuppel liegen und für Flugzeugabstürze und Sabotage recht einfach zugänglich sind.
Und wir machen uns einen Kopf darüber, dass das Genehmigungsverfahren für einen neuen Windpark mit Stromtrasse bis zu 10 Jahre dauert. Oder dass die Atom-Lobby die Bundesregierung verklagen könnte. Oder das die Bundesländer in Mitteldeutschland keine Stromtrassen von Norden, wo der Windstrom produziert werden kann, nach Süden, wo er größtenteils verbraucht wird, zulassen wollen.
Also, wir können uns weiterhin blöd anstellen und im Falle eines Super-Gaus so ca. 8.000 Euro pro Nase bekommen, für verstrahlte Kinder, Landschaften und Lebensmittel, wie gerade in Japan von Tepco angekündigt. Das ist ungefähr so, als müsse man seine Kreditkarte zücken und unterschreiben bevor man von der Feuerwehr aus Lebensgefahr gerettet wird. Oder wir machen viel mehr auf Wut- und Vernunft-Bürger, fassen alle Fakten auf ein paar DIN-A4 Seiten zusammen und haben ruck-zuck ein Ausstiegsszenario.
Geht nicht? Geht ganz sicher. Die Vorstände der Strom-Konzerne haben die DIN-A4 Seiten sicher schon vorliegen. Die wissen, genauso wie Greenpeace: Deutschland ist erneuerbar. Nur ist das für die Vorstände keine gute Aussicht, sondern eher ihr ganz persönlicher „Größter Anzunehmender Unfall“.
Ein Beitrag aus der Reihe "R³ - Rottlers Rigoroses Review"




