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Das hebt uns jetzt auch nicht mehr an

euro_muenzenÜber die Fußball-Freudentaumel zukünftiger Bundespräsidenten und der ach so süßen Verlockung die hochgerechneten Steuermehreinnahmen bis zum Jahresende schon mal schnell heute noch auszugeben, können wir uns nur noch dunkel an eine Finanz- und Wirtschaftskrise erinnern, die wir, laut Konjunkturdaten, sowieso schon überwunden haben. Nur Miesepeter wärmen das Thema heute noch auf. 

Die FAZ hat das am 18.06. unter den variierenden Titeln „Das Gewicht der Schuldenberge wird immer stärker“ (Online) und „Die Unternehmen spüren das Gewicht ihrer Schuldenberge immer stärker“ (Print) getan. Grundtenor: In den nächsten Jahren stehen eine ganz Menge Kredite zur Tilgung oder Umschuldung an. Die letzten Jahre waren nicht rosig, somit ist Tilgung zweifelhaft und zur Umschuldung gehören eben immer zwei Seiten, die Nehmer und Geber von Geld, jene finden heuer seltener zueinander. Über die Summen mag ja eine gewisse Wagheit liegen, aber für Europa sind da 37 Milliarden (2014) und 44 Milliarden (2015) genannt, für Amerika 300 Milliarden (2013) und 400 Milliarden (2014).

Klar, wir sind zwischenzeitlich größere Summen gewöhnt. Nur geht es hier nicht um Staaten, die sich beliebig Geld drucken können, sondern um Betriebe, die ihrem Bankberater in die Augen schauen müssen. Betriebe erwirtschaften sich Geld durch realisierte Verkäufe von Produkten und Dienstleistungen an Kunden, die dafür dann auch tatsächlich zahlen sollen. Das scheint vielen Bankberatern heute zweifelhaft, wenn alle potentiellen Kunden eigentlich sparen sollen. Also werden die Daumenschrauben angezogen. Wenn die Gefahr besteht, dass von zehn Krediten fünf ausfallen werden, müssen die anderen fünf im Ertrag mindestens die verlustigen fünf abdecken. Fließen alle artig zurück, mindert dies die Rendite keinesfalls. Außerdem muss bedacht werden, dass ja bald der Fiskus sich vorrangig am Pleiteaas bedienen darf, und wer weiß denn schon, ob da noch Reste bleiben werden. Auch dem Staat ist nicht zu trauen!

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Wenn sich jemand nicht erinnert, wie es zu diesen gigantischen Krediten kam, dann hier die vereinfachte Kurzerklärung.

1. Eigenkapital war wirtschaftliche Idiotie, denn a) wurde es als Besitz versteuert und b) konnte das irgendwo verzinst Ertrag bringen und c) waren gezahlte Kreditzinsen Aufwendungen, die die Steuerschuld eigener Gewinne minderten und d) hatten Gewinne, die sich auf gegen Null tendierendes Eigenkapital bezogen, einfach gigantische Kennzahlen zur Folge. 10 auf 100 sind eben mickrige 10 %, dagegen 10 auf 10 schon stolze 100% - und Kennzahlen sind einfach alles!

2. In Zeiten da alle eigenes Geld schnell los werden und gewinnorientiert investieren wollten, konnte man sich welches borgen, Zinssatz egal, Hauptsache viel.

Damit kaufte man die notwendige Anzahl Aktien einer Firma und zwang die damit unter den Prozess einer feindlichen Übernahme. Welche Firma war auch egal, nur gesund musste sie noch sein. Noch. Man wollte nicht Unternehmer spielen, sondern Geld machen. Verhackstückt konnten manche Firmen im Weiterverkauf mehr einbringen, als man investiert hatte. Oder die Barreserven samt Immobilienvermögen waren wertvoller als der Börsenwert.

Und eine dritte Variante, deren Ergebnis auf uns zuplätschert. Die Kredite zum Kauf der Unternehmen integrierte man als Schuldposten in das Unternehmen selbst. Dann musste dieses Unternehmen die ungewollte feindliche Übernahme einfach selbst abstottern - selber schuld. Bei geschickter Kreditgestaltung war die Anfangsbelastung nicht so schlimm und der Neubesitzer - zwischenzeitlich kreditbefreit - konnte erst einmal kräftig die anfallenden Unternehmensgewinne abschöpfen. War Nettogewinn. Dieser attraktive Gewinn ermöglichte einen schönen Preis beim Weiterverkauf des Ladens, bevor die Zeit jetzt anbricht, die Übernahmekredite wirklich zu tilgen. Angespart wurde nix, denn Eigenkapital wäre ja wirtschaftliche Idiotie gewesen.

Erinnert sich jemand an die Übernahmeorgien der letzten Jahre? Jedenfalls hängen an den schwankenden und wankenden Unternehmen so viele Arbeitsplätze, dass es dem Staat egal sein sollte, ob er nun Sozialhilfe zahlt oder die Betriebe rettet. Rettet er die nicht, kommen zusätzlich die wieder barmenden Banken auf ihn zu und das Wahlvolk fürchtet um seine dort deponierten Ersparnisse.

Vertrauen wir also den Fachleuten.

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