Schattenseiten von Microsoft
Multimilliardär und langjährige Nr. 1 in der Weltrangliste der reichsten Männer, Bill Gates, Gründer und Haupteigentümer von Microsoft, lässt sich gerne als Philanthrop feiern. Kürzlich aus einer Fabrik in China geschmuggelte Photographien zeigen restlos erschöpfte junge Frauen, die ihre zehnminütige Pause am Fließband zum Schlafen nutzen. Mit am Bild: Produkte von Microsoft! In sogenannten „Sweatshops“ wird fünfzehn Stunden pro Tag gearbeitet. Der Stundenlohn beträgt 39 Cents, was auch beim chinesischen Preisniveau kaum zum Überleben reicht.
Eines der schockierenden Bilder wurde am 18. April von Mail-Online veröffentlicht. Junge Chinesinnen, zwischen 18 und 25 Jahre alt, beginnen ihre Arbeit um 7:45 Uhr morgens, um bis 10:55 Uhr nachts die gleichen monotonen Handgriffe zu wiederholen. Wie Mail-Online in Erfahrung bringen konnte, drängen sich dabei bis zu 1.000 Frauen in Räumen mit Ausmaßen von 30 mal 30 Metern. Unterhaltungen oder Musikhören während der Arbeit ist verboten.
Die Nacht wird in Schlafsälen mit vierzehn Personen pro Raum verbracht. Wer nicht selbst eine Matratze kauft, schläft auf einem 28 Zoll breitem Holzbrett. Für die Körperhygiene stehen Wassereimer und Schwämme zur Verfügung.
Arbeitgeber ist die KYE-Systems-Corporation mit Hauptsitz in Taiwan. Die hier behandelte Produktionsstätte befindet sich im chinesischen Dongguan. Es werden Computer-Mäuse und Web-Kameras hergestellt. Microsoft ist zwar nicht der einzige Abnehmer von KYE, ist aber für rund 30 Prozent der Umsätze verantwortlich. Weitere KYE-Kunden sind Hewlett-Packard, Samsung, Foxconn, Acer, Logitech and Asus.

Im Rahmen einer drei Jahre dauernden Ermittlung, gelang es einer Organisation namens National Labor Committee, die sich global gegen Sklavenarbeit und Sweatshops einsetzt, sowohl detaillierte Informationen über die Arbeitsbedingungen bei KYE als auch die vorliegenden Bilder zu beschaffen. Eine Arbeiterin erklärte gegenüber NLC: „Wir sind wie Gefangene. Es scheint, als würden wir nur leben, um zu arbeiten. Das hier ist aber kein Leben. Es ist nur Arbeit!“
Was den Arbeiterinnen am schlimmsten zusetzt, ist sowohl der paramilitärische Führungsstil als auch der Mangel an Schlaf. Die bereits zitierte Arbeiterin erklärte, dass sie zwar auf Überstunden verzichten könnte, doch ihr monatlicher Grundgehalt von 770 Yuan, was etwa 84 Euro entspricht, würde bei weitem nicht ausreichen, ihre Eltern zu unterstützen, bei denen es sich um Bauern ohne Arbeit und ohne Pensionsanspruch handelt.
Charles Kernaghan, Vorstand von NLC, erklärte: „Es klingt wie Folter. Das rasende Tempo am Fließband, der gleiche Handgriff, immer und immer wieder, zwölf und mehr Stunden lang.“
Microsoft gibt sich überrascht. Ein Sprecher erklärte, dass man über den Bericht von NLC bescheid wisse und entsprechende Ermittlungen eingeleitet worden seien.
Quelle: Mail-Online



