top_abstand_2
top_abstand_1000x4
weiterempfehlen_banner

Vulkanausbruch zeigt die Anfälligkeit unseres Systems

island_2_april_2010Es war der 14. April, an dem der isländische Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull, was auf deutsch „Inselberggletscher“ bedeutet, seine Aktivitäten drastisch verstärkte. Die Konsequenzen reichen wesentlich weiter als dass ein paar Reisende geduldig auf Flughäfen verharren. Die entstehenden Kosten, zuzüglich der Umsatzausfälle, beschränken sich dabei nicht nur auf Fluglinien und Flughäfen, auch viele Waren und Post werden auf dem Luftweg transportiert. Die moderne Wirtschaft erlaubt jedoch wenig Spielraum für unerwartete Zwischenfälle.

Erinnern wir uns an Situationen, die drei bis vier Jahrzehnte zurückliegen, als die meisten von uns bereits auf dieser Erde weilten, so lässt sich deutlich erkennen, wie sehr sich die Lebensumstände verändert haben. Linienflüge waren selten bis zum letzen Platz ausgebucht, Verkehrsstaus auf Autobahnen waren eher die Ausnahme als die Regel, kalkulierte Gewinnspannen mittelständischer Unternehmen erlaubten, auch vorrübergehende Ausfälle zu überleben, und auch die Gehälter von Arbeitnehmern lagen, in Relation zur damaligen Kaufkraft, deutlich höher.

Mittlerweile heißt die Devise: Maximale Auslastung! Konkurrenzdruck, äußerst knapp kalkulierte Budgets, weiter entwickelte technische Errungenschaften, zwingen sowohl den Menschen als auch das System vorhandene Kapazitäten bis zu den äußersten Grenzen auszunützen, und oft sogar, diese Grenzen zu überschreiten.

Wie die Financial Times berichtet, kalkulierte der Verband der europäischen Fluggesellschaften (AEA) tägliche Ausfälle von mehr als 100 Millionen Euro, allein für die Fluglinien. Flughafenbetriebsgesellschaften müssen auf Landegebühren ebenso verzichten wie auf Umsätze aus den Duty-free-Shops.

Anzeige

Die Deutsche Post klagt, dass Briefe und Pakete nicht weiter geleitet werden können. Der Deutsche Reiseverband (DRV) teilte am Freitag mit, dass allein bei deutschen Reiseveranstaltern rund 50.000 Kunden ihre Flüge nicht antreten konnten.

Dutchnews schrieb am 16. April, dass die niederländische Fluglinie KLM vor dem Konkurs stünde und bereits auf Reserven aus dem Pensionsfond zurückgreifen müsste.

Ein Artikel von Michael Tarm bei Associated Press erinnert daran, welche Ausmaße die internationalen Verbindungen bereits angenommen haben. Blumenhändler in New York erhalten ihre Sendungen aus Holland nicht. Ärzteteams können ihre Reise in Entwicklungsländer nicht antreten. Sogar gespendete Organe können in vielen Fällen nicht zu den Patienten befördert werden, deren Leben vom zeitgerechten Erhalt dieser Organe abhängt.

Und hinter der Unzahl von Menschen, die ihren geplanten Flug nicht antreten können, stecken ebenso viele Einzelschicksale, die teils nennenswerte finanzielle Schäden mit sich bringen, emotionalen Druck oder beides. So sitzt etwa Anissa Isker mit ihrem Sohn am Flughafen von Paris fest. Sie waren am Weg nach Miami zu einer speziellen Behandlung, die darauf hoffen ließ, die Gehfähigkeit des, an den Rollstuhl gefesselten, Sohnes wieder herzustellen. Sollten sie nicht zeitgerecht eintreffen, werden die Kosten von der Klinik nicht zurückerstattet.

Vor 98 Jahren lief ein Schiff vom Stapel, das damals als das größte bewegliche Objekt, das jemals von Menschenhand erschaffen wurde, Erwähnung fand. Die Titanic galt sogar als unsinkbar und Zeitungen schrieben, voller Überheblichkeit: „Nicht einmal Gott selbst kann dieses Schiff versenken!“ Am 14. April des Jahres 1912, kurz vor Mitternacht, rammte sie inmitten des Nordatlantik einen Eisberg. Zwei Stunden und vierzig Minuten später verschwand sie von der Wasseroberfläche. Vielleicht wäre es an der Zeit, sich vom Wahn der unbezwingbaren Technik wieder zu lösen, denn wie schrieb schon Theodor Fontane vor 130 Jahren: „Tand, Tand, ist das Gebilde von Menschenhand!“

AddThis
blog comments powered by Disqus
 
internetanbieter.info


The Intelligence Social Media
TwitterFacebookGoogleYoutubeFeed
Zitat des Tages

Das Schicksal der Welt hängt heute in erster Linie von den Staatsmännern ab, in zweiter Linie von den Dolmetschern.
Trygve Halvdan Lie

kolumnistenschwein logo

tv_tipp_des_tages_32

ZDF: 20:15 - 21:45 Uhr
Maria, ihm schmeckt's nicht
Komödie

Aktueller denn je!
Aktuelle Indizes und Kurse

Weitere Börsenkurse

Aktuelles Wetter
Berlin 24 °C
Hamburg 23 °C
München 23 °C
Köln 29 °C
Frankfurt 28 °C
Stuttgart 26 °C
Wien 26 °C
Zürich 23 °C
  24.05.2012 The Intelligence

banner galapagos

NNE_banner_200