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Die neuen Herren der (seltenen) Erde

seltene_erdenSeit einiger Zeit taucht immer wieder vereinzelt der Begriff „Seltene Erden“ in Wirtschaftsartikeln auf, und meistens wird das schnell überblättert. Die Ausfuhrdrosselung durch China verärgert zwar die westlichen Wirtschaftsnationen, was aber gerne schamhaft verschwiegen wird: Seltene Erden sind für die High-Tech-Industrie absolut unverzichtbar – und existenzbedrohlich knapp geworden. Spätestens ab Frühjahr kommt die Produktion der Hightechgeräte in Nöte, denn nur die ganz besonderen Eigenschaften dieser hochreaktiven Metalle ermöglichen die kleinen, leichten, hocheffizienten Geräte. Von Flachbildschirmen über Brennstoffzellen, LED-Leuchten und leistungsfähigen Minimotoren, Smartphones und kleinen, schnellen Computern – ohne seltene Erden und Sondermetalle wird die gesamte Branche auf die Technologie von vor zwanzig Jahren zurückgeworfen. Was steckt hinter der Ausfuhrdrosselung?

Lange Jahre hatte China seine Seltenen Erden und Sondermetalle zu Billigstpreisen ins Ausland exportiert. Die Abbauregionen und Minen in anderen Ländern konnten zu diesen Preisen nicht mithalten und die meisten wurden aufgegeben. Das brachte China in die Position des Quasi-Monopols für diese Bodenschätze. Schon der ehemalige chinesische Parteivorsitzende Deng Xiao Ping sagte einmal auf einer Tagung in Hongkong „Der nahe Osten hat Rohöl, wir haben die Seltenen Erden.“ Die Bedeutung dieses Satzes hat damals kaum jemand verstanden. Man hielt das zu jener Zeit für eine absolute Übertreibung.

Während aber Rohöl durchaus ersetzt werden kann – es ist letztendlich nur eine Frage des Preises, ab wann sich der Aufwand lohnt – ist das bei Seltenen Erden nicht möglich. Hochtechnologie, auch im militärischen Bereich ist ohne diese Metalle nicht machbar. Deng Xiao Ping war eben nicht nur ein kluger Stratege und Politiker, sondern auch ein anerkannter Wissenschaftler, und wusste genau, was er sagte.

Um Minen für die Gewinnung Seltener Erden zu erschließen und diese gewinnbringend auszubeuten, braucht es jahrelange Vorarbeit. Zunächst müssen Lagerstätten gefunden werden, die eine so hohe Konzentration aufweisen, daß sich der Abbau auch wirtschaftlich rechnet. Das ist selten der Fall. Außerhalb Chinas waren ergiebige Lagerstätten bisher nur an wenigen Stellen der Erde zu finden: Einmal an der Grenze von Kalifornien und Nevada, in Südafrika und ein wenig in Australien. Es könnte im Erzgebirge und in Skandinavien größere Vorkommen geben, deren Abbau sich aber nur bei sehr hohen Preisen rechnen würde.

Zumeist werden diese Metalle auch nur in Verbindung mit anderen Bodenschätzen gewonnen. Da aber höchste Reinheit gewährleistet sein muss, um das gewonnene Material auch in der Hochtechnologie einsetzen zu können, erfordert das beachtliches Know-How, hohen Kapitaleinsatz und eine entsprechende Ausrüstung.

Die Tatsache, daß Seltene Erden meist in Verbindung mit radioaktiven Mineralien wie Thorium oder mit Uran zusammen vorkommen, verteuert die Gewinnung wegen der äußerst strengen Umweltauflagen enorm.

Diese Rücksichten auf Umweltschutz, protestierende Bürger, die Gesundheit der Minenarbeiter und Grüne Politik mussten die Chinesen nicht nehmen. Auch die Kosten der erforderlichen Energiemengen spielten keine Rolle. Damit konnten die Chinesen alle Konkurrenten weltweit mittels eines gnadenlosen Preiskampfes in die Knie zwingen. Die großen Gesellschaften in USA und Südafrika stellten ihre Produktion ein. China beherrschte den Weltmarkt für Seltene Erden und Sondermetalle bald zu 95 Prozent. Das war jahrelang bequem und billig, und niemand im Westen schien die chinesische Strategie zu sehen. Niemand kümmerte sich. Nur China.

Hier wurde eine neue Universität gegründet, die sich ganz dem Thema Seltene Erden und Sondermetalle widmete. Neue Gewinnungsmethoden und Produktionsweisen, die Entwicklung neuer Technologien unter Verwendung dieser Materialien wurden von Staats wegen gefördert und auf höchstes Niveau gebracht. Sehr bald schaute sich China nicht mehr vom Westen ab, was Hochtechnologie heißt. Tausende bestausgebildeter Fachingenieure kommen von dieser Universität.

So schnell erwächst China also kein Konkurrent. Aus dieser unangefochtenen Monopolstellung heraus konnten die Chinesen handeln, wie es ihnen beliebt. Sie verknappten plötzlich das Angebot, erhöhten die Ausfuhrzölle und trieben die Preise rasant in die Höhe. Der nächste Schritt war die Drosselung der Ausfuhren auf 25%. Damit brach die Versorgung weltweit schon drastisch ein, und die Preise erhöhten sich rapide. Mittlerweile beginnen Investoren sich für Seltene Erden und Sondermetalle lebhaft zu interessieren, denn eine weitere Verknappung der unverzichtbaren Metalle ist absehbar, und die Preissteigerungen werden höchstwahrscheinlich noch heftiger ausfallen als bei Gold und Silber.

Ein Investor sollte allerdings – falls er nicht selbst Experte ist – unbedingt darauf achten, daß er qualitativ hochwertige Ware und eine kompetente Beratung einholt. Ein anerkannter internationaler und unabhängiger Fachmann auf dem Gebiet ist Dr. Siebholz, der schon 2004 die Situation auf dem Markt der Seltenen Erden weitsichtig und zutreffend analysiert hat. Denn ab 2012, so kündigen die Chinesen bereits an, werde China seine gesamte Produktion für die eigene Hightechwirtschaft benötigen.

Die Regierung wies nach Informationen von Experten im Herbst 2010 die großen Werke in der Inneren Mongolei an, Vorräte für die nächsten drei Jahre anzulegen. Das hat seinen Grund darin, daß die chinesische Seltene-Erden-Industrie auf Anweisung der Regierung ihre Produktionsmethoden in den nächsten drei Jahren gründlich umstrukturieren wird. Damit die explodierende High-Tech-Industrie Chinas in der Zeit versorgt bleibt, wird das Land die Vorräte nicht zur Ausfuhr freigeben.

Die Vorräte sollen 300.000 Tonnen betragen. Der Bedarf der gesamten Welt an Seltenen Erden beträgt zur Zeit pro Jahr 110.000 bis 130.000 Tonnen, und wächst ständig an. Besonders die chinesische Produktion im Bereich LED-Technik expandiert rasant. Es besteht also offenbar gar nicht die Absicht, den Bedarf der Produzenten in aller Welt zu befriedigen. Die Ankündigung Chinas, die Exporte noch weiter zu drosseln ist absolut ernst zu nehmen. Die Auswirkungen auf die Hochtechnologie-Industrie des Westens werden im Laufe des Jahres trotz medialer Abwiegelungsrhetorik von „bedrohlicher Verknappung“ auf „desaströs“ wechseln.

Das Ziel der chinesischen Strategie ist kein Geheimnis und wurde schon offen von der Zentralregierung kommuniziert. China will seine Rohstoffe nicht mehr außer Landes geben. Stattessen sollen die westlichen Industrien die hochwertigen Produkte in China herstellen lassen. Hier soll der Hauptteil der Wertschöpfung stattfinden. Das Riesenreich muss, um seine Menschen angemessen zu beschäftigen, Unmengen an Arbeitsplätzen schaffen. Der Bauboom in China geht dem Ende zu, Immobilien stehen massenhaft leer. Die Menschen revoltieren. Sie wollen bessere Löhne, bessere Wohnungen, bessere Ausbildung, Wohlstand. Sie sind leistungsbereit. Wenn es China gelingt – und ganz so sieht es aus – die Produktionsstätte der Welt für Hochtechnologie zu werden, bringt das einen ungeheuren Schub an gut bezahlten Arbeitsstellen, einfachen Fabrikarbeitsplätzen und vor allem: Während die westliche Welt zuschaut und das alles bezahlt, gewinnt China immer mehr an Know-How und wachsen dort die fähigsten Ingenieure und Wissenschaftler heran.

Was will Deutschland zum Beispiel dann noch exportieren? Gerade durch unseren Vorsprung in Technologie und Ingenieurswissenschaften konnte sich ein relativ kleines und rohstoffarmes Land wie Deutschland noch profilieren. Der Fahrzeug- und Maschinenbau sind ohne Hochtechnologie in den Maschinen auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig. Veraltete Technik, auch in der Domäne Fahrzeugindustrie, ist unverkäuflich.

Ein letzter Aspekt: Bisher hat die Weltmacht Nummer Eins, die USA ihre haushohe Überlegenheit durch eine hochtechnologisch ausgerüstete Armee überall und jederzeit ausspielen können. Amerikanische Militärtechnologie machte „chirurgische“ Eingriffe und Bombardements an jedem beliebigen Ort der Welt auf wenige Meter genau möglich. Schon jetzt haben die Chinesen ihre Version eines Tarnkappenbombers entwickelt, eine Technologie, die die USA gehütet hatte, wie ihren Augapfel.

Ohne Seltene Erden und Sondermetalle werden die westlichen Industriestaaten ein Problem haben, ihre Hightech-Waffensysteme weiter zu entwickeln. Man wird Phantasiepreise für die Materialien bezahlen. China wird in den nächsten Jahren nicht nur bei den nötigen Materialien aus dem Vollen schöpfen können, sondern auch über eine große Auswahl an bestausgebildeten Fachleuten verfügen, die in der chinesischen Hightech-Industrie wertvolle Erfahrung sammeln und Weiterentwicklungen für eine hochmoderne chinesische Waffentechnik erarbeiten werden.

Quellen:

http://www.emuro.de/produkte/seltene-erden/

Dr. Dietmar Siebholz: Kauf von Selten-Erd-Metallen und -Oxyden

Metalle der Seltenen Erden (Wikipedia)

Umwelt-Bundesamt: Seltene Metalle (PDF)

Seltene Erden Aktioen via Rohstoff-Welt.de

Seltene Erden – Metalle von der Lagerstätte bis zur Verwendung (PDF)

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