Montag , 26 Juni 2017
Startseite » Wirtschaft » International » Verschenkte Milliarden – Was steckt dahinter?

Verschenkte Milliarden – Was steckt dahinter?

bill_gates_windWieder einmal wird die Welt von der Großzügigkeit bekannter Milliardäre im Umfeld von Bill Gates und Warren Buffett informiert. 40 von ihnen stellen ihre Philanthropie unter Beweis und trennen sich zumindest von der Hälfte ihres Vermögens. Nehmen wir an, es handle sich um wirklich ehrlich gemeinte Großzügigkeit, so würde dieses Ereignis wesentlich mehr Beachtung verdienen. Gleichzeitig regt der gesunde Menschenverstand zum Zweifeln an. Wer setzt ein Leben lang alle Mittel ein, um seinen Nachkommen ein märchenhaftes Vermögen zu hinterlassen, und beschließt plötzlich, dieses zu verschenken?

Wir haben uns schon einmal näher mit der Bill und Melinda Gates Stiftung auseinander gesetzt. Das Kapital dieses Fonds wird mit mehr als 30 Milliarden angegeben. Zweifellos, ein Teil wird tatsächlich als Hilfe zur Verfügung gestellt. So wird auf der eigenen Webseite erwähnt, dass während Januar und März insgesamt $ 2.150.000 an drei verschiedene Organisationen in Haiti übergeben wurden, um den Opfern des katastrophalen Erbebens zu helfen. Rund 0,07 Prozent des Gesamtvermögens. Auch wird in die Entwicklung von Impfstoffen gegen Malaria investiert, allerdings, ohne Pläne für kostenlose Impfaktionen. Sollte es gelingen, wirksame Seren zu produzieren, so können wir davon ausgehen, dass diese gewinnbringend verkauft werden. Der größte Teil des Kapitals ist investiert, der Fond soll ja schließlich wachsen, um noch großzügiger werden zu können! Mehr Details dazu finden sich im genannten Artikel.

Im Fordergrund der jüngsten Spendensammlung, die unter dem Namen „The Giving Pledge“, zu deutsch: „Das Spendengelöbnis“, bekannt ist, steht Warren Buffett, laut Forbes Magazin, der drittreichste Mann der Welt. Wie u. a. BBC-News damals berichtete, kündigte dieser schon im Juni 2006 großzügig an, 37 Milliarden Dollar der Bill und Melinda Gates Stiftung zu überlassen, was rund 85 Prozent seines Vermögens entsprach. Bei der jüngsten Spendenaktion wurde groß verlautet, dass Warren Buffett nun 99 Prozent seines Vermögens wohltätigen Zwecken überlassen werde. Während wir wissen, dass Bill Gates seinen sagenhaften Reichtum, zumindest großteils, Microsoft verdankt, was produziert Warren Buffett eigentlich?

Warren Buffett macht Geld. Und zwar durch Investitionen und Spekulationen. Ein heute in der FAZ erschienener Artikel erinnert daran, dass sein Vermögen zu 99 Prozent aus Beteiligungen an einem Holding-Unternehmen namens „Berkshire Hathaway“ besteht. Während dessen 44jähigen Bestehens stieg der Wert um durchschnittlich über 20 Prozent pro Jahr. Von 2000 bis 2010 verzeichnete das Unternehmen einen Anstieg von über 70 Prozent, während der S&P500-Index um 11,3 Prozent abnahm. Während andere Aktien, die ständig im Wert steigen, gesplittet werden, um ihren Erwerb für eine breite Schicht attraktiver zu gestalten, handelt es sich bei Berkshire Hathaway um das teuerste Papier an der New Yorker Börse. Eine einzelne Aktie kostet zur Zeit mehr als $ 120.000. Berkshire Hathaway produziert nichts. Seine Funktion ist, andere Unternehmen, zum überwiegenden Teil in Form von Aktien, zu besitzen.

Auf der Webseite von „The Giving Pledge“ findet sich die Liste mit den Namen jener 40 Milliardäre, die dem jüngsten Spendenaufruf, sich zumindest von der Hälfte ihres Vermögens zu trennen, folgten. Zu ihnen zählt der Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg. Seinen Reichtum verdankt er jedoch nicht seinem Amt, sondern dem gleichnamigen weltbekannten Unternehmen im Bereich von Nachrichten und Finanzdienstleistungen. Dann findet sich Barron Hilton, Gründer der Hotelkette, David Rockefeller, Ronald Perelman, der durch An- und Verkauf von Unternehmungen rund elf Milliarden erwirtschaften konnte, Medienzar Ted Turner oder der Gründer der Carlyle-Gruppe, David Rubenstein, um nur einige zu nennen.

Auch wenn die zugesagten Summen nicht bekannt gegeben werden, so finden sich auf der genannten Webseite die Briefe der Spendenfreudigen, in denen sie ihre Motivationen erläutern. Der Glaube an die Zukunft, eine bessere Welt für die eigenen und alle Kinder, moralische Verpflichtung und ähnliche Phrasen wurden zu Papier gebracht.

Zugesagte Summen werden keine genannt, belaufen sich Schätzungen zufolge jedoch auf zumindest 125 Milliarden Dollar. Es fehlt aber auch an weiteren Erklärungen. Was soll mit diesem enormen Vermögen geschehen? In welcher Form soll es wohltätigen Zwecken zugeführt werden? Wie viel wird verteilt werden und wie viel investiert? Wer wird die Entscheidungen treffen? Trennen sich die respektablen Philanthropen auf immer und ewig von ihrem Geld oder werden sie auf die Aktivitäten der Stiftung Einfluss ausüben? Eigentlich sollte eine derartige Spendenaktion, wie es sie in der Geschichte unserer Zivilisation noch nie gegeben hat, mehr Transparenz mit sich bringen.

Was könnte also dahinter stecken?

Auch wenn es wirklich schwer vorstellbar ist, schließen wir die Möglichkeit ein, dass eine Gruppe von Menschen, die mit Milliarden spielt wie wir Monopoly, sich erfolgsgekrönt und siegesbewusst aus diesem Spiel zurückzieht. Sie haben es der Welt bewiesen, dass sie Geld verdienen können. Die Zukunft ihrer Kinder und Kindeskinder ist auch mit dem Rest noch bestens gesichert. Hut ab, meine Damen und Herren, so etwas nennt man Fair Play!

Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube! (Goethe/Faust)

Zweifeln wir den unüberwindbaren Drang zum Gutsein an, so können wir, mangels Fakten und Transparenz, eigentlich nur darüber spekulieren, was jene Menschen, die Jahrzehnte – zumindest symbolisch – über Leichen gingen, um unermesslich reich zu werden, dazu bewegt, sich von ihrem Reichtum plötzlich wieder zu trennen.

Die naheliegendste Erklärung wäre natürlich, dass es sich um das gleiche Spielchen handelt, dem sich die Bill und Melinde Gates Stiftung schon seit längerem widmet. Dem Image und rechtlichen Notwendigkeiten entsprechend, hier und da ein wenig zu helfen, in profitversprechende Forschungen zu investieren, vor allem im Gesundheitsbereich, und mit dem Rest einfach weiter spekulieren. Wo liegt der Unterschied, ob Gelder in Familienfonds gebunden sind oder in Stiftungen? Geld, in diesen Summen, ist kein Medium zur Vereinfachung des Austausches von Waren und Leistungen, sondern es ist ein Instrument der Macht.

Eine weitere Möglichkeit könnte mit ins Kalkül gezogen werden. Ob es sich beim folgenden vielleicht schlicht um ein Hirngespinst handelt, wird die zukünftige Entwicklung der Weltwirtschaftskrise näher beleuchten.

Das System der westlichen Welt, in dem der Geldumlauf fast ausschließlich auf verzinsten Krediten basiert, ist an seine Grenzen gestoßen. (Erläuterungen dazu in unserem Artikel: Geldschöpfung – Werte aus dem Nichts erschaffen.) Vor allem die Zinslast für die Staatsverschuldung ist nicht mehr zu tragen. Werden die Steuern erhöht, Vergünstigungen gestrichen etc., so fehlt es an Geld zum Ausgeben, um die Wirtschaft in Schwung zu halten. Werden derartige Maßnahmen nicht getroffen, fehlt es an Mitteln, um den Staatshaushalt aufrecht zu erhalten. Was auch immer versucht wird, dieser Krise zu entkommen, ohne einer grundlegenden Systemänderung kann und wird sich die Situation nicht verbessern, auch wenn „Experten“ noch so positive Versprechungen von sich geben.

Sollte diese notwendige Systemkorrektur das Tilgen von Schulden mit sich bringen, so müssten eigentlich auch jene Vermögen, die mittels dieses Systems angehäuft wurden, zumindest zum Teil ebenfalls neutralisiert werden. Wir können davon ausgehen, dass jene Menschen, die auf die wirtschaftliche Entwicklung unserer Welt entsprechenden Einfluss ausüben, einen kontrollierten Zusammenbruch des Finanzsystems bereits lange im Auge haben. Und vielleicht – doch ich muss wiederholen, dass es sich dabei bloß um eine reine Spekulation handelt – werden durch derartige Stiftungen sichere Häfen geschaffen, um Vermögen auch für die „Zeit danach“ zu erhalten.

Check Also

Elektromobilität wächst weiter – sind Elektroautos unsere Zukunft?

Im vergangenen Jahr hat sich der Fokus auf die Elektromobilität um 73 Prozent erhöht, wie …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.