R³ - Schokoladenpreise gehen rauf, Kakaobauern gehen pleite
Auch auf Kakao wird spekuliert. Zur Zeit sind die Preise so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Das heißt für uns: teuere Schokolade bezahlen, oder keine mehr essen. Das tut einigen von uns, übergewichtstechnisch, sicherlich gut. Das heißt aber für den Kakao-Bauern an der Elfenbeinküste: Weiter von der Hand in den Mund leben und nicht wissen, wie es im nächsten Jahr aussehen wird. Eine kleine Erläuterung darüber, warum sich die Kakao-Bauern und die Schokoladenliebhaber über hohe Kakao-Preise nicht freuen können:
In der Region Elfenbeinküste gibt es ca. 600.000 Kakao-Bauern, auf kleinen und Kleinstplantagen. Kein Großgrundbesitz. Keine Mafia. Aber auch kein Staat, der die Steuereinnahmen aus dem Kakaohandel in die privaten Plantagen investieren würde. Die ganzen letzten Jahre waren die Preise niedrig. Also konnte man nur über die Masse verdienen. Da die niedrigen Preise dafür sorgten, dass die Bauern kaum Einnahmen hatte, konnten diese weder Land zukaufen noch in die Pflege der Bäume investieren. Nur über ständiges rücksichtsloses Ernten war ein Überleben möglich. Nach Jahren der Massenproduktion sind die Plantagen jetzt krank und ausgelaugt, die Bauern finanziell am Ende. Das war wahrscheinlich niemandem bei uns hier bewusst, der genüsslich abends vor dem Fernseher an seiner Schokolade knabberte. Und überleben in der Elfenbeinregion heißt nicht Arbeit oder Harz IV, sondern leben oder verhungern.
Jetzt sind die Preise hoch. Dank der Spekulation eines riesigen Hedge-Fonds. Ein Bauer in unserer Gegend könnte sich jetzt EU-Fördermittel sichern, mehr Land pachten, mehr ernten und mehr verdienen. Ein Bauer in der Elfenbeinküste kann nur weiterhin wenige und minderwertige Kakaobohnen verkaufen. Er hat kein Geld für Dünger, er hat kein Geld für neues Land. Wenn er sich verschuldet, hat er das Risiko das nächstes Jahr vielleicht die Preise wieder verfallen, und er den Kredit nicht zurückbezahlen kann. Er kann sich also aussuchen ob er und seine Familie weiter langsam verhungern, oder er das Risiko eingeht im nächsten Jahr sein Land an den Kreditwucherer, und damit seine Lebensgrundlage zu verlieren.
Stabile Preise sind für die Börse unattraktiv. Preisschwankungen sind für die Bauern mörderisch.
Ein Beitrag aus der Reihe R³ - Rottlers Rigoroses Review




