Samstag , 28 Mai 2016
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SCHENKÖKONOMIE VORWÄRTS NACH UTOPIA!

Welt ohne GeldDie Abschaffung des Geldes und Ersetzen der Marktwirtschaft durch eine Schenkökonomie mag den meisten Menschen verrückt erscheinen, und selbst ich hätte vor einigen Jahren noch eine solche Idee für völlig unrealistisch gehalten.

Doch bevor wir dieses Konzept von vornherein verwerfen, spielen wir es doch gedanklich durch, und geben wir uns die Chance dessen Auswirkungen zu verstehen:

Ich hatte bereits im Jahr 2012 einen Artikel mit Titel „geldlose Gesellschaft endgültige Lösung der Finanzkrise?“ veröffentlicht. ( http://www.theintelligence.de/index.php/wirtschaft/finanzen/4216-die-geldlose-gesellschaft-als-endgueltige-loesung-der-finanzkrise.html ) Nunmehr möchte ich darauf aufbauend tiefer in die Thematik eintauchen, und vor allem auch die praktische Umsetzung näher erläutern.

1. Arbeitsersparnis

Wenn wir mit dem Begriff „Schenkökonomie“ konfrontiert werden, so taucht als erstes meistens die Frage auf, ob dann überhaupt noch genug gearbeitet würde, ganz ohne finanziellen Anreiz bzw. ohne unmittelbare Gegenleistung.

Bevor ich auf diese Frage eingehe, möchte ich zunächst aber darlegen wie viel Arbeit durch den Wechsel zu einer Schenkökonomie eingespart werden könnte:

Sämtliche Tätigkeiten in der Finanzbranche, bei einer Bank, Versicherung, oder für das Finanzamt wären in einer Schenkökonomie überflüssig.

Auch Werbung und Marketing wären dann nicht nötig. Werbung ist für den Konsumenten nicht nützlich sondern meistens lästig. Sie dient vor allem der Desinformation um beim Konsumenten ein Bedürfnis für bestimmte Produkte erwecken welches zuvor gar nicht vorhanden war. Ohne Werbung würde der Kunde nur das konsumieren was er von sich aus haben möchte.

Die zuvor in der Werbung kreativ tätigen Menschen könnten dann ihre Fähigkeiten selbstbestimmt für Kunst oder etwas gesellschaftlich Sinnvolles Einsetzen, anstatt sich in den Dienst des Profits stellen zu müssen.

Auch Juristen und Exekutive sind heutzutage großteils mit Rechtsstreitigkeiten und Delikten beschäftigt, bei denen es um Geld geht.

Ebenso wäre in einer Schenkökonomie finanzielle Korruption fast unmöglich, und dem organisierten Drogenhandel wäre die Motivation entzogen.

All diese an sich üblen Dinge werden nicht etwa getan weil sie dem Täter Freude bereiten, sondern lediglich des schnellen finanziellen Profits wegen.

Weitere Arbeitsersparnis gäbe es bei behördlicher Verwaltung , sofern Eintrieben und Verteilen von Geld damit verbunden ist.

Der Handel könnte sich auf die bloße Verteilungsfunktion beschränken.

Bei einem typischen Massengefertigten Industrieprodukt betragen die eigentlichen Produktionskosten (meist nach China ausgelagert) ca. 25% des Verkaufspreises, der Rest geht für Marketing, Werbung, Vertrieb, und versteckte Zinsen drauf.

Das bedeutet, dass unser System nur zu 25% effizient ist, weil wir mehr Aufwand damit betreiben um überhaupt Kunden zu gewinnen und sich gegen die Konkurrenz zu behaupten, als für den produktiven notwendigen Teil der Arbeit.

Der größere Teil der geleisteten Arbeit besteht gar nicht darin , Dinge die gebraucht werden zu produzieren, sondern sich Gegenseitig Geld ab zu jagen.

Aber auch in Produktionsbetrieben ist der Anteil an Arbeit der lediglich wegen des Geldes aufgebracht werden muss sehr hoch:

Marketing, Buchhaltung, Steuer, Rechnungen stellen und zahlen, Kredite mit Banken aus verhandeln, sowie Preise und Löhne mit Kunden, Lieferanten, und Angestellten verhandeln.

Wäre es nicht schön, wenn Ingenieure, Handwerker, Architekten, Designer, Techniker, Hoteliers, Gastwirte, etc…Unternehmer und deren Mitarbeiter, sich auf deren Kreativität und die Qualität der Produkte und die Zufriedenheit der Kunden konzentrieren könnten, anstatt ein Drittel ihrer Zeit sich mit langweiligen geschäftlichen Angelegenheiten beschäftigen zu müssen?

Wie viele schöne Projekte , die auch anderen Freude machen würden, können derzeit nicht realisiert werden, bloß weil dafür kein Geld da ist, oder weil es zu wenig Profit verspricht; und wie viele langweile sinnlose Arbeiten müssen verrichtet werden, bloß weil in unserer derzeitigen Ökonomie damit Geld generiert werden kann?

Arbeit für den Bedarf oder für den Profit?

Es liegt in der Natur des Kapitals, dass nicht für den Bedarf produziert wird sondern für den Profit, und bei hoher Produktionskapazität letztlich sogar für die Müllhalde.

Es ist in der industrialisierten Welt schon lange nicht mehr die Herausforderung ob die Produktivität ausreicht um die Bedürfnisse der Menschen zu stillen. Sondern diese liegt für die Industrie darin neue Bedürfnisse bei den zahlungskräftigen Kunden zu erwecken, damit mehr Waren abgesetzt werden können.

Die Fragestellung in einer Schenkökonomie lautet aber:

„Wie schaffen wir mit möglichst effizienten Mitteln Nahrung, Unterkunft, Gesundheitsvorsorge, Waren, Bildung, Mobilität, Information, Telekommunikation, und Unterhaltung für alle die es brauchen und wollen, und dabei auch selbst Freude an der Arbeit zu haben?“

In diese Überlegungen fließen dann auch gesamt ökonomische und ökologische Überlegungen ein, wie z.B. der Ressourcenverbrauch. Umweltaspekte, Lebensdauer, und Müllaufkommen am Ende des Produktzyklus mit ein.

Ein PKW z.B. steht heutzutage im Durchschnitt 98% der Zeit nur unbenutzt herum, und vergeudet damit wertvolle Fläche in den Ballungszentren, die andernfalls begrünt und zur Erholung verwendet werden könnte. In einer Schenkökonomie könnte eine weit geringere Anzahl von Pkw unter mehreren Nutzern geteilt werden und unter häufigerem Einsatz mit weniger Aufwand den gleichen oder sogar höheren Nutzen haben.

Der eingesparte Aufwand könnte in effizientere und umweltfreundlichere Technologie gesteckt werden.

Wenn weniger produziert wird, führt dies in diesem System nicht zu Verlust von Arbeitsplatz und Einkommens , sondern zu einer Entlastung der Arbeitenden, deren Konsummöglichkeiten dadurch nicht eingeschränkt wären.

Das gleiche gilt für alle anderen Produkte: wir könnten mit weniger aber dafür qualitativ besseren und langlebigeren Produkten das Auslangen finden.

Urheberrechte sind im heutigen System notwendig für Erfinder und Künstler, damit ihre Arbeit ihnen ein Einkommen sichert. In der geldlosen Ökonomie brauchen diese aber kein Einkommen. Sie können sich ebenso wie alle anderen Bürger die benötigten Dinge schenken lassen.

Daher würden unter Weglassen nunmehr unnötiger Patentverfahren einfach alle guten Ideen, Erkenntnisse, Informationen, und digital reproduzierbare Kunstwerke untereinander frei ausgetauscht und verwendet werden zum Wohle aller.

Wenn wir bedenken , dass in einer Schenkökonomie leicht 50% -60% der derzeit geleisteten Arbeiten eingespart werden könnten, und wie viele arbeitslose Menschen auch derzeit nicht ihr produktives Potential nutzen können , so zeigt sich dass eine geldlose Schenkökonomie sich sogar durchaus eine Menge zusätzliche „Faulpelze“ leisten könnte bzw. jeder weniger arbeiten bräuchte, ohne dass der real gefühlte Lebensstandard sinkt.

2. Prostitution

Wenn keine Frau, kein Mann und kein Kind wirtschaftliche Not erleidet , niemand durch Menschenhandel oder Zuhälterei Geld verdienen kann, und es auch keine finanziellen Mittel gäbe, welche Menschen dazu korrumpieren könnten wider dem eigenen natürlichen Trieb sich zu verkaufen, so gäbe es für Prostitution ebenso keine Grundlage

Generell würden Menschen , insbesondere Frauen in der geldlosen Gesellschaft ihre Partner nicht nach finanziellen Kriterien auswählen sondern ausschließlich nach Sympathie und sexueller Attraktivität ( also völlig neue Perspektiven für Richard Lugner, Donald Trump, Silvio Berlusconi, oder Bernie Ecclestone;-))

Dazu sei gesagt, dass nicht nur Sexarbeit , sondern auch jede andere Form von Lohnarbeit Prostitution sein kann.

Es muss nicht die Sexualität sein, die verkauft wird. Auch Zeit, Gedanken, Worte, Fähigkeiten , Loyalität, und der Stolz werden mitunter bei Lohnarbeit verkauft.

Der Druck des dringend benötigten Geldes wegen, wider die eigenen Prinzipien zu handeln, oder gar die eigenen Prinzipien auf zu geben, wird seit einiger zeit höher.

Aufgrund finanzieller Zwänge missachten wir Freundschaften, die Natur, und das Leben überhaupt. Wir sehen tagtäglich wie Menschen im Umgang miteinander nicht ehrlich sind, Sympathie oder auch Gleichgültigkeit vorheucheln, bloß weil Sie sich dadurch einen finanziellen Vorteil erhoffen.

Motivation zu Leistung ohne finanziellen Druck

Hier kommen wir auch zum am häufigsten vorgebrachten Kritikpunkt an der Schenkökonomie:

„Ja , das wäre ja alles schön und wunderbar, aber die Menschen sind zu egoistisch, dass dies funktionieren würde“

Aber fragen Sie sich ehrlich selbst, was SIE tun würden, wenn Sie in einer Gemeinschaft lebten, in der alle unentgeltlich für einander sorgen.

Würden Sie dann einfach nichts tun, und voraussetzen dass andere für Sie arbeiten?

Würden Sie sich von anderen Menschen deren Arbeit und Waren schenken lassen, und ihnen dabei in dem Bewusstsein in die Augen sehen wollen, dass Sie selbst nichts für andere tun und bloß schmarotzen?

Oder würden Sie sich nicht lieber eine Aufgabe finden, die Ihnen selbst und Anderen Freude macht, und die Ihnen in der Gemeinschaft soziale Anerkennung bringt?

Wir unterstellen meisten immer nur jeweils den Anderen angeborene Faulheit, die sich nur durch finanziellen Druck überwinden lässt, während wir uns selbst zu den Leistungswilligen zählen.

Aber wie mag man dann Menschen zu besonders hohen Leistungen motivieren?

In der Geldwirtschaft gilt im Allgemeinen, dass herausragende Leistungen nur gegen ebenso besonders hohe Bezahlung zu bekommen sind.

Dies trifft aber nur dann zu wenn diese Personen ihre Arbeitskraft in den Dienst fremder Interessen stellen. Viele Künstler, Erfinder, Forscher, oder auch karitativ Tätige, arbeiten oft hoch motiviert unter großen finanziellen Entbehrungen, weil sie an der Verwirklichung ihrer eigenen Ziele arbeiten.

Wenn sich dann später doch der äußere Erfolg einstellt, ergreifen Sie zwar die Möglichkeit eines hohen Einkommens. Allerdings nicht weil das Geld an sich Ziel und Motivation der Tätigkeit ist, sondern weil in unserer Gesellschaft eine hohe finanzielle Entlohnung das wesentliche Zeichen von Anerkennung ist, und man daher auch nicht weniger „verdienen“ mag als andere mit vergleichbarer Tätigkeit.

Wenn wir aber in einer Gesellschaft lebten, in welcher Geld als Zeichen von Anerkennung und Prestige nicht existierte , würden die Dankbarkeit die Liebe und die Bewunderung der Mitmenschen , sowie damit verbundene größere Beliebtheit beim anderen Geschlecht als äußere Motivation genügen. Die innere Motivation wiederum resultierte aus der Freiheit selbstbestimmt im Sinne der eigenen Ziele zu arbeiten.

Diese ideelle Anerkennung ist sogar befriedigender, als finanzielle Anerkennung, denn sie kommt freiwillig und aus dem Herzen, während Geld meistens nur aufgrund wirtschaftlicher und juristischer Zwänge gezahlt wird.

Anderen Freude zu bereiten verschafft Zuneigung, Anerkennung, und somit auch innere Befriedigung. Dies liegt in der menschlichen Natur; wenn nicht Geld diese Motivation korrumpiert und teilweise ins Gegenteil kehrt:

Geld verleitet auch insofern zur Selbsttäuschung, dass man meint dem Erwerb eines großen Vermögens wäre auch eine hohe eigene Leistung voran gegangen, wodurch man es sich ja „verdient“ hätte. So lernen es bereits die Kinder in der Schule: „Wenn du fleißig und tüchtig bist, dann wirst du auch einmal viel Geld verdienen“

Aus der Schule des Lebens wissen wir allerdings, dass es eine Vielzahl anderer und effizienterer Wege gibt an Geld zu kommen als bloß eigener Fleiß. Diese Wege stehen bloß nicht jedem offen.

Heutzutage bekommen jene Anerkennung die viel haben. In einer Schenkökonomie hingegen würden aber jene ein hohes soziales Ansehen genießen, die viel geben.

Ohne finanziellen Zwang würden viele Menschen vielleicht weniger arbeiten als jetzt, und/oder auch etwas ganz anderes arbeiten. Aber Sie würden höchstwahrscheinlich etwas tun worin Sie einen Sinn sehen, für sich selbst und auch für andere.

Wie Funktioniert also Schenkökonomie in der Praxis?

Nehmen wir mal an, Sie wären BäckerIN:

Unter Wegfall von finanziellem Druck liegt Ihre Motivation dann wohl nicht darin möglichst viel Umsatz und Gewinnspanne zu erzielen , auch nicht der Druck finanziell zu überleben, sondern dass es Sie mit Stolz erfüllt allerbeste Qualität zu produzieren, und dafür die Anerkennung Ihrer Kunden zu erhalten. Die Entscheidung was Sie mit den von Ihnen produzierten Waren machen liegt bei Ihnen.

Wenn nun jemand in Ihren Laden kommt, und z-B. um einen Laib Brot bittet, so werden Sie vermutlich nicht lange überlegen, sondern das Brot einfach aushändigen, denn Sie haben davon weit mehr als Sie für sich selbst brauchen könnten, und Ihr Kunde ist offensichtlich hungrig.

Angenommen es kommt aber jemand der 100 Laib Brot täglich haben möchte, so könnten Sie zuerst Erkundigungen anstellen, wofür dieser Mensch soviel Brot tatsächlich braucht ( es könnte z.B. für eine Schule oder einen Kindergarten sein) Denn Sie wollen sicher stellen, dass solch eine in Bezug zu Ihrer Produktivität relevante Menge, dort verwendet wird, wo sie den möglichst größten Nutzen stiftet. Sei es weil ihr Produkt dort am meisten gebraucht wird, oder weil es am meisten geschätzt wird.

Wenn Sie nun Mehl brauchen, wenden wiederum Sie sich an eineN MüllerIN , der/die wiederum für sich entscheidet, ob das Mehl bei Ihnen seine beste Verwendung findet, oder ob vielleicht ein anderer Bäcker es dringender braucht oder vielleicht bessere Brote damit backt.

Der/die MüllerIN wiederum muss sich einEn BauerINn finden der/die das Getreide schenkt.

Wenn Sie bei einem Lieferanten kein Glück haben, können Sie es allerdings immer noch bei einer Vielzahl anderer versuchen.

Wenn Sie Leute brauchen die Ihnen beim Betreiben Ihrer Bäckerei helfen, so können Sie diese nicht mit einem für den Lebensunterhalt benötigten Gehalt locken. Sie müssen diese Leute davon überzeugen, dass Sie mit Ihnen besser sich beruflich verwirklichen können als alleine, oder mit jemand anderen.

Auch bei Luxusgütern würde das System des Schenkens funktionieren, da die Kontrolle über die Verteilung nicht beim Konsumenten sondern beim Schenkenden liegt:

Angenommen sie wollten Supersportwägen produzieren, so wäre dies ein Produkt welches pro Stück viel Aufwand erfordert. Sie müssten zunächst einmal eine Gruppe freiwilliger Mitarbeiter und auch Zulieferer finden, die ebenso für solch ein Projekt zu begeistern sind.

Unter heutigen Gegebenheiten würden Sie als Eigentümer der Fahrzeugfabrik ihre Produkte jenen Leuten verkaufen, die über genug Kaufkraft verfügen, unabhängig davon wodurch sie diese Leute verdient gemacht haben, oder wofür diese ein solches Auto benutzen.

In einer Schenkökonomie entscheiden Sie unabhängig vom Geld im Kollektiv mit den anderen an der Produktion Beteiligten, wie, und an wen die Produkte verteilt werden.

Wenn nun ein bestimmter Mensch den Wunsch nach einem Luxussportwagen äußern würde, und Sie wissen, dass nicht genug solche Fahrzeuge für jeden produziert werden können, so würden Sie z.B. diesen Wunsch abschlagen, und stattdessen ihre exklusiven Fahrzeuge nur auf begrenzte Zeit verleihen, damit nicht nur einer, sondern möglichst viele Menschen in den Genuss eines solchen Fahrzeugs kommen können.

Oder sie sind sich mit ihren Kollegen vielleicht einig, dass ausgerechnet dieser eine Mensch (aus welchem Grund auch immer) es verdient hätte solch ein Fahrzeug, und somit auch einen hohen Teil ihrer geleisteten Arbeit nutzen zu können.

Das erfreuliche an der Schenkökonomie ist, dass sie jedem Menschen eine maximale eigene Entscheidungsfreiheit ermöglicht: Wer eine Idee umsetzen, etwas Sinnvolles tun, oder auch etwas konsumieren möchte, ist dabei nicht vom Staat abhängig, aber auch nicht von Kapitalgebern und Banken.

Sie selbst bestimmen, was mit den Früchten Ihrer Arbeit geschieht, und nicht Ihr Geldgeber.

Alles geschieht durch freiwillige Selbstorganisation und Kooperation freier Individuen.

Somit würde genau jener Effekt eintreten, welchen laut neoliberaler Theorie angeblich der Markt bewirken sollte: Arbeitskraft und Konsum finden auf natürliche Weise ihren Weg dorthin wo Sie am meisten Nutzen stiften, sowohl für Produzenten als auch für Konsumenten.

NUTZUNGSRECHT BEGRENZTER RESSOURCEN

Die Ressourcen der Natur sind nicht durch das Tun von Menschen sondern eben von der Natur erschaffen worden. Warum sollten diese also im Privateigentum weniger privilegierter Menschen stehen ? Sollte nicht jedes Lebewesen daher a priori das gleiche Recht haben, diese sinnvoll und nachhaltig zu nutzen?

In unserer heutigen Marktwirtschaft bestimmen nicht der Bedarf und auch nicht die Nachhaltigkeit wie Ressourcen genutzt werden, sondern bloß die Kaufkraft.

In der Schenkökonomie wären Bodenschätze und Energieträger Allgemeingut. Niemand könnte Sich an deren Verknappung oder Distribution bereichern. Da Eigentum nicht als Quelle zur Bereicherung genutzt werden könnte ist der Eigentumsbegriff auch in gewisser Weise obsolet. Es zählt nur der Besitz an den Dingen die man selbst nutzen und bewirtschaften kann,

Es würde aber demokratisch legitimierte Personen geben, welche für die Förderung und Distribution der Ressourcen verantwortlich sind:

Wie und nach welchen Kriterien würden diese Personen die Ressourcen verteilen?

Da finanzielle Anreize fehlen, und auch für Korruption wenig Grund vorhanden wäre, würde nach Kriterien des dringenden Bedarfs , der Sinnvollen Anwendung, und Schonung der Natur entschieden werden.

Um bei der Zuteilung die Bevorzugung persönlicher Freunde zu verhindern, sollten die Verantwortlichen Personen sich immer wieder erneut demokratischen Wahlen zur Bestätigung der Funktionsausübung stellen.

Bei allen möglichen Fehlern, welche solche Entscheidungsträger begehen können, würde dies dennoch zu einer bedarfsorientierten und nachhaltigeren Verteilung führen als es heute der Fall ist.

Ebenso könnten in einer Schenkwirtschaft Einflüsse auf die Natur Berücksichtigung finden, welche derzeit gegenüber den finanziell ökologischen Zwängen nur wenig Gewicht haben.

Die verantwortlichen Distributoren könnten zum Beispiel darauf verzichten bzw. verweigern in einem Naturschutzgebiet Erdöl zu fördern, wenn sie den allgemeinen Nutzen und Schaden gegen einander abwiegen, und nicht so wie jetzt unter dem Druck finanzieller Profitmaximierung stünden.

Das natürliche Prinzip des Schenkens ist notwendige Grundlage einer funktionierenden Ökonomie

Wie das Bäckerbeispiel aber zeigt, ist kaum jemand in der Lage alles ausschließlich alleine zu produzieren, sondern ist dabei meistens auf die Belieferung und Unterstützung anderer angewiesen.

Letztlich ist bei allem, was der Mensch produziert, nur ein kleiner Teil Eigenleistung, und der Rest beruht auf vorhandenem Geschenktem.

Der Bauer produziert seine Feldfrüchte nicht alleine aus sich heraus, sondern er nutzt Boden, Wasser, Sonne, und die Reproduktionsfähigkeit des Saatguts. Wer etwas baut, nutzt vorhandene Rohstoffe aus der Natur; und natürlich auch die Kooperation mit anderen Menschen.

Auch wer z.B. als Künstler, Forscher, oder Techniker vorwiegend geistige Leistungen hervorbringt, baut zum Großteil auf dem Wissen und kulturellen Errungenschaften vergangener Generationen auf.

Angenommen wir könnten unsere wissenschaftlichen und kulturellen Errungenschaften nicht zum überwiegenden Teil als Geschenke frei nutzen, sondern müssten immer noch an Eigentümer derer Urheberrechte Lizenzgebühren zahlen, so wäre ein Fortschritt in Technik und Kultur nicht leistbar.

Wenn man sich vorstellt , dass die Nutzung der Entdeckungen von Pythagoras , Platon , Newton, Gauss , Faraday, Einstein , und selbst die Entwicklung der Schrift, und des Rades privatem Eigentum unterliegen würden, so wird dies deutlich.

Wir sehen also, dass selbst unsere heutige von Eigentum, Kapital und Markt geprägte Wirtschaft nur deshalb funktioniert weil wir zum überwiegenden Teil auf Geschenktes zugreifen können.

Auch eine ganze Menge an Dienstleistungen wird als Geschenk erbracht, ohne die ein Funktionieren der Gesellschaft nicht möglich wäre: so etwa innerhalb des Freundeskreises und vor allem innerhalb der Familie: Eltern und Großeltern betreuen Kinder, Junge Alte, Gesunde Kranke unentgeltlich.

Leider sehen wir uns aber einem Trend gegenüber, dass zunehmend Bereiche des Lebens kommerzialisiert werden: bei materiellem Eigentum, geistigen Eigentum, und Hilfeleistungen.

Dies betrifft nicht nur Kunst, Design und technische Entwicklungen, sondern leider auch lebensnotwendige Medikamente, Saatgut, genetische Codes, und somit das Leben an sich.

Und auch im familiären Bereich werden bisherige Schenkleistungen zunehmend kommerzialisiert: Die Kinderbetreuung und Altenbetreuung werden ausgelagert in Horte, Nachmittagsschulen und Pflegeheime. Die Nahrungsaufnahme erfolgt vermehrt über Fertiggerichte oder überhaupt außer Haus.

Dieser Trend trägt zur Steigerung des BIP bei, ohne dass sich dies allerdings im ebensolchen Ausmaß auf den gefühlten Lebensstandard auswirken würde.

Aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten sind heutzutage zumeist 2 durchschnittliche Vollzeiterwerbseinkommen nötig um eine Familie auf normalem Standard finanzieren zu können, während noch bis in die 70er –Jahre des 20. Jahrhunderts ein Vollzeiteinkommen ausreichte.

Zwar steigt durch zwei Vollzeit arbeitende Familienmitglieder das Haushaltseinkommen, aber es fallen auch mehr Ausgaben an für ausgelagerte Kinderbetreuung, Hausarbeit, Nahrungszubereitung, Haushaltsarbeit, Schulnachhilfe, etc an.

Für das Haushaltseinkommen ergibt sich somit nur dann eine positive Bilanz, wenn der Nettostundenlohn des Erwerbstätigen Elternteils über dem Bruttostundenlohn der bei Kinderbetreuung (außerhalb der Schulzeit) und im Haushalt assistierenden Person liegt.

Dies setzt allerdings eine Gesellschaft mit starkem sozialen Gefälle voraus, und tatsächlich rekrutieren sich Putzpersonal, Kindermädchen, private AltenpflegerINNEN, und Fast Food RestaurantmitarbeiterINNEn aus Menschen die von vornherein aus einkommensschwachen Schichten und/oder Staaten mit sehr niedrigem Lohnniveau stammen, und somit mangels Alternativen bereit sind diese Tätigkeiten gegen geringe Entlohnung zu verrichten.

Menschen welche für ihre Arbeit unterdurchschnittlich entlohnt werden ( wie eben z.B jene niedrig bezahlten Haushaltskräfte), haben jedoch keine Möglichkeit diese Tätigkeiten an noch schlechter bezahlte Arbeitskräfte aus zu lagern, und somit geht die aufgewendete Erwerbsarbeitszeit in jedem Fall auf Kosten der eigenen Kinder und der eigenen Lebensqualität.

„Wer putzt dann noch unsere Klos“?

Ein wesentlicher immer wieder vorgebrachter Einwand gegen eine Schenkökonomie ist: „Wer macht dann die unangenehmen Arbeiten?“

Hier möchte ich aber gleich erwidern: Ist es fair unangenehme Arbeiten auf sozial benachteiligte Menschen ab zu wälzen? ( So wie derzeit der Fall)

Heutzutage sind es finanziell und sozial schlecht gestellte Menschen, welche mangels Alternativen die unangenehmen Arbeiten verrichten müssen, und dafür auch noch besonders schlecht entlohnt werden, und zudem das damit verbundene schlechte soziale Prestige ertragen müssen.

In einer geldlosen Schenkökonomie würde dieser ökonomische Druck auf jene Menschen weg fallen.

Vielmehr würde der Druck an den Verursachern der unangenehmen Arbeiten selbst und an der gesamten Gemeinschaft lasten.

So würde eben jedeR selbst die eigene Toilette putzen und die Wohnung sauber halten, und könnte dies nicht an andere delegieren.

Dies würde auch zu einer freiwilligen Beschränkung der Besitztümer auf ein Ausmaß führen bei der eine Bewirtschaftung bzw. Instandhaltung durch Eigenleistung noch möglich ist.

Bei anderen Tätigkeiten, welche nicht bloß einem einzigen Verursacher zugeordnet sind ( z.B. Straßenreinigung , Müllabfuhr, Kanalreinigung) , müsste sich die betroffene Gemeinschaft selbstbestimmt einigen wie diese Arbeiten auf alle Mitglieder gerecht aufgeteilt werden., ähnlich wie es in Studentenwohngemeinschaften Stundenpläne bzw. Übereinkünfte gibt, wann wer mit der Reinigung der gemeinsam benutzten Einrichtungen eingeteilt ist.

Es würde aber auch zugleich ein größerer Ansporn entstehen durch Innovation unangenehme Arbeiten weg zu rationalisieren, sei es durch Automatisierung oder durch bessere Organisation, oder auch auf Verzicht auf bestimmte entbehrliche Produkte oder Dienstleistungen, welche unangenehme Arbeit mit sich bringen.

In der heutigen Geld-Marktwirtschaft spielt es keine Rolle wie sich eine schlecht bezahlte Reinigungskraft beim Toiletten putzen fühlt , solange sich genügend Menschen finden, welche diese Arbeit gegen geringe Bezahlung ausüben.

In einer Schenkökonomie wäre es aber ein wichtiges Menschenrecht eine Arbeit zu verrichten zu können die Freude bereitet und Sinn erfüllend ist. Die Herausforderung für Technik und Wirtschaft läge daher nicht bloß darin gute Produkte und Dienstleistungen mit möglichst geringen Kosten an zu bieten, sondern auch die Arbeitswelt attraktiv zu gestalten. Denn es ist für die Lebensqualität äußerst wichtig wie und womit man seine Arbeitszeit verbringt.

Übergang vom IST-zustand in die Schenkökonomie:

Zunächst einmal sollten wir uns die Frage stellen, „ist die Schenkökonomie wünschenswert?“

Sie hat immerhin 160.000 Jahre lang seit entstehen des Homo Sapiens bis zur Einführung des Geldes und der Marktwirtschaft gut funktioniert. Und sie ist unter anderen Tierarten und Pflanzen auch jetzt noch das gängige System.

Überall in der Natur wird zumindest unter Angehörigen der eigenen Sippe geteilt ohne streng ab zu rechnen. Lediglich bei Angehörigen anderer Spezies endet meistens der Altruismus. Die Ressourcen der Natur stehen allen zur Verfügung die Sie nutzen können, und selbst der eigene Körper fällt nach dem Tode der Allgemeinheit zu. Diese allgemeine Verfügbarkeit funktioniert in der Natur seit Millionen Jahren. Unser Begriff des juristischen Eigentums existiert hingegen erst seit wenigen tausend Jahren, mit all den inne wohnenden Konflikten darum.

Wir können also davon ausgehen, dass gemeinnütziges Handeln für die soziale Gemeinschaft im Sinne einer Schenkökonomie durchaus der menschlichen Natur entspricht. Die Frage ist bloß wie wir dort hin zurück wollen und können, natürlich unter Beibehaltung unseres modernen Wissens und der technischen Möglichkeiten.

Gegenseitiges Schenken fördert Freundschaft und Liebe unter den Menschen. Geld hingegen schafft Misstrauen und Interessenskonflikte.

Wir können uns gut die Einrichtung einer Schenkwirtschaft vorstellen, wenn wir von Null beginnen könnten. So zum Beispiel wenn eine Gruppe von Schiffbrüchigen auf einer unbewohnten Insel landet, und nun in Arbeitsteilung die notwendigen Güter und gegenseitigen Hilfeleistungen bereitstellen soll.

Hier würden die Beteiligten wohl die Schenkökonomie als natürliche Form sehen, und würden es in dieser Situation wohl als geradezu pervers betrachten Geld in umlauf zu bringen, oder gar dass einer von ihnen die Insel als sein Eigentum beanspruchte und nun von den anderen Pacht für die Nutzung verlangte. Denn dies würde bestimmt die zwischenmenschlichen Beziehungen vergiften.

Ebenso wäre ein totaler Neubeginn möglich nach völliger Zerstörung der Zivilisation, wie etwa nach einem Krieg, oder zumindest totaler Zusammenbruch der Wirtschaft, der Staatswesens und jeglicher gesetzlicher Grundlage zur Garantie des Eigentums.

Wenn gleich es nicht unmöglich scheint, dass unser Wirtschaftssystem in solch eine chaotische Krise hineinschlittert, so wollen wir und solche Zustände nicht wünschen, sondern einen Übergang gestalten, bei dem der erarbeitete Wohlstand erhalten bleibt.

Die Transformation weg vom Geld und hin zur Schenkökonomie könnte daher nur schrittweise und zunächst innerhalb kleinerer Gruppen vollzogen werden.

Es könnten Kommunen gegründet werden, deren Mitglieder sich intern gegenseitig zumindest einmal für die Grundbedürfnisse ohne Bezahlung und ohne unmittelbaren Tausch versorgen. Dies könnten zunächst sein: Nahrung, Unterkunft, Kinderbetreuung, Reparatur von Fahrzeuge und Haushaltsgeräten, aber auch kreative Formen der Unterhaltung, Theater, psychologische und soziale Betreuung, einfache Medizinische Betreuung, und Teilweise auch Bildung und Ausbildung

Produkte, welche spezielle technisch aufwendige Produktionsverfahren erfordern, müssten zunächst noch gegen Bezahlung außerhalb der Kommune erworben werden. Wenn sich aber mehrere Kommunen zu immer größeren Schenkkreisen zusammen schließen, werden immer mehr Produktionsanlagen und Menschen mit speziellen Fähigkeiten in die Schenkökonomie einverleibt, und so können immer mehr spezielle Produkte intern über Schenken verbreitet werden.

Letztlich können dann Gruppen von in Summe mehreren Millionen Menschen von Schenkkreisen erfasst werden.

Auch gibt es bereits jetzt Tauschringe in denen unter Umgehung des Geldes Arbeitsleistungen getauscht werden können. Wenn beim direkten Tauschen sich ein gewisses Vertrauen etabliert, und zudem menschliche Bindungen dabei entstehen, wäre es ein kleiner Schritt das gegenseitige genaue Aufrechnen der Leistungen einfach zu sparen, und einfach im Vertrauen zu geben, weil man später bei Bedarf auch bekommen wird.

Der Übergang zur Schenkökonomie müsste also zunächst sinnvoller Weise innerhalb kleiner sozialer Gruppen in Teilbereichen der Wirtschaft eingeleitet werden, bis schließlich die gesamte Menschheit daran teil nimmt und die gesamte Wirtschaft davon erfasst ist.

Wichtig ist, dass wir den Mut und die Freiheit haben Alternativen zur Geld-und Marktwirtschaft, in welcher wir aufgewachsen sind, an zu denken, und daraus folgende wünschenswerte Visionen nicht aufgeben , bloß weil die Umsetzung aus heutiger Sicht kaum machbar erscheint.

Denn was derzeit noch unvorstellbar scheint, kann morgen machbar sein, und übermorgen Realität.

Stellen wir uns vor wir würden eine Zeitreise machen, und die Menschen des antiken Rom mit der Idee konfrontieren , die Sklaverei abzuschaffen:

Die hätten wohl gemeint: „nette Utopie aber eine Gesellschaft kann nun mal ohne Sklaven nicht funktionieren. Die Sklaven hätten doch gar keinen Anreiz unsere Latrinen zu putzen oder im der Circusarena zu kämpfen wenn sie frei wären.“

Ähnlich wie viele heute meinen: „Wer würde denn die Klos putzen, und sonstige mühsame Arbeiten machen, wenn kein finanzieller Anreiz/Druck besteht?“

Ich könnte da noch viele weitere Dinge nennen, die früher zeitweise völlig unvorstellbar waren, und heute Realität sind:

Demokratie, Frauenwahlrecht, Kindererziehung ohne körperliche Züchtigung, Gleichberechtigung der Geschlechter und Rassen, ein Leben ohne Religion, etc..

Die Ferne eines Ziels sollte uns nicht davon abhalten dieses an zu streben.

Auch eine Welt ohne Hunger und Krieg scheint derzeit unrealistisch. Dennoch ist es richtig und wichtig , dass viele Menschen sich genau dafür einsetzen. Warum also sollten wir dann nicht auf eine Gesellschaftsform hinarbeiten, in der es keine finanzielle Hierarchie, Schuld und Ausbeutung gibt?

Auch wenn man kurzfristig nur kleine aber machbare Schritte setzen kann, so sollten wir uns für die Zukunft kein geringeres Ziel setzen als die Verwirklichung von Utopia!

Literaturtipps zum Thema Geldlose Ökonomie:

Thomas Morus: „Utopia“

http://www.thalia.at/shop/home/rubrikartikel/ID29478432.html?ProvID=10907922

Charles Eisenstein „Ökonomie der Verbundenheit“

http://sacred-economics.com/read-online/sacred-economics-deutsch-einleitung/

Über Thomas Herzig