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Kulturwandel in der Wirtschaft und in der beruflichen Weiterbildung?

world handDie Veranstalter des Forums für Innovations-Dramaturgie hatten sich für den Abschluss eines interdisziplinären Forschungsprojektes unter der Schirmherrschaft der Universität der Künste Berlin viel vorgenommen: Sie wollten der Öffentlichkeit nichts Geringeres als einen neuen Ansatz präsentieren, der einen Kulturwandel in den Unternehmen voranbringen soll. Möglich werden sollte dies mit den Mitteln der Kunst, genauer der Übertragung und dramaturgischen Umsetzung von Heldenmythen in den unternehmerisch-organisatorischen Kontext. Manch gestandener Manager mag dieses Ansinnen mit einem Stirnrunzeln quittieren. Doch ist die Welt in den Unternehmen und der Verwaltung längst nicht mehr so fest gefügt wie sie vor 10 oder 20 Jahren war. Überall fehlen Fachkräfte, vor allem im öffentlichen Dienst. Der Deutsche Beamtenbund hat bereits 2007 vor einem massiven Fachkräftemangel ab 2012 gewarnt. Die Nachwuchssorgen treffen aber auch andere Bereiche.

Die Deutsche Bahn, mit rund 300 000 Mitarbeitern, braucht 8000 neue Auszubildende im Jahr. Die Betriebsstruktur leidet an Überalterung, das Durchschnittsalter in manchen Bereichen, auch in solchen, wo schwere körperliche Arbeit verlangt wird, liegt bei 56 Jahren. Das Image vieler heutiger Arbeitsbereiche wirkt nicht besonders attraktiv auf junge Menschen.

Unzählige Unternehmen stehen also vor der Herausforderung, eine neue Führungsphilosophie zu entwickeln. Neue spezielle Trainings für alle Führungskräfte im Sinne der transpersonalen Psychologie kommen dafür zum Einsatz. Bei der Deutschen Bahn sind im Moment 4000 Workshops zur Verbesserung des Unternehmens und als ein Zeichen eines grundlegenden kulturellen Aufbruchs geplant.

Sind die Betriebe damit bei den Bedürfnissen der Mitarbeiter und einem Kulturwandel angekommen? Wohl kaum. Immer noch haben die Ziele von Effizienz, Profit und Marktdominanz Priorität. Einzig die Vehemenz der Forderungen hat abgenommen. Gleichwohl gibt es einzelne Stimmen, die ein anderes Denken fordern. Stimmen, die erkennen, dass der Zenit des Denkens, der Mensch habe sich den Gesetzen der Wirtschaft und des Marktes zu unterwerfen, überschritten ist. Für ein Groß-Unternehmen, welches inzwischen schon realisiert hat, dass es sich nicht vor den Herausforderungen eines grundlegenden Wandels länger widersetzen kann, sprach auf dem Forum unter anderem Monika Braun, Senior Consultant bei DB Training.

Wie kam es zu der Idee, ein Werkzeug für Kulturwandel auszuarbeiten? Es war zu Zeiten der Wende, als Dieter Kraft, Theaterwissenschaftler und Dramaturg, sich von seinem Arbeitsplatz Wien auf den Heimweg nach Deutschland befand. Er reiste als Bürger mit Sonderreisestatus gegen den Strom der fast 17 Millionen DDR-Einwohner, die nach Öffnung der Grenze den Westen Deutschlands besuchen wollten. Diese Erfahrung veränderte sein Denken. Er begriff das Ausmaß des Wandels, der einer west-östlichen Gesellschaft bevorstehen mag.

Kraft war ein Mitbegründer des Theaters „Zinnober“ gewesen und arbeitet heute als integrativer klinischer Dramatherapeut. Ausgehend von der Wendeerfahrung nahm er sich zusammen mit Tina Trobisch vor zu erforschen, was tiefgreifender Wandel eigentlich bedeutet. Aus dieser Forschungsarbeit heraus entwickelten sie ein Werkzeug, inspiriert von östlichen Weisheitslehren und dem Studium der Mythologien der Welt, welches sie „Kompass des Heldenprinzips“ nannten. Es entwickelt über 11 Stufen einen Weg, der dafür dient an die inneren unendlichen Ressourcen des Menschen heranzukommen, mit denen wir Bewusstsein für nachhaltige Innovation und gesellschaftlichen Wandel generieren. Über einen solchen Weg, der an eine Initiationsreise, oder ein entsprechendes Übergangsritual im Sinne eines „Vision Quest“ gemahnt, findet der Mensch zu sich selbst, legt sein gesellschaftlich konditioniertes Korsett ab und wird in die Lage versetzt, das Leben in voraussetzungslosem Lichte zu betrachten.

So die Theorie, die vergleichbar ist mit ähnlichen zeitgemässen Ansätzen wie etwa dem „Dragon Dreaming“, einer ganzheitlichen Methode für die Verwirklichung von kreativen, gemeinschaftlichen und nachhaltigen Projekten. Das „Dragon Dreaming“ bezieht sich auf zwölf Schritte in vier Phasen: Träumen, Planen, Handeln und Feiern, die als gegenseitig ergänzend angesehen werden. Jede einzelne Phase teilt sich wiederum in drei Schritte auf, die Teilnehmer wie in einem Spiel durchlaufen, um so am Ende ihr Projekt gemeinsam erfolgreich zu realisieren.

Die 11 Stufen des „Heldenprinzips“ folgen dagegen genau der berühmten Geschichte „Der Ochse und sein Hirte“, die traditionell den spirituellen Weg zur Erleuchtung eines Zen-Buddhisten beschreibt:

  1. Der Ruf: Das Brechen mit dem Bild von sich selbst und mit dem, was bisher bedeutend war. In seiner gewohnten Welt vernimmt der Held den Ruf zur Veränderung.

  2. Weigerung: Obwohl der Held den Ruf gehört hat, halten ihn innere und äußere Widerstände zurück, den Weg ins Ungewisse zu wagen.

  3. Mentor: Ausschau halten nach Mentoren und synchronistischen Situationen. Ein Mentor stützt den Helden für den je nächsten Schritt.

  4. Erste Überwindung der Schwelle. Der Held wird zum Grenzgänger. Die Schwellenübergänge brauchen einen stabilisierenden Rahmen.

  5. Abenteuer: Das Loslassen alter Muster und das Erringen neuer Kompetenzen verbunden mit dem Erwarten des Unerwartbaren.

  6. Höchste Prüfung: Wandlung findet hier ihren Höhepunkt. Der Held stellt sich mit ganzem Einsatz seinem tiefgreifenden Kampf.

  7. Der Held wird mit dem Elixier belohnt, innere Ruhe. Dem Helden wird offenbart, was er eigentlich braucht.

  8. Der schwierige Rückweg: Das Einbringen des Neuen zur Verwandlung des Alten. Die Integration des schillernden Neuen in den grauen Alltag.

  9. Zweite Überwindung der Schwelle: Zwischen den Welten erkennt der Held seine Aufgabe, beide Welten miteinander zu verbinden. Durchlass erlangt nur, wer den Wandel auch authentisch leben kann.

  10. Erneuerung: Im ehemals Vertrauten orientiert sich der Held um, damit es ihm möglich wird, seine Erkenntnisse mit anderen zu teilen.

  11. Meister beider Welten: Der Held bemüht sich nicht mehr, er ist, da er beide Welten in sich integriert hat. In dieser freien Entwicklung des Einzelnen liegt der Schlüssel zur Entwicklung der Gemeinschaft.

Die Übertragung des Heldenbegriffes auf die Wirtschaft ist keine unproblematische, kann er doch als Strategie verwendet werden, an Ressourcen von Mitarbeitern heranzukommen, die mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr zu erschließen sind. Die Mitarbeiter dürfen Held spielen zum Preis ihrer Ausbeutung. Solches Denken ist aber den Initiatoren fremd. Sie halten sich offenbar eher an den geistig inspirierten Heldenbegriff und hegen humanförderliche Ziele. Jedoch steht die Bewährungsprobe noch aus, ob ihr Konzept über die praktische Anwendung nicht auf Abwege gelangt, so dass es statt zu dem erhofften Kulturwandel, zu einer noch raffinierteren Form der Manipulation der Mitarbeiter im Dienste der Marktkräfte kommt.

Gleichwohl gibt es bereits ja Unternehmen, die nach humaneren Prinzipien wirtschaften. So Alnatura, ein Unternehmen, das bei dem Forum ebenfalls vertreten war. Man erinnert sich: Der Alnatura Gründer Götz Rehn wurde am Anfang mit seinen Konzepten als Spinner bezeichnet, inzwischen steht nachhaltiger Konsum an der Spitze einer großen Transformation. Ist er ein Vorzeigeheld im Sinne des Heldenmythos, wie ihn Trobisch und Kraft verstehen? Immerhin: Alnatura, mit zurzeit 70 Filialen deutschlandweit, arbeitet in der Tat in der Ausbildung mit künstlerischen Mitteln. Die Unternehmensvision von Alnatura ist etwas Sinnvolles für Mensch und Natur zu tun, sowie ganzheitliches Denken, Selbstverantwortung und Nachhaltigkeit zu unterstützen. Das Alnatura Menschenbild ist dem der Unternehmenskette DM dabei recht ähnlich und lautet: Der Mensch ist ein gestaltungsfreudiges Initiativwesen und kein anreizgesteuertes Triebwesen. Die gelebte Unternehmenskultur baut dabei auf zunehmende Selbstführungskompetenz jedes Mitarbeiters auf. Das Unternehmensmotto nach Rehn: „Wir wollen Nachhaltigkeit neu denken, ganzheitlich handeln und so eine zukunftsgerechte Gestaltung der Welt für Mensch und Umwelt ermöglichen.“ Er sieht die geselschaftliche Lernschleife als einen gemeinsamen Zukunftsweg. Ein Weg, der den Menschen als seelisch-geistiges Wesen erkennt und die Erde als lebendigen Organismus begreift.

Auch ein fortschrittliches Unternehmen wie Alnatura muss sich im Marktumfeld behaupten. Und auch hier sind zuweilen Brüche zu erkennen. So war Alnatura in die Kritik geraten, weil es vor allem in den unteren Gehaltgruppen Löhne unter Tarif zahlte, und darauf prompt von der taz als „Ökokapitalist“ bezeichnet wurde. Anfangs konterte Götz Rehn noch mit den Zusatzleistungen des Unternehmens wie Yoga-Kursen, Theatergruppen und Winterseminaren. Doch als die öffentliche Kritik nicht verstummte, willigte man ein sich fortan an den Tarifvertrag zu halten. Alnatura wiederum beschwichtigt, dass es sich nur um Einzelfälle gehandelt hat, und sieht sich unangemessen vor den Pranger gestellt. Die Angelegenheit zeigt wie anfällig Unternehmen heute sind ihren Ruf einzubüssen. Und wie groß gerade bei den sogenannten Vorzeigeunternehmen die Gefahr ist, dass mit zweierlei Maß gemessen wird.

Ein Projekt, welches sich dem Heldenmythos schon länger bewusst verschrieben hat, ist die Wertegemeinschaft „Karmakonsum“. Ihr Gründer Christoph Harrach selbst ist den Helden-Weg schon voraus gegangen nach dem er bei Neckermann vor vielen Jahren als Betriebswirt ausstieg. Er wurde Yogalehrer und Blogger und zeigt seit dem mit seinem Portal Perspektiven für ein zukunftsfähiges Wirtschaften auf. Dabei ist man durchaus selbstbewusst: Man sieht sich als einen der führenden deutschen Trendscouts im Wachstumsmarkt gesunde und nachhaltige Lebenstile. Ein Portal wie dieses ist auf jeden Fall ein gutes Beispiel für die Wirkung der Blogwelt auf die Wirklichkeit, denn es sind vor allem auch Blogs wie der von Harrach, die zusammen hinter dem weltweiten Megatrend Nachhaltigkeit stehen. Nachhaltigkeit und Gesundheit verkaufen sich gut und genau hier zeigt sich das Problem: Springt man auf einen Zug wegen des Erfolges und wegen der Marktstellung auf, oder wegen der inneren Überzeugung? Dies ist eine Gradwanderung, die für Konsumenten nicht leicht zu unterscheiden ist. Dass Werbeagenturen Trend-Themen bearbeiten, macht die ganze Sache nicht vertrauenswürdiger.

Dennoch: Nach wissenschaftlichen Studien befinden wir uns am Anfang eines neuen Wirtschaftszyklus unter dem Motto Nachhaltigkeit und Gesundheit. Ein Zyklus, in dem auch sozialökonomische Prozesse im Sinne des Gemeinwohls zum Zug kommen können. Gibt es einen „Kapitalismus light“ mit menschenfreundlichem Gesicht? Skepsis und Optimismus liegen in dieser Umbruchzeit bei vielen unserer Mitmenschen sehr nah beieinander. Das Thema Karma und Kapitalismus jedenfalls geht einher mit dem „Conscious Business Trend“ hin zu authentischen Produkten, die den Menschen keine passive Konsumentenrolle mehr zuweisen.

Darüber hinaus können wir eine Anti-Konsum Bewegung beobachten, die angetreten ist, um Kulturgüter zu bewahren und den sozialen Raum schöner zu machen. Die Rolle des Verbrauchers als Prosumenten in einer Postwachstumsgesellschaft schließt neue Lebenskonzepte und ein neues Wohlstandsverständnis mit ein. Endlich eigenmächtig Dinge im eigenen Leben bewegen, organisieren und kreieren: So lässt sich diese Mitmach-Revolution zusammenfassen, die nicht nur zur Teilnahme an einer Aktion einlädt, sondern auch der eigenen Kreativität ungeahnte neue Freiraum eröffnet.

Innovationszyklen der Medienlandschaft verkürzen sich heutzutage extrem durch Netzwerkstrukturen und durch die Demokratisierung der Mediengesellschaft. Die nächste Welle von Occupy, wenn sie kommt, so Harrach, steigt bei einem sehr viel höheren Netzwerkstatus ein. Wer weiss, vielleicht sind dann erfolgreiche Unternehmen bereits Teil einer geistigen Strömung. Denn nicht nur im Konsum, sondern ja auch, wie wir bereits am Anfang bemerkten, in der Arbeitsplatzwahl, hat die neue Suche nach Sinn längst begonnen. Immer mehr Menschen orientieren sich tatsächlich in Richtung Nachhaltigkeit. Beweis dafür ist etwa der Erfolg die Firma Dr. Hauschka, die sich im Sinne des Gemeinwohls ausgerichtet hat. Oder der Erfolg der Internetplattform Etsy, die dem Prosumenten Arbeitsraum und gleichzeitig Möglichkeiten für nachhaltigen Konsum bietet. An der TU Berlin wird derzeit ganz in diesem Sinne die Wechselwirkung von Nachhaltigkeit und Privatleben erforscht.

Der Konsument von morgen gleichermaßen ein Held und Lebenskünstler? Das „Heldenprinzip“ in der Organisationsberatung fand unter anderen auch Eingang bei dem neuartigen Projekt der Zusammenarbeit verschiedenster Menschen, die eine gemeinsame Vision entwickelten in Berlin Kreuzberg auf 14500 qm unter dem Namen „Planet Modulor“. Hier fanden sich verschiedene Kleinunternehmer mit kreativen und sozialen Projekten innerhalb eines Gebäudes zusammen, um eine neue Art von öffentlichem Raum zu erschaffen, der nicht an Konsum ausgerichtet ist, sondern an Kreativität, Austausch und Zusammenarbeit zwischen Geschäften, Werkstätten und Künstlern. Dieser Ort, der zuerst eine pure Vision war, ist inzwischen Wirklichkeit geworden und zieht am Tag drei- bis fünftausend Menschen an, die sich von dieser neuen Art von Gemeinsamkeit im öffentlichen Raum inspirieren lassen. Initiiert vom “Planet Modulor”, hat sich inzwischen auch das „Kreative Netzwerk Moritzplatz“ vor Ort ebenfalls niedergelassen, bei dem es darum geht Besucher, Bewohner, Unternehmer, Initiativen, Handwerker, öffentliche Einrichtungen und internationale Partner zusammen zu bringen, um die bestehende Infrastruktur rund um diesen kreativen Standort zu verbessern.

Eine weitere Initiative, die vorgestellt wurde im Rahmen der Tagung des „Heldenprinzips“, war das einjährige „Ring of Leadership Projekt“, durchgeführt mit Vertretern aus vielen unterschiedlichen Unternehmen, die sich alle auf eine Zeitungsannonce der Universität der Künste Berlin gemeldet hatten. Dabei ging es um die Kraft von Spiegeltechniken, Mentoring Prozessen und Projektionen. Kurz: Darum über Signale des Körpers, der Seele und des Geistes der innen Motivation auf die Spur zu kommen. Die Grundprämisse, seinen eigenen Helden-Weg finden zu können, lautet zunächst ja einmal das wahrzunehmen und zu akzeptieren, was ist, verbunden mit der Erkenntnis: Alles, was ist, darf sein.

Die Arbeit sich das zu eröffnen, was potentiell in einem steckt, führt schließlich dazu, Sinn in einer neuen Dimension zu entdecken. Die Kreativität tritt dabei als die entscheidende, da unendliche Ressource hervor. Als die Ressource des Lebens, die entsteht, wenn die Phantasie angeregt wird und es so möglich wird, alle Anteile eines Menschen gleichzeitig anzusprechen.

Ergebnis des „Ring of Leadership“ war die Erkenntnis, dass alle Führungskräfte unter den Teilnehmern ihre verkümmerte Kreativität wieder entdecken wollten. Dies erscheint stimmig und ehrenhaft, doch die Frage bleibt, durch was ist diesen Leuten die Kreativität abhandengekommen? Welche Schwachstelle in ihnen hat das zugelassen?

Klarheit besteht darüber, dass Karrieredenken nur bedingt mit der Kreativität vereinbar ist. Jedes Ungleichgewicht der Work-Life-Balance vermindert die Fähigkeit sich ganzheitlich kreativ auszudrücken, denn es vermindert auch die Fähigkeit überhaupt zu erleben, was mit einem eigentlich geschieht und so die Fähigkeit für gelungene zwischenmenschliche Kontakte.

Erst solche Kontakte führen aber einen heraus aus den Mustern Burnout, Workaholic oder Schonung und hinein in das Muster Gesundheit.

Lernschleifen, die durchlaufen werden müssen beim Verwirklichen von gesellschaftlichen Innovationen sind wie Muster, die Verdichtungen darstellen, durch die Erkenntnisse entstehen und teilbar werden. Geschichten erwachsen aus der ästhetischen Verarbeitung von Veränderungen. Die Geschichten, die wir einander mitteilen, eröffnen uns von Generation zu Generation einen gewissen Spielraum der Akzeptanz. Der Aufbruch aus bisherigen festgefahrenen Strukturen verlangt ein gesellschaftliches Bewusstsein für die Mythen und Heldendramen, die bislang unser Bewusstsein bestimmten. Die Bereiche Kapital und Arbeit könnten sich in Zukunft über einen erweiterten direkten Zugang zu mythischen Erfahrungen neu aufeinander abstimmen und so überhaupt zum ersten Mal in ihrem wahren Sein gegenseitig erkennen.

Was wird nun aus dem Kulturwandel? Auf einem solchen Forum wurde von dem Geist, der zu diesem führen könnte, schon einiges eingefangen. Zumindest in den Köpfen ist der Gedanke präsent und auch erste Schritte in diese Richtung werden unternommen. Wer Hinweise für das jetzt schon überall durchbrechende Neue erkennen will, kann sowieso überall fündig werden. Am Tag nach der Tagung zum „Heldenprinzip“ traf ich in einem Café eine junge Frau, die mir begeistert von ihren Aktivitäten im Kulturlabor „Trial & Error“ erzählte.

Dabei handelt es sich um ein Kollektiv von Designern, Bastlern, Aktivisten, Projektmanagern und Denkern, die gemeinsam soziale und kulturelle Innovationen in die Gesellschaft implementieren. Durch den Einsatz von Medien, Handwerk und Kunst als Werkzeugen um Erfahrungen, Experimente und Wissen zu teilen versteht sich das Kulturlabor T&E als Generator für nachhaltigen Wandel. So finden kreativer Aktivismus, Upcycling, das Entwickeln sozialer Networks, die Open Source Kultur und freie Erziehung zusammen. Wir können an diesem Fall erkennen, dass natürlich auch ohne die Prinzipien des Heldenmythos bewusst anzuwenden, sich intuitiv die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort treffen können, um so gemeinsam und spontan zu Helden des Wandels zu werden.

Ist es nicht so, dass wir uns einen bruchlosen Übergang in eine neue nachhaltige Kultur schwer vorstellen können? Müssen die alten Strukturen nicht erst weitgehend zusammenbrechen, eher der Weg für das Neue wirklich frei wird? Doch wenn der Zusammenbruch kommt, ist es da nicht hilfreich, im Sinne des Neuen bereits Erfahrungen gesammelt und mit diesen experimentiert zu haben?

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