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Goldman-Sachs, Muppets und Moneten

goldman sachs zentraleLeider keine Wikileaks-Enthüllung, aber immerhin ein wütender Insider-Bericht steht kurz vor der Publikation: Greg Smiths Buch “Why I left Goldman Sachs” kommt am 22.10.2012 in die Läden. Goldman Sachs reagiert taktisch schlau mit abwiegelnden Statements zur “Muppets”-Affaire (Muppets = Deppen, soll der interne Ausdruck für “Kunden” gewesen sein). Doch dies ist nur der unwichtigste Aspekt der jetzt zutage tretenden Machenschaften einer aus dem Ruder gelaufenen Super-Bank, die ob ihrer personellen Verflechtung mit der US-Administration auch “Government Sachs” genannt wird.

Im Vorfeld der Buchveröffentlichung wurde das Thema schon durch eine aufsehenerregende TV-Dokumentation bekannt: „Goldman Sachs – Die Bank, die die Welt dirigiert“ wurde von Arte und dem ORF gezeigt. Die deutsche ARD zuckt noch zurück, man ahnt kaum, welche Machtgruppen da im öffentlich-rechtlichen Dunkelfeld um Oberhand ringen. Der The Intelligence-Kollege Konrad Hausner macht sich über jene lustig, die sich vom Grundtenor der Massenmedien bis jetzt mitreißen ließen, Kritik an Investment-Banken wie Goldman Sachs als „Verschwörungstheorie“ abzutun und fordert:

“Diese 45 Minuten dauernde erstklassig ausgearbeitete Dokumentation sollte unbedingt gesehen werden. Sie sollte an Schulen ausgestrahlt werden, um schon junge Menschen darauf vorzubereiten, in welche Art von Welt sie hineinwachsen.”

Demnächst gibt es mehr von dieser Goldman Sachs-Kritik in Buchform, die Nervosität steigt. Buchautor ist der Ex-Goldman-Sachs-Derivate-Banker Greg Smith, der im März 2012 bei der US-Bank gekündigt hatte und dann in einem Artikel in der “New York Times” auspackte:

“I can honestly say that the environment now is as toxic and destructive as I have ever seen it… Goldman Sachs is one of the world’s largest and most important investment banks… I can no longer in good conscience say that I identify with what it stands for… chief executive officer, Lloyd C. Blankfein, and the president, Gary D. Cohn, lost hold of the firm’s culture on their watch… Even after the S.E.C., Fabulous Fab, Abacus, God’s work, Carl Levin, Vampire Squids? No humility? I mean, come on. Integrity? It is eroding.”

Beispiel Abacus-Affäre: 2007 fasste Goldman Sachs dubiose Hypothekarkredite in einem Paket mit Namen ABACUS zusammen. Die Kunden vertrauten der Investment-Bank, doch GS spekulierte dagegen und raffte lachend Gewinne zusammen, während die von ihr beratenen Anleger bluten mussten. Schlimm, wenn die ausgenommenen Kunden auch noch mit lustigen Namen belegt werden: Thema von Smith war natürlich auch der “Muppet”-Vorwurf, der den Kundenbeziehungen der Bank sicher nicht allzu gutgetan hat.

Goldman-Chef Lloyd Blankfein reagierte nun, indem er eine verulkend “muppet-hunt” genannte Untersuchung einleitete, bei der E-Mails auf den Ausdruck hin gescannt wurden: Einem internen Bericht von Goldman Sachs zufolge ist an den “Muppet”-Enthüllungen nichts dran, die Anschuldigungen aus Greg Smiths Buch seien nur seinem gekränkten Ego zu verdanken: Er war einfach nicht gut genug, um in der Bankerelite von GS groß Karriere zu machen, kolportiert die Financial Times Deutschland den GS-Report.

Nur die übliche Whistleblower-Behandlung

Aber das ist sicher keine Überraschung für Greg Smith. So oder schlimmer geht es jedem Whistleblower. Welche Firma würde in der Situation schon zugeben, dass ihr bester Mann sie leider verlassen hat, weil ihm die krummen Geschäfte nun zuviel wurden? Welcher Boss würde dem Ex-Angestellten, der öffentlich die moralische Inkompetenz und ethische Impotenz der Konzernführung angeprangert hat, schon zerknirscht zustimmen? Von Einsicht und Reformbereitschaft dürfte die GS-Führung etwa soweit entfernt sein, wie Stalin kurz nach der Zündung der sowjetischen Atombombe. Eher sind in der US-Bankenwelt wohl personelle Säuberungswellen zu erwarten, man will vor dem großen Monetensturm auf die Euro-Zone sicher noch die unsicheren, weil Ethik-anfälligen Kantonisten aussortieren.

Der Autor bloggt auf www.jasminrevolution.wordpress.com

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