Montag , 27 Juni 2016
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Umdenken hat eingesetzt: 80 Prozent für neue Wirtschaftsordnung

people chessboardDie Vermögen der Elite wachsen unaufhaltsam an. Ebenso die Zahl jener Menschen, die Not und Armut am eigenen Leib verspüren. Auch die Kaufkraft durchschnittlicher Einkommen sinkt immer tiefer ab. Und so scheint es, als stellten sich immer mehr Leute die Frage: Sind wir wirklich auf dem richtigen Weg? Ist es human, auch Menschen den Mechanismen der sich angeblich selbst regulierenden Märkte zu unterwerfen? Muss Lebensqualität wirklich von wirtschaftlichem Wachstum abhängig sein?

Ein von der Zeit bekanntgegebenes Umfrageergebnis zeigt es deutlich auf: „Acht von zehn Bundesbürgern wünschen sich angesichts der europaweiten Krise eine neue Wirtschaftsordnung.“ Nicht Wachstum ist von Beutung, sondern soziale Gerechtigkeit. Nicht Umsatzsteigerung, sondern der Schutz der Umwelt; ihre Erhaltung für zukünftige Generationen.

Schon lange vor dem Einsetzen der Krise war es objektiven Analysten völlig klar, wohin dieses System führen muss: entweder in einen völligen Zusammenbruch oder in den Wirtschaftsfaschismus. Die Abhängigkeit von anhaltendem Wachstum musste früher oder später an ihre Grenzen stoßen. Über viele Jahre hinweg ließen sich die Menschen von positiven Meldungen berieseln: Konjunktur, Aufschwung, positive Zukunftsaussichten. Jahr für Jahr stieg das Bruttoinlandsprodukt. Doch was besagt ein solcher Anstieg?

Zwei oder drei Prozent mehr Einkommen führen zu keiner radikalen Verbesserung des Wohlstandes. Allerdings, steigt Ihr Einkommen jedes Jahr inflationsbereinigt um 2,5% an, so verdienen Sie nach 20 Jahren um zwei Drittel mehr. Denken sie dann zurück, können Sie die Verbesserung Ihrer finanziellen Situation durchaus erkennen.

Das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner betrug in Deutschland im Jahr 1991 19,168 Euro. Im Laufe der folgenden 20 Jahre, also bis 2011, erfolgte ein Anstieg auf 31.437 Euro (Quelle: de.statista.com) Das wären 64% Steigerung. Ist der allgemeine Wohlstand seit 1991 in Deutschland auch entsprechend gewachsen? Oder besagt der subjektive Eindruck nicht eher, dass damals noch alles leichter war?

Natürlich, die Wachstumsraten des BIP sind ja nicht inflationsbereinigt. Das besagt erst einmal, dass ein Anstieg der Wirtschaftsleistung in einem Ausmaß, das der Preissteigerung entspricht, eigentlich gar kein Wachstum ist.

Doch Einiges legte in diesem Zeitraum durchaus kräftig zu. Der wichtigste deutsche Börsenindex DAX notierte 1991 noch bei etwa 1.600 Punkten. Trotz Schulden- und Wirtschaftskrise liegt er mittlerweile bei 7.000, ein Anstieg um mehr als 300%. Der Goldpreis belief sich 1991 auf rund 370 Dollar pro Unze. Heute liegt er bei 1.600 Dollar. Ebenfalls ein Anstieg um über 300%. Der Silberpreis hat sich während desselben Zeitraums sogar versechsfacht.

Heißt es nicht so oft, die „fetten Jahre“ seien vorüber? Zweifellos sind sie das. Doch hat es für die Menschen, die nicht zu den großen Investoren zählen, überhaupt jemals „fette Jahre“ gegeben? Zeigt dieser Vergleich nicht unanzweifelbar auf, dass diese Art eines Wirtschaftssystem, der wir dienen, gar keine Verbesserung der Situation für die Mehrzahl der Menschen vorsieht?

Und es scheint, als würde dieser Umstand nun doch endlich Einzug in das Denken der Menschen gefunden haben. Es scheint, als würde eine große Mehrheit endlich aufwachen und erkennen, dass wir über Jahrzehnte hinweg belogen wurden. Mit Demokratie wurden wir beglückt, ohne uns jemals über politische und wirtschaftliche Zusammenhänge und Hintergründe zu informieren. Regierungschefs wurden von den Wählern ihrer Sympathie nach auserkoren. Die Frage, welche Partei, sozialdemokratisch, konservativ oder liberal, die Interessen der Bürger gegenüber dem Finanzsektor besser vertritt, wann wurde diese Frage bei Wahlversprechen denn jemals behandelt?

Diese Krise mit all ihren Konsequenzen war wohl notwendig, um die Menschen aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Endlich ist die Zeit reif, um zu erkennen, dass es in einer Demokratie nicht reicht, sich um einen guten Arbeitsplatz zu kümmern, fleißig zu sein, und regelmäßig ein paar Groschen aufs Sparbuch zu legen. Wenn einem Volk erzählt wird, dass es nicht Untertan ist, sondern über sich selbst herrscht, dann ist es auch unumgehbar, dass sich dieses Volk bildet und informiert. Denn wessen Versprechen sollte in einem Wahlkampf vertraut werden, wenn niemand weiß, wem sie dienen oder ob sie überhaupt eingehalten werden?

Immer weniger vertrauen die Menschen den Politikern und den Repräsentanten des Finanzsektors oder deren gutbezahlten Sprachrohren, die sich Wirtschaftsexperten nennen. Die anfangs erwähnte Umfrage zeigt so deutlich, dass den Leuten nun endlich der Kragen platzt. Vom namenlosen Finanzsektor dürfen wir keine Einsicht erwarten, so wie der Bankwurm kein Mitgefühl für seinen Wirt aufbringt. Doch unsere Politiker, unsere Volksvertreter, haben nun endlich die große Chance, ihre Aufrichtigkeit unter Beweis zu stellen (gehen wir einmal von der Möglichkeit von einer solchen aus). Zu welchen Themenpunkten sie – Regierung ebenso wie Opposition – Rede und Antwort stehen müssen, um das Vertrauen der Bevölkerung wiederzugewinnen, hat Otmar Pregetter kürzlich in einer Liste von Fragen zusammengefasst. Sie sind an alle Parteivorsitzenden der beiden deutschsprachigen EU-Staaten gerichtet. Wir sind gespannt, wie die Antworten lauten werden.

Über Konrad Hausener

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