Sonntag , 25 September 2016
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Wer zahlt die meisten Steuern?

empty pocketIn mehreren Zeitungen wurde gestern darüber berichtet, dass die Steuereinahmen von Bund und Ländern zum ersten Mal seit zwei Jahren gesunken seien. Im Vorjahr betrug die gesamte Steuerleistung in Deutschland 573,4 Milliarden Euro. Für 2012 wird trotzdem mit einem Anstieg auf 596 Milliarden gerechnet. Und wer zahlt den größten Anteil davon? Der unersättliche Finanzsektor? Die mächtigen Konzerne? Keineswegs. Wie detaillierte Angaben des Bundesministeriums für Finanzen deutlich aufzeigen, ist es die Masse der hart arbeitenden Bürger, die neben dem Finanzapparat auch den gesamten Staat erhalten.

Was die plötzlich niedrigeren Steuereinahmen betrifft, so wird im jüngsten Bericht des Bundesministeriums für Finanzen erklärt, dass diese nicht durch die anhaltende Konjunkturschwäche ausgelöst, sondern auf technische Ursachen zurückzuführen seien. Eine Umstrukturierung der Besteuerung von Dividenden würde eine Verzögerung mit sich bringen.

Was den Bürger diesbezüglich jedoch wesentlich mehr interessiert ist die Frage, von wem eigentlich die meisten Steuern entrichtet werden. Auch wenn es für Viele keine Überraschung ist, die Einnahmen des Staates entstammen zum größten Teil keineswegs jenen Wirtschaftsbereichen, in denen regelmäßig Milliarden verschoben werden. Umsatz- und Lohnsteuer bringen dem Staat das meiste Geld.

Auf der Webseite des Bundesministeriums für Finanzen ist eine detaillierte Auflistung der gesamten Steuereinahmen Deutschlands als Pdf-Dokument verfügbar.

Wir wissen, dass wir zu sparen haben. Unser Währungssystem, und dabei insbesondere der Euro, steht unter Druck. Der Finanzsektor muss befriedigt werden, um die Kreditwürdigkeit zu erhalten. Löhne müssen niedrig gehalten werden, um die internationalen Investoren nicht abzuschrecken. Wenn es um die Rettung von Banken geht, sind wir gewohnt, Beträge von Dutzenden von Milliarden zu vernehmen. Und die Mehrzahl der Bürger spürt es mittlerweile deutlich in der eigenen Kasse, dass ihr verfügbares Einkommen für immer weniger ausreicht. Doch Herr Schäuble hat bislang keinen Grund zur Klage. Die gesamten Steuereinnahmen Deutschlands stiegen von € 530,587 Mrd. im Jahr 2010 auf € 573,351 im Jahr 2011. Immerhin, ein Zuwachs von 8,06%.

Und woher stammen diese Einnahmen?

An erster Stelle rangiert die Umsatzsteuer mit € 190,033 Mrd. (2011). Gefolgt von der Lohnsteuer mit € 139,749 Mrd. Das wären zusammen 58% der gesamten Steuerleistung. Die Last, die der Bürger trägt, ist damit natürlich noch nicht zu Ende. Schließlich gibt es noch Versicherungssteuer, Tabaksteuer, Kaffeesteuer, Branntweinsteuer, Alkopopsteuer, Schaumweinsteuer, Energiesteuer, Stromsteuer, Kraftfahrzeugsteuer, Lotteriesteuer, Biersteuer, um nur die wichtigsten zu nennen, die ebenfalls vom Bürger getragen werden.

Aus welchem Grunde sind wir eigentlich so stolz auf unsere Demokratie? Weil wir jene Politiker, die uns letztendlich an den Finanzsektor verkaufen, selbst auswählen dürfen? Wie in anderem Zusammenhang berichtet, verbleiben dem Deutschen nach Bezahlen der Lohnsteuer, Sozialabgaben, Wohn- und Transportkosten im Durchschnitt nicht mehr als € 444 monatlich zum Leben übrig. Und davon darf er dann noch Umsatzsteuer etc. bezahlen. Die Gelder, die im Laufe der Jahrzehnte in das System gepumpt wurden, und für die wir als Bürger geradestehen, für die wir die Zinsen bezahlen, sind schon lange in schwer nachvollziehbaren Kanälen verschwunden. Auf Jersey, den Bahamas, den Jungferninseln und einigen anderen Finanzoasen. Und an eine Besteuerung der Abzocker ist natürlich nicht zu denken. Sie sind „international“. Sie könnten uns verlassen und ihre Abzockerei anderswo betreiben. Es scheint als wären Staaten heutzutage nicht mehr fähig, aus sich selbst heraus zu existieren.

Oder vielleicht doch? Stellen wir uns vielleicht bloß, weil wir das System noch nicht durchschaut haben, dem internationalen Kapital als gewinnbringende Arbeitskraft, als Humankapital, zur Verfügung? Die technischen Errungenschaften des letzten Jahrhunderts betrachtend, ist es eigentlich absurd, dass so viel Leistung verlangt wird, einfach um über einen Platz zum Wohnen und genügend Nahrung zu verfügen. Den Begriff der Vermögensbildung kennt der überwiegende Teil der Bevölkerung schließlich nur vom Hörensagen. Und dafür leben wir in einer sogenannten Demokratie?

Über Konrad Hausener

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