Donnerstag , 1 Dezember 2016
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Die geldlose Gesellschaft als endgültige Lösung der Finanzkrise?

In der Star-Trek Folge „Die Neutrale Zone“*  findet die Besatzung der Enterprise drei eingefrorene Menschen aus dem beginnenden 21. Jahrhundert. Die Drei werden wieder belebt. Darunter befindet sich auch ein Finanzinvestor, dessen größte Sorge darin besteht, dass er seiner Anwaltskanzlei melden muss, dass er immer noch lebt, als Besitzer seines Portfolios. Denn nach seiner Vermutung müsste sich sein veranlagtes Vermögen innerhalb dreier Jahrhunderte wohl gigantisch vervielfacht haben.

Kundige unter den Lesern wissen allerdings, dass die Menschheit im Star-Trek-Universum ohne Geld lebt. Es herrscht keinerlei materieller Mangel und jeder arbeitet Zwecks innerer Erfüllung für das Allgemeinwohl. Ist die geldlose Gesellschaft letztlich die Befreiung von allen Unzulänglichkeiten des Geldsystems, oder bloß eine unerfüllbare Utopie? Und ist sie überhaupt eine wünschenswerte Utopie?

Zunächst einmal ist die geldlose Gesellschaft gar keine Utopie. Sie hat seit dem Erscheinen des Homo sapiens vor ca. 160.000 Jahren die meiste Zeit nachhaltig funktioniert.

Was ist Geld nun tatsächlich?

zwei daumen hochEs ist z.B. ein universelles Mittel für den vernetzten Austausch von Waren und Dienstleistungen. Mittlerweile macht sich auch die Erkenntnis breit, dass neues Geld in unserem Finanzsystem stets durch verzinste Kredite geschaffen wird. Weil aber das Geld zur Zinstilgung ebenfalls nur durch Kredite geschaffen werden kann, ist es immer zu knapp, egal wie viel davon in den Wirtschaftskreislauf gepumpt wird. Aber Geld ist vor allem auch das wesentliche Antriebsmittel aller wirtschaftlichen Tätigkeit:

Jeder Lohnarbeiter muss es „verdienen“ um zu überleben. Er vermietet im Austausch gegen Geld seine Lebenszeit, seinen Körper, seine intellektuellen Fähigkeiten und seine Loyalität. Nur mit Geld kann er die lebensnotwendigen Dinge sowie soziale Integration erlangen.

Oft tun lohnabhängige Menschen im Austausch für Geld dabei Dinge, die sie für Ihr Leben weder als sinnvoll noch für besonders wünschenswert erachten würden. Auf der anderen Seite können Menschen, welche das Geld kontrollieren, gesellschaftliche- sowie wirtschaftliche Prozesse in deren Interesse steuern. Sie bestimmen, welche Waren produziert werden, welche Dienstleistungen erbracht werden, und wer einen Arbeitsplatz und somit Zugang zu Einkommen bekommt.

Meistens laufen solche wirtschaftlichen Entscheidungsprozesse allerdings nicht nach persönlichem Gutdünken der privilegierten Geldgeber, sondern automatisiert nach dem Gesichtspunkt der Profitmaximierung. Dies ist vor allem dann gegeben, wenn die Geldgeber Aktionäre eines börsennotierten Konzerns sind, und daher gar nicht genau wissen, wofür ihr Kapital konkret verwendet wird, sondern einzig allein an der Mehrung des Selbigen interessiert sind.

Geld ist zum Wertemaßstab für nahezu alles geworden: Zeit, Arbeit, Waren, Unternehmen, Land, sogar Tiere sowei Pflanzen und teilweise auch Menschen. Der Glaube an das Geld hat auch zahlreiche Analogien zur Religion: Die „unsichtbare Hand des Marktes“, welche wie die „unsichtbare Hand Gottes“ unser Schicksal angeblich zu unserem Besten lenkt. Die Dankbarkeit gegenüber Gott, der uns das tägliche Brot gegeben hat, so wie wir auch dem Kapitalismus angeblich unseren Wohlstand verdanken haben. Die christliche „Erbsünde“, findet ihre moderne Entsprechung in der Erbschuld (auf jedem/r Deutschen lasten von Geburt an bereits 25.000 € anteilige Staatsschulden, auf jedem Österreicher sogar 29.000 €).

Die Banker und Großinvestoren sind die Bischöfe und Päpste des Kapitalismus, und sie nutzen ihre Religion um das Denken der Menschen, sowie deren Hoffnungen und Ängste zu beeinflussen. Materieller Reichtum ist neben der sexuellen Attraktivität schlichtweg DAS Kriterium nach dem Menschen innerhalb der sozialen Hierarchie eingestuft werden. Dabei kann zumindest bei Männern finanzielle Potenz den Mangel an sonstigen sexuellen Attraktivitätsattributen sehr wirkungsvoll kompensieren.

Sobald die Grundbedürfnisse gesichert sind, streben die Individuen nach sozialem Status. Da aber nun Geld der wesentliche Wertemaßstab geworden ist, konzentriert sich alles Streben auf Gelderwerb. Somit ist es heutzutage kaum noch vorstellbar, dass Menschen ohne Geldanreiz zu hohen Leistungen oder überhaupt zu einer nützlichen Tätigkeit zu motivieren wären.

Motivation ohne Geld

Was also ist es dann, was sämtliche geldfreien Geschöpfe der Natur zu Höchstleistungen antreibt und es ihnen somit ermöglicht, durch sozialen Zusammenhalt in einer rauen Umgebung zu überleben?

  1. Der eigene Überlebenswille, Nahrung und Unterkunft für sich selbst zu suchen.
  2. Die emotionelle Bindung zu den anderen Mitgliedern der sozialen Gemeinschaft. Altruismus ist durchaus eine natürliche Veranlagung, die sogar bis zur Aufopferung führen kann. (Der anarchistische Philosoph Pjotr Kropotkin hat bereits 1902 diesen natürlichen Altruismus bzw. die Kooperation als zweite Säule der Evolution neben dem Konkurrenzkampf in seinem Werk „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenweltbeschrieben)
  3. Hilfreich ist dabei auch, dass die Natur ihre Geschöpfe mit Trieben und Gefühlen ausstattet, welche (überlebens)notwendige Verhaltensweisen zudem mit Lustgewinn verbinden.

So empfindet z.B. eine Katze das Mäuse-Fangen nicht als lästige Arbeit oder Pflicht, sondern sie empfindet Lust und Freude daran. Ebenso bereitet freiwilliger Sex Lust, obgleich er mit körperlicher Anstrengung und Proteinverlust verbunden ist. Der lediglich aus finanziellem Bedarf motivierte Sexualakt einer Prostituierten hingegen bereitet dieser in den meisten Fällen keine Lust.

Offenbar hat der Kapitalismus zwar eine enorme Warenproduktion hervorgebracht, aber zugleich ist es nur in äußerst geringem Ausmaß gelungen, die damit verbundene Lohnarbeit so zu gestalten, dass sie auch aus freier Überzeugung und mit Freude ausgeführt werden kann. Wie würden also die Mitglieder einer geldlosen Gesellschaft freiwillig einen ausreichenden Beitrag leisten und gleichzeitig nicht zu viele Konsumgüter für sich selbst zu beanspruchen?

Wenn sämtliche Konsumgüter für jeden beliebig und ohne Gegenleistung verfügbar wären, würde deren überdurchschnittlicher Besitz auch nicht zum sozialen Prestige beitragen.

Wenn also beispielsweise jeder X-beliebige zehn Ferraris haben könnte, so wäre damit kein hoher sozialer Status mehr verbunden. Ganz im Gegenteil wäre ein solcher Mensch als „gierig“ und „maßlos“ von den Mitmenschen missachtet. Würde jemand einen Palast für sich alleine nutzen wollen, wäre er gewiss mit der Pflege und Reinigung überfordert. Finanziell bedürftiges Reinigungspersonal wäre in der geldlosen Gesellschaft für solche Luxusansprüche nicht zu finden. Somit würde tendenziell jeder nur soviel für sich selbst beanspruchen, als er auch selbst erhalten und bewirtschaften kann.

Motivation zur Arbeit

Die Motivation zur Arbeitsleistung wäre es sich an Projekten zu beteiligen, welche im Einklang mit dem eigenen Weltbild etwas Positives für die Gesellschaft und Umwelt bewirken. Der Lohn hierfür bestünde nicht in Geld oder Konsum, sondern in der Zuneigung und Anerkennung der anderen Mitglieder innerhalb der sozialen Gemeinschaft.

Das läuft in der Natur ebenso: Ein besonders tüchtiger und erfolgreicher Jäger wird in der Gruppe hohes Ansehen genießen und vielleicht auch überdurchschnittlich viele, paarungswillige Weibchen vorfinden, aber er wird stets die Beute mit der gesamten Gruppe teilen. Zumindest das, was über den eigenen notwendigen Verzehr hinausgeht.

Ohne Geld wären in einer freien demokratischen Gesellschaft auch die Steuerungseffekte ganz andere, in welche wirtschaftliche Tätigkeit gelenkt wird.

Adam Smith sprach von der „unsichtbaren Hand des Marktes“, welche angeblich das Investitionskapital und somit die Produktivität genau dorthin lenkt, wo am meisten Profit erwirtschaftet und somit auch der größte Nutzen für die Allgemeinheit erzielt wird. Wir brauchen uns allerdings bloß vor Augen halten, dass Drogen- und Waffenhandel besonders profitabel sind, um zu erkennen, dass maximaler Profit und maximaler gesellschaftlicher Nutzen keineswegs korrelieren müssen.

Nehmen wir mal als Beispiel zwei optionale Wirtschaftsprojekte:

Das eine Projekt wäre ein Krankenhaus in Afrika zu bauen, das andere Waffen für einen afrikanischen Diktator zu produzieren. Ein profitorientierter Investor würde natürlich die Waffenproduktion finanzieren und nicht das Krankenhaus, dessen potenzielle Patienten, anders als der Diktator, kaum über nennenswerte Kaufkraft verfügen. Auch fänden sich problemlos Firmen und Arbeiter, welche die Waffen für Geld produzieren.

In einer geldlosen Gesellschaft hingegen müssten potenzielle, freiwillige Mitarbeiter und Lieferanten von der allgemeinen Sinnhaftigkeit des Projekts überzeugt werden, und hier würde vermutlich die Entscheidung zugunsten des Spitals ausgehen.

In einer geldgetriebenen Gesellschaft bieten die Menschen ihre produzierten Waren und Dienstleistungen jenen an, die dafür (am meisten) zahlen. Wer über Kapital verfügt bestimmt was für wen produziert wird und wer welchen Lohn erhält. Der Marktwert einer Arbeitskraft richtet sich nicht danach, wie hoch deren Arbeitsleistung tatsächlich ist, sondern wie sehr diese dem Kapitalgeber zu noch mehr Geld und Macht verhilft. Dies ist auch entscheidend dafür, wer in hohe verantwortungsvolle Positionen gelangt.

In einer geldlosen Gesellschaft bieten die Menschen ihre Waren und Dienstleistungen vor allem jenen an, die sie aus ihrer Sicht am sinnvollsten brauchen und zu schätzen wissen oder deren Leistung sie wiederum gerne belohnen wollen. In verantwortungsvolle Positionen gelangen dann nicht Leute, die sich davon ein hohes Einkommen versprechen, sondern jene, die sich dazu berufen fühlen und zudem, genügend andere davon überzeugen können, mit ihren Fähigkeiten genau in dieser Position am besten für das Gemeinwohl beitragen zu können.

Wer macht freiwillig all die unangenehmen Arbeiten?

In der Tat ist eine Volkswirtschaft in der (überspitzt formuliert) alle nur Künstler, Wissenschaftler und Entscheidungsträger sein wollen, nicht funktionsfähig. Wer schleppt dann z.B. schwere Zementsäcke auf Baustellen, wer reinigt Kanalrohre, wer näht in der Fabrik dann noch Turnschuhe zusammen?

In unserem heutigen System finden sich genügend Menschen die aufgrund ihrer finanziellen Situation genötigt sind mühsame, monotone oder auch unangenehme Arbeiten gegen geringe Entlohnung zu verrichten und zusätzlich das damit verbundene niedrige soziale Prestige zu erdulden.

Eine geldlose Gesellschaft stünde daher vor folgenden Herausforderungen:

  1. Unangenehme Arbeiten durch technischen und organisatorischen Fortschritt weg zu rationalisieren.
  2. Anreize zu schaffen, solche Tätigkeiten doch attraktiver zu machen, oder in irgendeiner Weise besonders zu belohnen. Oder auch die Mitglieder der Gesellschaft zeitweise zur Verrichtung dieser Tätigkeiten zu verpflichten, ähnlich wie man das aus dem Militärdienst oder Zivildienst kennt, bzw. kannte.
  3. Falls 1. und 2. Nicht möglich, sein sollten, bliebe nichts anderes übrig, dass jene welche den Nutzen solcher Tätigkeiten für sich selbst beanspruchen wollen, auch selbst diese Arbeiten ausführen, oder gänzlich darauf verzichten.

Durch den Wegfall des Geldes würden auch eine Menge Arbeiten wegfallen

Sämtliche Jobs in der Finanzbranche, Buchhaltung, Verwaltung Eintreibung und Verteilung von Steuergeldern und Sozialabgaben wären überflüssig. Ebenso wären Werbung und Marketing großteils überflüssig, da kein Druck bestünde Produkte zu verkaufen, nach denen nicht von alleine genug Nachfrage besteht.

Niemand bräuchte sich mit der Sicherung von Patentrechten beschäftigen, da alle Ideen und Informationen untereinander geteilt würden, so dass bei Forschung und Entwicklung Synergie und uneingeschränkte Kooperation vorherrschten, damit stets die allerbesten Konzepte sich rasch zum Wohle aller durchsetzen können.

Juristen und Exekutive wären sehr stark entlastet, da die meisten Verbrechen und Rechtsstreitigkeiten mit Geld bzw. Eigentumsdelikten in Zusammenhang stehen. Selbst bei Gewaltverbrechen und langen Ehescheidungsprozessen ist Geld oft der entscheidende Konfliktpunkt.

Der Aufwand für den Handel könnte erheblich reduziert werden, da in der geldlosen Gesellschaft Geschäfte bloß noch Warenverteilungszentren wären. Eine Industrie, welche nicht das vorrangige Ziel hat, Umsatz Marktanteile und Gewinne zu erzielen, könnte es sich leisten, weniger aber dafür langlebigere Produkte zu produzieren.

Wenn produzierte Güter nicht mehr so streng als Privateigentum unter den Bürgern aufgeteilt würden, könnte man durch gemeinschaftliche Nutzung mit weniger Produkten den gleichen Effekt erzielen. So z.B. werden die meisten PKW nur 2-3% der Zeit genutzt und dies von durchschnittlich 1,3 Personen.

Angenommen Kraftfahrzeuge stünden jedem Bürger einfach zur Verfügung und sie würden in der Nutzung von mehreren und noch dazu für gemeinsame Fahrten geteilt, so könnte man mit etwa 10% der jetzigen PKW-Menge den selben Nutzen und Komfort erzielen und zudem das Stadtbild von parkenden und stauenden Blechlawinen befreien.

Dank des technischen Fortschritts ist die Produktivität bei Konsumgütern heutzutage immens hoch, so dass die heutige Herausforderung nicht mehr darin besteht, „wie kann ich die Kapazität aufbringen ausreichend Güter zu einem günstigen Preis zu produzieren“, sondern bloß wie man die Masse der Konsumenten dazu bringt Geld für all diese im Überfluss vorhandenen Produkte auszugeben.

Wenn wir diese Faktoren allesamt mit einbeziehen, so könnte zumindest 50% allen heutigen Arbeitsaufwandes eingespart werden, ohne dass dies eine Minderung des materiellen Lebensstandards zur Folge hätte. Bereits die heutige aufwandlose Verbreitung und Verteilung digitaler Information im Internet führt zu einer Situation, in der das Modell „WARE-GEGEN-GELD“ zunehmend obsolet wird.

Während Verlage und Vertriebe früher tatsächlich eine notwendige Leistung lieferten, indem sie Schallplatten pressten oder Bücher druckten, so können Musikstücke, Filme und Bücher mit wenigen Mausklicks via Internet beliebig verbreitet werden. Die Vertriebe sind daher zunehmend in der Position nicht etwa zur Verbreitung dieser kulturellen Güter beizutragen, sondern im Gegenteil die technischen Möglichkeiten der Verbreitung zu behindern, und Gebühren für deren Freigabe einzunehmen.

Natürlich können die Urheber der Werke nicht bloß von Anerkennung alleine leben. Sie brauchen auch ein Einkommen. Aber in einer geldlosen Gesellschaft wäre dieses Problem obsolet. Sie hätten ohnehin zum Leben alles was sie brauchen und könnten ihre Werke alleine aus Freude und Überzeugung schaffen.

Verteilung knapper Güter ohne Geld

Zwar lassen sich Konsumgüter und Dienstleistungen dank technischem Fortschritt im Überfluss für alles produzieren, aber es wird immer noch ein paar Dinge geben, welche sich nicht beliebig reproduzieren lassen und daher stets knapp und begehrt sein werden. Dies betrifft vor allem: Land, Energie Ressourcen, Rohstoffe, und Pflanzen und Tiere, deren Regeneration dem nicht beliebig beschleunigbaren biologischen Kreislauf unterliegt.

Dies sind an sich Herausforderungen, denen sich die Gesellschaft heute ebenso stellen muss.

Ist es besser und gerechter, dass die Kaufkraft entscheidet, wer wie viel bekommt, anstatt nach Verfügbarkeit und Bedarf zu verteilen? Ist Geld überhaupt ein geeignetes Steuerungsinstrument, um zu sparsamen und sorgsamen Umgang mit knappen Ressourcen zu motivieren? Unser stets steigender Ressourcenverbrauch, trotz deren erwiesener Knappheit, widerspricht dem.

Das Problem bei Geld ist, dass knappe Güter immer einen Eigentümer haben. Hohe Preise für die Käufer bewirken daher hohe Einnahmen für die Eigentümer. Und wer von Verkauf teurer knapper Rohstoffe profitiert, wird wohl kaum Interesse daran haben, dass deren Konsum ein Ende findet.

Wer z.B. an der Börse durch Spekulation auf steigende Lebensmittelpreise reich geworden ist, braucht für sich selbst bei der Nahrung gewiss nicht sparen. Hohe Kaufkraft kann hohe Verfügbarkeit begrenzter Ressourcen vortäuschen. Entscheidend bei diesen knappen Ressourcen ist, dass diese nicht durch menschliche Arbeit geschaffen werden.

Eigentum

Das Eigentumsrecht ist, ebenso wie das Geld, eine eigentümliche Erfindung der neueren menschlichen Zivilisation. Es ist klar, dass jemand a priori das Eigentumsrecht an persönlichen Gegenständen hat, die der/die Betreffende selbst hergestellt hat. Aber welchen Beitrag hat irgendein Mensch an der Schaffung der Schätze der Natur gehabt? Praktisch jeder Quadratmeter der Erdoberfläche mit all seinen darauf befindlichen Pflanzen und Tieren, jeder entdeckte Rohstoff, befindet sich im Eigentum irgendeines Menschen oder einer Rechtsperson. Aber mit welcher Berechtigung?

Wäre es daher nicht sinnvoller die Schätze der Natur als Allgemeingut verantwortungsbewusst und nachhaltig zu nutzen? (So wie es auch alle übrigen Spezies in der Natur seit Millionen Jahren tun)

Da es nie möglich sein wird, alle Ressourcen völlig gleich an alle Menschen zu verteilen (und dies im Übrigen auch gar nicht das Ziel unseres Wirtschaftssystems ist) schafft Eigentum an Ressourcen Ungleichheit und Abhängigkeit. Wenn nur einige Wenige die Eigentumsanrechte auf die Ressourcen haben, die aber alle benötigen, so verschaffen die Verpachtung und der Verkauf dieser Ressourcen den Eigentümern Profit ohne Arbeitsleistung. Die Anderen sind hingegen gezwungen für die Eigentümer zu arbeiten und sind von deren Wohlwollen abhängig.

Das Eigentum an Ressourcen erfüllt hiermit eine ähnliche Funktion wie das verzinste Geldvermögen. Sowohl die Ressourcen als auch das Geld werden für den Rest der Menschen knapp gehalten. Eine geldlose Gesellschaft müsste daher auch eine teilweise eigentumslose Gesellschaft sein.

Wenn ich die Vision der geldlosen Gesellschaft der derzeitigen geldgetriebenen Gesellschaft gegenüberstelle, so würde Erstere das Gute und Edle im Menschen ansprechen; anders als das Geld, welches Gier, Neid, Geiz, Egoismus und Misstrauen unter den Menschen erweckt. Aber es gäbe auch einige große ungelöste Fragen bei der Umsetzung:

  • Wie soll der Übergang bzw. Systemwechsel ablaufen?
  • Muss das geldlose System global eingeführt werden oder kann es innerhalb kleinerer Regionen autark existieren?
  • Wie viele Menschen soll und kann eine Solidargemeinschaft umfassen?
  • Können wir z.B. auch mit den Chinesen auf freiwilliger und unentgeltlicher Basis unsere Güter und Dienstleistungen teilen?
  • Oder wird dann Außenhandel betrieben mit Geld oder einem geldähnlichen Tauschmittel?
  • Inwieweit können Menschen, die bereits in der geldgetriebenen Gesellschaft sozialisiert wurden, umlernen eigenverantwortlich und freiwillig für das Allgemeinwohl tätig zu sein?
  • Welche systembewahrenden Widerstände von Personen und Institutionen wären zu erwarten?

Man kann diese Probleme aber auch als Herausforderung sehen!

Alle bisherigen bahnbrechenden Erfindungen und Errungenschaften beruhen darauf, dass bis dato unlösbar scheinende Probleme durch neue Erkenntnisse und Denkansätze gelöst wurden.

 

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