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Franz Hörmann von der Uni suspendiert

hoermann franz wienFranz Hörmann, Professor für Wirtschafts-Wissenschaften in Wien und Co-Autor des Buches „Das Ende des Geldes“, wurde wegen zweifelhafter Aussagen zum Nationalsozialismus von seinem Lehramt mit sofortiger Wirkung suspendiert. Die Leitung der Universität kündigte nicht nur ein Disziplinarverfahren an, sondern auch, dass Strafanzeige eingebracht werde. Der Mitautor des aufklärenden Werkes über das herrschende Geldsystem, Otmar Pregetter, hatte sich schon im Vorjahr von Hörmann eindeutig distanziert, nachdem dieser eine politische Partei ins Leben gerufen hatte.

Prof. Franz Hörmanns Bekanntheitsgrad stieg im Oktober 2010 sprunghaft an. Die österreichische Tageszeitung Der Standard veröffentlichte damals ein Interview, in dem der Wirtschaftsexperte erklärte, wie Geld aus „dünner Luft“ erschaffen wird. Kurz darauf erschien das Buch „Das Ende des Geldes“, wobei es sich um eine völlig unpolitische Analyse des derzeitigen Geldsystems, das praktisch ausschließlich auf Schulden und somit Zins- und Zinseszins basiert, handelt.

Gegen Ende des Vorjahres wurde plötzlich bekannt, dass Franz Hörmann eine politische Partei gegründet hatte. Co-Autor Otmar Pregetter, ebenfalls Wirtschaftswissenschaftler in Wien, distanzierte sich ohne Umschweife von Hörmann (Presseaussendung vom 5. Dez. 2011). Wie Pregetter u. A. bei seiner Teilnahme in einer Fernsehdiskussion unter Beweis stellte, beziehen sich dessen Analysen ausschließlich auf ökonomische und finanztechnische Aspekte.

Was Hörmann durch sein politisches Engagement wirklich zu bezwecken versucht, ist vorläufig noch unklar. Doch von Anfang an häufen sich Vorwürfe, dass in seinem Umfeld Personen auftauchten, denen rechtsnationale und antisemitische Tendenzen nachgesagt werden. Erwähnung fand dabei ein Mann aus der Schweiz, der zu den Gründungsmitgliedern dieser Partei zählt, und der bereits mehrmals in Verbindung mit antisemitischen Ansichten gebracht wurde.

Am 15. Januar wurde Hörmann in einem Interview auf diesen Schweizer angesprochen. Er sagte wörtlich: „Es stimmt, dass bei einer ersten Besprechung und auch bei der Parteigründung ein Schweizer dabei war, der auch Vorschläge gemacht hat, die in einer Sprache formuliert waren, die, sagen wir mal, nicht ganz zeitgemäß ist.“ Er fuhr fort, dass es sich um eine Konsensbewegung handle und persönliche Meinungen, „auch wenn es vielleicht extreme Minderheitsmeinungen sind“, dennoch in der Diskussion respektiert werden. Und weiter: „Davon abgesehen, muss man halt auch eines sagen: Antisemitismus, den Vorwurf kriegt man, wenn man das Geldsystem kritisiert, standardmäßig und sehr schnell. Es gibt leider bestimmte Gruppen, bei denen allein schon die Kritik am bestehenden Zinseszins-System mit Antisemitismus gleichgesetzt wird. Also, diesen Ruf auf sich zu ziehen, damit muss man, wenn man in die Politik geht in dem Kontext, leider heutzutage tatsächlich rechnen.“ Allerdings vergaß Hörmann auch nicht festzustellen, dass er an die Kraft einer demokratischen und friedlichen Veränderung glaube.

Am Donnerstag berichteten nun mehrere österreichische Tageszeitungen, dass sich die Wiener Wirtschaftsuniversität gezwungen sah, Hörmann mit sofortiger Wirkung zu suspendieren. In einem nichtveröffentlichten Interview mit der Studentenzeitung „Standpunkte“ soll Hörmann zweifelhafte Aussagen zum Nationalsozialismus von sich gegeben haben. Bei Studi-Kurier.at fand eine von Hörmanns umstrittenen Bemerkungen Erwähnung: „Die Frage des Genozids zur Zeit des Nationalsozialismus (ist) nicht endgültig geklärt, weil es keine objektive und ideologiefreie Diskussion über diese Frage gab“. Die Gaskammern in Hitlers Konzentrationslagern betreffend, soll Hörmann geäußert haben, dass er dazu „keine Meinung“ habe.

In einer ersten Stellungnahme erklärte Hörmann, dass es sich um ein „Missverständnis sprachlicher Art“ handle. Wie die Tageszeitung Die Presse erklärt, beruft sich Hörmann auf den „Wissensbegriff“. Nachdem er selbst weder Historiker noch Zeitzeuge sei, könne er schon aus logischen Gründen nicht behaupten, selbst von der Existenz der NS-Massenvernichtungslager zu wissen.

Ungeachtet Hörmanns persönlicher Einstellung, die tragischen Ereignisse vor und während des Zweiten Weltkrieges betreffend, seine Vorgangsweise im Zusammenhang mit seinem Einstiegsversuch in die Welt der Politik ist gewiss alles andere als geschickt. Was gleichzeitig aber durchaus zu bedauern ist, ist der Umstand, dass ein erstklassiges und aufklärendes Sachbuch zum Thema Finanzwesen gerade dadurch in Misskredit geraten könnte. Und das hat dieses Buch, „Das Ende des Geldes“, mit Sicherheit nicht verdient.

Über Konrad Hausener