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Scheren Sie sich nicht drum – Banken-Bashing für Anfänger

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bonus_dollarsWissen Sie eigentlich, wie das richtig heißen muss – Eurokrise, Schuldenkrise, Finanzkrise? Nein? Dann lernen Sie gefälligst was! Als Erstes merken Sie sich mal, Bankenkrise heißt es jedenfalls nicht, und es geht nicht, überhaupt nicht, auf gar keinen Fall um Bankenrettung. Aha, Sie runzeln die Stirn. Na bitte, das dachte ich mir schon. Am Ende gehören Sie auch zu diesem ungebildeten Haufen, der zwar nix versteht, aber trotzdem glaubt, irgendwie wären die Banken schuld. Heimlich haben Sie wahrscheinlich auch Sympathie für die Occupy-Bewegung, obwohl die nicht mal genau sagen kann, wogegen sie ist, geschweige denn wofür.

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Können Sie LESEN? Zugegeben, eine reichlich bescheuerte Idee, so eine Frage in schriftlicher Form zu stellen. Trotzdem kann ich sie Ihnen nicht ersparen. Wenn Sie nämlich lesen können, dürften Sie diese Meinung nicht haben. Das sagen Ihnen viele seriöse Autoren, in vielen, meist klug wirkenden Artikeln. Tja, und wenn Sie die nicht verstehen, dann hat Herr Gauck schon Recht, dann sind Sie “unsäglich albern“.

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Das wollen Sie nicht sein? Dachte ich mir fast. Also lesen sie zuerst mal den Wikipedia-Eintrag zu ? Bank. Vielleicht haben Sie nicht auf Anhieb verstanden, was es mit Fristentransformation oder Geldschöpfung auf sich hat, aber jetzt wissen Sie zumindest, dass das ganz wichtige Funktionen sind. Weiter geht’s mit ? Finanzkrise ab 2007 und ? Staatsschuldenkrise im Euroraum. So, jetzt überrascht Sie wenigstens kein neoliberaler BWL-Student mehr mit der spaßigen Argumentation, in Wirklichkeit seien Bill Clintons Häuslebau-Programm, die rot-grüne Deregulierungswut, besonders aber die Lust der Staaten am Schuldenmachen AN ALLEM SCHULD.

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Als Nächstes nehmen Sie bitte zur Kenntnis: Den Banken geht es selber SCHLECHT, sie haben nämlich auf die Politiker vertraut und sind angeschmiert, so wie alle Anderen auch. Naja, fast alle, denn es gibt ja doch so etwas wie “die Bösen”, Hedge-Fonds und ähnliches Teufelszeug. Die werden jetzt, also demnächst, oder jedenfalls sicher im Lauf der nächsten fünf Jahre ebenfalls mal reguliert, vermutlich aber nicht so streng wie die armen Banken. Finden können Sie solche erschütternden Berichte in jedem größeren Blatt.

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So, nun dürften Sie endlich mal in der Realität angekommen sein. Damit wird es Zeit, dass Sie sich der wichtigsten aller gesellschaftsverändernden Maßnahmen widmen, der Selbstbespiegelu… oh Verzeihung, der Reflektion über die eigenen Ansätze und Ziele. Tun Sie das nicht, sind Sie nämlich nur ein weiterer HIRNLOSER Kapitalismus-Kritiker und Dagegen-Seier. Mit solchen Leuten wollen auch gestandene linke Theoretiker nämlich nichts zu tun haben.

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Entschuldigen Sie den etwas herben Ton bisher. Vielleicht kennen Sie den ohnehin schon, aber ich wollte sicher gehen, dass Sie die wesentlichen Argumente kennen, warum man Banken nicht pauschal kritisieren sollte. Da Sie das jetzt wissen, gebe ich Ihnen einen anderen Rat:

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Scheren Sie sich nicht drum!

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Doch, mir geht’s gut, auch wenn ich erst etwas ellenlang darstelle, um es dann für unerheblich zu erklären. Alles, was ich Ihnen oben an den Kopf geworfen habe, ist nämlich entweder ein Denkfehler oder ein Diskussionstrick: Man dürfe ein Ergebnis erst dann kritisieren, wenn man den Prozess versteht, der es hervor gebracht hat.

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Das ist schlicht falsch. Es geht dabei auch nicht allgemein um Meinungsfreiheit, die ja auch Unsinn abdeckt. Sondern es ist ein legitimer Standpunkt in einer Debatte, man darf sehr wohl so argumentieren: Zeige mir das Ergebnis, DANN sage ich Dir, ob der Prozess in Ordnung ist.

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Stellen Sie sich vor, ich hätte Sie nicht direkt angesprochen, sondern wie üblich allgemein formuliert. “Ist Bankenkritik berechtigt?”, dann dezent darauf hingewiesen, dass das alles schrecklich kompliziert ist, ohne es jedoch zu erklären, dabei ein paar Begriffe fallen lassen, die nicht allgemein verständlich sind, und zum Schluss behauptet, Kritik an “den Banken” sei zu pauschal, sogar primitiv. Das wäre Ihnen doch höchstens aufgefallen, wenn Sie The Intelligence kennen und hier so etwas nicht erwarten. Sonst kennen Sie diese Art Expertise von beliebigen Wirtschaftsjournalisten. Wenn Sie dem folgen und nicht über fundierte finanzwirtschaftliche Kenntnisse verfügen, stecken Sie mitten drin in Sachzwängen und Zwangsläufigkeiten des Prozesses.

Lesen Sie vielleicht mal was Anderes als die 983-ste Analyse der Finanzkrise. Lesen Sie einen Artikel über den Quartalsbericht einer großen Investment-Bank. Dort finden Sie nämlich das Ergebnis.

Tatsächlich, die Bank hat Verluste gemacht, offenbar gehören die Banken allen Ernstes zu den Opfern der Krise. Der Autor sieht das wohl ähnlich, es fehlt nicht an Hinweisen auf die allgemein schlechten Geschäfte in schwierigen Zeiten, aufgeschlüsselt nach verschiedenen Sparten. Das gäbe auch ein spannendes Thema ab, hier beschränke ich mich aber auf den Hinweis, dass der Gewinn aus (Staats-)Anleihen-Handel auf 1,7 Milliarden Dollar GEFALLEN ist. Immerhin, das sind 36% weniger als im Vierteljahr davor. Was dann übrigens reichlich 2,6 Milliarden waren. Das schlechte und das bessere Quartalsergebnis addiert und mal zwei genommen (was eine furchtbar grobe Rechenweise ist), lassen einen Jahres-Gewinn von ca. 8,6 Milliarden erahnen. Für eine einzige, wenn auch große Bank. Das führt mich zu dem Schluss, dass mit dem Handel von unter Druck stehenden Staatsanleihen durchaus noch Geld zu verdienen ist.

Aber zurück zum Gesamtergebnis, und entschuldigen Sie, falls Sie der Exkurs gelangweilt hat. Insgesamt machte die Bank 393 Millionen Verlust. Millionen, wohlgemerkt. Mittlerweile sind wir abgehärtet, dramatisch ist das nicht. Trotzdem, Verlust ist Verlust, also kein gutes Ergebnis. Der Autor bemerkt flankierend dazu am Schluss des Artikels, dass sich das auch auf die Boni, also die erfolgsabhängigen Zahlungen an die Mitarbeiter der Bank auswirkt.

Wenn Sie noch lesen, langsam komme ich zum Punkt: Nach allgemeinem Sprachverständnis müsste man folgern: Verlust ist kein Erfolg, also gibt es keine Boni. Falsch. Die Bank legt nur weniger Geld dafür zurück: Für ein Vierteljahr, das 393 Millionen Verlust brachte, sind Boni von 1,58 Milliarden vorgesehen. Möglicherweise sieht der Autor das als Zeichen der Bescheidenheit, denn er fügt hinzu, dass dies 59% weniger sind als im dritten Quartal 2010. In dem es demnach ca. 3,85 Milliarden Boni gab. Für ein Quartal, wohlgemerkt. Boni, wohlgemerkt, also eine Zusatz-Vergütung zum normalen Gehalt. Verteilt (höchst ungleich) wird das unter ca. 34.000 Angestellten.

Wenn man solche Zahlen nennt, setzt man sich dem Vorwurf aus, neidisch zu sein. Stimmt. Selbst für den hypothetischen Pro-Kopf-Jahresbonus von ca. 185.000 Dollar in einem schlechten Jahr würde ich ohne Grundgehalt arbeiten. Um das mit den Banken, denen es schlecht geht, nochmal aufzugreifen: SO SCHLECHT dürfte es mir auch mal gehen. Aber tatsächlich geht’s um etwas Anderes.

Goldman Sachs, so heißt diese Bank, hat für 2010 Boni von insgesamt 17,5 Millarden Dollar ausgezahlt, zu einer Zeit, als der griechische Staat schon mit Hilfstranchen in vergleichbarer Höhe funktionsfähig gehalten wurde. Dieses Geld ist nicht in einem schwarzen Loch namens Staatsschulden verschwunden. Es hat ganz schlicht den Besitzer gewechselt. Auch zu Anlegern, aber in wesentlichen Teilen zu deren Handelsgehilfen. Die selbst dann noch belohnt werden, wenn sie für die Kapitalgeber Verluste einfahren.

Damit haben wir ein klares Ergebnis. Vielleicht halten Sie es nicht bloß für unsozial, sondern für ungerecht, ich tue es auf jeden Fall. Die Argumentation, dass wirklich in ganz großem Stil umverteilt wird, mag primitiv erscheinen. Aber sie ist richtig. Wenn Sie nicht gerade einen Master-of-desaster-Studiengang über globale Finanzwirtschaft abgeschlossen haben, ist sie auch recht sinnvoll.

Diskussionen über die Finanzkrise werden oft auf der Ebene der Ursachen und der Marktmechanismen geführt. Wenn es darum geht, bessere Modelle zu finden, bin ich sehr dafür. Allerdings ist das nicht oft der Fall. Meist soll so die Lufthoheit errungen und der Kritiker mundtot gemacht werden. Wenn man sich dem ausdrücklich verweigert und die Frage nach Gerechtigkeit des ERGEBNISSES stellt, schwindet eine solche Überlegenheit ganz plötzlich. Dann bleibt den Verteidigern des Systems nichts übrig als die üblichen Phrasen von “Utopie” und “Spinnerei”. Das aber wirkt nicht mehr sonderlich souverän, sondern eher geifernd oder arrogant. Herr Gauck weiß, was ich meine.

Schließlich zurück zum Ausgangspunkt, den angeblich zu Unrecht kritisierten Banken: Nö. Kritik an den Banken trifft sicher nicht den einzigen Schuldigen. Aber sie trifft einen der Richtigen. Und was die Primitivität betrifft: Man muss kein guter Koch sein, um beurteilen zu können, dass das Essen nicht schmeckt. Das ist ein Frage des guten Geschmacks. Schöne Grüße an den Koch.

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