Mittwoch , 25 Mai 2016
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Ex-Thyssen-Chef sieht im Euro den Super-GAU für Deutschland – Steckt eine Mafia hinter der Finanzkrise?

7_tage_1_meinung_logoEin ungewöhnliches Interview gab es diese Woche in Springers „Welt“ zu lesen. Befragt wurde Europas oberster Korruptionsbekämpfer Wolfgang Hetzer. Anlass ist sein neues Buch „Finanzmafia“. Erwarten konnte man ein gewöhnliches Interview über den Inhalt des Buches garniert mit ein paar Worten des Lobes seitens der Zeitung. Das Interview ist aber nichts von dem. Wolfgang Hetzer redet darin in einer Weise Klartext, wie man es bisher kaum in einer deutschen Zeitung lesen konnte. Er geißelt die Machenschaften einer „Finanzmafia“, die für die Finanzkrise verantwortlich sei. Er spricht von der „Existenzvernichtung ganzer Gesellschaften“, von den „Versagercliquen in Politik und Wirtschaft“ und davon, dass die Krise noch lange nicht vorbei ist.

Das Budgetrecht des Bundestages werde ausgehebelt, wenn Deutschland immer mehr Geld in die diversen Rettungsfonds stecke. Es gebe überhaupt keinen Spielraum mehr. Hetzer hält es für äußerst bedenklich und eine Gefährdung für die Demokratie, wenn ein großer Teil des Bundeshaushalts für die Schulden anderer Länder verpfändet wird. Hetzer wörtlich: „Man glaubt den Politikern kaum noch. Die Menschen erkennen eine kleptokratische Kultur unter den Eliten. Sie fühlen sich betrogen von Versagercliquen in Politik und Wirtschaft. Ich fürchte, dass Auswirkungen dieses Zorns auf den europäischen Zusammenhalt nicht auszuschließen sind.“ Im Grunde prophezeit er damit eine grundlegende Krise der EU, schon weil seiner Ansicht nach die europäische Solidarität an ihr Ende kommt.

Darüber hinaus fürchteten deutsche und französische Banken den griechischen Staatsbankrott, weil dieser für sie enorme Verluste bedeuten würde. Lieber schieben sie die Verantwortung den Steuerzahlern zu. Die Politik mache dieses Spiel mit, weil, Hetzer stimmt hier einer Aussage Norbert Blüms zu, „der Staat zum Schmierensteher für Zocker geworden“ ist. Wolfgang Hetzer stellt fest, dass die Weltfinanzkrise „kein Gottesurteil“ und keine „satanische Verfluchung“ sei, sondern sie hätte ihre „Wurzeln in menschlichem Handeln und in menschlichen Unterlassungen“.

Dies zeigt meiner Meinung nach, dass es schon um mehr geht als um die Wiederherstellung einer vernünftigen Finanzpolitik. Es steht die Demokratie auf dem Spiel und damit letztendlich auch das Wohl der Wirtschaft. Es geht nicht um einen ökonomischen Systemwechsel, es geht darum, die herrschenden Politiker und Bankmanager abzulösen, bevor es zur Katastrophe kommt.

Der weitere Hammer diese Woche: Ex-Thyssen-Chef Dieter Spethmann bezeichnet den Euro als „Super-GAU“ für Deutschland. Der Wiederaufbau in Japan nach Tsunami und Fukushima soll 400 Mrd. Euro kosten. Der Euro habe Deutschland aber seit dessen Einführung, so rechnet es Spethmann vor, 2500 Mrd. Euro gekostet, mehr als fünf Mal so viel. Er fordert deshalb eine Revision der EU und Schluss mit allen Rettungsschirmen.

Die Berechnungen Spethmanns sind bestechend. Er beginnt mit der formellen Einführung des Euro 1999 und zählt alle finanziellen Nachteile zusammen, die Deutschland seither erlitten hat. Die Haftungssumme aller Rettungsschirme belaufe sich auf 1542 Mrd. Euro, auf Deutschland entfielen 391 Mrd. Euro. Dazu komme aber laut Spethmann noch der „Mehrzins, den die deutschen Kreditnehmer deshalb zahlen müssen, weil die früheren Weichwährungsländer seit Euro-Einführung weniger zahlen“. Früher zahlten z.B. die Südländer hohe Zinsen für ihre Schwachwährungen, mit dem Euro profitieren sie Jahr für Jahr von einem wesentlich geringeren Zinssatz, für den besonders Deutschland mit seiner Wirtschaftskraft gerade steht. Das ist nichts anderes als eine Subvention. Italien erspare sich dadurch fast 70 Mrd. Euro Zinszahlungen pro Jahr. Die Deutschen hingegen zahlten höhere Zinsen als zu D-Mark-Zeiten, durchschnittliche 2 Prozent im Jahr. Alle Deutschen würden dafür mit jährlich 100 Mrd. Euro zusätzlich zur Kassen gebeten.

Und so rechnet Dieter Spethmann weiter alle gern verschwiegenen Faktoren zusammen, bis er auf eine Gesamtzahl von unfassbaren 2500 Mrd. Euro Verlusten für Deutschland seit 1999 kommt. Kein Wunder, dass unsere Infrastruktur verfällt und wir immer höhere Sozialbeiträge zahlen müssen. Die Fehlentscheidungen der politischen Klasse sind derart beispiellos, dass selbst der „Welt“-Kommentator Gerhard Held feststellt: „ Das Panorama ist so destruktiv und fremdelt so sehr mit den Eckwerten der Bundesrepublik, dass man glauben möchte, dies sei nur ein böser Traum.“ Er sei „ratlos“. Nun, der Weltkommentator mag ratlos sein, EZB-Chef Trichet hat schon eine Lösung. Er fordert ein europäisches Finanzministerium, das den Ländern, falls notwendig, die finanzpolitische Souveränität wegnehmen soll. Die EU-Bürokratie will also die Krise nutze, um den Sack endgültig zuzumachen.

Ein Kommentar von Christian Weilmeier

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