Donnerstag , 25 August 2016
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Die Kluft zwischen China und den Vereinigten Staaten

chinatown_new_yorkAm Dienstag nachmittag traf der chinesische Präsident Hu Jintao in Washington ein. Während US-Vizepräsident Joe Biden dem Besucher einen gebührenden Empfang bot, versammelten sich außerhalb des Flughafen-Gebäudes einige hundert Menschen zu Protesten für ein freies Tibet. Für heute stehen Gespräche im Weißen Haus am Programm, an denen sich neben den Oberhäuptern der beiden Staaten auch Repräsentanten internationaler Konzerne beteiligen werden. Mit mehr als 20 Prozent der chinesischen Gesamtexporte, gelten die Vereinigten Staaten als wichtigster Abnehmer chinesischer Produkte. Ein Vergleich der Finanzlage sieht für die USA dabei keineswegs rosig aus.

Ungeachtet ob es sich um das harte Urteil gegen den Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo handelt, um die enorme Zahl von Todesurteilen mit anschließendem Verkauf der Organe der Hingerichteten oder um die seit Jahrzehnten andauernde Besetzung des Staates Tibet, die chinesische Politik entspricht keinesfalls den Vorstellungen der westlichen Welt. Die Geschäftsbeziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten scheinen darunter jedoch keinesfalls zu leiden.

Während Hu Jintao am Abend seiner Ankunft zu einem Abendessen im Weißen Haus geladen war, bei dem sich neben Präsident Barack Hussein Obama, Außenministerin Hillary Clinton, Sicherheitsberater Tom Donilon und andere einfanden, ist für heute ein offizielles Treffen geplant, an dem, so schrieb gestern das Wallstreeet-Journal, sich auch die CEOs von Microsoft, General Electric und Boeing beteiligen werden.

Eine, von offizieller Seite veröffentlichte Außenhandelsstatistik, erlaubt Einblick in die Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern. Im Jahr 1985 standen Exporten nach China im Wert von $ 3.855.700.000 noch Importe von $ 3.861.700.000 gegenüber, was einer für die USA negativen Bilanz von sechs Millionen Dollar entsprach. Im Folgejahr, also 1986, nahmen die Exporte ab, die Importe gleichzeitig zu, und das Handelsdefizit zwischen den beiden Ländern erhöhte sich sprunghaft auf mehr als 1,6 Milliarden Dollar. Von Jahr zu Jahr stieg diese Bilanz zu Gunsten Chinas und überschritt 2002 zum ersten Mal die 100-Milliarden-Marke. Für 2010 zeigt die gleiche Statistik Exporte in Höhe von knapp 82 Milliarden und Importe von nicht weniger als 334 Milliarden. Die negativen Bilanzwerte der letzten zehn Jahre addieren sich zu $ 1.998.469.900.000, also knapp zwei Billionen.

Natürlich ist dieser Außenhandelsüberschuss nicht die einzige Ursache für die erstklassige Finanzlage Chinas. Auch die Staatsverschuldung Chinas liegt mit 17,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts unvergleichlich niedriger als die der Vereinigten Staaten.

Den deutlichsten Vergleich der Finanzlage der beiden Länder bietet das, von der CIA erstellte, World-Factbook, durch welches detaillierte Angaben über alle Staaten der Welt veröffentlicht werden. Unter den Wirtschaftsdaten findet sich dort der Begriff „Current Account Balance“. Dabei werden neben der Außenhandelsbilanz auch alle anderen grenzüberschreitenden Geldflüsse berücksichtigt. Auch wenn die Zahlen nur geschätzt sind, so führen sie doch zu einem soliden Überblick. Mit 272,5 Milliarden Dollar liegt China nicht nur im positiven Bereich, es führt auch die Weltrangliste an. An zweiter Stelle liegt Japan mit 182,3 Milliarden und an dritter Stelle – man staune – Deutschland mit 162,3 Milliarden Dollar, gefolgt von Russland, Norwegen, Saudi Arabien und der Schweiz. Österreich liegt mit 8 Milliarden immerhin auch noch an 26. Stelle. Den 60. Rang bekleiden mit bescheidenen 8 Millionen Dollar die Komoren.

Dieser Inselstaat im Indischen Ozean ist hier nur deswegen von Bedeutung, weil es sich um das letzte Land handelt, dessen Bilanz noch im positiven Bereich liegt. Danach folgen Staaten, von denen mehr Finanzwerte ins Ausland transferiert werden als zurückfließen. Island gehört zu diesen Ländern ebenso wie Ungarn, Belgien, Bulgarien und die Slowakei. Nach Großbritannien, Frankreich und Italien findet sich Spanien, dessen Nettoverlust für das Jahr 2010 auf 66,7 Milliarden Dollar geschätzt wird, schließlich an vorletzter Stelle. Und welcher Staat folgt als letzter dieser CIA-Statistik mit einer negativen Bilanz von 561 Milliarden Dollar, also fast neunmal mehr als der vorletzte? Richtig, die Vereinigten Staaten von Amerika, die sich so gerne als das reichste Land der Welt bezeichnen.

Wie es Statistiken so an sich haben, sagen diese Zahlen natürlich nicht wirklich viel aus. Es gibt ja auch Menschen, die jeden Monat mehr Geld ausgeben als sie einnehmen und trotzdem weiter leben – und oft gar nicht schlecht. Wo das jedoch langfristig hinführen könnte, darüber sollen sich die Experten den Kopf zerbrechen. Der Leser wird vermutlich ebenso wie ich bloß die Zahlen betrachten und lange, sehr lange, den Kopf schütteln. Von wo ging die derzeitige Finanzkrise, die 2007 einsetze und Europa gewaltig in Mitleidenschaft zog, aus?

Über Konrad Hausener

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