Samstag , 2 Juli 2016
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Land-Rush im „Wilden Osten“ – Anleger kaufen Land was das Zeug hält

wilder_ostenWährend die Bundesregierung und die Medien Land auf, Land ab den Aufschwung verkünden und die Bundesagentur für Arbeit dank erfolgreicher „Umgestaltung“ der Statistik die Arbeitslosigkeit Monat um Monat senken lässt, denken vermögende Anleger und mächtige Fonds völlig anders. Sie kaufen Agrarflächen was das Zeug hält und treiben die Preise in die Höhe. In den letzten Monaten sind die Preise für Agrarflächen um bis zu hundert Prozent gestiegen. Es werden inzwischen Summen pro Hektar bezahlt, die sich durch Landwirtschaft überhaupt nicht mehr hereinwirtschaften lassen. Diese Höchstpreise sind Folge eines gigantischen Flächenhungers, bei dem Papiergeld in Grund und Boden umgewandelt wird. Die Familie Rethmann zum Beispiel verdient ihr Geld mit einem westfälischen Müllunternehmen und hat mittlerweile schon 7000 Hektar im Landkreis Parchim gekauft. Auch die Familien Fielmann und Möbelfabrikant Steinhoff mischen kräftig mit. Ein wahrer Land-Run, wie im Wilden Westen, bei dem es gilt, sich möglichst viel in kurzer Zeit anzueignen.

Die Landwirtschaft in Ostdeutschland war schon immer großflächiger organisiert, nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Großgrundbesitzer von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet. Nach der Wende kam Anfang der 90er Jahre die Privatisierung im Auftrag des Bundes, vieles wurde auch verpachtet. Jetzt laufen zahlreiche Pachtverträge aus und riesige Flächen kommen auf den Markt. Vermögende Privatleute glauben offenbar dem von Angela Merkel verkündeten Aufschwung nicht und bringen ihr Geld in Sicherheit. Und was könnte sicherer sein als Ackerland? Gegessen wird immer und Land übersteht jede Inflation oder Währungsreform. Es ist schon erstaunlich, dass sich der Mittelstand im Traum der wirtschaftlichen Sicherheit wiegt, während die Oberschicht längst das Gegenteil tut. Der sprichwörtliche einfache Mann bringt sein Geld auf die Bank, die Anderen holen es da schnell wieder raus.

Die hohen Preise lassen sich mit dem zu erwartenden landwirtschaftlichen Ertrag nicht mehr rechtfertigen. Dies unterstreicht den Eindruck, dass es sich dabei um eine Flucht aus dem Euro handelt. Man hält den Euro ohnehin schon für überbewertet und kauft mit viel Geld wenig Land, eine vorweggenommene Inflation. Das Rad ist in Gang gekommen. Die Politik wird ihrer Aufgabe nicht gerecht, wenn sie jetzt alles aussitzt, die einfachen Leute nur vertröstet und ihnen dadurch die Chance nimmt, ihren Wohlstand wenigstens teilweise zu retten. Die Reichen sind stark genug, sich selbst zu helfen. Wer aber hilft der breiten Masse der Bevölkerung? Hier klafft ein skandalöses Vakuum.

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