Donnerstag war Zahltag!
Erinnert sich noch jemand? Und? Was ist passiert? Nichts. Wirklich? Die Fakten waren, dass die Europäische Zentralbank ca. 443 Milliarden Euro an ausgereichten Krediten zurück haben wollte. Und keiner so richtig dran glauben konnte, dass dies ohne Offenbarungseide über die Bühne gehen sollte. Sandsäcke, Schaumsprayer, Sicherheitsleinen, Feuerwehr und Krankenwagen – alles wurde vorsorglich bereit gestellt – niemand sollte ohne Absolution untergehen. Die europäische Familie sollte zusammenhalten. Aber das finanztechnische Armageddon blieb aus.
Das ist gut so, aber verwunderlich.
Niemand wünscht ein Desaster, niemand bedauert die ausgebliebene Erschütterung, aber es stellen sich ganz andere Fragen. Niemand in und außerhalb der Fachwelt zweifelte an Finanznöten und Geldknappheit, niemand und nirgendwo. Und dann treten die Gläubiger an und zahlen artig und verlustfrei alle Schulden zurück. Angebotene Umschuldungsmöglichkeiten, frisches Geld und Anschlusskredite wurden bestimmt und mit einem Lächeln abgelehnt. Danke, völlig unnötig. Gut, 111 Milliarden wurden mit kürzerer Laufzeit neu aufgenommen, normaler Alltag eben.
Aber wo kommt das Geld her? Wo wurde geknappst? Wieso fehlt das plötzlich nicht mehr? Waren alle Fachleute im Irrtum? Alles scheint möglich, nichts ist unmöglich, außer der Tatsache, dass zukünftig allen hochoffiziösen Verlautbarungen noch unbezweifelte Aufmerksamkeit geschenkt werden kann. Und das ist auch ein Schaden!
Wie denn nun? Hatten sich die Banken nur vorsorglich und ohne echte Not mit Liquidität vollgepumpt, sich untereinander nicht mehr getraut, sich nichts mehr geliehen? Der Wirtschaft die Hähne zugedreht und die Konjunktur gebremst, Arbeitsplätze gefährdet und Unternehmervermögen
im Kreditroulette dahinschmelzen lassen, nur eines Zweifels wegen, weil man nicht wissen kann, was kommt und auf Nummer sicher gehen wollte? Ging das Geld jetzt unbenützt zurück? Brauchte man es nicht? In ganz Europa nicht? Die scheinbar unnötigen Zinszahlungen hat man ja eh den Kunden übergestülpt und nebenbei die Zinssätze korrigiert! Die Finanzwelt ist jetzt so, wie sie sein sollte?
Das sind eine Menge Fragen an die Fachwelt. Und erst in den Antworten wird man erkennen können, wieviel Welt wirklich enthalten ist und wer von den Wortführern denn nun wirklich was von diesem Fach versteht.
Laut Wirtschaftswoche vom 05.07. hat jedenfalls der Finanzwissenschaftler und Jurist Markus Kerber rein vorsorglich erst einmal eine Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Klagesache ist der EU-Rettungsfond, der gegen grundlegendste Stabilitätsnormen und damit gegen die deutsche Verfassung verstoße.
Dabei geht es hier ja auch nur um Geld und nicht einmal um echtes!








