Ölkatastrophe - auch in der Nordsee nicht ausgeschlossen
Wo nach Rohstoffen gebohrt wird, besteht ein Risiko für Natur, Mensch und Tier. Nachdem im Golf von Mexiko die Ölkatastrophe nachwievor nicht einzudämmen ist, gehen zwischenzeitlich viele Europäer davon aus, dass solch ein Vorfall lediglich fernab der „heimischen“ Gewässer geschehen kann. Dass man bei solch einer Denkweise einem Irrglauben unterliegt, konnte kürzlich durch die Umweltschutzorganisation Greenpeace bei einem Beobachtungsflug über die Nordsee deutlich gemacht werden.
Und obwohl glücklicherweise noch keine Katastrophe ähnlichen Ausmaßes wie im Golf von Mexiko eingetreten ist, zeigt sich, dass dank der Förderplattformen jeden Tag das Meer durch Öl immer stärker verschmutzt wird.
An zahlreichen Stellen wird auch in der Nordsee nach Öl und Gas gebohrt. Wissenschaftler der Organisation Greenpeace können inzwischen bestätigen, dass einerseits eine ähnliche Ölkatastrophe, wie vor den Küsten der USA, eintreten kann, sowie anderseits bereits heute Tag für Tag, aufgrund der Gas- und Ölförderung, das Meer Verschmutzungen erfahren muss. Ölteppiche schwimmen rund um die Plattformen, die den wertvollen Rohstoff tief aus dem Meeresboden nach oben befördern, und machen offensichtlich, dass es keine „saubere“ oder gar risikofreie Förderung geben kann.
Experten die, im Auftrag von Greenpeace, einen Beobachtungsflug über 25 der insgesamt 400 Förderanlagen innerhalb der deutschen Bucht absolvierten, konnten nicht nur derartige täglich vorhandene Ölteppiche dokumentieren, sondern zeitgleich feststellen, dass einige der Anlagen als unfallgefährdet einzustufen sind. Wie entsteht solch ein treibender Ölteppich, wird man sich nun als unbedarfter Mensch fragen. Die Antwort ist recht schnell gegeben. So zeigt sich, dass die Plattformen in der Nordsee eine Mischung aus Öl, Gas und Wasser fördern. Im Folgenden wird das Wasser von dem Öl getrennt und als sogenanntes Produktionswasser wieder an das Meer zurückgeleitet.
Schon heute ereignen sich in unregelmäßigen Abständen Unfälle auf den Förderanlagen, die aufzeigen, dass es durchaus auch in der Nordsee zu einer Ölseuche kommen kann. Während es täglich zu einer deutlichen Verschmutzung durch das Produktionswasser, belastet mit den Resten des Öls, kommt, konnten nach Angaben von Greenpeace allein im Jahr 2007 im Nordostatlantik 515 Ölunfälle registriert werden. Bei diesen Unfällen traten etwa 3.907 Tonnen Öl aus, die durch weitere 9.596 Tonnen Öl aus dem alltäglichen Trennungsprozess von Öl, Gas und Wasser eine äußerst negative Belastung des Meeres darstellen.
Fatal an der mittlerweile reichlich ausgebeuteten Region mit einem niedrigen Meeresgrund ist, dass aufgrund der immensen Ausschöpfung der Ressourcen, in immer tieferen Meeresregionen nach den Rohstoffen gebohrt wird. Doch genau hier liegt die Gefahr, die sich nun mit ihrem erschreckenden Ergebnis im Golf von Mexiko offenbart: Ereignet sich ein Ölunfall, können Taucher lediglich bis zu einer Tiefe von rund 200 Metern vordringen und das sprudelnde Öl-Loch verschließen. Ab dieser Tiefe hingegen, kann lediglich mit Unterwasser-Robotern, die unbemannt sind, agiert werden und das nicht zwingend notwendig mit Erfolg, wie die täglichen Berichte der aktuellen Öl-Katastrophe sehr gut aufzeigen.
In Fachkreisen wird eine Öl-Förderung mittels bestimmter technisierter Förderschiffe, wie sie auch von BP eingesetzt werden, als Offshore-Ölförderung bezeichnet. Gerade derartige Fördertechniken unterliegen höheren Risiken, denn die Schiffe sind durch Stegleitungen direkt mit dem jeweiligen Bohrloch verbunden. Zusätzlich werden sogenannte Wellheads (Bohrlochköpfe) und Sicherheitsventile eingesetzt, die, wie bei BP, ihren Einsatz finden und folglich ebensolche Risiken in sich tragen, wie sie nun seit Wochen als Ergebnis medial verfolgt werden können. Greenpeace sieht es nach den Beobachtungsflügen und den daraus resultierenden Erkenntnissen als erforderlich an, dass nun keine weiteren Genehmigungen für Förderanlagen in der Tiefsee erteilt werden, um somit zumindest etwas die Gefahr einer weiteren Ölkatastrophe eingrenzen zu können, die auch in der Nordsee nicht unwahrscheinlich ist.
Quelle: www.greenpeace.de




