Öl-Leck: Und es war doch wieder ein Fehlschlag
Das Konzept schien relativ einfach: Das Leck mittels einer Glocke abdecken und das austretende Öl absaugen. Die Meldungen, die natürlich von BP verlautet wurden, sprachen von einem 90prozentigen Erfolg. Das erste, was zu denken gab, waren die unveränderten Aktienkurse. Einige wissen schließlich immer mehr als die Presse. Die unterschiedlichen Zahlen zur eingesammelten Ölmenge spielen eigentlich keine Rolle. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit der Realität korrespondieren, liegt ohnehin nicht sonderlich hoch. Die Bilder des Live-Streams sind von Europa aus so gut wie nie zu sehen. RT erwischte heute ein paar Aufnahmen und setzte sie bei Youtube ein. Alles scheint – leider – unverändert.
Das folgende Video zeigt das Öl-Leck in 1.500 Meter Tiefe. Die eingeblendete Datumsangabe: 06-06-10. Also, von heute morgen.
Die Situation wirkt immer sonderbarer. Seit 20. April, also seit mehr als sieben Wochen, fließen täglich Tausende Tonnen Rohöl ins Meer. Für alle Maßnahmen zum Anhalten des Ölflusses, zur Reinigung des Meeres und der Strände, zeichnet sich einzig und allein der BP-Konzern bzw. von diesem angeheuerte Unternehmen verantwortlich. Der US-Präsident Obama findet bloß beschwichtigende Worte. Die Weltöffentlichkeit gewöhnt sich immer mehr an die Tatsache, dass die Verseuchung jeden Tag weiter voran schreitet.
Die Aktien von BP haben während der vergangenen Wochen rund ein Drittel ihres Wertes eingebüßt. Ein Drittel? Warum nicht mehr? Wartet nicht eine Flut von Klagen auf das Unternehmen? Wird nicht jeder, der durch die Katastrophe Schaden erleidet, nach Kompensation verlangen? Verklagen ist in den USA schließlich noch beliebter als Football. Auch die US-Umweltschutzbehörde könnte Milliarden-Strafen fordern. Und was kann die gesamte Reinigungs- und Rettungsaktion letztendlich kosten? Noch dazu, wenn wir einen Blick auf ein Chart der BP-Aktien während der vergangenen zwei Jahre werfen, schon vor einem Jahr lagen die Kurse kurzfristig so tief wie sie heute sind:

Und wie sieht es mit dem Big-Boss von BP aus, mit CEO Tony Hayward? Wird er zurücktreten? Associated Press schreibt, dass er dies nicht plant. So soll er es jedenfalls selbst verkündet haben.
Dank einer Meldung des Telegraph vom 5. Juni wurde übrigens bekannt, dass der gleiche Tony Hayward sich ein Monat vor der Katastrophe von einem Drittel seiner BP-Aktien getrennt hatte. Am 17. März 2010 verkaufte er Anteile im Wert von 1,7 Millionen Euro, um eine Hypothek auszubezahlen. Sein Jahreseinkommen beträgt übrigens rund 4,8 Millionen Euro. Es war eine glückliche Entscheidung, die ihm mehr als eine halbe Million eingespart hat.
Übrigens, auch Goldmann Sachs trennte sich während des ersten Quartals dieses Jahres von 43,7 Prozent seiner BP-Aktien, die damals einem Wert von knapp 277 Millionen Dollar entsprachen. Manche haben im Aktienhandel einfach immer einen „guten Riecher“.
Ließen sich aus diesen Finanztransaktionen Schlüsse ziehen? Auweia, die wären wohl von sehr weit hergeholt. Trotzdem fällt es nicht leicht, den unangenehmen Geruch von Rohöl aus der Nase zu kriegen!




