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Ölseuche: Rettungsversuch ist restlos gescheitert

bp_live_streamJeden Tag schießen zumindest 800.000 Liter Rohöl ins Meer, wahrscheinlich jedoch zehnmal mehr. Für wenige Tage herrschte Hoffnung. Der als „Top Kill“ bezeichnete Versuch, das Ölleck in 1.500 Metern Tiefe zu schließen, ist gescheitert. Das Live Stream Video, das am Samstag Nachmittag kurz die enormen Ölmengen zeigte, die aus dem Erdinneren austraten, zeigt nunmehr nichtssagende, langweile Bilder, die mit Sicherheit nicht aus 1.500 Metern Tiefe stammen. Wie geht es weiter? 

Präsident Obama wiederholte in einer Fernsehansprache, was Chief Operating Officer Doug Suttles davor erklärt hatte. Man würde sich nun dem nächsten Schritt widmen. Nachdem es nicht geklappt hatte, das Bohrloch mittels Schlamm und Beton zu verschließen, würde man nun versuchen, die beschädigten Teile zu entfernen, um das Leck danach unter Kontrolle zu bekommen. Wie genau? In 1.500 Metern Tiefe, also nur mittels Robotern? Es handelt sich, wie schon beim letzten Mal, um reine Spekulation, auch wenn von einer Erfolgswahrscheinlichkeit von 60 bis 70 Prozent gesprochen wurde. Die Hoffnung, dass der nächste Versuch positiv verlaufen könnte, ist verschwindend klein.

Wie viel Öl tritt wirklich aus? 800.000 Liter pro Tag würde mit weniger als 10 Liter pro Sekunde korrespondieren? Und wie haben die Unterwasser-Bilder ausgesehen? Auch wenn die Dimensionen nur schwer zu schätzen sind, die Hoffnung, dass es nicht mehr als 10 Liter pro Sekunde sind, erfordert gewaltigen Optimismus.

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Die Webseite von BP veröffentlichte regelmäßig die Bilder der Kamera, die in 1.500 Metern Tiefe befestigt ist. Schockierende Bilder. Doch plötzlich treten Störungen auf. Am Samstag, gegen 13:00 Uhr Ortszeit, waren dicke, schwarze Ölmassen zu erkennen, die aus dem Erdinneren ins Wasser traten. Plötzlich zeigte das Fenster nur mehr ein schwarzes Feld. Stunden später erschien ein völlig anderes Bild. Es war absolut nicht zu erkennen, was sich vor dem Objektiv der Kamera befand. Kurzfristig waren Tropfen auf der Linse zu erkennen. Dann sah man plötzlich Menschen, scheinbar unter Wasser. Also, mit Sicherheit handelte es sich nicht um Aufnahmen des Lecks. Und dann war wieder alles schwarz.

Wer gelegentlich einen Blick auf die, von BP veröffentlichten, Bilder des Live Streams werfen möchte, hier wäre der Link.

Regelmäßig verweisen die Medien auf die Tragödie für einen über 200 km langen Küstenstreifen. Dabei handelt es sich um eine Verharmlosung des Problems. So tragisch der Vorfall für die nahe Küste, die Flora, die Fauna und ihre Bewohner auch ist, Millionen von Litern Erdöl fließen regelmäßig in den Atlantik, verteilen sich, und geraten in die Nahrungskette. Ungeachtet, ob das Öl nun als schmierige Schwaden im Wasser steht oder in Tropfen gebrochen wird, der Schaden für die Meeresbiologie ist unabschätzbar. Mangels Vergleichsmöglichkeiten, sind die Ausmaße in keiner Form abzuschätzen. Mit Sicherheit handelt es sich aber nicht um ein Problem für die USA. Der Golfstrom wird die Ölpest auch nach Europa bringen.

Im Vergleich zur gesamten Wassermenge des Atlantischen Ozeans, handelt es sich auch bei Hunderten von Millionen Litern um eine absolut geringfügige Menge. Schlimm für die nahegelegenen Strände, doch könnte dieser wirklich minimale Anteil von Öl im Wasser, in der Weite des Meeres, Auswirkungen zeigen?

Auch hier fehlt es an Erfahrungswerten. Im Meer wird jedoch praktisch alles verzehrt, was nicht Wasser ist. Die Probleme, die sich durch winzige Kunststoffpartikel in den Meeren zeigen, sind bereits bekannt. Und nun kommt Erdöl dazu. Somit ist der Vergleich mit der Wassermenge irreführend. Die Frage lautet, wie viele Tonnen, Tausende Tonnen von Erdöl, teils mit giftigen Chemikalien zur vermeintlichen Rettung vermengt, werden von kleinen Meeresbewohnern als Nahrung aufgenommen und geraten auf diesem Wege in die Nahrungskette?

Auch finden die Auswirkungen durch das, in gewaltigen Mengen austretende, Erdgas, nur selten Erwähnung. Ohne Gas, würden die Ölmengen nicht aus dem Leck schießen. Wie reagiert die Meeresbiologie darauf?

Wir hören täglich davon. Wir lesen täglich darüber. Wir werden uns an den Gedanken gewöhnen. Ob sich die Natur jemals daran gewöhnen wird, steht auf einem anderen Blatt. Und, ob wir wollen oder nicht, wir sind ein Teil davon.

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