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Macht der SSV noch Sinn oder ist er Total veraltet?

Sommer Schluss VerkaufAlle Jahre wieder blasen die Händler zum Sommerschlussverkauf, kurz SSV genannt. Mit drastischen Preisnachlässen versuchen sie, Käufer anzulocken und so ihre Lager leerzuräumen. Doch lohnt es sich für Kunden noch, auf diese Sonderaktionen zu warten? Schließlich dürfen alle Händler seit 2004 zu jeder Zeit Rabattaktionen anbieten.

Für wen ist der SSV interessant?

Früher gehörten Schlussverkäufe gerade für weniger begüterte Menschen zum normalen Alltag. Um Anschaffungen für den Haushalt oder aktuelle Mode zu erwerben, wurde für den Sommerschlussverkauf gespart. Immer von Ende Juli bis Anfang August durften Geschäfte in dieser Zeit ihre Kleidung, Haushaltswäsche oder Lederwaren drastisch reduzieren. Auf diese Weise kamen auch Familien mit schmalem Haushaltsbudget auf günstige Weise zu aktueller Mode oder praktischer Haushaltswäsche für den normalen Bedarf. Lange Schlangen vor der Ladenöffnung des ersten Tages waren die Regel, denn nur, wer zuerst kam, konnten die besten Schnäppchen absahnen. Seit dem Wegfall der Beschränkungen im Jahre 2004 hat die Bedeutung des SSV rapide abgenommen. Das ganze Jahr über bieten Händler Sonderaktionen an, mit denen sie ihre Kunden zum Kaufen animieren. Kein Käufer ist mehr auf bestimmte Zeiten oder bestimmte Geschäfte angewiesen, um seinen Kleiderschrank mit modischen Accessoires aufzufüllen. Gerade auch das Internet trägt dazu bei, dass sich viele Sachen das ganze Jahr über preiswert beschaffen lassen. Auf Seiten wie SPARIO können Käufer Preisvergleiche anstellen und so immer das günstigste Angebot finden.

SSV als günstige Einkaufsmöglichkeit

Der Sommerschlussverkauf spielt für Händler und auch viele Kunden auch heute noch eine Rolle. Für Bekleidungsläden oder Haushaltsgeschäfte ist der Sonderverkauf eine gute Gelegenheit, die Lager zu leeren und für die kommende Herbstware freizumachen. Dass dafür die Zeit im Hochsommer gewählt wird, hat einen einfachen Grund. Zum einen wird Sommerkleidung noch ein paar Wochen lang gebraucht, zum anderen sind die Kunden an den Zeitpunkt gewöhnt. Die Käufer wissen, dass der SSV kommt und dass es sich lohnen kann, im Lieblingsladen nach neuen Kleidungsstücken oder anderen Artikeln Ausschau zu halten. Viele Käufer genießen es auch, durch die Einkaufsstraßen zu flanieren und auf die Jagd nach echten Schnäppchen zu gehen.

Lager leerräumen durch Preisnachlässe

Dass Händler darauf angewiesen sind, ihre Lager durch drastische Preisnachlässe zu leeren, lässt sich nicht nur mit dem Wetter begründen, das fast nie den Erwartungen des Handels zu entsprechen scheint. Das dient zwar häufig als vorgeschobener Grund dafür, dass die Lager vollbleiben, weil die Kunden fernbleiben, dennoch liegen die wahren Gründe sicherlich tiefer. Falsche Bevorratung und eine mangelhafte Einschätzung des Kundenverhaltens bis hin zu echten Fehleinkäufen dürften die Hauptprobleme für die überfüllten Lager sein. Bevor neue Ware eingelagert werden kann, müssen die Lager geräumt werden. Und das scheint nur durch Preisnachlässe bis unter die Schmerzgrenze erreicht werden zu können. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht macht der Sommerschlussverkauf für den Handel keinen Sinn, zumal schon Wochen vorher mit Preissenkungen begonnen wird. So mancher Laden senkt seine Preise schrittweise, sodass die Kunden zum Schluss die Ware zu einem Preis erhalten, der nicht einmal die Einkaufskosten deckt. Die Konkurrenz gerade in Ladenzeilen ist groß, sodass sich die Händler gegenseitig mit den Preisnachlässen überbieten.

Werbung für Ladenbesitzer

Was den Sommerschlussverkauf für den Handel noch immer so interessant machen könnte, dass er dafür die hohen Gewinneinbußen in Kauf nimmt, sind die Außenwirkungen. Der SSV wird häufig als Werbung für das Geschäft genutzt, mit der der Händler auf sich und sein Angebot aufmerksam macht. Die Hoffnung, dass der Kunde zu anderen Zeit außerhalb des Sommerschlussverkaufs wiederkommt, wenn er einmal etwas Preiswertes gefunden hat und gut bedient wurde, lässt Verkäufer die Preissenkungen verschmerzen. Allerdings wird hier der Wandel des Kaufverhaltens nicht bedacht. Immer weniger Kunden setzen auf den Laden ihres Vertrauens, sondern kaufen da, wo es preiswert ist. Auf den regionalen Raum sind sie nicht mehr angewiesen, denn viele Vergleichsportale zeigen, wo es die gewünschten Artikel preiswert gibt. Beratung wird nicht mehr von den Verkäufern erwartet, schließlich sind genügend Verbrauchertipps im Internet zu finden.

Das ganze Jahr Rabattaktionen

Lange haftete den Schlussverkäufen der Ruf an, dass nicht Restbestände abverkauft würden, sondern dass extra preiswert produzierte und damit minderwertige Ware für den SSV eingekauft würde, um Kunden in ein Geschäft zu locken. Mittlerweile kann wohl davon ausgegangen werden, dass dieses Verramschen von Billigware der Vergangenheit angehört. Gerade Boutiquen bieten hochwertige Ware zu wahren Ramschpreisen an. Trotzdem bleibt daran zu zweifeln, dass sich der Sommerschlussverkauf langfristig weiterhin halten kann. Immer mehr Kunden versorgen sich dann mit neuer Ware, wenn sie sie wünschen oder brauchen. Warten auf den Sommerschlussverkauf ist für sie durch das große Angebot im Internet und in den Geschäften nicht mehr notwendig. Die vielen Billigaktionen ermöglichen es auch weniger gut betuchten Menschen, aktuelle Mode oder andere Artikel zu günstigen Preise zu erwerben.

Verändertes Kaufverhalten wird SSV überflüssig machen

Natürlich darf nicht außer Acht gelassen werden, dass gerade ältere Kunden ihren Sommerschlussverkauf sehr schätzen. Die Generation, die nicht mit dem Computer aufgewachsen ist, die ihre Einkäufe lieber in einem Geschäft kauft und gleich mit nach Hause nimmt, ist eine der Stützen des Sommerschlussverkaufs. Je mehr Käufer jedoch Zugang zu modernen Medien haben und auf ein ungleich größeres Angebot durch Online-Käufe zugreifen können, desto eher wird der SSV an Bedeutung verlieren. Händlern wird letztendlich nichts anderes übrig bleiben, als sich auf das veränderte Kaufverhalten einzustellen.

Foto: Wes  / pixelio.de

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