Mittwoch , 27 Juli 2016
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Eine einfache Lösung der Wirtschaftskrise

geld_lupeUm es gleich vorweg zu nehmen, einfach bedeutet noch lange nicht durchführbar. An den Hindernissen lässt sich letztendlich auch erkennen, warum diese Krise überhaupt eingesetzt hat. Für objektive Beobachter des Wirtschafts- und vor allem des Geldsystems, war der Zusammenbruch seit Jahrzehnten vorhersehbar. Die Frage lautete niemals ob, sondern immer nur wann der Zeitpunkt erreicht sein würde, an dem es der Summe der Erwerbstätigen nicht mehr möglich sein werde, dieses kostspielige System zu finanzieren. Viele Jahre wurden wir durch leichten Anstieg des persönlichen Komforts geblendet. Als es damit zu Ende ging, kam die Ablenkung durch massive soziale Veränderungen. Jetzt stehen wir vor der Stunde der Wahrheit. Die Lösung aller Probleme wäre naheliegend – und trotzdem wird es auf diesem Wege nicht gelingen.

Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, sinkende Kaufkraft, Sparpakete, Staatsbankrott. Den ersten Schlüssel zum Verständnis der derzeitigen Situation bietet natürlich das Konzept der Fiat-Währungen. Geld, das sich aus dem Nichts erschaffen lässt und trotzdem gegen Zinsen verliehen wird. Der gesunde Menschenverstand erkannte rasch, dass es unmöglich ist, eine Million zuzüglich Zinsen zurückzubezahlen, wenn nur die ursprüngliche Million in Umlauf gesetzt wurde, nicht aber die anlaufenden Zinsen. Natürlich geht die Rechnung im Einzelfall auf. Aber nicht in Summe, weil es einfach nicht genügend Geld gibt, um die Schulden in ihrer Gesamtheit zu bezahlen. Die entstehende Kluft durch ständig erhöhten Geldumlauf zu schließen, funktionierte über Jahrzehnte. Doch, nachdem neues Geld mehr Zinsen mit sich bringt, mussten sowohl die Schuldenkurve als auch die Geldmenge exponentiell – und nicht linear – ansteigen. Alle Staaten der westlichen Welt boten sich als willkommene Kreditnehmer. Als Deckung dient Volksvermögen und Ihre Arbeitskraft.

Doch, wie sich am Beispiel Griechenlands und anderer Staaten – an vorderster Stelle auch die USA – deutlich zeigt, sind die Grenzen erreicht. Dass die Situation in Deutschland noch tragbar erscheint, besagt keineswegs, dass sie noch lange haltbar ist.

Auf den Feldern wachsen genügend Nahrungsmittel. Häuser und Wohnungen stehen ausreichend zur Verfügung. Der Großteil der Menschen würde gerne mehr konsumieren, doch es fehlt an Geld. Unternehmen würden gerne mehr produzieren, doch es fehlt an Käufern. Und warum fehlt es den möglichen Käufern an Geld?

Die Antwort ist sehr einfach. Ein Teil Ihrer Arbeitsleistung kommt Ihnen selbst zugute. Der größere Teil dient jedoch der Erhaltung des Systems. Wenn immer wir für eine Leistung bezahlen, sind die Kosten dafür unverhältnismäßig höher als jener Preis, den wir selbst für die gleiche Leistung erhalten würden. Und es sind nicht die Steuern direkt, die zu dieser Differenz führen, die werden schließlich wiederum umverteilt, sondern die Kosten für die Bereitstellung von Kapital. Wenn Sie sich einen Hamburger kaufen, dann zahlen Sie einen geringen Teil für Fleisch, Brötchen und Arbeitskraft. Der größere Teil fließt in Richtung Kapital. In Form von Miete, Maschinen, Zinsen etc.

Im kleinen überschaubaren Rahmen hat natürlich jeder Verständnis dafür, dass Kapitalbereitstellung Gewinnansprüche mit sich bringt. Wenn Sie Ihr eigenes Geld einsetzen, um ein Geschäft zu eröffnen, dann möchten Sie sowohl für Ihr investiertes Kapital als auch für Ihr Unternehmerrisiko entschädigt werden. Das Problem entsteht, wenn die Summe des Kapitals Ausmaße annimmt, dass es der erwerbstätigen Mehrheit nicht mehr gelingt, für die Kosten der Kapitalbereitstellung aufzukommen. Und genau dieser Fall ist eingetreten.

Den meisten Menschen fällt der soeben zitierte Umstand kaum ins Auge. Doch denken Sie einfach daran, wie hoch der Anteil Ihres Einkommens für bestimmte Ausgaben ist. Wenn Sie 15 Prozent für Ihre Krankenvorsorge ausgeben, dann müssten im Idealfall auch annähernd 15 Prozent der Bevölkerung ihr Geld direkt und indirekt durch das Gesundheitswesen verdienen. Kostet eine durchschnittliche Miete 40 Prozent eines Einkommens, dann müsste ein ebenso hoher Anteil der Bevölkerung, direkt und indirekt, davon profitieren. Ist die Summe aller geleisteten Zahlungen höher als die Summe aller Einkommen, entsteht eine Lücke. Wie lässt sich diese schließen? Einerseits natürlich durch das Veräußern von reellen Werten wie Grundstücken etc.. Andererseits durch Verschuldung. Für beides gibt es natürlich Grenzen.

Alle Versuche, die derzeitige Krise zu lösen, verlaufen in einer bestimmten Richtung. Nicht das „große Kapital“ wird angetastet, sondern die letzten Reserven der Bürger. Multimilliardäre werden ihres Erfolges wegen umjubelt, während der Mittelstand Verständnis für die Situation aufzubringen hat und sich die Erhaltung bescheidenen Besitzes immer schwieriger gestaltet.

Wir leben in einer Demokratie. Wir bilden eine Gemeinschaft. Wenn es einer Gruppe von Menschen, die miteinander verbunden sind, wirtschaftlich schlecht geht, dann sollten alle am gemeinsamen Strang ziehen. Dann sollten alle mithelfen, die Probleme zu bewältigen. Alle. Und dazu zählen auch jene Menschen, die das wirklich große Kapital kontrollieren.

Was passiert, wenn eine Straße errichtet werden soll, und der Besitzer eines bestimmten Grundstückes, über welches diese Straße hinwegführen soll, weigert sich, zu verkaufen? Er wird, durch öffentliches Interesse begründet, enteignet.

Und jeder bringt dafür Verständnis auf. Das Grundstück wird ihm ja auch nicht einfach weggenommen. Er wird angemessen entschädigt.

Wir sind mit zwei extremen Wirtschaftssystemen vertraut. Dem Kapitalismus und dem Kommunismus. Ohne auf Marx’ gesellschaftsphilosophische Konzepte einzugehen, im Sowjetkommunismus wurde das Kapital vom Staat verwaltet. Von Misswirtschaft abgesehen, fehlte es dem Einzelnen gewiss auch an Motivation zur Leistung, nachdem der Lebensstandard durch Staatsdoktrin ohnehin festgesetzt war. Im ungezügelten Kapitalismus hingegen, beherrscht nicht der Staat das Kapital, sondern das Kapital den Staat – mit all seinen Bürgern, die sich in einer Demokratie glauben.

Als die Menschen im Osten noch Jahre auf ihren Trabbi warten mussten, die Stadtbilder teils mitleiderregende Eindrücke vermittelten, die Kleidung ebenso bescheiden wirkte wie die Auswahl an Waren in den Geschäften, da erschien das westliche System als die eindeutig bessere Wahl. Die Fernsehprogramme zeigen begeisterte glückliche Menschen, die Straßen wurden durch grelle Neon-Werbung erhellt und in den Regalen der Supermärkte glänzte der Überfluss als Standard.

Die Zeiten haben sich geändert. In osteuropäischen Ländern trauern immer mehr Menschen um die Vergangenheit, die plötzlich als gar nicht mehr so schlecht erscheint. Es zeigt sich das wahre Gesicht des Kapitalismus. Das Problem ist nicht, dass einzelne Menschen mehr besitzen als andere. Das Problem entsteht, wenn wenige Menschen fast alles besitzen. Durch unsere eigene Leistung und unsere eigene Konsumfreude haben wir dem Kapital immer mehr Wachstum ermöglicht. Wir haben das Monster, das uns jetzt bedroht, über Jahrzehnte hinweg gefüttert.

Und weiterhin lassen wir uns ablenken. Wir verlieren uns in Diskussionen über Zuwanderung, Islamisierung, Schwulenhochzeit, politischer Korrektheit, Rauchverbot und noch einer Menge anderer Nebensächlichkeiten, während eine Gruppe von wenigen Menschen Entscheidungen trifft, die unser wirtschaftliches Leben, die letzten Reste von Freiheit und Menschenwürde, in Frage stellen. Jeder Lösungsvorschlag, der sich auf eine Bevorzugung der heimischen Wirtschaft bezieht, auf das Wohlergehen der Mitmenschen, der sich gegen die fortschreitende Globalisierung richtet, wird geringschätzig als Populismus abgetan – und oft sogar in die „rechte Ecke“ verdrängt. Niemand, der sich nach einem ausgeglicheneren Leben im eigenen Land sehnt, wünscht sich einen Hitler oder möchte Minderheiten Leid zufügen. Was soll also dieses ständig wiederholte Gefasel vom Rechtsruck? Sollen wir wirklich Angst davor haben, nicht mehr mit chinesischen Billigprodukten beglückt zu werden?

Was passiert dem Landbesitzer, der sich gegen das Gemeinwohl stellt und sein Grundstück nicht verkaufen will? Er wird angemessen entschädigt und seiner Besitzansprüche enthoben.

Unsere Gesellschaft ist in erster Linie von zwei Instrumenten abhängig. Die Versorgung mit Kapital und die Versorgung mit Energie. Ist es wirklich einer Demokratie würdig, diese beiden so entscheidenden Wirtschaftszweige, denen es gelingt, den Rest der Welt unter Druck zu setzen, in Privathand zu belassen?

Um Missverständnissen vorzubeugen, bei diesen Überlegungen handelt es sich keineswegs darum, die Bastille zu stürmen. Es handelt sich um keine Forderung, Köpfe im physischen Sinne rollen zu lassen. Keiner der Mächtigen soll seines Lebensstandards beraubt werden. Lasst ihnen ihre Schlösser und ihre Privatjets. Zahlt ihnen und ihren Nachkommen jährliche Entschädigungen in Millionenhöhe. Bedanken wir uns für die Infrastruktur, die von ihnen errichtet wurde. Gerne nehmen wir ihre Hilfe weiter in Anspruch und überlassen ihnen Top-Positionen in den verstaatlichten Banken und Konzernen.

Die Menschen im Osten haben sich eines Tages gegen die totalitäre Macht des Staates erwehrt. Wenn auch, wie sich heute zeigt, nicht unbedingt aus eigenem Antrieb. Die wahren Nutznieser des Untergangs des Sowjetkommunismus sind nicht die Bürger der osteuropäischen Länder. Im Westen wiederum steht nicht der demokratische Staat an oberster Stelle der Machtpyramide, sondern die großen Banken und Konzerne, allen voran im Energiebereich. Von beiden sind Staat und Volk abhängig.

Die Instrumente der Spekulation ließen sich abschaffen, denn nur Spekulanten verdienen daran. Die Realwirtschaft würde ohne Preistreiberei besser funktionieren. Außerdem werden Spekulationsgewinne praktisch immer vom Letztverbraucher finanziert.  Staatsschulden ließen sich in zinsenloses Stammkapital umwandeln. Wenn in der Demokratie das Recht vom Volk ausgehen soll, dann sollte die Politik den Interessen des Volkes auch gerecht werden. Nicht weitere Privatisierungen der Wasserrechte, des Gesundheitswesens, der Stromversorgung etc. sind die Lösung, sondern genau das Gegenteil. Die Verstaatlichung systemerhaltender Institutionen.

Natürlich wagt es niemand aus politischen Kreisen, auch keinen bestens ausgearbeiteten Vorschlag in dieser Richtung zu unterbreiten. Die mächtigen Vertreter des Kapitals würden sich zu wehren wissen. Durch persönliche Beschuldigungen, durch Experten, die im Detail erklärten, in welcher Katastrophe eine massive Verstaatlichung enden würde. Alle bekannten Medien würden uniform das Volk aufrufen, sich gegen den Rückfall in den Kommunismus zu sträuben. Und nachdem auch nicht zu erwarten wäre, dass die wichtigsten Staaten der westlichen Welt simultan an einer derartigen Lösung arbeiten könnten, wären letztendlich nicht einmal militärische Drohungen auszuschließen.

Es entspricht der Logik, dass eine derartige Entwicklung nicht durchführbar ist. Der gleichen Logik entspricht es aber auch, dass das derzeitige System in einem Zusammenbruch enden muss. Doch, und davon bin ich restlos überzeugt, die Lösung für das Leben danach steht schon lange bereit. Leider lässt sich zum gegebenen Zeitpunkt nur spekulieren, in welcher Art diese ausfallen wird. Zu hoher Wahrscheinlichkeit wird sie für die Masse des Volkes jedoch überzeugend wirken. Zumindest nach dem Er- beziehungsweise Überleben dessen, was uns in naher Zukunft erwartet.

Über Konrad Hausener

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