Freitag , 2 Dezember 2016
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Kleinkredit

Kleinkredite sind keine klassischen Payday Loans

Das Auto gibt plötzlich den Geist auf und das ausgerechnet vor den großen Ferien, in denen man mit den Kindern zwei Wochen nach Italien fahren wollte. In den Urlaub, den man sich das ganze Jahr über vom Mund abgespart hat. Der auch dringend nötig ist, um den Alltag hinter sich zu lassen und als Familie endlich wieder einmal etwas gemeinsam zu unternehmen. Und das dringend notwendige Ersatzteil, das den Wagen wieder zum Laufen bringen würde, kostet 400 Euro.

Fast jeder Mensch kennt ähnliche Situation. Doch nicht jeder Mensch hat einen Betrag in dieser Höhe automatisch ad hoc zur Verfügung.

Bis vor kurzem gab es in Deutschland kaum eine seriöse Möglichkeit, Kleinkredite über eine Summe von unter 1.000 Euro aufzunehmen, da die niedrigen Rückzahlungsbeiträge und kurzen Laufzeiten für die Banken kein lukratives Geschäft darstellten. Mittlerweile werden jedoch sehr viele Konsumentenkredite an deutsche Privathaushalte vergeben.

Doch seit etwa 2010 sind speziell die Kleinkredite mit kurzen Laufzeiten auf dem Vormarsch, werden von Jahr zu Jahr beliebter bei den Kunden und auch immer attraktiver für die Finanzdienstleister. Dabei ist das Modell in Deutschland nicht 1:1 mit dem klassischen Modell des Payday Loans vergleichbar.

Der Kleinkredit: Laufzeit, Zinsen und Anbieter

Die Definition „Kleinkredit“ gilt für Geldleihen von 500 bis ca. 3.500 Euro, Beträge darunter werden als Kleinst- oder Mikro-Kredite bezeichnet. Einige Banken in der Bundesrepublik haben sich dafür entschieden, Darlehen erst ab einem Betrag ab 1.000 Euro zu gewähren, doch es mehren sich die Anbieter, die sich auf Kleinkredite im dreistelligen Bereich spezialisieren.

Es leuchtet ein, dass Darlehen unter 1.000 Euro zu anderen Konditionen vergeben werden, als höhere Beträge. Da diese Summen vom Kunden in der Regel nur für einen kurzen Zeitraum benötigt werden, um einen finanziellen Engpass zu überbrücken, setzen die meisten Anbieter üblicherweise eine Laufzeit von einem Monat fest. Soll der Betrag über mehr als 30 Tage abbezahlt werden, wird häufig eine Zusatzgebühr fällig.
Der Zinssatz, hochgerechnet auf ein Jahr, ist im Normalfall höher, als bei einem normalen Kredit – da dieser allerdings nur einen Monat lang bezahlt werden muss, bleiben die Gesamtkosten gering.

Für Kleinkredite in einer Höhe von mehr als 1.000 Euro beträgt die Laufzeit mindestens zwölf Monate bis maximal zehn Jahre. Auch hier gilt, wie bei jedem üblichen Kredit: Je länger die Laufzeit des Darlehens, desto niedriger die monatliche Rate. Wünscht man eine höhere Rate, ist der Kredit schneller abbezahlt, und außerdem sind die Gesamtausgaben geringer.
Bei Bedarf lohnt es sich in jedem Fall, Kreditanbieter miteinander zu vergleichen. Natürlich kann man zu einer Bank gehen, da die meisten dieser Institute, aufgrund der geringen Summen, Kleinkredite mittlerweile rasch bewilligen. Allerdings sollte man auch einen Blick auf andere Unternehmen werfen, welche diese Mini-Darlehen häufig sogar bequem im Internet anbieten – mit unterschiedlichen Optionen wie Sofortüberweisung oder einem sogenannten Bonitätszertifikat, um auch Kunden mit mittlerer Schufa kleine Darlehen zu ermöglichen.

Kein klassisches „Payday Loan“-Modell in Deutschland umsetzbar

Payday Loans (übersetzt: Zahltag-Darlehen), sind vorwiegend in den USA, Kanada, Australien und Großbritannien verbreitet und Kredite, welche für kleine bis hohe Darlehenssummen und für einen kurzen Zeitraum vergeben werden. Dieses Prinzip ist jedoch nicht mit den Kleinkrediten im regulierten deutschen Finanzmarkt vergleichbar.

Die Darlehen im Ausland haben üblicherweise eine Laufzeit von 30 Tagen, können aber – je nach Land – problemlos auf bis zu vier Monate verlängert werden (Renewals).
In der Bundesrepublik ist das nicht möglich bzw. mit weiteren Kosten verbunden, um den Kreditnehmer vor einer Überschuldung zu schützen. Im Normalfall wird in Deutschland hinsichtlich der Laufzeit zwischen 30 und 60 Tagen entschieden, und ein neuer Kleinkredit kann erst aufgenommen werden, wenn der alte zu 100% getilgt ist.

Vor allem in Großbritannien stehen die Payday Loans unter heftiger Kritik des Verbraucherschutzes. Das Problem wird vor allem in der Tatsache gesehen, dass Payday Loans häufig von Menschen beansprucht werden, die über wenig finanzielle Kenntnisse verfügen bzw. die Konsequenzen unterschätzen und von den Anbietern bewusst im Unklaren gelassen bzw. auch „über den Tisch gezogen werden“. Darüber hinaus übersteigen bei den Kurzzeitkrediten im Ausland die zu bezahlenden Zinsen nicht selten 1000 Prozent! In Deutschland hingegen wird ganz offiziell ab 20% von „Wucher“-Zinsen gesprochen.

Nachfrage an Kurzzeitkrediten wächst in Deutschland

Notsituationen in privaten Haushalten wie defekte Kühlschränke, Waschmaschinen oder PCs, aber auch unerwartet hohe Rückzahlungen für Strom und Gas können viele Familien und Einzelpersonen hart treffen, denn: ohne Geld, kein Happy End. Nicht jeder ist finanziell derart abgesichert, dass er die benötigte Summe als Überschuss auf dem Konto hat, wenn eine Neuanschaffung oder Reparatur dringend notwendig ist.

Genau in diesen Momenten steigt der Bedarf nach einem Kleinkredit. Nur leider ist es lange Zeit kaum möglich gewesen, sich beispielsweise für die Dauer von nur 30 Tagen so lange Geld von der Bank leihen, bis das nächste Gehalt bzw. das Urlaubs- oder Weihnachtsgeld auf dem Konto eingegangen ist. Dies änderte sich mit dem Markteintritt des Kreditvermittlers Vexcash im Jahre 2012. Bis 2015 wurden 140.000 Kreditanträge mit einem Gesamtvolumen von 175 Mio. Euro beantragt.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sich Mini-Darlehen für 30 Tage immer größerer Beliebtheit erfreuen, weil sie ohne großen finanziellen Zusatzaufwand dabei helfen, kurzfristige Geldprobleme zu lösen und Engpässe zu überbrücken.

Vorteile der Kleinkredite mit kurzen Laufzeiten

Mittlerweile machen Kleinkredite in Deutschland zwischen 60 und 75 Prozent aller Darlehen mit den gängigen Konditionen, Ratenrückzahlung und Zinsen, im privaten Bereich aus.

Die Vorteile einer solchen minimalen Geldleihe für den Kunden liegen auf der Hand:

  • Dank eines Kleinkredits ist man in der Lage, eine dringend notwendige Anschaffung zu tätigen bzw. sich oder einer anderen Person einen nicht allzu kostspieligen Wunsch zu erfüllen – ohne dafür gleich eine größere Summe bei der Hausbank aufnehmen, vorher sich dafür rechtfertigen, dabei hunderte Unterlagen vorlegen und unzählige Formulare ausfüllen zu müssen.
  • Die Tilgungsbeträge und Zinsen sind aufgrund der niedrigen Geldsummen fast für jedermann relativ leicht zu stemmen. Insofern ist es sogar sinnvoll, einen Kleinkredit aufzunehmen, bevor man mit dem Girokontostand ins Minus rutscht und deutlich höhere Verzugszinsen bezahlt.
  • Da Kleinkredite außerdem der gesetzlichen Preisangaben-Verordnung unterliegen, kann der Kreditnehmer ganz einfach alle Angebote vergleichen, da sämtliche Anbieter den effektiven Jahreszinssatz anzugeben haben.
  • Ein weiterer Vorteil ist, dass sich der Schaden, sollte der Kunde tatsächlich an einen unseriösen Anbieter geraten, in überschaubaren Grenzen hält.

Der Anbieter genießt den Vorteil, sein Geld schnell wieder zurückzubekommen, kein hohes Risiko einzugehen und aufgrund der Vielzahl an Kleinkrediten insgesamt viele Zinsen zu kassieren (denn viele kleine Darlehen bringen mehr Zinsen, als ein großes).

Als kurzfristige Überbrückungslösung ist ein Kleinkredit also eine praktische Möglichkeit der raschen Geldbeschaffung, über die er aufgrund transparenter Angaben die volle Kostenkontrolle hat, während die Bank von der Vielzahl an vergebenen Mini-Darlehen profitiert.

Bildernachweis:
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