Samstag , 3 Dezember 2016
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E10 Sprit ist vielleicht doch besser als sein Ruf

e10_zapfsaeule_1Vor einigen Wochen hatte ich an dieser Stelle bereits einen Artikel zum derzeit erhältlichen E10-Sprit mit einem Anteil von bis zu 10 Prozent Ethanol geschrieben. Mein damaliges Fazit: Für die Umwelt bringt es wohl nichts, da für den Anbau der hierfür benötigten Pflanzen nicht nur Ackerflächen in Beschlag genommen werden, sondern womöglich auch Wälder gerodet werden und zudem Pestizide zum Einsatz kommen, wodurch klimaschädliche Gase freigesetzt werden. Das Thema E10 ist in den letzten Wochen viel diskutiert worden. Dabei sind einige neue Informationen bekannt geworden. Allerdings finden sich auch viele Statements, die wohl eher auf Mutmaßungen ohne konkreten Nachweis beruhen.

Demnach ist zumindest in Deutschland gewährleistet, dass für den Anbau von Bioethanol keine Wälder gerodet, sondern nur bereits langjährig landwirtschaftlich genutzte Flächen dafür verwendet werden. Gegen die Verwendung von E10-Sprit sprechen allerdings Mutmaßungen, wonach sich daraus ein erhöhter Verbrauch ergibt und der erhöhte Ethanol-Anteil bei allen PKWs langfristig zu Schäden führen kann. Für den Verbraucher ergibt sich daraus ein recht diffuses Bild. Infolgedessen sind viele Autofahrer nicht bereit, E10-Sprit zu tanken. Verständlicherweise.

Denn die Bundesregierung kümmert sich nicht wirklich um eine umfassende und fundierte Information der Öffentlichkeit. Zwar hat man sich im März auf einem „E10-Gipfel“ mit Mineralölwirtschaft und PKW-Herstellern zu dem Thema zusammengesetzt aber allzu viel hat man von der Bundesregierung selbst auch nicht darüber erfahren. Man sieht die Verantwortung für die Kommunikation mit dem Verbraucher wohl vor allem bei der Mineralölwirtschaft und den PKW-Herstellern. Aber was sind die Fakten, die an dieser Stelle besser kommuniziert werden sollten?

Der ADAC Motorwelt ist das Thema E10-Sprit im aktuellen Heft 4/2011 eine Titelstory wert. Insgesamt wird dabei ein positives Fazit zu dem neuen Kraftstoff gezogen. In Deutschland hergestelltes Ethanol stammt zu 99 Prozent aus Getreide und Zuckerrüben. Hersteller von Biosprit müssen dabei nachweisen, dass das von ihnen genutzte Ethanol (von Anbau bis Verbrennung) mindestens 35 Prozent weniger Treibhausgas freisetzt als fossiler Brennstoff. Natürliche Lebensräume und geschützte Flächen sind für den Anbau tabu.

Laut Untersuchungen des ADAC ergibt sich durch den E10-Sprit ein Mehrverbrauch von 1.5 Prozent, was angesichts weiterer Einflussfaktoren wie Streckenführung und Jahreszeit eigentlich nicht auffallen sollte.

Etwa drei Millionen Autos in Deutschland vertragen keinen E10-Kraftstoff. Der erhöhte Ethanol-Anteil kann dabei eine Korrosion an Dichtungen, Leitungen und insbesondere Druckleitungen aus Aluminium verursachen. Schäden können bereits nach einmaliger Betankung auftreten, da hierdurch ein fortschreitender Prozess ausgelöst wird. Als kritisch wird gesehen, dass manche Hersteller sich bei Aussagen zur E10-Verträglichkeit einzelner Modelle korrigieren mussten und teilweise widersprüchliche Angaben vorliegen.

In Brasilien wird dem Benzin allerdings bereits seit Jahren 25 Prozent Ethanol beigemischt. Alternativ können Autofahrer auch 100 Prozent Ethanol tanken. In diesem Land sind 85 Prozent der Fahrzeuge mit der von Bosch und VW entwickelten Flex-Fuel-Technologie ausgerüstet, die dies erlauben. Allerdings sind dort auch europäische Importmodelle unterwegs, die nicht mit dieser Technik ausgerüstet sind. Ethanol wird dabei aus Zuckerrohr gewonnen, wofür auch kein Regenwald gerodet wird, da Zuckerrohr eine andere Klimazone benötigt. Insgesamt wird lediglich 1,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche für den Anbau von Zuckerrohr verwendet. Der Verbrauch von Ethanol soll dabei nur ein Achtel so viel Treibhausgas freisetzen wie der Verbrauch von Benzin. Dies spricht dafür, dass Biosprit durchaus das Potenzial hat, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, und dabei dem Fahrzeug auch nicht schadet.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Preispolitik der Mineralölkonzerne, die nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Weitere Infos: http://www.adac.de/e10

Allerdings erscheinen mir mit diesem Bericht noch nicht alle Risiken ausgeräumt. Mag sein, dass die Produzenten von Bioethanol in Deutschland nur solche Flächen dafür nutzen dürfen, die schon lange landwirtschaftlich genutzt werden. Allerdings ist damit nicht ausgeschlossen, dass infolgedessen neue Flächen (bisherige Brachflächen oder gar Wälder) für den Anbau von Nahrungsmitteln erschlossen werden müssen.

Was sind meine eigenen Erfahrungen als Autofahrer dazu? Mein Vertragshändler hat mir vor Wochen auf Anfrage mitgeteilt, dass mein Auto E10 verträgt. In der letzten Woche habe ich mir das auch noch einmal bestätigen lassen. Ich habe seither drei Mal E10-Sprit getankt und konnte bisher weder einen bedeutsamen Mehrverbrauch noch sonstige Veränderungen am Auto feststellen.

Wenn ich einen bedeutsamen Mehrverbrauch und Schäden am Auto ausschließen kann, so sprechen die Preise an den Zapfsäulen für E10: Fast überall finde ich einen Unterschied von 8 Cent zwischen E10-Sprit einerseits und Super sowie Super Plus andererseits, die nunmehr zum selben Preis angeboten werden.

Allerdings verweist der ADAC darauf, dass die Mineralölfirmen aufgrund des im Gesetz verankerten Bestandsschutzes dazu verpflichtet sind, weiterhin herkömmliches Super E5 zu fairen Preisen (d.h. fünf bis sieben Cent günstiger als Super Plus) anzubieten!

Abschließend muss allerdings noch einmal gefragt werden, wer eigentlich die Verantwortung für die Frage zur E10-Verträglichkeit trägt und für eventuelle Schäden aufkommt? Die allerwenigsten Autofahrer sind Experten für die von ihnen genutzte Technik. Also müssen sie in dieser Frage irgendwem vertrauen können. Sollte tatsächlich durch den E10-Sprit verursacht ein Schaden auftreten, so muss jemand dafür gerade stehen. Dieses Risiko kann nicht einfach dem Verbraucher übertragen werden!

Aktuell wird die Verantwortung dafür vor allem bei den Herstellern gesehen. Der ADAC hat in dem angeführten Beitrag angekündigt, Schadensfälle, für die E10 verantwortlich sein könnte (z.B. Korrosion an Aluminiumteilen), zentral zu erfassen und zu analysieren. Sollten sich Schadensfälle häufen und Hersteller weigern, die Reparaturkosten zu übernehmen, so will der ADAC seine Mitglieder unterstützen und ggf. Musterprozesse führen.

Beitrag von Falk Richter http://www.falkrichter.de

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