Sonntag , 11 Dezember 2016
Startseite » Wirtschaft » International » Wie fair sind die Schwankungen im Kaffeepreis?
Wahrheit über den Kaffeepreis

Wie fair sind die Schwankungen im Kaffeepreis?

Die Deutschen sind nicht nur im Fußball, sondern auch im Kaffee trinken Weltmeister. Doch wenn Sie ehrlich sind, wie oft greifen Sie zu einem günstigen Produkt oder freuen sich, wenn die von Ihnen bevorzugte Kaffeesorte im Supermarkt im Angebot ist?

Während Kaffee noch vor einigen Jahren als hochpreisiges Produkt galt, gibt es heute unverkennbare Billigangebote. Als Kunde fragt man sich, wie die hochwertige Qualität gewährleistet und gleichermaßen eine faire Bezahlung im Herstellerland erfolgen kann.

Fakt ist, dass die Produzenten vor Ort nur einen sehr geringen Verdienst erzielen und dabei körperlich schwere Arbeit verrichten müssen. Bis der Kaffee in Ihre Mühle und in Ihre Tasse gelangt, durchläuft er verschiedene Prozesse vom Anbau, über die Pflege und Ernte, bis hin zur Verarbeitung und Abfüllung in handelsübliche Verpackungen. Im vergangenen Jahr liegt der Durchschnittsverbrauch beim Kaffee bei 149 Litern pro Kopf, womit er sogar den Wasserverbrauch übersteigt. Wenn Sie gerne Kaffee trinken, sollten Sie Ihren Einkauf nicht unbedacht oder allein anhand des Preises, sondern immer überlegt und mit dem Fokus auf die Erzeuger vornehmen.

Kaffeeplantage in Costa Rica
Kaffeeplantage in Costa Rica

Wie kann der Preis immer weiter sinken?

Als Kaffeekapseln und Pads neu auf den Markt kamen, waren sie hochpreisig und im Vergleich zu Filterkaffee beinahe Luxus. Doch der Markt hat sich gewandelt, die Konkurrenz nimmt zu und Sie als Verbraucher können beobachten, wie die Preise immer weiter fallen. So sehr Sie sich auch über günstige Kapseln oder Kaffeepads freuen, so sehr sollten Sie überlegen, wie es zu dieser Preisanpassung kommt.

Denn die Bohne sinkt nicht etwa im Wert und ermöglicht somit einer Reduzierung der Kosten für Sie als Endverbraucher, sondern es wird im Erzeugerland und damit an der Bezahlung der Arbeitskräfte gespart. Um den Genuss ohne Reue und schlechtes Gewissen zu erleben, können Sie sich verschiedene Informationen zur bevorzugten Marke einholen und mehr über den Hersteller in Erfahrung bringen.

Wichtige Fragen sind zum Beispiel:

  • wie werden die Arbeiter im Erzeugerland entlohnt?
  • handelt der Hersteller fair (beispielsweise unter dem Siegel Fairtrade)?
  • wie transparent geht die Marke mit den Erzeugern um?
  • welche Einblicke haben Sie als Kunde in den Herstellungsprozess?
  • wie ist es um die Werbung bestellt?

Fakt ist, dass nur die wenigsten Fairtrade Marken auf millionenschwere Werbekampagnen setzen. Werbung kostet Geld und ist für einen guten Kaffee eigentlich unnötig, da der Verbraucher die Qualität am Geschmack und nicht durch eine künstlich erzeugte Emotion erkennt. Natürlich ist der sinkende Preis für Kapseln und Pads im Vergleich zu einem 500g Päckchen Kaffee eine Erleichterung für Ihre Haushaltskasse, doch hat diese Preissenkung ihren Preis – den die Erzeuger im Herstellerland bezahlen.

Preisunterschiede nach Verpackungsart

Beim Kauf einer 500g Packung würden Sie kaum 20 Euro bezahlen, sofern es sich nicht um eine Luxusmarke im gehobenen Preissegment handelt. Doch bei Kapseln oder Pads zahlen Sie den Preis anstandslos und sind sich der erhöhten Ausgabe in den meisten Fällen nicht einmal bewusst. Wenn Sie 20 Euro für 500g Kaffee ausgeben möchten, können Sie beim Kauf einer Packung frischer Bohnen oder gemahlenen Kaffees handverlesene, fair gehandelte Produkte aus dem Bio Anbau erwerben.

Den deutlichsten Preisunterschied sehen Sie im Vergleich einer Tasse aus:

  • Filterkaffee aus dem 500g Pack
  • Pads und
  • Kapseln.

Klassischer Filterkaffee kann zwischen 4 und 10 Cent pro Tasse genossen werden. Die gleiche Menge kostet bei Nespresso Kapseln 40 Cent und bei Tchibo zwischen 30 und 40 Cent. Pads schlagen je nach Hersteller mit 10 bis 30 Cent zu Buche, sind aber im Durchschnitt mit 15 Cent pro Tasse berechnet und in diesem Blickwinkel um die Hälfte billiger als Pads. Für Sie als Verbraucher erschließt sich die Berechnung nicht eindeutig, wobei Ihnen die höheren Preise für Single Verpackungen generell bekannt sind. Auch beim Kaffee können Sie aus der gleichen Perspektive denken und die Verteuerung im Vergleich zum Filterkaffee wie eine Single Verpackung sehen.

Bezüglich der Qualität können Sie beim Filterkaffee richtig sparen und erlesene Güte für gut ein Viertel des Preises in Gegenüberstellung zur Kapsel und rund ein Drittel bis die Hälfte im Vergleich zum Kaffeepad erhalten.

Kaffeekapseln
Gerade bei Drittherstellern sollten Sie besonders umsichtig sein und die Marke in ihren Produktionsbedingungen prüfen.

Kapseln werden günstiger – aber warum?

Als Kaffeekapseln auf den Markt kamen, war der Hersteller Nespresso alleinstellend und hatte keine Konkurrenz. Dementsprechend konnte die Preisbildung erfolgen und hat vom Kunden eine hohe Aufwendung erfordert. Doch unterdes gibt es Alternativen, die der renommierten Marke den Rang ablaufen und aromatische Kaffeekapseln unter dem Preis von Nespresso verkaufen. Weiter spielt eine Kooperation von Kaffeemaschinen Herstellern und Kapselherstellern eine Rolle, die mehr Kompatibilität für Dritthersteller bietet und so die alleinige Position der Kernmarke im Kapselgeschäft gefährdet.

Gerade bei Drittherstellern sollten Sie aber besonders umsichtig sein und die Marke in ihren Produktionsbedingungen prüfen. Viele günstige Angebote stellen sich als Zweitmarke renommierter Hersteller heraus, bei denen Sie bedenkenlos kaufen können. Sehr günstige Kapseln und Pads können durchaus unter fairen Bedingungen erzeugt worden sein und müssen bei Ihnen kein ungutes Gefühl beim Kauf erzeugen. Bezüglich des Geschmacks müssen Sie entscheiden, welche Marke und welche Kaffeesorte Sie wirklich überzeugt und daher in die engere Auswahl kommt. Vor allem im Bereich Bio hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, da die Ansprüche der Konsumenten immer mehr in die Richtung der natürlichen Erzeugung und fernab künstlicher Zusatzstoffe tendieren.

Trotz aller Offenbarungen in den letzten Monaten ist der Kaffeekonsum aber immer damit verbunden, dass die Erzeugung in einem Niedriglohnland erfolgt und daher am besten zu Anbietern mit Fairtrade Siegel gelenkt werden sollte. Hier können Sie sicher sein, dass die Arbeiter auf den Plantagen eine arbeitsgerechte Entlohnung erhalten und nicht unter erschreckenden und hierzulande undenkbaren Bedingungen arbeiten und Ihren Kaffee ernten müssen.

Teurer oder billiger Kaffee
Während Bitterstoffe oder ein Aroma keinen Hinweis auf den Preis geben, können Sie an der Färbung und auch an der Crema einen guten von einem minderwertigen Kaffee unterscheiden.

Teurer und billiger Kaffee – worin unterscheidet er sich?

Machen Sie einen Test. Wenn Sie drei verschiedene Pads oder Kapseln, oder auch gemahlenen Filterkaffee bestellen und keine Information zum Preis und der Marke haben, schmecken Sie wirklich einen Unterschied? Hand aufs Herz, Sie werden zwar unterschiedliche Aromen feststellen, davon aber nicht auf den Preis und auch nicht auf die Produktionsbedingungen schließen können. Für Kenner kristallisieren sich die Unterschiede deutlicher ab, doch zeigen auch hier keine klare Tendenz.

Prüfen Sie die Kaffees auf:

  • vollmundige Aromen
  • Bitterkeit im Nachgeschmack
  • Färbung
  • die Crema auf der Tasse.

Während Bitterstoffe oder ein vollmundiges Aroma keinen Input auf den Preis geben, können Sie an der Färbung und auch an der Crema einen guten von einem minderwertigen Kaffee unterscheiden.

Die primären Unterschiede finden Sie aber nicht im Kaffee selbst, sondern wirklich nur im Hinblick auf die Bedingungen im Erzeugerland und auf die Bezahlung der Mitarbeiter auf den Kaffeeplantagen. So kann ein Bio Kaffee zwar weniger aromatisch schmecken, wenn es sich um eine milde Sorte handelt. Der Preis ist allerdings höher und gibt Ihnen eine Sicherheit, dass Sie den fairen Handel unterstützen und die Ausbeutung in Niedriglohnländern von sich weisen. Sie finden in allen Preisklassen aromatische, milde und weniger schmackhafte Kaffeesorten in den unterschiedlichsten Abpackungen. Auch ein renommierter Hersteller muss nicht unbedingt „nach Ihrem Geschmack“ sein und kann nach dem teuren Kauf des Produkts für Enttäuschung und einen faden Beigeschmack sorge.

Der Hauptgrund für die derzeit günstigen Preise begründen sich in der guten Ernte in Brasilien, wo der Großteil des auf dem Markt erhältlichen Kaffees herkommt. Diese Vorteile haben sowohl renommierte Markenhersteller, wie auch günstige Anbieter auf den Kunden umgelegt und die Preise für Kaffeepads und Kapseln, sowie für Filterkaffee gesenkt. Dies ist einer der Gründe, über die Sie auch unter http://www.kaffee24.de/blog/warum-bleibt-der-kaffeepreis-nicht-stabil lesen können.

Die wahrheit über billigen Kaffee

Augen auf beim Kaffeekauf!

Kaufen Sie bewusst ein und lenken Ihren Fokus dabei auf verschiedene Kriterien. Durch die aktuellen Preissenkungen sparen Sie immer und können den anderen Faktoren mehr Bedeutung beimessen. Trinken Sie mehrere Tassen am Morgen oder genießt die gesamte Familie den Kaffee am Frühstückstisch, sehen Sie von Kapseln und Pads ab und entscheiden sich für die klassische Variante: den Filterkaffee. Dieser ist nicht nur günstiger, sondern gibt Ihnen mehr Spielraum in der Auswahl und kann für einen ansprechenden Grundpreis in größerer Menge gekauft werden.

Die zahlreichen Geschmacksrichtungen bei Pads und Kapseln sind natürlich ein Grund, der eine Erweiterung des Horizonts in die Wege leitet und Ihre Neugier schürt. Wenn Sie eine einzelne Tasse trinken, ist der Griff zum Pad oder zur Kapsel durchaus legitim und ermöglicht die genaue Abmessung der Menge, die Sie für eine Tasse benötigen. Im Supermarkt sind Bio Kaffees und Fairtrade Produkte mit einem Siegel gekennzeichnet, das den fairen Handel aufzeigt und Ihnen so einen direkten Griff zu hochwertigen und gesunden, ohne Ausbeutung hergestellten Kaffees ermöglicht.

Fazit

Freuen Sie sich über die derzeit günstigen Preise und denken daran, dass Sie nicht am falschen Ende und zu Lasten der Arbeiter im Erzeugerland sparen. Günstigen Kaffee finden Sie am ehesten in größeren Abpackungen und werden feststellen, dass es geschmacklich keinen Unterschied zu Pads und Kapseln gibt. Warum sollten Sie mehr bezahlen, wenn Sie für den gleichen Preis die vierfache Menge Kaffee kaufen und sich dabei im fairen Handel umsehen können? Sind Sie bezüglich der Sorte unschlüssig oder waren bisher auf eine Marke fokussiert, probieren Sie Neues aus und lassen sich von der Vielfalt an Angeboten begeistern. Günstig, gut und fair ist in Ihrer Entscheidung ohne lange Suche möglich und immer die beste Ausrichtung.

Bilder:

Titelbild – Urheberrecht: paulgrecaud / 123RF Stockfoto

Kaffeeplantage in Costa Rica – Urheberrecht:  j0yce / 123RF Stockfoto

Kaffeekapseln – Urheberrecht: dstaerk / 123RF Stockfoto

Teurer oder billiger Kaffee – Urheberrecht: amenic181 / 123RF Stockfoto

 

 

Check Also

Kassensysteme 2017

Januar 2017 – Neue Vorgaben für Kassensysteme

Inhaltsverzeichnis1 Was regelt die GoBD in Bezug auf Kassensysteme?1.1 Wer ist von den neuen Vorgaben …