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Profitabel aber riskant: Brasiliens ölige Zukunft liegt 7000 Meter tief

Innenpolitisch hat Brasilien  mit großen Problemen zu kämpfen. Zuletzt eskalierte in den Slums von Rio de Janeiro der Krieg zwischen und gegen die Drogenbanden. Ende November setzte die brasilianische Polizei Hubschrauber und Panzer ein, um die Drogenmafia zurückzuschlagen. Ein schlechtes Image für das Land, das 2014 die Fußballweltmeisterschaft, 2016 gar die Olympischen Spiele ausrichten möchte. So kommt es Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva gerade recht, dass vor der Küste Brasiliens das schwarze Gold auf Förderung wartet. Experten sprechen von mindestens 50 Milliarden Barrel Öl, die dem gebeutelten Land den Aufstieg zur Wirtschaftsgroßmacht ermöglichen könnte.

oelbohrinsel_brasilienDer in der Technologie der Tiefsee-Förderung als führend geltende halbstaatliche Konzern Petrobras hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Im Tupi-Ölfeld, im Santos-Bassin gelegen, sollen Ölfelder erschlossen werden, die fünfmal so tief unter der Meeresoberfläche liegen wie die der „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko. Dabei ist diese Ölförderung weder einfach noch preiswert: Die Förderschläuche führen 3.000 Meter bis zum Meeresboden, danach weitere 4.000 Meter durch eine tückische Gesteins- und Salzschicht bis zum Ölreservoir. So tief hatte sich weltweit bislang niemand vorgebohrt, Petrobras vertraut hier ganz auf jahrzehntelanges Know-how. Finanziert wird diese Erschließung unter anderem durch eine beispiellose Kapitalerhöhung Ende September, die rund 80 Milliarden Dollar einbrachte.

Schon jetzt werden vor Brasiliens Küste insgesamt 2 Millionen Barrel pro Tag gefördert, genug für die Selbstversorgung der Brasilianer. In fünf Jahren soll sich das Fördervolumen verdoppelt haben, Brasilien soll zu einem der größten Ölexporteure werden.

„Es ist logisch, wenn das Öl Brasilien gehört, wollen wir auch, dass 190 Millionen Brasilianer vom Ölgeld profitieren“ betonte Lula da Silva anlässlich des Förderbeginns. Und in einem Interview, ausgestrahlt in einem Beitrag des ARD-Weltspiegels, meinte er weiter: „Das Öl ist ein Geschenk Gottes für Brasilien. Dieser Ölschatz ist ein Segen für unsere Kinder und Enkel, für ganz Brasilien“.

Auch die Bevölkerung spricht von einem historischen Ereignis und sieht die große Chance für ihr Land: Tausende Arbeitsplätze sind bereits entstanden, weitere Zigtausende sollen folgen; Bohrinseln und Förderschiffe werden gebaut, vor kurzem unterzeichnete Petrobras Verträge für acht weitere Ölplattformen.

Die möglichen Risiken von Bohrungen in diesen extremen Tiefen werden kleingeredet: Ein Unfall wie der von BP im Golf von Mexico könne niemals ganz ausgeschlossen werden, Petrobras sei jedoch bestens ausgestattet und vorbereitet, so ein Ingenieur des Konzerns. Es stünden sechs speziell zum Ölsaugen konzipierte Schiffe zur Verfügung. Sie könnten innerhalb kürzester Zeit vor Ort sein und Ölabsperrungen anlegen; Hubschrauber und Flugzeuge seien abflugbereit und im Falle eines Ölaustritts zur sofortigen Bestandsaufnahme einsetzbar, um den Einsatz der Schiffe zu koordinieren.

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Bleibt zu hoffen, dass Petrobras seit der Katastrophe 2001 tatsächlich organisatorisch und technisch wesentlich besser auf Notfälle reagieren kann: Seinerzeit versank die konzerneigene P-36-Plattform aufgrund technischer Ausfälle. Öl im Meer und es war allein den Windverhältnissen zu verdanken, dass der Ölteppich von der Küste wegtrieb. Auch die Consultingfirma ProOceano, die technische Abläufe analysiert und mögliche Unfallszenarien durchspielt, schätzt die Gefahren von Bohrungen in 7000 Metern Tiefe wesentlich höher ein: Die Wassertemperatur ist extrem niedrig, das Öl-Gas-Gemisch enorm heiß und der Druck extrem hoch. Ein Unfall vergleichbar mit dem im Golf von Mexiko hätte bei ungünstigen Wetterverhältnissen verheerende Auswirkungen auf die touristischen Küstengebiete: Búzios, Copacapana und Ipanema von Öl überzogen, Korallenriffe geschädigt oder zerstört. Außerdem ist fraglich, ob die Bergungsschiffe bei extrem ungünstigen Wind- und Strömungsverhältnissen überhaupt eingesetzt werden können.

Doch wer denkt schon gerne an mögliche Risiken in ferner Zukunft, wenn einem selbst in Zeiten der Weltwirtschaftskrise hohe Wachstumsraten beschert werden:

„Wir sagen der Welt, Brasilien will nicht mehr ein Land der dritten Kategorie sein, kein unterentwickeltes Land mehr und auch kein Schwellenland. Wir wollen hochentwickelt und Technologieführer sein. Wir wollen in der Liga der reichsten und mächtigsten Staaten mitspielen“ bekräftigt Lula da Silva zum Ende seiner achtjährigen Amtszeit.

Hoffen wir, dass das Schwarze Gold die Küsten nie mit einem Pechteppich überziehen werde.


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