Montag , 5 Dezember 2016
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Terroristen an die Macht: Die USA und ihre fundamentalistischen Verbündete

„Er mag ein Hurensohn sein, aber er ist unser Hurensohn“. Dieses wenig schmeichelhafte Urteil über Anastasio Somoza Garcia, seines Zeichen Diktator von Nicaragua und bekannt für seine Brutalität und rücksichtslose, grausame Unterdrückung der Opposition wird in der Regel Theodor Roosevelt zugeschrieben. Im Laufe der Zeit ist es jedoch ein Synonym geworden, mit der die Außenpolitik der USA kurz und prägnant umschrieben werden kann. So oder so ähnlich hätte wohl jeder Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika über einige seiner Verbündeten urteilen können.

Eine Politik wie ein Film aus Hollywood

Und dazu gehören eben auch die Taliban. Wer sich einen Eindruck von dem Geist der Zeit in den 80er Jahren machen will, der muss sich nur einmal „Rambo 3“ ansehen. Genau jener Blockbuster, der in seinem Abspann anfangs noch „den tapferen Mudschaheddin Kämpfern“ gewidmet war. Wenig verwunderlich: Einige Jahre später fiel dieses Symbol der geheimen und allseits bekannten Waffenbruderschaft der Zensur zum Opfer, so dass in der DVD Version heute nur noch vom „edlen afghanischen Volk“ spricht. Es gehört eben leider zum Charakter von „Hurensöhnen“ – seien sie US-amerikanisch ein Lehrbuoder nicht – dass Eigenschaften wie Dankbarkeit, Mitgefühl oder Gewissen keine sonderlich ausgeprägte Rolle spielen. Der Film ist jedoch auch in anderer Hinsicht noch aus heutiger Perspektive interessant. Wie ich zelebriert er genau die Außenpolitik, die die USA lange Zeit betrieben haben und noch heute nahezu ungebrochen fortsetzen. Geheime Waffenlieferungen, verdeckte Missionen, Spionage, Sabotage und hemmungslose Gewalt gegen alles, was nicht hundertprozentig in das eigene Weltbild passt: Selbst in der damals arg geschnittenen Version konnte sich „Rambo 3“ – gewidmet dem edlen Volk – problemlos den Guiness World Record als gewalttätigster Film aller Zeiten sichern.

Der Feind meines Feindes wird mein Feind

Sicher – lange hielt die Liebe zu dem freiheitsliebenden afghanischen Volk nicht an und besonders weit ging sie auch nicht. Raketen und andere Waffen zu liefern ist schließlich eine Sache – vor allem dann, wenn sie aus heimischer Produktion stammen und die Gewinne zu Teilen wieder in den Wahlkampf zurückfließen. Aber tatkräftige Hilfe beim Aufbau des Landes wäre wohl etwas zu viel verlangt. Und würde ja auch tatsächlich etwas kosten, ohne das jemand sich dafür an der Wahlurne revanchiert. So oder so ähnlich müssen die verantwortlichen Politiker die Sache wohl gesehen haben und die Geheimdienste waren schon längst damit beschäftigt, jetzt in den Nachfolgestaaten der UDSSR direkt nachzulegen. Nachdem der letzte kommunistische Machthaber gestürzt war, interessierte sich lange Zeit niemand für das Land am anderen Ende der Welt – auch nicht, als die Warlords die Hauptstadt in Schutt und Asche legten, religiöse Fundamentalisten einen steinzeitlichen Gottesstaat errichten wollten und die letzten gemäßigten ehemaligen Verbündeten wie Ahmad Schah Massoud – der Löwe vom Pandjschir-Tal – immer mehr zurückgedrängt wurden. Schließlich wurden die Taliban von Pakistan unterstützt – und das brauchte man noch im großen Spiel der geopolitischen Interessen. Doch es geschah etwas ganz ungeheuerliches – zumindest in den Augen des amerikanischen Volkes. Man beißt nicht die Hand, die einen füttert. Oder doch? Besonders beliebt haben sich die Amerikaner mit ihrer Waffenhilfe jedenfalls nirgendwo gemacht und ihr Hegemonialanspruch war auch nicht geringer als der der Russen. Das haben die Afghanen schnell verstanden und setzten kurz entschlossen beide Mächte auf die Liste der Persona non grata.

Bildnachweis TheHilaryClark / CC0 Public Domain-Pixabay.com
Bildnachweis TheHilaryClark / CC0 Public Domain-Pixabay.com

Was wir brauchen ist ein neuer Krieg…

Kurz nach der Jahrtausendwende: George W. Bush wird von vielen – auch eigenen Parteimitgliedern – als weitgehend inkompetenter Ex-Alkoholiker aus reichen Haus mit mächtigem Vater angesehen. Seine Popularität ist niedrig, seine bisherigen Leistungen noch miserabler und das halbe Land lacht über ihn oder ignoriert ihn gleich vollkommen. Es fehlt ein Paukenschlag – und der erfolgt am 11. September 2001. Während George W. gerade einer Grundschulklasse über Entchen vorliest, fliegen die beiden ersten Flugzeuge in die Twin Tower. In Afghanistan herrschen derweil religiöse Fanatiker, Warlords und Anarchie – und auch Drahtzieher Osama Bin Laden hat sich dort verschanzt. Grund genug für den mächtigsten Mann der Welt, ein Ultimatum gegen eine Regierung auszusprechen, deren Einwohner zu einem erheblichen Teil weder fließendes Wasser noch elektrischen Strom besitzen. Die Täter sind zwar Saudis und auch das Geld stammt aus den Kassen des Verbündeten, doch die USA sind vom Öl abhängig. Verlässliche Freunde in der Region sind selten und mit Teheran hat man immerhin auch einen gemeinsamen Feind. Aber Afghanistan erschließt ein neues Wirkungsfeld, die Öffentlichkeit lechzt nach Rache, und George W. der Zweite hat eine Mission und auf einmal auch Ansehen und eine Mehrheit. Und einflussreiche Freunde, mit denen sich perfekt ein paar Geschäfte abwickeln lassen.

Die Internationale des rücksichtslosen Terrors

Waffen und Munition, Personal, Bargeld, ziviles und militärisches Equipment, diplomatische Unterstützung: Die Gotteskrieger und Drogenbarone von Afghanistan bekommen alles. Als Dank erweisen sie sich als nützliche und überaus gewinnbringende Verbündete. Trotz mehrerer Terroranschläge gegen die USA weltweit schauen die Geheimdienste geflissentlich weg, als gut ausgebildete Terroristen sich in den Vereinigten Staaten niederlassen, um den 11. September gewissenhaft vorzubereiten. Trotz ihres Versagens bekommen nur wenige Wochen später genau jene Dienste eine bislang ungesehene Machtfülle, die sämtlichen Bürgerrechte im Inland bis heute außer Kraft setzen. Sie nutzen sie, um in Zukunft rücksichtslos und ohne Skrupel alles und jeden zu überwachen. Gleichzeitig machen eng mit der Politik verbandelte Unternehmen wie die Söldneragentur Blackwater Milliardengewinne und George Bush Junior bekommt die Gelegenheit, den dreckigen Irak-Krieg seines Vaters im ganz großen Stil neu aufzulegen. Verlieren tun alle, die im internationalen Machtspiel um geopolitische Interessen auf der falschen Seite stehen – allen voran das afghanische Volk und der Irak. Islamisten hingegen breiten sich im Irak aus, stürzen Syrien und Libyen in blutige Bürgerkriege und gründen schließlich ein eigenes Kalifat, aus dem sie Terror in die ganze Welt tragen. Ihr bester und zuverlässigster Gehilfe beim Aufstieg zur Macht bleiben dabei die USA.

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