Sonntag , 11 Dezember 2016
Startseite » Politik » Europäische Union » Freihandelsabkommen TAFTA – Das Trojanisches Pferd ist längst geliefert

Freihandelsabkommen TAFTA – Das Trojanisches Pferd ist längst geliefert

Frische Luft gibt es schon lange nicht mehr, ebenso wie die Meere mit kleinen Plastikteilchen durchsetzt und vergiftet sind, atmen wir im Glauben nach Leben so viele Gifte durch unsere Lungen in die Körper. Wir trinken verunreinigtes Wasser und essen wahrlich den Tod. Wir leben nicht, wir werden am Leben gelassen.

Die EU, inklusive Deutschland ist weiterhin bemüht über ein Freihandelsabkommen mit den USA, abzustimmen. Der NSA-Skandal mit all seinen einhergehenden Meldungen scheint dabei keine wirkliche Rolle zu spielen, auch wenn es für die Öffentlichkeit mitunter so dargestellt wird und Deutschland trotzig auf die Abhörvorwürfe gegen die Bundeskanzlerin reagiert. Ein Freihandelsabkommen soll eine Partnerschaft zwischen mehreren Staaten besiegeln und Barrierefreiheit bei Einfuhr und Ausfuhr von Waren bedeuten. Ein transatlantischer Pakt, der vor allem der Wirtschaft mehr Aufschwung und Wachstum einbringen soll – Basis solch eines Abkommens setzt ausgerechnet Partnertschaft und Vertrauen voraus. Tatsächlich bedeutet es Profit für die Wirtschaft. Die Besorgnis des Bürgers als Individuum bleibt nicht nur auf der Strecke, sondern wird dort regelrecht einzementiert, inklusive aller Gefahren, die die gesamte Gesellschaft betreffen, das auf vielfache Weise. Eigentlich ist ein Freihandelsabkommen nicht nur eine partnerschaftliche Beziehung, sondern kann auch eine moderne Form der Kriegsführung bedeuten und entspricht dabei der Eroberung ganzer Lebensräume.

Der Länder freier Handel

Ein Freihandelsabkommen ist in seiner Sache und Bedeutung nach nicht neu, es gibt zahlreiche Abkommen, die in Freihandelszonen übergehen, also eine Bündelung mehrerer, meist wirtschaftlich motivierter Vertragsabschlüsse. Die Vertragspartner sichern sich gegenseitig die Aufhebung bestehender Handelsbarrieren zu, wie etwa Zollformalitäten, hauptsächlich Güter, die sich in der Einfuhr oder Ausfuhr befinden – Import-Export also. Gleichzeitig werden auch Einfuhrverbote abgesetzt, ein durchaus mit Emotionen einhergehender Faktor, dazu gleich mehr. Die Vertragspartner ermöglichen sich eine Form von Wettbewerbsvorteil, andere Länder, die nicht Teil dieser Vereinbarungen sind (können oder wollen), haben, gemessen am Wettbewerb das Nachsehen. Die EU und die USA befinden sich aktuell in den Verhandlungen des TAFTA, dem Transatlantischen Freihandelsabkommen. Globalisierungsgegner sehen bei der Errichtung solcher Abkommen grundsätzlich ernst zu nehmende Probleme und beziehen sich dabei auf die weitreichenden Folgen aufseiten der Gewinner und Verlierer solcher Handelsbeziehungen.

By Datastat via Wikimedia Commons
TAFTA Länder By Datastat via Wikimedia Commons

Wie eben kurz erwähnt, gibt es auch noch weitere Gründe, die gegen solch ein Abkommen sprechen. Diese sind nicht nur mit Angst und Skepsis verbunden, sondern beziehen sich auf Beispiele wie dem NAFTA (Nordamerikanisches Freihandelsabkommen), das zwischen den USA, Kanada und Mexiko bereits seit 30 Jahren besteht. Im Jahr 1994 trat dieses Freihandelsabkommen in Kraft. Teil dieser Inhalte war das Abschaffen der Zölle zwischen den Vertragspartnern, ein auf den ersten Blick reizvoller Vertragsabschluss auch für Mexiko, konnte doch die Aufhebung die Wirtschaft des Landes ankurbeln, so weit die Annahme.

Der Handelspakt ist des Starken Waffe und des Schwachen Untergang

Mexiko besitzt als Entwicklungsland kaum Exportressourcen, vorhandene Wirtschaftsgüter beziehen sich vor allem auf Erzeugnisse aus der Landwirtschaft. Mais ist in Mexiko das meistverbreitete Getreide mit einem hohen Stellenwert bei der Bevölkerung. Mais ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern vor allem ein kulturelles Gut. Durch das Freihandelsabkommen werden Produkte der anderen Vertragspartner, den USA und Kanada, subventioniert, also durch Staatsgelder wie Steuern finanziert. Die USA nutzt diese Subventionsmöglichkeit für den Handel mit eigenem (transgenen) Mais und kann diesen in Mexiko dank der Subventionen günstiger anbieten als das Mutterland des Getreides selbst. Das bedeutet, die USA setzen Mexiko durch diesen Handelspakt bereits unter Druck, die Menschen greifen zu den günstigeren Import-Angeboten, anstatt den im eigenen Land angebauten Mais zu nutzen.

Fliegender Wechsel – Drehtüren zwischen Staat und Wirtschaft

Die USA nehmen aber nicht nur durch die Einfuhr von Mais starken Einfluss, ein weiteres sehr großes Problem geht mit der Qualität der Lebensmittel einher. Während in Mexiko der Anbau weitestgehend auf lange Traditionen und natürliche Saattechniken beruht, sind in den USA die Zucht, der Gebrauch und der Konsum von GVO (Gentechnisch veränderte Substanzen) erlaubt. Hierbei spielen Konzerne wie Monsanto eine entscheidende und immer größer werdende Rolle, viele kritische Meinungen, Kundgebungen und Demonstrationen (zB. March against Monsato oder Monsato Protection Act) warnen davor. Dieser Konzern steht stellvertretend für weitere Unternehmen dieser Art, die immer mehr Einfluss in der Wirtschaft gewinnen, teilweise mischen sich auch Ämter aus Staat und Wirtschaft (Revolfing Doors). Das Ausmaß an Korruption und Vetternwirtschaft ist erschreckend alarmierend, dennoch kaum verwunderlich.

Monströse Abartigkeit – Geformt und Geschaffen aus Menschenhand

Monsanto wurde im Jahr 1901 gegründet und produzierte anfangs als aufstrebendes Chemieunternehmen. Erst später wechselte der Konzern sein Wirken in Richtung Agrarwirtschaft. Im Vietnam Krieg stellte der Konzern das berüchtigte Agent Orange her. Weiterhin auch PCB, das in Deutschland seit über 30 Jahren verboten ist. Ausführliche Informationen über die Geschichte und das Wirken von Monsanto liefert der Artikel “Patentierte Welt – Die Macht von Monsanto“. In Bezug auf Lebensmittel und dort vor allem auch bei Saaten und dem Anbau, setzt der Konzern auf genetisch veränderte Substanzen. So werden den Pflanzengenen bestimmte Erbinformationen entfernt oder hinzugefügt. Im Wachstum der veränderten Pflanzen zeigen sich diese gegen bestimmte Insektenvernichtungsmittel resistent. Diese werden ebenfalls von Monsanto vertrieben. Die Kombination aus GVOs und chemischen Substanzen hat sich der Konzern patentieren lassen. Den Umgang mit diesen Patenten nehmen diese Konzerne außerordentlich ernst, Vergehen werden mit Strafanzeigen vor Gericht gebracht. In den USA ist es teilweise schon so weit, dass Mitarbeiter von Monsanto die Farmer überwachen, Konkurrenten aus dem Anbau und der Landwirtschaft schwärzen sich gegenseitig an, finanzieller Ruin ist oftmals die Folge. So dürfen die Farmer zum Beispiel kein Saatgut aus dem Anbaujahr aufbewahren und für ein weiteres Jahr nutzen, es ist vertraglich festgehalten, dass die Bauern, jedes Jahr aufs neue Saatgut von Monsanto einkaufen müssen, Zuwiderhandlungen werden wie gesagt mit Strafen und Anzeigen geahndet.

By Alexis Duclos (Alexis Duclos) via Wikimedia Commons
By Alexis Duclos (Alexis Duclos) via Wikimedia Commons

Eine weitere (legitimierte) Form der Kriegsführung und Eroberung

Diese Konzerne weiten ihre Macht aber noch weiter aus. Natürlich stehen diese Unternehmen an vorderster Front, wenn es darum geht, neue Länder zu erobern. Es ähnelt tatsächlich der Eroberung von Gebieten oder Kontinenten. Um Kriege für sich zu entscheiden, ist der Einsatz von Waffen, oder zumindest dem Einsatz offensichtlicher Vernichtungswaffen nötig. Damit Menschen überleben können, benötigen sie Nahrung.

Die Kontrolle über die Nahrung der Bevölkerung zu halten bedeutet nichts anderes als Herrschaft, die Eroberung der Welt hat hierbei längst begonnen. Macht über Leben durch Nahrung.

Wirtschaftlich schwache Länder wie die in Südamerika wurden dadurch längst besetzt, dass es sich bei dem Getreide um ein wichtiges kulturelles Gut handelt, zeigt, wie erbarmungslos Macht über andere ausgeübt wird. Sind die Ursprungsländer solcher lebensnotwendigen Nahrungsmittel erst einmal erobert, wächst die Macht der Konzerne weiter und weiter. Solche Eroberungsfeldzüge werden unter dem Deckmantel der Freihandelsabkommen durchgeführt.

EU erlaubt SmartStax – Monsanto kommt, das ist sicher

Galt in Europa bislang das Verbot solcher GVOs wurde im November letzten Jahres ein Beschluss gefasst, der weitreichende Folgen haben wird. Während Monsanto zeitgleich verkündete sich komplett vom europäischen Markt abzuwenden, sah sich die europäische Bevölkerung in ihrer Kritik bestätigt und sah dies auch als kleinen Sieg gegen die mächtigen Konzerne. Formuliert man es sprichwörtlich, so drehte sich der Konzern eigentlich nur kurz um, um den Menschen in Europa das Messer von hinten durch den Rücken in die Brust zu rammen. Im November 2013 erklärte die EU-Kommission die Einfuhr von SmartStax, eine gentechnisch veränderte Maissorte, für rechtens. Monate zuvor hatte sich bereits eine Mehrheit der Mitgliedsstaaten in Europa für eine Einfuhr der Monsanto Genpflanze entschieden. Professor Séralini von der Universität Caen in Frankreich bestätigt die Gefahr durch SmartStax und weist eindringlich daraufhin, dass sich darin sechs unterschiedliche Pestizide befinden, die den Menschen, wie auch der Umwelt große gesundheitliche Gefahr bedeuten. Seine eigenen Forschungen widersprechen damit den von Monsanto in Auftrag gegeben und bezahlten Studien. (Quelle: report München ).

Wie soll man etwas fassen dass unsichtbar ist?

Es zeigt sich also, wie die Lobby in Brüssel bereits Vorkehrungen hinsichtlich eines Freihandelsabkommens vorgenommen und den Weg geebnet hat. Das Trojanische Pferd wurde längst geliefert und geöffnet. Wider allen Ängsten der Bevölkerung und wissenschaftlicher Studien, welche die Gefährlichkeit der GVOs ausreichend beweisen, entscheiden sich unserer Regierungen bewusst für den Einmarsch, die Unterwanderung und die Kontrolle der mächtigen Konzerne. Diese manipulierten Saaten werden nicht nur direkt durch die Aussaat in den Handel und in unseren Lebensmittelkreislauf gebracht, die Gefahr ist noch viel größer. Durch die Pollenbefruchtung gelangen solche GVOs auch einfach durch den Luftweg in das Ökosystem. Herkömmliche Pflanzen werden dabei einfach von den manipulierten Pollen befruchtet. Das große Problem, wie sollen die Pflanzen vor Wind und Luft geschützt werden? Ein kleiner Bauer, der sich im Garten Gemüse anbaut, ist also keineswegs davor sicher, auch wirklich ursprüngliches Obst und Gemüse zu verzehren oder anzubieten. Wenn Unternehmen wie Monsanto Patente auf Nutzpflanzen erwirken, wird es über kurz oder lang keine reinen Saaten mehr geben. Und doch, es rührt sich der Widerstand im Mutterland des Mais.

Arm aber nicht ohne Widerstand

Das Beispiel Mexiko zeigt, was auf uns zukommen kann. Dort werden sogar Maisfelder ganz bewusst mit genmanipulierten Maispollen infiltiert und fremd befruchtet, Setzlinge zwischen heimische Pflanzen gepflanzt, das Agrarsystem bewusst unterwandert. Das Problem ist dort so weit fortgeschritten, dass die Regierung inzwischen einen wichtigen Entschluss gefasst hat. Nach 30 Jahren des dortigen Freihandelsabkommens mit den USA wurde nun entschieden, dass der Anbau von genmanipulierten Pflanzen in Mexiko der Firmen: Monsanto, Bayer CropScience und Pioneer, per Gesetz verboten ist. Dieser Entschluss bedeutet zwar nicht die sofortige und völlige Verdrängung der Wirtschaftsriesen aus dem südamerikanischen Raum, aber es zeigt doch den mutigen Widerstand der Menschen. Damit verbunden ist nun auch die Möglichkeit, dass Bauern Strafanzeigen gegen die Verursacher stellen können, nachweisbare Saatverunreinigungen können also rechtlich geahndet werden.

Europa wird erkennen müssen, dass dies der Weg gegen Monsanto ist. Es ist zu bedauern, wenn die Regierungskommission dieses Kontinents vor dem Geschehen die Augen schließt, sich wegdreht und die Staatsvertreter Prämien kassieren oder aus der Wirtschaftslobby Karrieresprünge versprochen bekommen, eigene Revolfing Doors werden instaliert. Der Großteil der Menschen, also die Bevölkerung der EU-Länder wird sicher nicht dahinter stehen.

Quelle Titelbild: By Ross Burgess, via Wikimedia Commons

Check Also

Flüchtlingswelle

Flüchtlingswelle: Die gewollte Invasion

Wir kennen alle die Bilder aus dem Fernsehen, als die Flüchtlingsströme aus Afrika und den …