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Seine Heiligkeit, der Dalai Lama, twittert

dalai_lamaAuch für den 14. Dalai Lama hat das 21. Jahrhundert begonnen. Seine Heiligkeit verfügt seit wenigen Monaten über einen Account bei Twitter und erfreut sich z. Z. knapp 360.000 Verfolger. Vor einigen Tagen stellte er sich Bewohnern Chinas für eine Fragestunde zur Verfügung. Es bedurfte zwar einiger Tricks, die „Great Firewall“ zu umgehen, die Internet-User in China vor „negativen Einflüssen“ zu schützen versucht, doch erlaubten Umwege den Zugang auch ohne Twitter-Account, über das nicht mehr als 100.000 Menschen in China verfügen. Die Fragen, die behandelt wurden, befanden sich im üblichen Rahmen: Es ging vorwiegend um die Zukunft Tibets.

Mittels spezieller Software soll ein direkter Zugang zu Twitter auch in China möglich sein. Es wird behauptet, dass diese, von den Behörden blockierte, Plattform vorwiegend von Regimegegnern genützt wird. Der Chat mit dem Dalai Lama war, dank Datenweitergabe durch Dritte, auch anderen Usern zugänglich. Inwieweit die Botschaften von Lhasa, der Hauptstadt Tibets, aus eingesehen werden konnten, wurde nicht bekannt gegeben.

Der Dalai Lama verwies auf die zwanghaften Maßnahmen der chinesischen Behörden in Tibet und meinte dazu: „Der Stabilität in Tibet wird große Bedeutung zugemessen – ich denke aber, Stabilität basiert auf dem Glauben, der dem eigenen Herzen entspringt.“

12.500 User wählten durch Abstimmung 289 Fragen aus, von denen der Dalai Lama während des 90minütigen Chats allerdings nur wenige beantworten konnte. Deutlich äußerte sich der mittlerweile 74jährige zum Thema seiner Nachfolge:

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„1969 gab ich in eine offizielle Stellungnahme ab, die besagte, dass, falls die Linie der Dalai Lamas in Zukunft fortgeführt werden sollte, die Entscheidung beim tibetischen Volk läge. Eine Stellungnahme aus dem Jahr 1992 betonte, dass, wenn die Zukunft Tibets wirklich eine (eigene)  formelle Verwaltung mit sich bringen sollte, ich alle meine Rechte einer demokratisch gewählten Führung Tibets überlassen werde.“

Nachdem, der tibetischen Tradition entsprechend, es sich beim Dalai Lama jeweils um die Reinkarnation seines Vorgängers handelt, wurde er auch mit der Frage konfrontiert, wie er zu einem möglichen Einfluss der chinesischen Behörden in der Suche nach seinem Nachfolger stünde. Er selbst wurde in einer entlegenen Region Tibets, unweit der chinesischen Grenze, entdeckt. Dabei sollen Visionen zum Haus seiner Familie geführt haben und er selbst, als Zweijähriger, soll Gegenstände des persönlichen Gebrauchs seines Vorgängers wiedererkannt haben. Die Frage wurde im Zusammenhang mit der, von den chinesischen Behörden gesteuerten, Ernennung eines Pantschen Lama gestellt, bei dem es sich um die zweitwichtigste Persönlichkeit in der geistigen Führung Tibets handelt. Eine direkte Antwort umging der Dalai Lama, indem er den erwählten Pantschen Lama als äußerst intelligent und um die buddhistischen Schriften bemüht bezeichnete. Dem fügt er hinzu: „Aber die Leute hegen gewisse Zweifel bezüglich seiner Interpretation der buddhistischen Schriften. Das ist sehr wichtig, und es wird alles von ihm selbst abhängen.“

 

Von diesem Twitter-Chat völlig unabhängig, kritisierte das, seit einem halben Jahrhundert im Exil lebende, Staatsoberhaupt von Tibet, das derzeitige kapitalistische Wirtschaftssystem, dessen einziges Ziel der Profit sei. Seine positive Einstellung zum Marxismus als Alternative bezieht sich dabei, was nach der systematischen Unterdrückung des tibetischen Volkes durch ein marxistisches Regime auch durchaus verständlich ist, nicht auf die politischen, sondern auf die wirtschaftlichen Aspekte. Diesbezüglich verwies er auf die ethischen Grundsätze des Marxismus, deren oberstes Bemühen die gleichmäßige Verteilung von Wohlstand sei.

 

Quellen: Agence France Press via Google, Associated Press via Toronto Sun

Der Dalai Lama auf Twitter

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