Blasphemie wird zum Kriminaldelikt – zurück ins Mittelalter?
Es geht dabei nicht um ein theokratisches Land im Nahen Osten, sondern um eines der Europäischen Union. Irland! Seit dem 1. Januar ist dort ein neues Gesetz in Kraft, das Blasphemie unter Strafe stellt. Auch mit der katholischen Tradition Irlands steht dieses Gesetz in keinem Zusammenhang, denn es bezieht sich auf jede beliebige Religion. Während islamische Gruppen das neue Gesetz durchaus begrüßen, regnet es Proteste von Atheisten. Eine irische Webseite protestiert durch die Veröffentlichung von Zitaten, die genau diesen Strafbestand darstellen. Einer der zitierten Gotteslästerer ist niemand geringerer als Jesus Christus.
Erst kürzlich hörten wir vom versuchten Mordanschlag gegen den Karikaturisten Kurt Westergaard. Der Attentäter gehört einer islamischen Gruppe an, die sich Al-Shabab nennt und im Jahr 2008 ein dreizehnjähriges Mädchen in Somalia, vor rund 1.000 Schaulustigen, zu Tode gesteinigt hatte. Sie wurde der Unzucht für schuldig befunden, nachdem ihr Vater angezeigt hatte, dass sie von drei Soldaten vergewaltigt worden war. Die Strafe gegen Gotteslästerer im modernen Irland fällt zum Glück geringer aus und zwar beträgt die Obergrenze 25.000 Euro. Nachdem es sich jedoch um ein Strafdelikt handelt, sind Hausdurchsuchungen möglich, um festzustellen, ob der Verdächtige über blasphemische Materialen oder Texte verfügt. Wie heißt es doch: Geschichte wiederholt sich.
In Irland beruft man sich darauf, dass es sich schlicht um die Reform eines bestehenden Gesetzes handelt, das in der Verfassung von 1937 verankert sei. Der Unterschied sei lediglich, dass es nicht eindeutig definiert war, unter welchen Voraussetzungen jemand der Gotteslästerung für schuldig befunden werden konnte. Wie die Süddeutsche.de berichtet, wurde seit damals ein einziger Akt von Blasphemie zur Anzeige gebracht. Es handelte sich um eine in der Wochenzeitung Sunday Independent veröffentlichte Karikatur, die drei Politiker zeigte, die vor einem rundlichen Priester die Kommunion verweigerten. Aus Mangel an Definitionen, was unter Gotteslästerung fällt, wurde der Fall zu den Akten gelegt.
Auf der Webseite Blasphemy schreibt Michael Nugent, Autor und Mitbegründer von Atheist Irland, dass dieses Gesetz „dumm und gefährlich“ sei. Er erklärt:
„Es ist dumm, denn mittelalterliche Gesetze haben keinen Platz in einer modernen weltlichen Republik, in der Strafgesetze Menschen, und nicht Ideen, schützen sollten. Und es ist gefährlich, denn es provoziert religiöse Entrüstungen, und auch, weil islamische Staaten, allen voran Pakistan, die irische Formulierung bereits dazu nutzen, Blasphemie-Gesetze auf UN-Ebene voranzutreiben.“
Als aktiven Protest zitiert die Gruppe auf ihrer neuen Webseite 25 Bemerkungen, die den neuen Strafbestand erfüllen würden. Darunter finden sich Zitate von Frank Zappa und Randy Newman, Salman Rushdi, Papst Benedikt XVI und, man staune, auch von Jesus Christus. An erster Stelle wird auf das Matthäus-Evangelium (26:64) verwiesen, in dem Jesus bestätigt, dass er der Sohn Gottes sei und hinzufügt: „Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen.“ Für den damaligen Hohepriester war dies Anlass genug, ihn der Gotteslästerung anzuklagen. Noch deutlicher und sogar antisemitisch wird Jesus in Johannes 8:44, wo er zu den Juden folgendes spricht: „Ihr habt den Teufel zum Vater, und ihr wollt das tun, wonach es euren Vater verlangt. Er war ein Mörder von Anfang an. Und er steht nicht in der Wahrheit; denn es ist keine Wahrheit in ihm. Wenn er lügt, sagt er das, was aus ihm selbst kommt; denn er ist ein Lügner und ist der Vater der Lüge.“
Sicher können wir davon ausgehen, dass sich Proteste gegen dieses neue irische Gesetz nicht gegen Respekt und Moral richten, sondern vor unverständlichen Gerichtsurteilen warnen wollen. Der dänische Karikaturist, Kurt Westergaard, hätte den Strafbestand sicher erfüllt, in dem er unter anderem eine Szene zeichnet, in der einem Selbstmordattentäter in seinem Himmel mitgeteilt wurde, dass es bereits an Jungfrauen mangle.









