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65 Jahre danach: Roswell-Mythos lebt weiter

„Roswell-UFO war nicht von dieser Erde und es gab ET-Leichen“, zitiert die Huffington-Post Chase Brandon, einen Mann, der 35 Jahre für die CIA arbeitete. Auch andere Medien wie Daily Mail erinnern an die ursprünglichen Widersprüche in der Berichterstattung. Im Jahr 1947 wurden in Roswell im US-Bundesstaat New Mexico Teile eines abgestürzten Flugobjektes gefunden. In einer ersten Pressemeldung hieß es, dass es sich um eine „fliegende Scheibe“ gehandelt habe. 24 Stunden später wurden die Berichte auf einen „abgestürzten Wetterballon“ abgeändert, eine Version, an der bis heute festgehalten wird. Und was hat der ehemalige CIA-Agent Chase Brandon an Neuem hinzuzufügen?

roswell daily record july 8

Am 8. Juli 1947 berichtete Roswell Daily Record, eine lokale Tageszeitung: „RAAF (Anm.: Roswell Army Air Field) nimmt auf einer Ranch in der Gegend von Roswell eine ‘fliegende Untertasse’ in Beschlag!“ Mail-Online zitiert aus dem ersten Pressetext, der von der US-Armee weitergegeben wurde: „Die vielen Gerüchte um ‘fliegende Scheiben’ haben sich gestern bewahrheitet, als es einem Nachrichtenoffizier des 509. Bombengeschwaders … gelang, eine dieser Scheiben in Besitz zu nehmen.“

Es dauerte allerdings bloß 24 Stunden und die Meldung wurde widerrufen. Bei dem in Frage stehenden Objekt hätte es sich um einen abgestürzten Wetterballon gehandelt. Erst im Jahr 1970, so schreibt die Los Angeles Times, tauchten erneut Spekulationen auf, dass es sich doch um ein außerirdisches Flugobjekt gehandelt habe. Von der Gefangennahme lebender ETs bis zur Erkundung der hochentwickelten Technologie, die in den folgenden Jahrzehnten auch auf unserem Planeten Anwendung fand, der Phantasie waren plötzlich keinerlei Grenzen mehr gesetzt.

Weiter verweist die LA-Times auf eine 231 Seiten umfassende Studie, die 1997 veröffentlicht wurde. Dieser zufolge handelte es sich bei dem abgestürzten Flugobjekt um keinen wirklichen Wetterballon, sondern um ein sensibles Abhör- oder Überwachungsinstrument, dessen Aufgabe es gewesen sei, Einblick in militärische Aktivitäten der damaligen Sowjetunion zu finden. Unter dem Unterbegriff „Projekt Mogul“ findet sich auch bei Wikipedia eine zusammenfassende Erklärung. Dementsprechend handelte es sich um eine strenggeheime Operation, was wiederum alle Tore für endlose Gerüchte geöffnet hatte.

Ob derartige Studien, von US-Behörden durchgeführt und sanktioniert, nun tatsächlich als endgültiger Bericht der Tatsachen gewertet werden können, sei dahingestellt. Um diese jedoch zu widerlegen, bedarf es entweder unanzweifelbarer Beweise oder zumindest stichhaltiger Argumente. Kann der ehemalige CIA-Mitarbeiter Chase Brandon mit solchen aufwarten?

Die Huffington-Post erzählt seine Geschichte: 25 Jahre lang war Brandon in verdeckte Operationen involviert, bis er schließlich auf Direktionsebene mit Öffentlichkeitsarbeit betraut wurde. In dieser Funktion soll es sich in den 1990er-Jahren ergeben haben, dass ihm der Zutritt zu geheimen Archiven im CIA-Hauptquartier in Langley möglich war. Ein Behälter mit Dokumenten, auf der handgeschrieben „Roswell“ zu lesen war, hatte damals, so berichtet er, seine Aufmerksamkeit geweckt.

Und was genau befand sich in diesem Behälter?

„Einige Texte und einige Fotografien – und das ist alles, was ich jemals zu irgendjemandem über den Inhalt der Schachtel sagen werde“, zitiert ihn Huffington-Post wörtlich.

Wenn ein langjähriger Mitarbeiter des US-Geheimdienstes endlich „auspackt“, dann erweckt dies natürlich Aufmerksamkeit. Allerdings, die Behauptung, er habe Geschriebenes und Bilder gesehen, ohne jedoch verraten zu können, worum es sich dabei genau handelt, birgt nicht wirklich viel Überzeugungskraft ins sich.

Ein Kommentar zu besagtem Artikel bei Mail-Online, der die Glaubwürdigkeit Brandons berechtigt in Frage stellt, verweist auf die zu erwartende Veröffentlichung eines Buches zum Thema. Und siehe da, ein Buch mit Titel „The Cryptos Conundrum“ (Das Verschlüsselungsrätsel), Autor Chase Brandon, erschien im Juni 2012. Ein Science-Fiction-Roman, veröffentlicht von einem Verlag namens „Forge“, der sich überwiegend dieser Art von Literatur widmet.

Zwar besagt der genannte Umstand keineswegs, dass es sich bei Brandons „Entdeckung“ um eine Erfindung handeln muss, doch unterstrichen wird seine Glaubwürdigkeit dadurch gewiss nicht.

Wer nach einer Antwort auf die Frage sucht, was hinter den doch sehr zahlreichen und unerklärten Sichtungen unbekannter Flugobjekte, oft durch Berufspiloten und Militärangehörige bestätigt, wirklich steckt, darf sich also weiterhin seinen Weg selbst suchen. Von überzeugenden Einzelberichten bis zu unzähligen wirren Spinnereien steht in diesem Bereich absolut alles zur Verfügung. A priori alle diesbezüglichen Berichte als Unsinn abzutun, ist gewiss kaum vernünftiger als jeden Abend vor der Haustür auf seine eigene „Entführung“ durch ETs zu warten. Die Distanzen von mehreren Lichtjahren zwischen den einzelnen Sonnensystemen als unüberwindbare Barriere zu betrachten setzt voraus, dass unsere materialistische Vorstellung von Raum und Zeit einer ultimativen Wahrheit entspricht, was von der theoretischen Physik aber ohnehin bereits weitgehend widerlegt ist. Bis auf weiteres bleibt die Frage, was hinter den 5% der unerklärter UFO-Sichtungen steckt, also unbeantwortet – und so wird es vermutlich noch lange bleiben.

Über Konrad Hausener