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The Bond – Wie in unserer Quantenwelt alles mit allem verbunden ist

the bond minicoverManche Bücher sollte man aus einer gewissen Distanz heraus lesen. Dann nämlich, wenn sich hinter einem seriös gewählten Titel doch die eine oder andere allzu persönlich gefärbte Eigeninterpretation des Dargestellten versteckt. Zu solchen Büchern zählt unter Umständen auch „The Bond“ von Lynne McTaggart. Ihres Zeichens Wissenschaftsjournalistin, obwohl man nach ihr unter dieser Definition keine Referenzen als Wissenschaftsjournalistin findet. Google schweigt dezent, findet aber die Autorin, nebst ihrem Mann, in der New Age-Szene angesiedelt. Schließlich zeichnen ihre Bücher für den mittlerweile zum Standard gewordenen Eso-Block-Buster „Bleep what we need to know“ verantwortlich.

Und genau aus dieser Ecke kommt auch das jüngste Buch der Autorin, „The Bond“. Der Untertitel scheint so einiges zu versprechen: „Wie in unserer Quantenwelt alles mit allem verbunden ist“. Gut, wenn man dieser Materie an Literatur aufgeschlossen gegenübersteht, wird man so manche Bestätigung im über 400 Seiten dicken Wälzer finden.

McTaggart versteht es, wissenschaftliche Erkenntnisse – woher diese auch kommen mögen – zu einem Gesamtbild zu verbinden, sodass dieses logisch erscheint. Diese Fähigkeit darf man ihr zugestehen. Auch die zahlreichen Querverweise und Fußnoten auf Wissenschaftler, wissenschaftliche Institutionen und Veröffentlichungen geben dem Buch den Anstrich von Seriosität. Ja, man lässt sich vielleicht sogar von der Unmenge an Zitaten abschrecken, selbst nachzufragen, inwieweit die Ausführungen der Autorin auch dem tatsächlichen Sachverhalt ihrer Quellen entsprechen. Ehrlich gesagt, mir ist es zu mühsam, jede genannte Quelle nachzuforschen. Ich möchte schon vertrauen, dass das stimmt, wovon in „The Bond“ berichtet wird.

Auf Wikipedia findet sich ein interessanter Eintrag zur Autorin selbst: The Field has been characterized by Mark Henderson of The Times as pseudoscience, focusing on her personal understanding of quantum physics as a misconception. Mark Henderson hat das Buch „The Field“ von Lynne McTaggart als auf das persönliche Verständnis von Quantenphysik der Autorin selbst fokussiert beschrieben. Henderson sieht darin eine falsche Auffassung von Quantenphysik. Und genau dieser Beigeschmack der äußerst persönlich gefärbten Interpretation der zweifelsfrei wohl korrekten wissenschaftlichen Arbeiten, welche McTaggart zitiert, wird man während der gesamten Lektüre eben nicht los.

„The Bond“ ist eine Sammlung von Perspektiven diese Welt zu sehen, die sich am Übergang einer völlig neuen Weltsicht befindet. Fakt ist, dass sich die Wissenschaft der westlichen Welt (EU, USA) auf eine aufregende Reise begeben hat – die Quantenphysik hebt die Regelkonvention der klassischen Physik auf. Der Philosoph im Physiker ist heute mehr denn je gefragt, denn so manches – beispielsweise die Diskussion ob Welle oder Teilchen, und ob man wirklich von einem kleinsten Baustein, einem kleinsten Teil bzw. überhaupt von Materie sprechen kann – rückt zunehmend in die Diskussion philosophischer Physik oder in die Welt völlig neuer Aspekte unserer Wirklichkeit. Neue Errungenschaften der Neurowissenschaften und Gentechnik zeigen beispielsweise, dass Darwin vielleicht in manchen Bereichen ausgedient hat – was die Genforschung und das Gesetz der Durchsetzungskraft des Fitteren, Stärkeren beispielsweise anbelangt. Und die Spieltheorie nach John Nash hat, gemeinsam mit der Soziologie, vor Augen geführt, dass der Mensch sehr wohl über ein angeborenes Gerechtigkeitsempfinden verfügt.

the bond coverWir scheinen also nicht so einfach gestrickt zu sein, wie das die klassischen Naturwissenschaften behaupten. Die Welt für sich öffnet sich uns zunehmend als vielfältige Unendlichkeit. Und genau in diesen Ausführungen liegt eine gewisse Faszination an McTaggarts neuem Werk „The Bond“. Dem interessierten Leser sei jedoch geraten, selbst auf Forschungsreise zu gehen und sich mit den gebotenen Informationen der Autorin nicht zufriedenzugeben. Oder sich einfach unvoreingenommen diesem Buch zu öffnen, ganz im Sinn des Anti-Nobelpreises, dessen Träger Deepak Chopra sich wohlwollend diesem Buch gegenüber geäußert hat: Den Inhalt lesen, darüber lachen und dabei doch zum Nachdenken gebracht werden.

Lynne McTaggart: The Bond. Wie in unserer Quantenwelt alles mit allem verbunden ist. Arkana 2011, 442 Seiten, gebunden Hardcover, 19,99 €. ISBN 978-3-442-33864-1

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