Sonntag , 25 September 2016
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Handytarife – Fallen erkennen und effizient vergleichen

Gerade im Telefonie- und Mobilfunk-Sektor haben Tariffallen beinahe schon Tradition. Kein Wunder: Der Kunde ist heutzutage an relativ günstige Preise und umfangreiche Servicepakete gewöhnt, so dass es für den einzelnen Anbieter immer schwieriger wird, aus der Masse der Konkurrenz positiv herauszustechen.

Die Folge ist eine bunte Vielfalt von verschiedensten Tarifen, die allerdings für den Einzelnen kaum noch zu überblicken sind. Viele Mobilfunk-Tarife werben daher mit ihren Stärken, verstecken aber in der Werbung weise eventuelle zusätzliche Kostenpunkte im Kleingedruckten der Anzeige oder gleich im Vertragsdokument. Wir haben typische Kostenfallen für Sie zusammengestellt, um Ihnen bei der Auswahl des für Sie passenden Tarifs zu helfen.

Unbegrenzt online – daheim und unterwegs?

Die mobile Internet-Flatrate ist meist keine echte unbegrenzte Highspeed-Flatrate, wie man sie vom Internetanschluss zuhause etwa von DSL-Festnetzanschlüssen oder Kabelanbietern kennt. Einerseits wird auch hier in vielen Angeboten ein potentiell unbegrenztes Datenvolumen zur Verfügung gestellt. Andererseits halten sich die meisten Betreiber aber die Möglichkeit offen, die Übertragungsrate nach Nutzung eines festen Datenvolumens deutlich abzusenken. Natürlich wird diese Möglichkeit dann auch genutzt. Wer sich etwa eine mobile Datenflatrate mit 500 MB an LTE-Highspeedvolumen zulegt, der wird nach dem entsprechenen Gegenwert in ein paar unterwegs geschauten Youtube-Videos meist recht schnell wieder auf die langsamere Verbindungsgeschwindigkeit gedrosselt. In der Praxis kommt dies natürlich aus der Perspektive des Kunden einer Beschränkung des Datenvolumens gleich, da mit der langsameren Verbindung innerhalb eines Monats auch deutlich weniger Daten übertragen werden können.

Dieser Punkt ist momentan auch – je nach genauem Wortlauf im Angebot – vor Gericht strittig: Erst im Januar 2016 hat das Landgericht Potsdam hier wegen einer Drosselung der mobilen Datenrate gegen E-Plus entschieden. Den Nutzer ärgern in der Praxis vor allem die langsamen Verbindungsgeschwindigkeiten beim Aufbau von komplexen Internetseiten und eingebettete Videos, auf die man in Bahn oder als Beifahrer im Auto meist bis zum sprichwörtlichen Heiligen Abend warten kann. Viele Anbieter bieten zwar die Möglichkeit, bei Bedarf zusätzliches Highspeed-Datenvolumen nachzubuchen, dies verursacht dem Nutzer aber natürlich weitere Kosten. Besonders heikel ist hier die sogenannte Datenautomatik, bei der ohne weitere Nachfrage einfach weiteres Volumen freigeschaltet wird – für den Kunden am Gerät häufig zunächst weitgehend unsichtbar und natürlich gegen den entsprechenden Aufpreis.

Daher unser Tipp: Überlegen Sie sich am besten vor der Buchung des Tarifs, wieviel Highspeed-Volumen Sie benötigen. Machen Sie sich außerdem klar, was genau passiert, wenn Sie dieses Volumen verbraucht haben. Kommt es zu zusätzlichen Kosten? Gibt es vielleicht ein anderes Angebot, das nur auf den ersten Blick höhere Kosten verursacht?

Automatisch nachzahlen: Bequem, aber teuer

Aber auch in anderen Bereichen der verschiedenen Mobilfunktarife geschehen häufig Dinge automatisiert ohne direktes Zutun des Kunden.

Die Konditionen klingen zu gut, um wahr zu sein, so viel besser als andere vergleichbare Angebote? Dann sind Sie es wahrscheinlich auch: Zu gut, um unbegrenzt wahr zu sein.

Häufig sind kostenlose Zusatzleistungen nicht im Rahmen des gesamten Vertragslaufzeit kostenlos, und auch der Tarif selbst kann sich nach einer „Schonfrist“ von wenigen Monaten plötzlich ändern. Ein typischer Trick ist hier, die genannten Konditionen nur für sechs Monate anzubieten, während der Vertrag für 24 Monate läuft. Aus diesem Grund sind zunächst kostenlose Zusatzleistungen, die einige Zeit nach dem Vertragsabschluss selbstständig und ohne weitere Nachfrage kostenpflichtig werden, als besonders heikel anzusehen. Am besten ist es aus unserer Sicht, sich vor dem Vertragsabschluss klarzumachen, wie lange die beworbenen Gebühren und Konditionen gültig sind. Was geschieht nach dem Ablauf dieser Frist?

Auslandstarif fürs Handy
Sind Sie oft im Ausland? Dann achten Sie auf die Roaming-Kosten außerhalb der EU!

Volle Kontrolle mit Prepaid – oder?

Auch bei der Wahl einer Prepaid-Karte sollte man darauf achten, dass diese nicht automatisch vom eigenen Konto wieder aufgefüllt wird, wenn man auf einen solchen Service keinen Wert legt. Viele Nutzer schätzen gerade die Kontrolle über das verbrauchte Guthaben, das mit einer Prepaid-Karte verbunden ist: Sobald das Mobilfunk-Konto leer ist, können bis zu nächsten Aufladung keine Anrufe mehr getätigt, keine SMS mehr geschrieben oder andere kostenpflichtige Dienste genutzt werden. Bei den meisten Anbietern kann man aber auch ohne Guthaben noch eine längere Zeit angerufen werden oder die gebuchte Low-Speed-Flatrate nutzen. Auf diese Weise lässt sich leicht der Überblick über die Mobilfunk-Gebühren bewahren – gerade für die Eltern kommunikationsfreudiger Teenager, aber auch viele andere erwachsene Nutzer ein wahrer Segen. Aus dieser Perspektive sind solche „Prepaid-Karten mit automatischer Aufladung“ in vielen Fällen nicht mehr als ein interessantes Wortspiel. Wer einen Mobilfunkvertrag möchte, der sollte sich auch wissentlich für einen solchen entscheiden.

Tarife für Kunden, nicht umgekehrt

Auch ist umsonst nicht immer günstiger. Werden die 50 monatlichen Inklusiv-SMS tatsächlich benötigt, oder kommt der Nutzer vielleicht für seine typischerweise 2 Textnachrichten im Monat auch ohne das entsprechende Paket aus? Werden die günstigen Roaming-Tarife des Anbieters voraussichtlich tatsächlich genutzt, oder hat der Kunde Deutschland in den letzten zehn Jahren nicht mehr verlassen?

Natürlich sind diese Beispiele nicht unbedingt typisch und überspitzt dargestellt. Sie sollen aber zeigen: Nicht jede Zusatzleistung ist sinnvoll, weil sie gratis ist, und meist ist sie auch nur scheinbar kostenlos. Häufig werden diese Gratis-Pakete an anderer Stelle durch einen saftigen Tarif-Aufschlag erkauft. Insbesondere dann, wenn die Gratisleistungen nicht für das typische Nutzungsverhalten des Smartphone-Nutzers zu gebrauchen sind, sollten diese daher kritisch hinterfragt werden. Oftmals ist ein günstigerer Tarif eines anderen Anbieters, der etwa keine Gratis-SMS enthält, in solchen Fällen die bessere Wahl.

Roaming in und außerhalb Roms

Anders sieht es bei Nutzern aus, die viel geschäftlich oder privat im Ausland unterwegs sind: Hier kann das Roaming, also die Nutzung ausländischer lokaler Handynetze mit der Karte eines Fremdanbieters, unter Umständen immense Kosten verursachen. In Extremfällen können diese bei einer allzu unbesorgten Nutzung des Smartphones im Urlaub oder auf Dienstreise auch schon einmal die finanzielle Existenz gefährden. Dies gilt insbesondere auch bei der mobilen Internetnutzung. Während die maximalen Roaming-Kosten innerhalb der EU wenigstens noch beschränkt sind, kann es außerhalb der EU richtig teuer werden. Deshalb sollte man sich am besten vor dem Vertragsabschluss informieren, welche Netze beim Roaming bei häufig angefahrenen Reisezielen im Ausland voraussichtlich genutzt werden und welche Gebühren dabei zu erwarten sind. Insbesondere können optional buchbare anbieterspezifische Obergrenzen beim Roaming in der EU dabei helfen, hohe Kosten zu vermeiden.

Tarife effizient vergleichen

Erfahrungsgemäß ist die Auswahl eines für die eigenen Ansprüche günstigen Mobilfunktarifs keine leichte Aufgabe. Zuviele Punkte wollen beachtet werden, und die Anbieter bauen immer neue Schlagworte in ihre Anzeigen ein. Glücklicherweise stehen dem Suchenden in der heutigen Zeit aber auch einige technische Helfer zur Seite: Handyvergleichsportale wie Preis24.de stellen relevante Informationen zu verschiedenen Geräten, aber auch zu Mobilfunktarifen übersichtlich zusammen. Besonders attraktiv dürften für den einen oder anderen Nutzer dabei vielleicht die Tarife „ohne Mindestlaufzeit“ sein. Diese lassen sich meist sehr flexibel (z.B. innerhalb eines Monats) kündigen, so dass man hier eventuelle zunächst unerkannte Kostenfallen oder andere Widrigkeiten beim gewählten Tarif nicht lange ertragen muss. Insbesondere ist dies auch dann vorteilhaft, wenn man kurz nach dem abgeschlossenem Auswahlverfahren noch auf einen bis dato unbekannten Anbieter stößt, der besonders attraktive Konditionen liefert – auch nach genauerem Nachforschen.

Fazit: Wer Kostenfallen vermeiden will, der kommt leider bei der Vielzahl der Mobifunktarife um ein wenig Recherche nicht herum. Tarifvergleichsportale können dabei helfen, die richtige Entscheidung zu fällen. In jedem Fall sollten alle Vertragskonditionen, die bei Ereignissen wie dem Verbrauch des Highspeed-Datenvolumens automatisch zusätzliche Kosten verursachen, kritisch hinterfragt werden.

Bildernachweis:
Titelbild – CC0 Public Domain / Pixabay.com
Roaming – CC0 Public Domain / Pixabay.com

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