Dienstag , 6 Dezember 2016
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Doppelte Haushaltsführung

Doppelte Haushaltsführung gleich doppelte Last?

Immer mehr Menschen sind aus beruflichen Gründen gezwungen, zwischen zwei Haushalten zu pendeln. Das hört sich schlimm an, muss es aber nicht sein. Einerseits kann die anerkannte, doppelte Haushaltsführung steuerliche Vergünstigungen mit sich bringen, andererseits ist der Wechsel zwischen zwei verschiedenen Lebenswelten durchaus eine spannende Angelegenheit und Chance, wenn man sie richtig zu nehmen weiß. Der Begriff „Doppelte Haushaltsführung“ ist erst einmal ein bürokratischer, der aus dem Einkommenssteuerrecht hervorgegangen ist.

Entsprechend bürokratisch ist auch die Anerkennung einer solchen Lebenssituation, wenn es um steuerliche Vorteile geht. Wer sich in der Realität mit einer doppelten Haushaltsführung auseinandersetzen muss, hat freilich weit mehr Probleme als rein steuerliche. Es geht bei zwei Wohnsitzen um tief emotionale Dinge wie „Zuhause“, „Geborgenheit“, „Familie“ und „Freunde“. Allein für das seelische Gleichgewicht ist es deshalb wichtig, das Beste aus einer solchen Situation zu machen und den Zweitwohnsitz nicht wie ein Stiefkind zu behandeln.

Kriterien für einen Zweitwohnsitz

Eine doppelte Haushaltsführung wird vom Staat ausschließlich aus beruflichen Gründen anerkannt. Das heißt, wenn ein steuerpflichtiger Arbeitnehmer außerhalb seines Hauptwohnsitzes arbeiten muss und dieser Arbeitsort weit von seinem Hauptwohnort entfernt ist, ist er gezwungen, eine Zweitwohnung zu beziehen. Um diese Zweitwohnung steuerlich geltend zu machen, muss sie gewisse Kriterien erfüllen. Diese gesetzlichen Vorgaben treffen auch für Freiberufler oder Gewerbetreibende zu. Die erste Erfordernis ist, dass der Steuerpflichtige wirklich zwei Wohnungen hat. Dass heißt, auch die zweite Wohnung muss ein kompletter Haushalt sein, der als Lebensmittelpunkt taugt. Schwieriger, aber durchaus möglich, ist der Nachweis einer doppelten Haushaltsführung dann, wenn man sich lediglich ein Zimmer mietet. Wer in der elterlichen Wohnung wohnt, hat auch bei Kostenbeteiligung ein Problem, doppelte Haushaltsführung nachzuweisen. Der Familienstand spielt für die doppelte Haushaltsführung keine Rolle.

Ferienwohnungen oder längere Ferienaufenthalte können nicht als doppelte Haushaltsführung deklariert werden.

Sind die Bedingungen für eine doppelte Haushaltsführung anerkannt, können Werbungskosten beziehungsweise Betriebsausgaben geltend gemacht werden.

Ferienwohnung als doppelte Haushaltsführung
Mieten Sie eine Wohnung und kein Appartement oder Ferienwohnung / Bild: Life_Of_Pix / Pixabay.com/de

Berufliche Gründe für die Zweitwohnung

Von Arbeitnehmern wird heutzutage ein hohes Maß an Mobilität und Flexibilität gefordert. Der Fiskus berücksichtigt das.

Die beruflichen Gründe für eine Zweitwohnung können folgende sein:

  • Versetzung an einen anderen Beschäftigungsort
  • Aufnahme eines Dienst- oder Beschäftigungsverhältnisses fern vom bisherigen Wohnort und seiner Umgebung
  • Arbeitsplatzwechsel

Sollte man aus privaten Gründen seinen Hauptwohnsitz wechseln, gelten dieselben Punkte wie im umgekehrten Fall. Das heißt, wenn man vom Beschäftigungsort wegzieht, man die Beschäftigung aber beibehält und deshalb eine Wohnung anmietet, erfüllt man ebenfalls den Status einer doppelten Haushaltsführung.

Neben den Kosten für die Zweitwohnung werden im Fall der doppelten Haushaltsführung auch Fahrtkosten, Umzugskosten und Verpflegungsmehraufwendungen in den ersten drei Monaten steuerlich berücksichtigt. Auch Telefonkosten für Gespräche mit der Familie können unter Umständen absetzbar sein.

Der Zweitwohnsitz muss angemessen sein

Bis 2013 waren Zweitwohnungen am Beschäftigungsort weitgehend absetzbar. Die Aufwendung durfte lediglich die ortsübliche Miete einer sechzig Quadratmeter großen Wohnung nicht überschreiten. Auch die Ausstattung sollte – vage formuliert – angemessen sein. Seit 2014 gilt für die Absetzung der Zweitwohnung der Höchstbetrag von eintausend Euro im Monat. Darüber hinaus können keine Kosten etwa für Reinigung oder Renovierung der Wohnung oder für Pachtgebühren für einen KFZ-Stellplatz geltend gemacht werden. Der Betrag von tausend Euro ist auch dann absetzbar, wenn es sich bei der Zweitwohnung um Wohnungseigentum handelt. Er ist dann auf Abschreibungen, Schuldzinsen, Zweitwohnungssteuer, Nebenkosten oder Reparaturen anwendbar. Doch bei aller Gesetzeslage sollte man nicht vergessen, dass die Zweitwohnung auch ein Heim sein soll. Immerhin verbringen wir die meisten Tage unseres Lebens mit beruflicher Arbeit. Und diese Tage wollen auch nach Feierabend gestaltet sein.

Die Wohnung als wichtiger Rückzugsort

Die Wohnung, und eben im Fall der doppelten Haushaltsführung die Zweitwohnung, ist unser privater Rückzugsort, an dem wir uns vom Arbeitsalltag erholen und regenerieren. Deshalb sollte man bei der Auswahl und Einrichtung seiner Zweitwohnung nicht rein pragmatisch vorgehen. Man muss sich im Umfeld der Zweitwohnung wohl fühlen, ihr die Chance geben, Heim zu sein. Wenn hier alles nur auf Provisorien und Notlösungen ausgerichtet ist, wird man niemals wirklich in seiner Zweitwohnung ankommen und sich auf Dauer wie der Gast im eigenen Leben fühlen.

Das ist verschwendete Lebenszeit und macht dich auf Dauer auch als Arbeitnehmer nicht attraktiver. Daher gilt: Nimm deine Zweitwohnung ernst, denn sie ist für einen beträchtlichen Teil deines Lebens das einzige Zuhause, das du hast. Lass dir Zeit, eine Wohnung nach deinem Geschmack und in einer dir angenehmen Lage zu finden. Richte sie sorgfältig ein und umgebe dich mit Dingen, die dir am Herzen liegen.

Doppelte Haushaltsführung durch Arbeitsplatz
Schaffen Sie sich ein entsprechendes Ambiente in der Zweitwohnung / Bild: Urheber: astragal / 123RF

Kommunikativ und gesellig auch am Arbeitsort

Mit einer doppelten Haushaltsführung verdoppelt man quasi sein Leben. Ein zweites gesellschaftliches Umfeld kommt hinzu, das nicht nur aus Arbeit besteht. Auch am Arbeitsort hat man Freizeit, in der man liest, Sport treibt, Hobbys nachgeht und andere Menschen trifft. Nur so ist es möglich, ein zufriedenes Leben zu führen. Die Zweitwohnung ist hier deine Basis. Hier gehst du die meisten Tage des Jahres zu Bett und wachst auf. Lerne deinen Zweitwohnsitz richtig kennen und es werden sich dir völlig neue Perspektiven eröffnen. Ein doppelter Wohnsitz kann auch doppelte Lebensqualität bedeuten. Man sollte den beruflich bedingten Zweitwohnsitz nicht von vorn herein mit einem notwendigen Übel gleichsetzen, sondern ihn als Chance begreifen. Nicht allein als berufliche Chance, sondern als Möglichkeit, das eigene Leben zu bereichern und Neues und Spannendes zu entdecken und kennenzulernen.

Titelbild: Urheber: anantachat / 123RF

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