Sonntag , 11 Dezember 2016
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Lebensversicherung beleihen

Die Lebensversicherung beleihen – worauf sollte ich achten?

Wenn ein relativ kurzfristiger finanzieller Engpass besteht, dann kann das Beleihen der Lebensversicherung eine sinnvolle Möglichkeit sein, um an Geld zu gelangen. Gerade in heutigen Zeiten, in denen Banken nicht mehr sehr großzügig mit Darlehen sind, kann die Lebensversicherung im Bedarfsfall bares Geld bedeuten. Das sogenannte Policendarlehen bietet schnell und auf relativ unkomplizierte Weise finanziellen Spielraum. Der Inhaber der Versicherungspolice nimmt ein Darlehen auf und die Kapitallebensversicherung dient der Versicherungsgesellschaft als Sicherheit. Viele Anbieter lassen ihren Versicherungsnehmern bereits ab einem Rückkaufwert von 1.000 Euro die Möglichkeit, die Versicherung zu beleihen.

Vorteil der Beleihung: Sie ist verhältnismäßig günstig

Grundsätzlich kann man beim Beleihen der Versicherung davon ausgehen, dass das sogenannte Policendarlehen deutlich unter dem Zinssatz liegt, der für ein Darlehen aufgebracht werden müsste. Das liegt daran, dass kapitalgebundene Lebensversicherungen – ähnlich den Immobilien – als sehr werthaltige Sicherheit eingestuft werden. Dazu kann der Inhaber der Police in der Regel eine Beleihung bis zu 100 Prozent des aktuellen Rückkaufwertes beleihen.

Ausnahmen bilden die sogenannten fondsgebundenen Policen, denn diese können meist nur bis zu 60 Prozent beliehen werden.

Der Unterschied bei den Beleihungshöhen liegt darin, dass die fondsgebundenen Policen erhebliche Wertschwankungen zu verkraften haben und deshalb eine geringwertigere Sicherheit gegenüber den kapitalgebundenen Lebensversicherung darstellen.

Die Vorteile des Policendarlehens

Bei einem Policendarlehen verzichten die Anbieter üblicherweise auf eine Schufa-Auskunft. Das kann für verschiedene Verbraucher sehr günstig sein. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass das Darlehen praktisch jederzeit gekündigt werden kann, ohne dass eine Vorfälligkeitsentschädigung gezahlt werden muss. Dies ist bei einem klassischen Darlehen anders, denn hier lassen sich die Banken die entgangenen Zinsen für eine vorzeitige Kreditablösung bezahlen. Interessant ist zudem, dass ein Policeninhaber auch eine beitragsfrei gestellte Police bis maximal zum aktuellen Rückkaufwert beleihen kann. In der Regel werden die Zinsen von den Anbietern unabhängig von der Laufzeit des Policendarlehens berechnet.

Tipp: Wer sich das Policendarlehen über die Bank statt über die Versicherung beschafft, kann häufig deutlich günstigere Konditionen als beim Versicherer aushandeln.

Steuern beim Beleihen der Lebensverischerung
Stimmen Sie sich mit Ihrem Steuerberater ab! / Bild: geralt – Pixabay.com/de

Vorsicht: Steuer!

Bedenken sollte man, dass dann, wenn die zu beleihende Lebensversicherung vor dem Jahr 2005 schon abgeschlossen wurde, eine Beleihung mit dem Steuerberater oder mit dem Finanzamt geklärt werden sollte, denn hier können sich steuerliche Auswirkungen durch die Beleihung einer Versicherung ergeben. Im Klartext heißt das, dass die erworbenen Steuervorteile gegebenenfalls durch eine Beleihung verloren gehen können!

Die Zweitmarkspezialisten nicht vergessen!

Beim Beleihen von Versicherungen konzentrieren sich viele Verbraucher lediglich auf die Versicherung und die Banken. Eine weitere Möglichkeit, die Lebensversicherung zu beleihen, liegt darin, einen Zweitmarktspezialisten ins Boot zu holen. Seit Mitte 2006 sind die meisten Zweitmarkspezialisten bemüht, ihr Geschäftsfeld zu erweitern. Das heißt, dass sie nicht mehr nur eine Lebensversicherung kaufen, sondern dass sie auch das Policendarlehen in ihr Programm aufgenommen haben. Die Zweitmarktspezialisten sehen sich als ernstzunehmenden Wettbewerb für die Banken und Versicherungen und sind deshalb bestrebt, dem Kunden sowohl schnell als auch flexibel und günstig zum benötigten Geld zu verhelfen – und damit versuchen sie auch, günstiger als Versicherungen und Banken zu agieren.

Experten bewerten die Konditionen der unabhängigen Vermittler in der Regel auch wirklich als günstiger. Der Kredit mit dem Zweitmarktspezialisten wird über eine Partnerbank abgewickelt. Die Police wird für die Laufzeit der Beleihung der Versicherung als Sicherheit an die Partnerbank abgetreten. Wichtig für einen objektiven Vergleich ist hier der Effektivzins für das Policendarlehen, denn hier sind alle Kosten und Gebühren bereits enthalten. Oftmals sind bei den Zweitmarktspezialisten auch die maximalen Auszahlungen höher als bei Banken oder Versicherungen. Auch hier können natürlich beitragsfrei gestellte Policen beliehen werden. Auch wenn die Zweitmarktspezialisten schon länger mit dem Policendarlehen am Markt sind, läuft hier das Geschäft noch schleppend, weil die meisten Kunden diese dritte Möglichkeit neben dem Darlehen durch die Bank oder die Versicherung nicht berücksichtigen.

Tipp:

Wer dennoch bei von der Versicherung das Darlehen für die Versicherungspolice aufnehmen möchte, kann sich dennoch ein Angebot von einem Zweitmarktspezialisten einholen und damit möglicherweise günstigere Konditionen beim Versicherer verhandeln.

Rückkaufwert bei Lebensversicherung
Beachten Sie den Rückkaufwert / Bild: geralt – Pixabay.com/de

Unterscheidung zwischen dem garantierten und dem vollen Rückkaufwert

Wer das Angebot von der Lebensversicherung bekommt, ein Policendarlehen über den Rückkaufwert zu erhalten, sollte noch einmal genauer nachfragen.

Unterschieden wird hier nämlich der garantierte und der volle Rückkaufwert. Nur der volle Rückkaufwert beinhaltet alle gutgeschriebenen Überschüsse und eventuell auch bereits gutgeschriebene Schlussüberschüsse.

Hier gilt es aufzupassen, denn bei der Beleihung auf den Rückkaufwert, können sich erhebliche Unterschiede durch den garantierten und den vollen Rückkaufwert ergeben. Manche Versicherungen beleihen die Policen sogar nicht einmal auf den garantierten Rückkaufwert. Hier wiederum lohnt es sich dann, den Zweitmarkspezialisten als Option für das Policendarlehen zu berücksichtigen.

Wichtig bei längeren Laufzeiten

Beim Policendarlehen oder der Beleihung einer Versicherung, handelt es sich um einen sogenannten endfälligen Kredit. Das heißt, dass die Tilgung erst am Ende der Laufzeit des Darlehens beginnt. Ist das Ende der Laufzeit des Darlehens gleich mit den Ende der Laufzeit der Police, dann kann eine Ablaufleistung sowie die Tilgung verrechnet werden – eine weitere Liquidität ist dann nicht erforderlich. Innerhalb der Laufzeit zahlt der Policeninhaber also lediglich Zinsen und keine Tilgung, wie es bei herkömmlichen Ratenkrediten der Fall ist.

Tipp: Sinnvoll ist es, für die gesamte Laufzeit der Beleihung Festzinskonditionen zu vereinbaren, damit ein Schutz vor möglichen Zinserhöhungen gegeben ist.

Optimal ist das Policendarlehen, das:

  • eine Beleihung bis zum vollen Rückkaufwert ermöglicht
  • günstige Festzinskonditionen für die vorgesehene Laufzeit bietet
  • jederzeitige Tilgungsmöglichkeiten ohne Vorfälligkeitsentschädigung einräumt

Titelbild: Urheber: marigranula / 123RF

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