Türkei fordert Bestrafung Israels
Das israelische Außenministerium veröffentlichte ein Foto, dass die Waffen zeigte, mit denen die israelischen Soldaten angegriffen wurden. Küchenmesser, Holzstöcke und Werkzeuge. Ein, ebenfalls von Israel veröffentlichtes, Video zeigt, dass die Soldaten beim Versuch, das türkische Schiff Mavi Marmara zu entern, auch wirklich angegriffen wurden. Avi Trengo erklärt in der israelischen Zeitung Ynet die Fehler von Verteidigungsminister Ehud Barak, und wie die Todesopfer hätten vermieden werden können. Befürchtungen tauchen auf, dass die Türkei eine neue Hilfsflotte senden könnte. Doch dieses Mal unter dem Schutz der türkischen Kriegsmarine!
Eine Gruppe spricht von Friedensaktivisten, die andere von Terror-Unterstützung. Dass die, aus sechs Schiffen bestehende, Flotte keine Waffen an Bord hatte, davon können wir ausgehen. Es wäre absurd, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich zu ziehen, um Waffen in den Gaza-Streifen zu schmuggeln. Mit Sicherheit wurden die Schiffe zuvor gründlich überprüft, um zu vermeiden, dass später, nach der Beschlagnahmung durch israelische Kriegsstreitkräfte, zweifelhafte Objekte an Bord gebracht werden könnten.
Wie das folgende Video zeigt, wurden die israelischen Soldaten, die sich von Kampfhubschraubern auf das Schiff abseilten, tatsächlich angegriffen:
Gelten die offiziellen israelischen Behauptungen, dass sich die Soldaten verteidigen mussten, somit als gerechtfertigt? Bei der Marvi Marmara, ebenso wie bei den anderen fünf, handelte es sich um ein unbewaffnetes ziviles Schiff in internationalen Gewässern. Internationalem Seerecht entsprechend, sollte man eigentlich davon ausgehen können, dass es die Besatzung der Marvi Marmara war, die sich verteidigte.
Avi Trengo von Ynet hält Verteidigungsminister Ehud Barak für das Blutbad verantwortlich. In seinem Artikel erklärt er, dass es sich beim „Anhalten der Flotte unter Gewaltanwendung ohne Gewaltanwendung“ um eine Unmöglichkeit handelte. Er beschreibt, wie die Kriegsmarine in solchen Fällen ansonsten vorgehen würde. Kriegsschiffe würden sich nähern und durch Lautsprecher zum Umkehren oder Anhalten auffordern. Warnschüsse würden folgen. Und danach, gezielte Schüsse auf die Propeller und das Ruder, mit der Absicht, die Schiffe manövrierungsunfähig zu machen, nicht jedoch, zu versenken.
Trengos Meinung entsprechend, wollte Ehud Barak jedoch vermeiden, dass derartige Bilder um die Welt gehen. Bilder der israelischen Kriegsmarine, beim Beschuss ziviler Schiffe.
Die Hoffnung, dass bewaffnete Soldaten die Schiffe ohne jeglichen Widerstand einnehmen würden, ist nicht aufgegangen. Zumindest neun Menschen sind gestorben. War es ihre eigene Schuld oder handelten sie verantwortungsbewusst, so wie der Bewohner eines Hauses, der sich mit aller Kraft gegen illegale Eindringliche zur Wehr setzt?
Der türkische Außenminister Recep Tayyip Erdoğan brach seinen Chilebesuch umgehend ab und fordert eine Bestrafung Israels. „Trockene Verurteilungsäußerungen“ seien nicht genug, zitiert ihn die Times-Online. Die Türkei fordere „Resultate“.
Verschiedene Spekulationen verweisen auf die Möglichkeit, dass die Türkei eine neue Hilfsflotte unter militärischen Schutz absenden könnte. Ein neuer Angriff durch Israel wäre gleichzeitig eine Kriegserklärung gegen einen NATO-Staat. Manchen Meinungen zufolge, ließe sich bereits der Vorfall vom Montag nicht minder schwerwiegend einstufen.
Auch der Autor des zitierten Artikels bei Ynet zieht diese Möglichkeit ins Kalkül. Er schreibt: „Was genau wird Barak tun, wenn die nächste Mission nach Gaza von der türkischen Kriegsmarine begleitet werden wird? Wird Barak einen Krieg gegen die Türkei anzetteln? Die Antwort wissen wir bereits!“
Die gegebene Situation wäre überhaupt nicht entstanden, wäre die israelische Führung dem internationalen Ruf gefolgt, die Blockade gegen die, im Gaza-Streifen wohnenden, Menschen aufzuheben. Die UNO-Resolution 1860 vom 8. Januar 2009 forderte u. a. „einen unverzüglichen, dauerhaften und vollständig eingehaltenen Waffenstillstand, der zum völligen Rückzug der israelischen Streitkräfte aus Gaza führt.“ Von 15 Stimmten entschieden sich 14 für die Resolution, bei einer Enthaltung. Welches Land hat dieser Resolution nicht zugestimmt (wenn auch nicht dagegen)? Die Vereinigten Staaten von Amerika – NATO-Bündnispartner der Türkei.





