Fluch der Effizienz II
Wenn der Widerwille nicht so groß ist und man miteinander kann, spricht man auch mal mit dem Nachbarn. Über Gott und die Welt und einiges mehr. Auch über Probleme, die man so hatte und was draus geworden ist. So geht’s mir auch. Nur hab ich eben einen besonderen Nachbarn. Beruflich hoch angebunden in verantwortlichem Posten und Lenker von Schicksalsgemeinschaften, aber auch noch nicht Regierungsmitglied. Kann ja noch werden.
Jedenfalls, immer wenn ich mal stolz von einer bewältigten Notlage berichten will, schaut der gehetzt auf die Uhr, klopft mir ermunternd auf die Schulter und meint, da läge ich richtig und hätte mir doch nicht die Mühe machen sollen. Die Problemlösungsformel lautet xyz.
Da war ich wieder mal baff.
Ich bin mir absolut sicher, dass der Mann keine Ahnung vom Problem hatte oder einen Dunst davon, wo mir der Schuh drückte, aber die richtige Formel hatte er sofort parat. Das Problem hatte ich ihm wegen der knappen Zeit ja nicht mal benennen können, aber die Formel wäre aufgegangen, hab ich mal nachgerechnet.
Da sieht man den Unterschied, ich hatte ein Problem im Kopf und der Kerl die Lösung im Ärmel. Gut, wenn man miteinander redet. Aber man sieht auch einen zweiten Unterschied: Während ich meine Zeit mit einiger Lust und Freude um eine Problemlösung ringe, lernt er wahrscheinlich vorsorglich Formeln und Tabellenwerke auswendig. Man kann nie wissen, was kommt.
Jetzt weiss ich zumindest zwei Dinge ganz sicher:
1. Warum mein Nachbar immer mit so ernst verkniffenen Gesicht rumrennt.
2. Warum so viel schief geht in der Welt.
Ich mag einfach meine Probleme mehr als seine Lösungen!
Franz Wanner - http://blog.corporatebookstore.de




